Länderübergreifende Strategie gefordert - Berliner und Brandenburger Wasserversorger warnen vor Knappheit

Do 10.02.22 | 09:05 Uhr | Von Oliver Soos
  102
Symbolbild: Wasser - Ein Brunnen
Audio: Inforadio | 09.02.2022 | Philip Barnstof | Bild: imago stock&people

Die Versorgung mit Wasser könnte in Zukunft eine der größten Herausforderungen in der Region werden - davor warnten am Mittwoch Wasserversorger im Umweltausschuss des Brandenburger Landtags. Sie werfen der Politik Untätigkeit vor. Von Oliver Soos

Die Prognose, die Joachim Jost von den Berliner Wasserbetrieben im Umweltausschuss des Brandenburger Landtags vorträgt, klingt düster: Wegen des Bevölkerungswachstums steigt der Trinkwasser-Bedarf in der Region Berlin-Brandenburg bis zum Jahr 2050 voraussichtlich um 50 Millionen Kubikmeter – "so als würde jedes Jahr eine neue Tesla-Ausbaustufe ans Netz gehen", sagt Jost. Wegen des Klimawandels soll im selben Zeitraum die Grundwasser-Neubildung um 20 Prozent zurückgehen.

Wasserstrategie 2050 gefordert

Die Politik würde dieses Problem noch nicht ernsthaft angehen, so der Vorwurf der Wasserversorger. "Wassernutzungskonzepte gibt es entweder noch nicht oder sie sind noch nicht umgesetzt. Wir brauchen eine Wasserstrategie 2050 - sonst kommt es zu Nutzungskonflikten", sagt Joachim Jost. Die Konflikte entstehen beispielsweise zwischen Privathaushalten und der Industrie.

Die Wasserversorger fordern eine länderübergreifende Strategie für Berlin und Brandenburg und wollen dabei von den Landesregierungen miteinbezogen werden. Jost spricht von einer gemeinsamen Jahrhundertaufgabe. "Alle Wasserentnahmen müssen bilanziert, austariert und verhandelt werden. Vorhandene Ressourcen müssen anders bewirtschaftet und weitere Flächen für die Wassergewinnung gesichert werden", sagt Jost.

Zur Strategie gehören demnach auch Konzepte, wie das Regenwasser in Massen aufgefangen und genutzt werden kann und der Aufbau von Laub- und Mischwäldern, die das Wasser deutlich besser speichern könnten als die Brandenburger Kiefernwälder.

Deckungslücke durch Tesla noch nicht geschlossen

André Bähler, der Vorsteher des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE) erzählt, dass es in seinem Zuständigkeitsgebiet schon seit 2018 große Probleme gibt. Sein Wasserverband ist unter anderem für die Versorgung von Tesla zuständig. Hier gäbe es immer noch eine Deckungslücke, die nicht geschlossen sei.

Demnach sei die so genannte "verwertbare Erlaubnismenge", die der Wasserverband insgesamt pro Jahr anbieten kann, bereits auf 14,9 Millionen Kubikmeter gestiegen. Der Bedarf im Verbandsgebiet liege aber bei 18,2 Millionen Kubikmetern Wasser. Diese Lücke zu schließen ist, nach Bählers Ansicht, nicht nur Aufgabe des zuständigen Wasserverbands. Auch die Landkreise Oder-Spree, Märkisch-Oderland und die Landesregierung seien in der Pflicht, so Bähler.

"Wir befinden uns im Blindflug"

Der Vorsteher des WSE geht außerdem davon aus, dass für Tesla mittelfristig ein neues Klärwerk gebaut werden muss, im Grünheider Ortsteil Freienbrink. "Hier vermissen wir bei den Genehmigungen die viel gerühmte Tesla-Geschwindigkeit", sagt Bähler.

Er kritisiert außerdem, dass es in ganz Brandenburg keinen Überblick gebe, wie sich Industrieansiedlungen und der Wasserbedarf in den kommenden Jahren entwickeln. "Was das angeht, befinden wir uns im Blindflug", sagt Bähler.

