Demonstration gegen Rassismus - Hunderte Menschen zeigen sich in Berlin solidarisch mit Dilan

So 20.02.22 | 20:17 Uhr
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"Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ steht auf einem Plakat, das ein Demonstrant auf der Demonstration "Schaut nicht weg! Solidarität mit Dilan und allen Betroffenen rassistischer Gewalt!" hält. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Video: rbb|24 | 20.02.2022 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Annette Riedl

Als die 17-jährige Dilan S. in Berlin verprügelt wird, greift niemand ein. Nun haben Hunderte Menschen bei einer Demo ihre Solidarität mit ihr und anderen Opfern rassistischer Gewalt erklärt. Auch die Jugendliche selbst war dabei.

Mehrere Hundert Menschen haben am Sonntag in Berlin gegen Rassismus demonstriert. Sie drückten damit zugleich ihre Solidarität mit 17-jährigen Dilan S. aus, die vor rund zwei Wochen in Berlin-Prenzlauer Berg von mehreren Personen verprügelt worden war.

Nach Polizeiangaben startete die Demonstration am S-Bahnhof Greifswalder Straße mit etwa 800 Teilnehmenden. Das waren demnach deutlich mehr als angemeldet. Die Menschen trugen Transparente, auf denen etwa stand "Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" oder "Rassismus hat viele Gesichter, aber alle sind hässlich".

Dilan hält Rede

Die 17-Jährige selbst war auch zu der Demonstration unter dem Motto "Schaut nicht weg! Solidarität mit Dilan und allen Betroffenen rassistischer Gewalt!" gekommen. Sie sei am 5. Februar von sechs Erwachsenen an der Greifswalder Straße rassistisch beleidigt und verprügelt worden, "weil sie dachten, ich wäre Ausländerin", sagte Dilan S. in ihrer Rede am Sonntag. Niemand habe ihr geholfen.

Die Polizei hatte den Angriff zunächst falsch dargestellt und in einer Pressemitteilung geschrieben, Auslöser des Konflikts sei gewesen, dass die junge Frau keine Corona-Maske getragen habe. Daraufhin schilderte die 17-Jährige in einem Video aus dem Krankenhaus den Vorfall: "Ich wurde gestern zusammengeschlagen, weil ich Ausländerin bin", sagte sie darin. Das Video wurde im Internet millionenfach aufgerufen.

Innensenatorin verteidigt Polizei

Die Polizei habe sie zum Täter gemacht, sagte Dilan S. am Sonntag bei der Demonstration. Berlins Innensenatorin Iris Spranger verteidigte die Polizei unterdessen. "Die Polizei hat zunächst auf erste Zeugenaussagen reagiert. Zeugen sehen oft nur einen kleinen Ausschnitt des Geschehens", sagte die SPD-Politikerin dem "Spiegel".

Aber der Skandal sei nicht das Verhalten der Polizei, sondern der Vorfall. "Solche Fälle sind in erster Linie erschütternd, und sie dürfen nicht passieren", sagte die Innensenatorin zu dem rassistischen Angriff.

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Sendung: rbb UM6, 20.02.2022, 18 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Also ich lese in diesem Kommentar nichts über die Verbrechen im zweiten Weltkrieg. Mit der schweigenden Masse, die immer mehr auffällig schweigt und so was erst ermöglicht, trifft es der Kommentar aber ganz gut. Alles in Schubladen einsortieren hilft dabei ganz gut. Es ist völlig egal woher sie kommt, wie sie aussieht oder was auch immer. Hier wurde eine 17 Jährige angegriffen und niemand hat geholfen. Selbst die Polizei hat sie anscheinend selbst anrufen müssen. Da läuft nicht bei einem "Gil of..." was verkehrt, sondern bei uns.
    Und auch die Presse mit ihrer zuerst völlig unhinterfragten Berichterstattung trägt ihren Teil dazu bei. "Maskenverweigerin, wer hat da kein Verständnis..."
    Wie sie schon sagte, am meisten weh tut es, wenn niemand hilft. Anscheinend waren alle zu beschäftigt, Ausreden zu suchen oder den Vorfall klein zu reden...

  2. 15.
    Antwort auf [Gerd kuster] vom 20.02.2022 um 21:25

    Und sie? Passt wohl nicht in ihr Weltbild"
    Ach, passt scho.
    Wer erinnert sich nicht an die Versuche in der Vergangenheit den rechten Idioten von Hanau o.a. einen linken-grünen Hintergrund anzudichten?
    Oder an die bis zum Erbrechen bemühte Unschuldsvermutung?
    Das Schreien nach dem abwarten der Ermittlungsergebnisse?
    Also-passt scho.

  3. 14.

