Rummelsburger Bucht - Coral World beantragt Fördergelder für umstrittenes Bauprojekt

Sa 26.03.22 | 20:07 Uhr
  34
Eine beräumte Freifläche am Bahnhof Ostkreuz mit dem Wasserturm an der Rummelsburger Bucht. Der Bebauungsplan für die Rummelsburger Bucht mit der Touristenattraktion "Coral World" ist genehmigt worden. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Video: rbb|24 | 26.03.2022 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Jens Kalaene

Erst wurde das umstrittene Bauprojekt Coral World an der Rummelsburger Bucht größer als geplant. Dann kam ein ziemlich großes Hotel dazu. Und jetzt sollen es auch noch alle mitfinanzieren, weil für das Projekt öffentliche Förderung beantragt wurde.

Für das umstrittene Bauprojekt Coral World an der Rummelsburger Buch in Berlin-Lichtenberg wurden öffentliche Fördergelder beantragt. Das hat der rbb auf Nachfrage von der Senatswirtschaftsverwaltung erfahren.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte GRW-Förderung (Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur"), ein Zuschuss von bis zu 30 Prozent der Investitionskosten. Die Senatsverwaltung schließt nicht aus, dass die Gelder bewilligt werden, zumal sie das Vorhaben begrüßt: "Die Mischung aus touristischen Angeboten, Dienstleistungen, Gastronomie, Gewerbeflächen und Erholung (Park) bietet eine Chance für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region", heißt es aus der Verwaltung.

Zudem hat der Bezirk nach rbb-Informationen vor einer guten Woche eine Baugenehmigung erteilt.

Bezirksbürgermeister von Hotel-Plänen überrascht

Dabei herrscht weiter Unmut darüber, dass Coral World die Pläne für ein großes Hotel an diesem Standort offenbar lange zurückgehalten hat. In dem Konzept, auf dessen Grundlage die landeseigene Fläche 2016 verkauft wurde, sei von einem Hotel keine Rede gewesen, sagte die Linke-Abgeordnete Hendrikje Klein dem rbb. "Das Grobkonzept sagt in Gänze nur aus, dass es eine Bildungseinrichtung werden soll mit einem Aquarium, es geht um Naturschutz", es gehe darum Lebensräume darzustellen, zitiert Klein. Der rbb hat Ende Februar ebenfalls Einsicht in das Konzept beantragt, das wurde bislang aber noch nicht ermöglicht.

Erst Anfang März war bekannt geworden, dass zum Coral-World-Projekt auch ein großer Hotel-Komplex gehören soll. Auch der Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Michael Grunst (Linke) wurde nach eigener Aussage davon überrascht. Er erinnere sich nicht, dass der Investor den Bau eines Erlebnis-Hotels vorgestellt habe, als er das Projekt 2017 präsentierte, sagte Grunst dem rbb. Von einem Erlebnis-Hotel an diesem Standort halte er nichts.

Linke und Grüne setzen sich für Rückabwicklung ein

Das Projekt ist auch aus anderen Gründen umstritten: So war im Januar bekannt geworden, dass Coral World größer bauen will, als es der Bebauungsplan erlaubt. Entsprechende Befreiungen vom Bebauungsplan hatte der Investor beim Bezirk beantragt.

Die Abgeordnete Hendrikje Klein hofft trotz der erteilten Baugenehmigung, dass eine Rückabwicklung des gesamten Projekts möglich ist: "Die Juristen, mit denen ich gesprochen habe, die haben gesagt, es ist möglich, das Grundstück wieder zurück in die Hand der Berlinerinnen und Berliner zu geben." Darauf hofft auch der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Grünen, Julian Schwarze. Er bezeichnete die Planungen als "monströs und falsch". "Wir werden uns dafür stark machen, dass eine Überprüfung des Vertrages am besten mit einer Rückabwicklung passiert", sagte er dem rbb.

40.000 Unterschriften gegen Bebauungsplan gesammelt

Das Bauprojekt an der Rummelsburger Bucht war bereits in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik geraten. Die Initiative "Bucht für Alle" hatte mehr als 40.000 Unterschriften gesammelt, gemeinsam mit dem Verein Naturfreunde Berlin gegen den Bebauungsplan geklagt und hierzu einen Eilantrag am Oberverwaltungsgericht eingereicht. Dieser wurde jedoch Anfang Februar abgewiesen.

Für Aufregung gesorgt hatte auch die Auflösung des Obdachlosencamps an der Rummelsburger Bucht im Februar vergangenen Jahres. Sie war damit begründet worden, dass man die Betroffenen vor der Kälte schützen wolle. Kritiker sahen in der Aktion einen Vorwand, den Weg freizumachen für die Pläne des Investors.

