Verlängerung bis Storkower Straße - Bund gibt Weg frei für umstrittenen A100-Weiterbau

Di 29.03.22 | 18:17 Uhr
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Archivbild: Tunnel von Grenzallee bis Sonnenallee, Bauabschnitt 16, Berlin Baustelle für A 100. (Quelle: imago images/J. Held)
Audio: Inforadio | 29.03.2022 | Jan Menzel | Bild: imago images/J. Held

Seit Jahren wird in Berlin über den Weiterbau der A100 im Osten der Stadt gestritten. Am Dienstag hat der Bund grünes Licht für das Planungsverfahren gegeben. Der Senat lehnt die Pläne als "Verkehrspolitik von gestern" ab.

Das Bundesverkehrsministerium will den umstrittenen Weiterbau der Berliner Stadtautobahn A100 in Richtung Lichtenberg umsetzen. Wie die bundeseigene Autobahngesellschaft dem rbb am Nachmittag bestätigte, ist am Dienstag die Ausschreibung für den 17. Bauabschnitt der A100 veröffentlicht worden. Zuerst hatte die "Berliner Morgenpost" [Bezahlinhalt] berichtet.

Bis 2025 solle nun die Linienführung der A100 in dem Abschnitt von der Elsenbrücke bis zur Storkower Straße "klar gezogen werden", schreibt die Zeitung. Auf der Strecke ist unter anderem geplant, eine zweispurige Straße mit Wohnhäusern an beiden Seiten zu untertunneln und dort die Autobahnspuren übereinanderzulegen. Das Bundesverkehrsministerium äußerte sich dazu bislang nicht.

Derzeit wird der 16. Bauabschnitt gebaut, der im Jahr 2024 in Betrieb genommen werden soll. Gegen den Ausbau des 17. Bauabschnitts noch in dieser Legislaturperiode spricht sich der rot-grün-rot regierte Berliner Senat aus.

Staatssekretärin Kluckert: "Es ist klar, dass weitergebaut wird"

"Sowohl der 16. als auch der 17. Bauabschnitt sind für die Verkehrsführung in dieser Stadt zentral", sagte die parlamentarische Staatssekretärin des Bundesverkehrsministeriums, Daniela Kluckert (FDP), der "Berliner Morgenpost". Die Autobahn sei nötig, um die Innenstadt vom Autoverkehr zu entlasten und West- und Ostteil der Stadt besser zu verbinden, sagte Kluckert zur Begründung, die ihren Wahlkreis in Berlin-Pankow hat und seit 2017 Mitglied im Deutschen Bundestag ist.

Der Bundestag habe den Bundesverkehrswegeplan beschlossen, in dem der 17. Bauabschnitt "mit Priorität" vorgesehen sei, fügte Kluckert hinzu. Mit der Ausschreibung der Planungen sei nun klar, dass weitergebaut werde. Die Linienführung der A100 in diesem Abschnitt werde zunächst noch einmal nach Umwelt- oder Lärmkriterien überprüft und danach dementsprechend umgesetzt, kündigte sie an.

Rot-grün-roter Koalitionsvertrag legte Weiterbau auf Eis

In der Berliner Landespolitik ist der Weiterbau der Stadtautobahn A100 heftig umstritten, auch eine Bürgerinitiative hat sich gegründet und protestiert immer wieder mit Aktionen gegen die Verwirklichung des 16. und 17. Bauabschnitts.

Umwelt- und Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) hatte noch im Wahlkampf vor der Abgeordnetenhauswahl den Stopp des Autobahnausbaus gefordert. Der 16. Bauabschnitt solle nicht mehr als Autobahn realisiert werden, sondern in eine Bundesstraße mit Radwegen umgewandelt werden. Der 17. Bauabschnitt sollte gar nicht mehr begonnen werden. Die Linken wandten sich ebenfalls gegen die Verlängerung der Autobahn.

