Kaum Personal vom Land Berlin - Am Hauptbahnhof und ZOB kümmern sich vor allem Freiwillige um die Geflüchteten

Do 03.03.22 | 16:34 Uhr
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Freiwillige heißen am 02.03.2022 aus der Ukraine geflüchtete Menschen in Berlin willkommen. (Quelle: rbb/Anke Michel)
Video: Abendschau | 02.03.2022 | Kerstin Breinig, Tom Garus | Bild: rbb/Anke Michel

Am Hauptbahnhof spielen sich teils chaotische Szenen ab, wenn Geflüchtete aus der Ukraine mit dem Zug ankommen. Ähnlich sieht es am ZOB aus. Die Hilfsbereitschaft ist groß - sie wird aktuell aber hauptsächlich von Freiwilligen geleistet.

Erneut sind am Donnerstag Hunderte Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine am Berliner Hauptbahnhof angekommen. Bei der Ankunft von Zügen gab es zum Teil großes Gedränge auf dem Bahnsteig. Hinweisschilder leiteten die ankommenden Menschen in das erste Untergeschoss des Bahnhofes, wo Dutzende Helfer in gelben Westen warteten. Die Bahn und das DRK hatten Informationsstände aufgebaut. Viele Ukrainer wurden zum Ankunftszentrum in Reinickendorf gefahren, wo sie auf Unterkünfte verteilt wurden. Russisch und ukrainisch sprechende Menschen standen als Dolmetscher bereit.

Im Bahnhof stapelten sich in Kisten und auf Tischen gespendete Lebensmittel. Helfer verteilten das Essen. An anderen Stellen lagen oder hingen zahlreiche Kleidungsstücke für Erwachsene und Kinder, sortiert nach Geschlechtern und Art der Kleidung. "Es ist chaotisch, aber wir sind jeden Tag organisierter", sagte Alina Drokina, eine freiwillige Helferin im Ankunftsbereich.

Land räumt Probleme ein

Die Hilfe für Menschen aus der Ukraine, die dieser Tage in Berlin ankommen, wird derzeit überwiegend von Freiwilligen geleistet. Am Hauptbahnhof sind auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Deutsche Bahn im Einsatz. Entsprechende Aussagen von freiwilligen Helfern bestätigten am Mittwoch auch die Berliner Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) und die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD).

"Die Arbeit am Hauptbahnhof wird seit Tagen von Ehrenamtlichen selbst organisiert", sagte Kipping. "Dafür sind wir unendlich dankbar." Die Stadt habe aber am Mittwoch "angeleiert", dass das DRK und die Stadtmission helfen. Alles weitere müsse der Bund organisieren, hieß es aus dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF).

Die Berliner Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey erklärte: "Es gibt einen sehr starken Fokus auf Berlin. Wir werden da, soweit es geht, auch von unserer Seite versuchen zu handeln." Dafür sei aber auch die Hilfe anderer Bundesländer nötig. "Da werden wir jetzt auch in die organisatorischen Schritte gehen", betonte Giffey.

Christoph sieht Gemeinschaftsaufgabe

Die Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, Wenke Christoph (Linke), sprach am Mittwochabend gegenüber dem rbb von einer "dynamischen Situation". So hätten sich die Ankunftszahlen etwa am Berliner Hauptbahnhof oder dem Zentralen Omnibus-Bahnhof sich von Dienstag auf Mittwoch auf insgesamt 1.400 Menschen vervierfacht. Eine solche Herausforderung habe es Berlin so noch nicht gegeben.

Christoph widersprach, dass am Hauptbahnhof gar keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landes Berlins im Einsatz seien. "Die Verwaltung ist vor Ort", sagte sie. Vor allem seien die Mitarbeiter des Landes aber damit befasst, Unterkünfte zu finden. "Deshalb sind wir auch auf die Hilfe der Menschen in Berlin angewiesen. Ich glaube, das ist eine Aufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können." Sie kündigte aber an, die Kapazitäten zur Betreuung der ankommenden Flüchtlinge aufzustocken.