Hier soll das Projekt "Coral World" gebaut werden

Geplanter Standort für 'Coral World' in der Rummelsburger Bucht (Quelle: rbb)

Sendung: Abendschau, 26.03.2022, 19:30 Uhr

34 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 34.

    Wurde festgelegt, wie groß das Aquarium sein soll? Evtl. reicht ein 60l-Becken mit 5 Goldfischen hinter der Rezeption des Hotel...

  2. 33.

    Wo genau ist jetzt bei einem Hotelneubau die viel gepriesene "Nachhaltigkeit"? Neuerdings sind Beton und Zement angeblich ökologisch unten durch? Kaum ein Buzzword wird so oft verwendet wie dieses und meist zu Unrecht, so wie auch hier.

  3. 32.

    SPD und Bau, das war doch nicht mal von Willy Brandt zu bändigen. Kressmann-Zschach,Schwedler, Steglitzer Kreisel,Kudamm-Karree und und. Man könnte Seiten füllen. Kommentar von Otto Reutter: Ick wunda mir über janüscht mehr.

  4. 31.

    Lassen Sie mich raten - sie würden hierfür nicht arbeiten gehen, richtig?"
    also, mit Verlaub, wofür ich arbeiten gehe, geht Sie einen feuchten Kehricht an.

  5. 30.

    BWL, na und?

    Geisel hat Schwerpunkt Buchhaltung gewählt, und jetzt?

    Nicht immer so kurz ideologisch denken, macht unglücklich!

  6. 29.

    Die Abzockertour war von Anfang an so geplant! https://padowatch.noblogs.org/rummelsbucht-leaks-investorinnen-veraengstigt-ehm-finanzstaatssekretaerin-im-dienste-von-coral-world/

    Die Berliner sPD steckt knietief im Sumpf der Beton- und Immobilienmafia. Also wie gehabt.

    "Von 1992 bis 1995 absolvierte Geisel ein Aufbaustudium in Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschließend arbeitete er von 1994 bis 1995 als freier Mitarbeiter in der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers. "

  7. 28.

    „Und dann schafft er auch ganz doll viele Arbeitsplätze. Zum Mindestlohn.“

    Lassen Sie mich raten - sie würden hierfür nicht arbeiten gehen, richtig?

  8. 27.

    Ihre Einstellung, aufgrund von Bedenken erst gar keinen Versuch zu starten, lässt tief blicken.

    Auf welche Seite schlägt Ihre Sozialleistungswaage aus?

    Mehr für Gemeinschaft geleistet oder die Gemeinschaft ausgenutzt?

  9. 26.

    Schonmal was von "Betongold" gehört? Wenn private Investoren bauen, geht es nicht so sehr um den Bedarf (Hotels und Konferenzzentren brauchen wir nun wirklich nicht noch mehr.), sondern darum, Kapital spekulativ und gewinnbringend anzulegen. Es geht hier nicht um die sinnvolle und nachhaltig angelegte Gestaltung eines Lebensraumes und um die Bedürfnisse der Bevölkerung, sondern darum, Vermögen zu retten und - koste es was es wolle - neues Vermögdn zu generieren. Der Berliner Immobilienmarkt eignet sich dazu hervorragend. Und wenn dann auch noch 30% der Baukosten von der öffentlichen Hand getragen werden und Konzepte keine bindende Wirkung haben - um so besser. Der Sozialstaat für Investoren funktioniert ganz prima. Die Bevölkerung is Neese. Und der Senat blamiert sich ein ums andere Mal - ganz egal, wer gerade regiert.

  10. 25.

    Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier eine gut vernetzte Lobby die unbedarften Politiker nach Strich und Faden aufs Kreuz gelegt hat.
    Und als Sahnestückchen werden noch Fördergelder gezahlt. Könnte man nicht mal entsprechende Stellen in den Behörden mit Fachleuten besetzen?

  11. 24.

    Zudem gibt es einen Widerspruch in Bezug auf die GRW Förderung. Ein Hotel ist in der GRW nicht förderfähig, da es sich um Vermietung/Verpachtung handelt. Steht also der Hotelbetrieb im Vordergrund der wirtschaftlichen Tätigkeit gibt es kein Geld.

  12. 23.

    Eine Förderung mit GRW-Mitteln ist für große Unternehmen nur bis max. 10% möglich und das auch nur bis zu einer Investitionssumme von 50 Mio.€. Für den Bereich von 50-100 Mio.€ gibt es nur max. 5% Zuschuss. Eine Förderung bis 30% ist eine Falschinformation.