Die SPD mit der damaligen Spitzenkandidatin und jetzigen Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey an der Spitze lehnte dagegen einen Stopp des Autobahnausbaus ab. Im Koalitionsvertrag verständigte sich der rot-grün-rote Senat dann darauf, sich für die Errichtung einer Lärmschutzwand auf der Ostseite des 16. Bauabschnitts der A100 einsetzen und den 17. Bauabschnitt in dieser Legislaturperiode nicht mehr in Angriff zu nehmen.

Regierende Giffey kritisiert Alleingang des Bundes

Am Dienstag hat sich Giffey von der Entscheidung des Bundesverkehrsministerium allerdings überrascht gezeigt. Wie sie in einer gemeinsamen Pressekonferenz des Berliner Senats mit der Brandenburger Landesregierung sagte, hat sie von der Ausschreibung aus der Presse erfahren. "Das ist eine überraschende Entwicklung, die von uns zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet wurde", sagte Giffey.

Ihr sei wichtig, zu wissen, wie der 16. Bauabschnitt der A100 eingebunden werde. Zudem gebe es im Koalitionsvertrag die Verabredung, den 17. Bauabschnitt nicht voranzutreiben. Sie hätte sich gewünscht, dass die Schritte, die der Bund unternimmt, mit dem Senat abgestimmt werden und erwarte, dass der Bund den Dialog mit der Landesregierung suche.

Kluckert: FDP setzte sich in der Ampel-Koalition durch

Bundesautobahnen fallen in den Hoheitsbereich des Bundes. In der Ampel-Koalition habe sich die FDP in dieser Frage durchgesetzt, sagte Kluckert der "Berliner Morgenpost": "Wir haben uns auf Bundesebene im Koalitionsvertrag auf viele Dinge mit den Grünen geeinigt, auch darauf, dass wir wichtige Verkehrsinfrastrukturprojekte einschließlich Lückenschlüsse in Deutschland angehen. Da der Weiterbau der A100 dazugehört, wollen wir auch dieses Projekt so schnell wie möglich umsetzen."

Sendung: rbb24-Abendschau, 29.03.2022, 19:30 Uhr

93 Kommentare

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  1. 93.

    Gut, dass der Weiterbau in den Händen der Bundesregierung liegt und der Berliner Senat kein Mitspracherecht hat.

  2. 92.

    Dann rechnen wir doch mal. Platzbedarf eines Autos, in dem zu 99% eine Person sitzt und eines Fahrrads. Dann den Platzbedarf eines BVG Busses in dem min. 80 Menschen Platz haben. Das sagt doch alles.

  3. 91.

    Das sagt was über ihre einseitige Wahrnehmung aus, ja. Und darüber welche Verkehrsart immer noch einseitig bevorzugt wird. Es würden laut Umfrage mehr Menschen auf das Rad umsteigen, wenn das Fahren in Berlin nicht so lebensgefährlich wäre.

    Was zum Teil am den baulichen Maßnahmen aber zum größeren Teil an den motorisierten Verkehrsteilnehmern liegt.

  4. 90.

    Wenn ich an der Haltestelle stehe, dann sehe ich in der Wartezeit mehr Autos an mir vorbeifahren als Menschen im dann kommenden Bus sitzen oder Radfahrer vorbeifahren. Das sagt doch alles.

  5. 89.

    ... "und wenn Löhne sich an der Produktivität entwickeln?"
    Hat der Bahn- und Schifftransport Hochkonjunktur, die "letzte Meile" gehört der Pferdekutsche ... und ich hab dann 'n Fuhrunternehmen - Strike!

  6. 88.

    Was vor Jahrzehnten geplant wurde mich nicht zwingend umgesetzt werden. Sachverhalte ändern sich. Für eine Autobahn Wohnungen abzuteisen in einem eh schon sehr angespannten Wohnungsmarkt ist politisch nicht tragbar.

  7. 87.