Mangelnde Wasserversorgung kann Investoren von Brandenburg fernhalten

Am Mittwoch richtete sich der Wasserverbandsvorsteher mit mahnenden Worten an die Landtagsabgeordneten im Brandenburger Umweltausschuss: "Bei der Wasserversorgung funktioniert vieles noch nicht. Wenn sich das nicht ändert, werden in Zukunft die Voraussetzungen fehlen, dass Investoren ruhigen Herzens nach Brandenburg kommen können." Das Thema "Wasser und Abwasser" könne zu einem limitierenden Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung Brandenburgs werden.

ARD-Thementag #unserWasser:

Dokumentationen, Reportagen, Interviews und weitere Aktionen zum Thema #unserWasser finden Sie auf der Sammelseite der ARD.

Die Kommentarfunktion wurde am 11.02.2022 um 11:45 Uhr geschlossen. Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

Beitrag von Oliver Soos

102 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 102.

    Laut dpa-Meldung, sprach er sich auch für den Bau von Fernwasserleitungen aus, wie das auch in anderen Metropolregionen Europa üblich sei. Er erneuerte demnach vor dem Umweltausschuß auch seine Warnung, dass wegen der laufenden Klage gegen die erhöhten Fördermengen in Eggersdorf die Versorgung nicht nur von Tesla, sondern auch anderer Nutzer gefährdet sei.

  2. 101.

    Was ist das? Zwei der Kommentarschreiber scheinen so viel Zeit zu haben um Tag und Nacht über den angeblich hohen wasserverbrauch der Brandenburger herzuziehen um vom eigentlichen Problem abzulenken. Und hier ist eben Fakt, dass Wasser immer ein allgemeingut bleiben sollte. Egal welche Ansiedlung angeblich wirtschaftlichen Aufschwung bringt. Die ver und Entsorgung sollte vorher geprüft worden sein. Notwendige Maßnahmen zur Ansiedlung längerfristig vorbereitet... Hier hat für mich die Politik versagt. Umwelt und Ressourcen Schutz unterliegen dem wirtschaftlichen Profit Einzelner. Fragen sie doch mal Herrn EM ob er wirklich ständig durch die Gegend fliegen muss? Auch ein Eingriff in die Freiheit des anderen?

  3. 100.

    Nochmal, nicht ich, sondern der WSE stellt die Mehrmalsbefüllung als Falschmeldung auf...absichtlich?

  4. 99.

    Aha, dann kann man ja die Preise in wasserreichen Monaten, wie März/April, senken...für die Poolbefüllung sogar Mengenrabatt einführen...schließlich kauft man ja größere Mengen ab.

  5. 98.

    Nach der Wende hat sich allerdings auch der Wasserbedarf Berlins halbiert, weshalb auch z.B. das WW Jungfernheide geschlossen wurde und die BWB aktive Grundwasserhaltung im Auftrag von Siemens betreiben. Wie auch im Blumenviertel wird dieses geförderte Wasser verworfen.

  6. 97.

    "Länderübergreifende Strategie gefordert - Berliner und Brandenburger Wasserversorger warnen vor Knappheit" lautet die Überschrift dieses Artikels. Es geht eben nicht nur um die lokalen Äpfel oder Birnen, sondern um das gesamte Obstangebot in B/Bbg. Andere Bundesländer haben sich schon lange von der lokalen Wasserversorgung verabschiedet und betreiben teils auch Grundwasseranreicherung. Zudem betreiben Firmen wie der PCK auch eigene Brunnen.

    Bzgl. der Zahlen des WSE habe ich schon lange den Verdacht, dass er politischen Druck ausüben möchte, um auf Kosten der Steuerzahler seinen Brunnen bei selbst für Brandenburger Verhältnisse sehr billigem Wasser zu sanieren.

  7. 96.

    Ebenfalls am Dienstag sagte der Chef der Berliner Wasserbetriebe, dass alle Berliner Klärwerke eine 4 Stufe (Ozonierung) bekommen. Ja ok damit bekommt man wirklich sehr viele organische Reststoffe aus dem Wasser.

    Wenn die Qualität für Rieselfelder dann stimmt OK, dann lass ich mich eines besseren überzeugen. Ich kenne aber eben auch die Situation von früher, wo der Boden dann über die Jahre verseucht wird.