  13. 22.

    Ich frage mich, wer die Verantwortlichen waren, die diesem Verkauf zugestimmt haben und in welcher Beziehung sie zu den Investoren standen/stehen. Wie ist das mit dem Gemeinwohl? Wie konnte das landeseigene Grundstück 2016 an einen Investor mit derartigen Plänen (Aquarium!)verkauft werden? Zu einem Zeitpunkt also, als längst klar war, dass Wohnungsbau auf der Prioritätenliste des Senats an Nr. 1 steht.
    Wie kann es weiterhin sein, dass hier in erheblichem Umfang (30% der Baukosten!) öffentliche Fördergelder eingestrichen werden, für ein Projekt, das nicht im Interesse der Allgemeinheit, sondern im Interesse privater Investoren steht und bei dem die später erzielten Gewinne, dann selbstverständlich in die privaten Taschen gewirtschaftet werden! Wer wird hier eigentlich von wem allimentiert/versorgt?
    Was für ein Museum soll hier entstehen? Ist das das nächste Feigenblatt für eine Förderung? Gibt es ein ernst zu nehmendes inhaltliches Konzept, das vom Senat ernsthaft geprüft wurde?

  14. 21.

    Wie in Berlin betrügerische Investoren hofiert werden, ist eine Schande. Die dürfen Lügen und Fördergelder abzocken. Unfassbar! Wenn Lieschen Müller Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe beantragt, wird sie von oben bis unten durchleuchtet. Sobald das nur ein kleiner Fehler passiert, wird das Geld einbehalten oder zurück gefordert. Es sollten doch alle gleich behandelt werden, oder?

  15. 20.

    Private Investoren verbrennen sicher nicht ihr Geld "
    Nö, die verbrennen öffentliche Mittel. Z.B. 30%ige Zuschüsse.
    Und nicht zu vergessen die Lohnsubventionierungen, aka Aufstockungen.
    Insofern, die verbrennen nicht ihr Geld, bringen aber ihre Asche in Sicherheit.

  16. 19.

    In Berlin gibt ausreichend Hotels und Touristen im Übermaß (wenn nicht gerade Pandemie oder Krieg herrschen). Die Investoren investieren um entweder Profit zu machen oder Steuern zu sparen und noch staatliche Hilfen anfordern. Zinsen gibt es auf absehbare Zeit keine auf Vermögen. Da ist der Wille, der Stadt etwas gutes zu tun, eher gering ausgeprägt.
    Um den rot-grünen Senat zum Verkauf eines "Sahnestückchen" zu bewegen, wurden Korallen, Naturschutz und Bildung erwähnt.
    Zurückabwickeln!!

  17. 18.

    Arbeitsplätze. Besser gehts nicht. Alle profitieren. Klasse. So schnell wie möglich bauen !"
    30 % Zuschuß auf die Baukosten. Da leuchten doch die Äuglein des "Investors".
    Und dann schafft er auch ganz doll viele Arbeitsplätze. Zum Mindestlohn.
    Und auch in den Sozialämtern entstehen neue Arbeitsplätze. Die Aufstockungen müssen ja schliesslich errechnet und ausgezahlt werden.
    Und alle profitieren. Die einen mehr. Die anderen eher weniger.
    Aber hey. Die schöne neue Welt brauchts.

  18. 17.

    Rückabwickeln. Alles andere ist ja zum Fremdschämen.

  19. 16.

    Private Investoren verbrennen sicher nicht ihr Geld (anders als sie öffentliche Hand) sondern investieren, wenn der Bedarf besteht und daraus Gewinne resultieren. Irgendwann sollten doch auch die letzten Ideologen begriffen haben, dass man einen Fußballplatz nicht essen und auch nicht die Wohnung beleuchten oder im Winter heizen kann. Auch kann die ganze Bevölkerung nicht von Hartz IV leben. Dazu braucht man Geld, das erst mal irgendwer verdienen muss. Der ganze Sozialstaat fällt doch nicht vom Himmel.

  20. 15.

    Nur, dass das Estrel gerade großkotzig erweitert, und weitere (Hotel-)Projekte in der Nähe aus dem Boden schießen. Beim "inspire Neukölln" tut sich seit dem Abriss des alten Gebäudes nix mehr, Baubrache. Vielleicht sollte man mal schauen, was nach der Pandemie noch vom "alten Leben" übrig ist. Und dann überlegen, ob man den Mist an der Bucht noch braucht.

Nächster Artikel