    Dass niemand dazwischen gegangen ist ,empfinde ich auch schmerzlich.Dass Rassismus ein Problem weltweit ist und täglich thematisiert werden muss,von Nöten.Wenn ein junger Mensch Gewalt erfährt ist das Schrecklich.Aber die ritualisierten ,reflexartigen ,diskriminierenden,verallgemeinerte n Schuldzuweisungen an die Polizei nützen der Gesellschaft nicht,vor allem wenn das Opfer sich dem anschließt.Ich hoffe sie kommt in ihrem jungen Leben schnell zu der Erkenntnis dass es in unserem Land viel Bewusstsein gibt für das was an Ausländerhass sich in einem kleinen Teil der Bevölkerung tief verankert hat.Ich spreche auch von Diskriminierungen von deutschen Moslimen und deutschen Juden.Aber ich fordere alle auf unser Organ der Rechtsstaatlichkeit insbesondere die Polizei für ihre tagtäglichen Arbeit in unserem Staatswesen mehr zu schätzen und zu respektieren

  4. 13.

    Wie können Sie diese Tat mit den Verbrechen des zweiten Weltkrieges vergleichen? Schämen Sie sich! Davon sind wir weit entfernt!

  5. 12.

    Es wurde herausgefunden (nicht von der Polizei, da eine Ermittlung gegen Rassist*inne scheinbar nicht relevant sind) dass die Täter*innen Kiezbekannte Nazis sind, die seit 20 Jahren Menschen verprügeln. Im Internet kann man viel rausfinden, wenn man will. Zudem gibt es Videomaterial der BVG und das Mädel saß im Krankenhaus!!! Verletzungen kann man nicht schauspielern!
    Unglaublich, dass so viele Täter*innen immer noch in Schutz nehmen und die Aussagen von Opfern anzweifeln

  6. 11.

    "Auf ihrem Instagram-Account sind auf einem, nach ihren Angaben von ihr selbst gedrehten Handyvideo Szenen zu sehen, die den Angriff zeigen sollen." heißt es beim RBB.

    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/02/jugendliche-geschlagen-strassenbahn-maske.html

    Es müßte möglich sein, den Sachverhalt schnell aufzuklären, wenn ein vom Opfer selbst gedrehtes Video vom Tathergang "rund um den Angriff" vorliegt und das Opfer sich selbst als Videofilmerin bezeichnet, müssten auch die notwendigen technischen Fertigkeiten hierfür vorhanden sein.

  7. 10.

    Sie waren bestimmt auf der Demo und haben gegen Rassismus demonstriert. Aber das geht bei Nationalisten nicht, da ist der Humanismus abhanden gekommen. Wir müssen viel stärker und viel mehr gegen Rassismus agieren, machen Sie mit, seien Sie dabei, zeigen Sie Menschlichkeit und Solidarität mit Dilan.

  8. 9.

    Motte, waren Sie dabei ? Dann gehen Sie doch bitte zur Polizei und geben Sie ihr Wissen weiter.
    Oder ist das ihre übliche Polemik?

  9. 8.

    Meistens ist es umgekehrt und dann schweigen Leute wie sie. Kommen sie aus der Scham überhaupt noch raus oder stört sie das nicht?

  10. 7.

    Erschreckend, welche Gewalt sich wieder auf Berlins Straßen abspielt und wie salonfähig Rassismus mittlerweile geworden ist. Ermutigend, dass zumindest einige Hundert auf die Straße gegangen sind. Es liegt an uns allen gemeinsam, rechtem Gedankengut und Gewalt im Alltag konsequent entgegenzutreten und einzuschreiten, wenn Menschen diffamiert und angegriffen werden. Ich hoffe Dilan erholt sich schnell.

  11. 6.

    Einige Kommentare könnten 100Jahre alt sein und die Tat genau so in Deutschland passiert sein, damals, als alle wegsahen, wenn Juden zusammengeprügelt wurden und es keine Zeugen gab, weil es alle still guthießen, wenn Juden so behandelt wurden. Die stumme Masse, die es hätte verhindern können, wie auch in dem Fall der Dilan, eine intelligente, weltoffene und junge Frau, die angefeindet wurde, nur, weil sie irgendein Merkmal hatte, welches andere störte und sie sich auf sie stürzten und niemand Skrupel hatte. Darum gibt es keine Zeugen, es war eine Gruppe rassistischer Deutscher, die sich so stark fanden und eine junge Frau verprügelten. Schämt euch.

  12. 5.

    Der Skandal ist, dass es immer wieder bei der Polizei zu "Fehlinformationen", Teilnahme an rechten Chat-Gruppen und Weitergabe von Daten aus Polizeikreisen an Rechtsradikale kommt (Vom NSU-Skandal ganz zu schweigen). Aber das sind ja alles nur tausende schwarze Schafe...

  13. 4.

    Soweit ersichtlich, gibt es nur die Aussage des mutmaßlichen Opfers. Die Beschuldigten wurden nach Feststellung der Personalien wieder nach Hause geschickt.

  14. 3.

    Ich verfolge diesen Fall medial von Anfang an.
    Auch rbb24 hat darüber schon berichtet.
    Gibt es inzwischen Beweise oder Zeugenaussagen oder Videomaterial ??
    Alles was wir bisher wissen, sind die Aussagen der 17 jährigen. Konnte irgend jemand dies bestätigen, es waren doch viele Menschen vor Ort.

  15. 2.

    Die Polizei sucht noch Zeugen zum Tathergang.

    https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/2021/pressemitteilung.1174189.php

  16. 1.

    Gibt es einen offiziellen Polizeibericht, was zu dem Fall inzwischen ermittelt wurde? Gibt es Zeugen?

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