    Ich arbeite für den größten Paketdienst. Jeder von Euch bestellt wie ein Weltmeister und erwartet, dass die Ware am nächsten Tag geliefert wird. Wir haben alles ausprobiert, Drohnen, Lastenräder, Kombizustellung usw. usw.
    Das Bauland für neue Depots ist fast nicht mehr vorhanden, also Zustellung per Auto.
    Es ist deutlich sinnvoller über die A 100 in die Zustellgebiete zu fahren als durch Wohngebiete.
    Wacht endlich auf. Entweder Reduktion des Konsums oder freie Fahrt!

    Da sind sie wieder die Verbesserer ohne Blick für die Praxis.
    Jeder Transporter hat ca Sendungen für 100 Kunden an Bord. Mit einer Auslastung von 1,5 T und bis zum Dach voll!
    Viel Spass mit dem Lastenrad oder seinen 25 Kollegen die das bewältigen.

  8. 86.

    Der 17.Abschnitt der A100 wird nicht kommen. Allein schon wegen der Kosten, die die Milliardengrenze weit überschreiten werden. Vergleiche erhebliche Baukostensteigerungen beim 16.Abschnitt der A100
    Der Bundesverkehrswegeplan, der ja eher ein "Wünsch dir was" darstellt, ist völlig unterfinanziert.

    Wir reden hier von einer Autobahn mitten durch ein dichtbebautes Wohngebiet. Dem Autobahnbau müssten zahlreiche Wohnhäuser weichen. Übrigens: Die Mieter in der Beermannstraße, die der A100 weichen mussten, wurden in Sachen "Entschädigung" vom "Vorhabenträger" der A100 "hinters Licht geführt", und auf ihren Kosten für die Wohnungsaufgabe und höhere Miete der Umsetzwohnung sitzen gelassen.
    Man sollte sich damit abfinden, das es einen Ringschluss niemals geben wird schon aufgrund der Kosten. Auch die Stadtstruktur gibt das nicht her. Es sei denn man will, wie in den 50er und 60er ganze Straßenzüge für den Autobahnbau abreißen.

  9. 85.

    "Planwagenfahrten sind mega entschleunigend" - und wenn Löhne sich an der Produktivität entwickeln?

  10. 84.

    Ich möchte mal wissen wie die denn die Autobahnverlängerung vom Trptower Park hier zur Storkower bauen wollen. Es sind ja ordentlich bebaute Gegenden dort. Wo genau soll die enden? Etwa Möllendorff Ecke Storkower? Wird es dann auch eine Autobahnausfahrt Ringcenter geben? Also für mich ist das der größte Mist ever.

  11. 83.

    Ein Glück ist, dass die Bundesregierung dafür zuständig ist und nicht das Land Berlin, denn sonst wäre schon viel Geld umsonst in eine zukünftige Ruine investiert worden, denn die Grünen wollen ja den Autoverkehr in Berlin fast auf NULL senken.

  12. 82.

    So geht Verkehrswende! Und Klimanotstand.

  13. 81.

    Alle Autobahnen und Bundesstraßen waren und sind schon immer in der Kompetenz des Bundes!

  14. 80.

    "Lasst uns Feldwege bauen und wieder Pferde reiten. So wie früher, Berlin-München drei Wochen...schön."
    Planwagenfahrten sind mega entschleunigend - ehrlich.

  15. 79.

    Der Vergleich hinkt gewaltig und dann selbst hinken was das Zeug hält. Ein Radrennen ist eine Ausnahmesituation oder vergleichen sie auch Demos oder Volksfeste mit Radrennen? Da passen nämlich mehr Fußgänger hin ergo nach Ihrer Argumentation weg mit den Platz verschwendenden Fahrrädern. Die Menschen haben Autos, weil sie sich für diese Art der Mobilität entschieden haben.
    An jeder, aber auch an jeder Kreuzung und auf jeder einzelnen Straße fahren mehr Autos pro Zeiteinheit als Radfahrer, wenn sie denn nicht von Radfahrern behindert werden. Das selbe gilt für Busspuren und deren Fahrgäste.

