GEW fordert Anreize für Studierende - Weniger Lehramtsabsolventen an Berliner Hochschulen als geplant

Mi 16.02.22 | 16:56 Uhr
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Symbolbild: Die Schülerin Tasneen Al Sahli (l) und die Lehrerin Nicha Wahlstab stehen am 22.07.2021 an der Tafel in einer Ferienschule im Oberstufenzentrum (OSZ) Bekleidung und Mode in der Kochstraße. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: Inforadio | 16.02.2022 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Der Lehrermangel in Berlin droht sich zu verschärfen: Das angestrebte Ziel von jährlich 2.000 Absolventen im Lehramtsstudium werde wieder deutlich verfehlt, warnt die Gewerkschaft GEW. Schuld seien schlechte Studienbedingungen.

Die Zahl der Lehramtsabsolventen an den Berliner Hochschulen ist geringer als geplant. Das geht aus der Antwort der Wissenschaftsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor. Somit werde das in den Hochschulverträgen verabredete Ziel von 2.000 Masterabschlüssen jährlich verfehlt, kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Mittwoch.

Rund 900 Lehramtsabsolventinnen und -absolventen zählten die Hochschulen nach vorläufigen Zahlen im vergangenen Jahr. 910 waren es im Jahr 2018, rund 670 im Jahr davor. "Angesichts des drastischen Lehrkräftemangels kann es sich Berlin nicht länger leisten, die Lehrkräftebildung so zu vernachlässigen, wie es die jüngsten Zahlen erneut bestätigen", erklärte die GEW-Landesvorsitzende Martina Regulin.

GEW: Viele machen nach Bachelorabschluss nicht weiter

Aus Sicht der GEW beginnen die Probleme im Bachelorstudium, viele Studierende setzten ihr Studium danach nicht fort. "Wir werden unseren Lehrkräftebedarf nur decken können, wenn wir die Studienbedingungen im Lehramt verbessern, die Studierenden gezielt unterstützen und Anreize für ein erfolgreiches Absolvieren des Lehramtsstudiums schaffen", sagte Regulin.

Vor allem im Bachelorstudium müssten die Studierenden stärker unterstützt und beraten werden, "damit sich mehr Studierende für den Lehramtsmaster entscheiden." Die Gewerkschaft fordert daher ein Stipendienprogramm für Lehramtsstudierende im Masterstudium.

Auch Linke kritisiert Ausbildungsbedingungen

Auch die Berliner Linksfraktion im Abgeordnetenhaus sieht die Gefahr, dass sich der Lehrkräftemangel noch verschärft. "Wir brauchen jede einzelne Lehrkraft an den Berliner Schulen, denn der Lehrkräftemangel ist nach wie vor eklatant hoch", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Franziska Brychcy. "Hier sind die Berliner Hochschulen in der Pflicht: Sie müssen die Studierenden erfolgreich zum Abschluss begleiten, auch und gerade in der Pandemie."

Die Zahl der Absolventen von Lehramtsstudiengängen für weiterführende Schulen ist nach den offiziellen Daten in den beiden Corona-Jahren zurückgegangen. So machten im vergangenen Jahr 599 Studierende ihren Masterabschluss im Studiengang für das Lehramt an Integrierten Sekundarschulen und Gymnasien. 2020 waren es 555, 2019 noch 655 und im Jahr davor 705, wie die Linksfraktion am Mittwoch mitteilte.

Beim Lehramt für berufliche Schulen sank die Zahl der Abschlüsse im gleichen Zeitraum von 65 auf 44. Bei den Grundschulen dagegen stieg sie von 140 auf 255.

Sendung: Inforadio, 16.02.2022, 14:40 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Das ist absoluter Unsinn, den Sie da erzählen. Die pädagogischen und (fach-) didaktischen Grundlagen müssen bereits VOR dem Vorbereitungsdienst zusätzlich zu den fachwissenschaftlichen erfolgen, da im Vorbereitungszeit weder die Zeit noch die Kapazität ist, um dort "from scratch" mit didaktischen Inhalten zu Lernprozessen, Sprachbildung, Inklusion, Unterrichtsplanung, Unterrichtsmethoden, Diagnostik usw. zu beginnen, während man parallel bereits mehrere Wochenstunden unterrichtet.

  2. 9.