  8. 95.

    Sie sollten sich schon für eine Definition des Pools entscheiden und die nicht bei Bedarf ändern. Auch der RBB zeigte die in G-Maps gut sichtbaren Aufstellpools, die nach Ihrer älteren Aussage mehrfach im Jahr neu befüllt werden.

    Wasser kostet um Bundesschnitt rd. 2 €/m³, bei der WSE knapp über einem. Hier rächt sich die Kirchtumpolitik der Lokalpolitiker. Kein Wunder, dass da zu wenig Geld für Investitionen in die Zukunft übrig bleibt.

  9. 94.

    Am Dienstag im Ausschuss sprach Herr Bähler von "absurd hohen Werten der Bevölkerung".

    eigentlich hatte ich das schon gepostet, aber es kam wohl nicht durch die Moderation....

    Könnten Sie einen Link liefern zu den Verbräuchen 20XX?
    Würde aber die massenweise Verschwendung von Trinkwasser zur Gartenbewässerung sogar noch stützen. Kann man also positiv oder negativ sehen.

  10. 93.

    Das Problem ist das fehlende Saat- und Pflanzgut! Beim Waldumbau setzt man heute nicht auf eine Laubholzart, sondern pflanzt mehere Strauch- und Baumarten um eine Risikostreuung zu erreichen. In den letzten Jahren hat die Eiche fast garnicht fruktifiziert, also ist kein Saatgut vorhanden. Schnellwachsende Laubholzanpflanzungen sind häufig auch Plantagen, Agroforstsysteme. Den Waldumbau betreibt man unter alten Kiefernbeständen. Die Bestände werden aufgelichtet und unter Schutz der verbleibenden Kiefern wird Laubholz gepflanzt. Somit verringert man die Spätfrostgefährdung der jungen Pflanzenn. Die A-E- Maßnahmen von Tesla erfolgen auf Ackerflächen. Hat mit Waldumbau nicht soviel zu tun.

  11. 92.

    Im Kapitalismus wird alles knapp. Ich erinnere mich, zur Wende wurden unsere Brunnen im Norden der DDR Hauptstadt abgebaut, weil das Westwasser reichte.

  12. 91.

    Danke für Ihre Informationen in den Kommentaren. Und ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass gerade bei der Reinigung des Abwassers die Kosten immer mehr in die Höhe gehen. Die Frage ist, wie viel ist uns die Ressource Wasser wert. Ich von meiner Seite befürworte die Reaktivierung von Rieselfeldern zur Grundwasserneubildung, andere den Waldumbau und das Rückhalten von Niederschlagswasser. Beides sollte nicht als Konkurrenz zu einander, sondern als gemeinsame Lösungen angesehen werden. Umsonst ist beides nicht zu haben, weder das Ausreinigen des Abwassers zur Versickerung noch der Waldumbau. Für die vorherrschende Monokultur von Kiefern in BB waren andere Generationen zuständig. Für den erfolgreichen Waldumbau ist unsere und weitere Generationen zuständig.
    Also noch einmal Danke für die Info und alles Gute.

  13. 90.

    Die Pools, die Sie in G.Maps sehen, werden einmal pro Saison befüllt. (Bitte kommen Sie nicht mit der Verdunstung)
    Die Mehrmals- Befüllung behaupten Ihre WSE Beispielsendungen und „schmeißen“ aus taktischen Gründen alles „in einen Topf“. Will man was verbieten, was keinen Sinn macht? Ja, es wird teuer werden durch den WSE und den „Brandenburger Weg“. Sehr teuer sogar. So teuer, dass die erpresserische Gutsherrenart mit angedachter Abschaffung der Gartenzähler dazu führen kann, den Verband sogar in einen anderen aufgehen zu lassen. Und da ist es wieder, das Vogelsche Niedrigwasserkonzept ...

  14. 89.

    Nein beim Niederschlagsdefizit im Winter muss ich widersprechen.

    Das wird auch nicht entsprechend erwartet. Die Niederschläge im Winter sind stabil, erhöhen sich sogar noch.