  16. 78.

    Es wird keine Entlastung geben. Der Weg für "Durchreisende" von Nord nach Süd und umgekehrt rechnet sich schon jetzt, trotz Stauzeit, allemale. Einmal halb aussen rum dauert mind. genau so lange wie einmal quer durchs Chaos und es sind weniger Kilometer "zu fressen". Je bequemer und besser diese Möglichkeit wird, desto mehr Verkehr wird angezogen. Die Versorgung Berlins wird jedenfalls von dem Ausbau nicht profitieren und wenn die A100 mal wieder zur Stautobahn mutiert, stehen Stromer auch nur im Weg.

  17. 77.

    Die Planungen stehen schon so lange, da gab es diese "neuen" Wohnungen, die meisten dort wohnenden Mieter und auch das Ringcenter noch gar nicht oder was denken Sie, warum über den Fressbuden am Ringcenter 2 soviel Platz bis zur Bahntrasse und der alte Containerbahnhof bereits platt ist? Und dann fragen Sie sich auch mal, warum die Michelangelo und Ostseestraße so einen riesen Mittelstreifen bzw Platz neben denen ist. Wenn man über das Satbild fährt, kann man relativ leicht die Streckenplanung bis zur Autobahn in Pankow nachverfolgen. Seit Jahrzehnten sind diese Trassen freigehalten.
    Das selbe Dilemma mit der Dresdner Bahn wie auch mit Diversen wiederbelebten S-Bahn Strecken. Die Leute ziehen da hin und beanspruchen, dass da nie mehr wieder etwas fährt obwohl das längst feststeht. Nicht anders mit Mietern die an Haupverkehrsstraßen ziehen und sich dann über Autos wundern.

  18. 76.

    Der Vergleich hinkt gewaltig.
    Energiebedarf
    Fahrrad 0,0025kWh/km Bioenergie
    e-bike 0,0025kWh/km Strom deutscher Energiemix, vielleicht auch 100% EE.
    E-Auto 0,2kWh/km Strom im Winter etwas weniger im Sommer
    Diesel 0,49kWh/km bei 5l/100km
    Benzin 0,6kWh/km bei 7l/100km
    Platzbedarfvergleich.
    Wir haben derzeit 10 Fahrräder im Gemeinschaftskeller, keines unserer Autos passt da rein.
    Auf der Straße ähnlich. Mal Straßenradrennen gucken. 150 Radfahrer im vielleicht 200m langen Hauptfeld mit 40km/h unterwegs. Versuchen Sie das mal mit PKWs oder gucken sich die km lange Schlange der Begleitfahrzeuge an.
    Ich erlaube mir das Urteil weil ich bis auf Benzin, e-bike und LKW jeder Verkehrsteilnehmergruppe angehöre.

  19. 75.

    Ich arbeite für den größten Paketdienst. Jeder von Euch bestellt wie ein Weltmeister und erwartet, dass die Ware am nächsten Tag geliefert wird. Wir haben alles ausprobiert, Drohnen, Lastenräder, Kombizustellung usw. usw.
    Das Bauland für neue Depots ist fast nicht mehr vorhanden, also Zustellung per Auto.
    Es ist deutlich sinnvoller über die A 100 in die Zustellgebiete zu fahren als durch Wohngebiete.
    Wacht endlich auf. Entweder Reduktion des Konsums oder freie Fahrt!

  20. 74.

    Wenn in Berlin angeblich "immer mehr Autos zugelassen" werden, dann ist der Sprit wohl noch nicht teuer genug. Wer sich so eine finanzielle Belastung freiwillig kauft, der hat wohl genug Kohle auf dem Konto. Kann also gerne noch teurer werden. Autobahn und Treibstoff zusammen.

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