    Wie man solch einen Kommentar schreiben kann, wenn man #2 "Joe Appleby" und #4 "Lotte" vor sich hat bleibt wohl Ihr Geheimnis? Und die Benotung der Schüler, wie sie zustande kommt und warum die für Vergleiche so wichtig ist, ist hier nicht das Thema. Wenn auch ein wichtiges, wenn man sieht, wie die Guten hier, in Bln./Brb., benachteiligt sind, durch ständige "Niveauabsenkung" durch statistische Vorgaben der Bildungsverwaltungen u.a. Der Kodex der Lehrer ist ein anderer...und die Mitarbeit der Eltern so gefordert, dass man an einem Strang zieht... und auch zu Hause so darüber spricht...Sie wissen nicht was gemeint ist: "Ehm Welk - Die Heiden von Kummerow" ist schön zu lesen...

  3. 8.

    Ich habe Englisch studiert, da wird bei Studienbeginn vorausgesetzt, dass man die Englische Sprache beherrscht, für Studenten mit Defiziten gibt es entsprechende Kurse, aber der Großteil des Studiums sind Inhalte, die wichtig sind für eine akademische Laufbahn, mit denen man an der Schule aber nichts anfangen kann. Vielleicht ein bisschen im Leistungskurs, wenn man ein Shakespeare-Drama gemeinsam liest und bespricht.
    Man müsste die akademischen Inhalte radikal kürzen und dafür mehr Pädagogik unterrichten. Meiner Meinung nach wäre ein LEhramtsstudium an einer Fachhochschule auch besser aufgehoben als an einer Universität.

  4. 7.

    Wenn Eltern mal wieder ihrem Erziehungauftrag nachkommen würden, könnten Lehrer auch mal wieder unterrichten. Das würde den Beruf wieder attraktiver machen.

  5. 6.

    Ich denke ähnlich wie Kommentar Nr. 2, dass es auch etwas mit mangelndem Ansehen und schlechten Arbeitsbedingungen zu tun hat. Aber Deutschland hat ja so viele Rohstoffe, wer braucht schon Bildung...

  6. 5.

    Bei so manchem Lehrer fragt man sich aber auch, wie er überhaupt den Abschluss schaffen konnte.

    Gerade Mathe trennt die Spreu vom Weizen. Da gibt es Lehrer die auf Fragen an das Lösungsbuch verweisen und nur ablesen, die mit dem Fachwissen die aber leider den Stoff nicht vermitteln können und dann die Lehrer die Mathe mit Begeisterung auch abseits der Formeln einfach erklären und sich in Schüler versetzen können denen Mathe nicht leicht fällt. Es gibt Lehrer die glauben sie müssten nicht mehr lehren, sondern nur noch Stoff abfragen, anders lassen sich Standardsprüche bei schlechten Noten, wie der schlechteste Jahrgang überhaupt nicht erklären.

  7. 4.

    Leider reicht im Moment ein Bachelor in 6 Semstern eben nicht, um die fachliche Basis zu legen. Das erlebe ich seit zwei Jahren an meinem Gymnasium. Hier werden wegen des akuten Personalmangels mittlerweile Bachelorstudenten als PKB Kräfte an Kinder gelassen, die noch nicht einmal wissen, wie man methodische Reihen zu bestimmten Lehrplanschwerpunkten baut. Die haben zwar viel gelesen, aber nix verstanden, geschweige denn verinnerlicht, erfahren, ausprobiert, gelernt.
    Die akademische Verkopfung und die praxisfernen Profs nebst ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern sind kaum geeignet, das Handwerkszeug für lebensnahe Bildungsprozesse zu vermitteln. Es braucht dazu nicht Universitäten, sondern profilierte Hochschulen, Pädagogische Hochschulen mit erfahrenen Lehrern aus der Schulpraxis, die für die Schulpraxis ausbilden.

  8. 3.

    Unverständlich ist, dass für den Lehramtsberuf ein Master erforderlich ist. Die fachwissenschaftlichen Anteile sind problemlos in einem Bachelor-Studiengang unterzubringen. Die pädagogischen Anteile können im Vorbereitungsdienst erworben werden. Im übrigen kommt es weit mehr als in vielen anderen Berufen auf eine geeignete Persönlichkeit und überzeugendes Auftreten an.

  9. 2.

    Ich glaube ja nicht, dass es an den Studienbedingungen liegt, sondern am schlechten Ansehen und der nicht ausreichenden Attraktivität des Berufs.

  10. 1.

    Auf die morgen abnehmende Schülerzahl wurde schon reagiert.

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