    Im Winter 2019/2020 zb fiel trotz der Dürre im Sommer davor und danach sehr viel mehr als sonst.

    Um die Winter müssen Sie sich keine Sorgen machen.

  15. 88.

    Rauhe Sitten werden einziehen. Havelländer dürfen nur mit Havelländischen Strom fahren und als Verbrennerfahrer nur mit regional erzeugten Sprit fahren.

  16. 87.

    Ehrlicherweise sollten Sie aber auch den Hintergrund der Zahl nennen. Die genannten 175 l/Tag galten für das Dürrejahr 2018, verglichen mit den langfristigen Mittelwerten MOL, BRB, Deutschland. Warum der WSE das so macht?
    Der vergleichbare Wert für den WSE findet sich an anderer Stelle mit 139l/Tag und EW. Immer noch vergleichsweise hoch aber nicht so wie Sie es hier verwenden.

  17. 86.

    Sie vergleichen aber schon Äpfel mit Birnen. Der musste jetzt sein.
    Die Industrieunternehmen in Schwedt und Eisenhüttenstadt stehen bzgl. Wasser nicht in direkter Konkurrenz zum Trinkwasserdargebot der lokalen Wasserversorger und auch nicht dem lokalen Grundwasserdargebot.
    Alle genannten entnehmen Oberflächenwasser für die Produktion und leiten es gereinigt wieder in Oder bzw. Spree ein. Alles in eigener Regie und Verantwortung gegenüber den Behörden.
    Verdunstung insb. bei der LEAG ist natürlich ein Problem. Dazu noch die Eisen und Sulfatproblematik der Grundwasserhaltung. Aber die quantitative Konkurrenz zum regionalen Trinkwasser ist überschaubar.
    Nichtsdestotrotz sind natürlich auch die von Ihnen genannten dringend gehalten ihren Bedarf zu verringern auch wenn Wasser auch dort kaum ein relevanter Kostenfaktor ist. Wie ja auch im verlinkten Artikel von der Kollegin im EKO beschrieben.

  18. 85.

    Nö, selber suchen macht schlau. Der genannte Hersteller ist nun keine kleine Klitsche in der Branche.
    Sollte auch nur als Beispiel dienen was abwasserseitig geht. Da gibt es noch viele andere gerade in Deutschland, die sich der Lösung der Probleme verschrieben haben. Um die Ecke denken fällt Ihnen schwer? Dachte ich eigentlich nicht. Haben Sie sich das von Herrn Neumann abgeschaut?
    Hormonelle Störstoffe sind übrigens auch mit Einleiten in den Fluß nicht beseitigt, sondern schnell wieder im Nahrungskreislauf egal wie ob direkt über tierische Nahrung oder Niederschlagswasser auch in Pflanzen.
    Andererseits sind die Auswirkungen noch immer nicht vollständig erforscht. Also verbuche ich
    Ihren Einwurf als Klugscheißerei.

  19. 84.

    Sie können mich gerne mit neuren Fakten vom Gegenteil überzeugen, falls Sie das überhaupt könnenund nicht nur Sprüche klopfen. Die Zahlen werden eben nur alle fünf Jahr ausgewertet.

  20. 83.

    Bevor wieder ziellose Diskussionen weitergehen. Deutschland ist immer noch Technologieführer in Wasser/Abwasser neben den Schweizern vielleicht. Die sind allerdings weiter in der Anwendung von Technologien.
    Problem ist nicht die Technologie, sondern die gerechte Finanzierung.
    Entsprechende Modelle die möglichst die Verursacher ins Boot holen sind EU weit in Arbeit. In Deutschland leider fraglich, siehe Sulfatproblematik, die man den Wasserverbrauchern überlässt und nicht den Verursachern.
    Somit will man versuchen das Problem nicht end of pipe sondern technisch oder wenigstens finanziell beim Verursacher zu lösen. Verursacher ist nicht die Kläranlage.
    Und zum Thema Lösungen für Grundwasserknappheit darf man ruhig mal in die Regionen Frankfurt/Main oder nicht so weit Frankfurt/Oder gucken.
    https://www.whr-infiltration.de/

Nächster Artikel