Keine Toilette am ZOB

Berlin hat zwar einen Krisenstab eingesetzt und neue Unterkünfte für die Geflüchteten geschaffen, die Erstbetreuung bei der Ankunft übernehmen aber größtenteils Freiwillige. Die forderten bereits, dass sie die Verantwortung abgeben wollen.

Auch am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) verliefen die Ankünfte der Geflüchteten zuletzt teils chaotisch. Es habe nicht mal die Möglichkeit gegeben, eine Toilette zu nutzen, berichtete eine Freiwillige. Auch dort seien wenige oder keine Verantwortlichen der Stadt Berlin gewesen, es seien auch keine offiziellen Stellen eingerichtet worden. Viele Fragen der Geflüchteten - darunter viele Mütter mit ihren Kindern - hätten deshalb auch nicht beantwortet werden können.

Berlin erwartet deutlich mehr Geflüchtete

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind mehr als eine Millionen Menschen aus dem Land geflohen. Diese Zahl hat der UN-Hochkomissar für Geflüchtete, Filippo Grandi, auf Twitter genannt. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR befürchtet laut einer Sprecherin die größte Flüchtlingskrise dieses Jahrhunderts.

Die EU hatte bereits am Mittwoch vor einer humanitären Krise "von historischem Ausmaß" gewarnt. Auch Berlin erwartet mittlerweile deutlich mehr Geflüchtete aus der Ukraine als ursprünglich geschätzt. Die bislang kommunizierte Zahl von bis zu 20.000 Flüchtlingen, die erwartet würden, beruhe auf Schätzungen, die ein bis zwei Wochen alt seien, sagte Linke-Politikerin Christoph. Sie gehe deshalb davon aus, dass es mehr würden.

Sendung: Abendschau, 03.03.2022, 19:30 Uhr

34 Kommentare

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  1. 34.

    finds beschämend dass hier wieder freiwillige wieder mal den letzten rest menschlichkeit hochhalten müssen - wo ist das geld, die unterkünfte, der wohnraum der seit jahren gefordert wurde? das ist keine überforderung, das ist ignoranz gegenüber den aufgaben dieser zeit!

  2. 33.

    Nee, genau wie FFF fordern die, die bereits was machen, was sie nicht machen müssten, dass die, die was machen müssten, endlich MACHEN! Ihre Antwort ist daher völlig unqualifiziert, wen wollen Sie denn da in Schutz nehmen? Den trägen Senat, der erst mal "plant" und mal schaut, wann man evtl. mal auf bereits gegebene Situationen reagiert? Machen Sie sich doch nicht lächerlich, ich bitte Sie!

  3. 32.

    Logistisch ist die Masse an Menschen eine große Herausforderung. Schnelles agieren, entscheiden ohne behäbige Konjunktive rethorik ist erforderlich. Theoretiker und Praktiker....wer versagt jetzt. Und es kommen noch deutlich mehr flüchtende Menschen. Viel mehr. Mögen auch all die mit anpacken, die ansonsten ihren Hintern irgendwie festkleben, millionärskinder sind und ansonsten nix tun für ihren Unterhalt. Dies betrifft auch demnächst Arbeit in Landwirtschaft, um Hungersnot zu vermeiden. Und dann bin ich gespannt, wer von diesen schreihälsen wirklich zeigt was er/sie/es zu leisten vermag. Auch ohne Berufsleben oder ähnliche Erfahrungen. Die aktuelle Situation ist sehr komplex. Andere Länder kriegen das hin. Also bitte, alle ran. Nicht heulen, anpacken. Aber bitte ohne platte etitüden von oben. Und es gibt sie, Logistiker, gute Beamte, taffe Organisatoren. Engstens mit dem Heer der freiwilligen zusammen. Packen wirs. Aber alle.

  4. 31.

    "Wenn es um Realpolitik und schnelle unbürokratische Hilfe geht ist die Linke Sozialsenatorin Katja Kipping heillos überfordert. "

    Wasser auf die Mühlen der Demokratie- und Verfassungsfeinde, das war ja klar. Wann hat Kipping den "Laden" übernommen, der jahrzehntelang kaputt gespart wurde und wo noch höchstens drittklassiges Personal sitzt?

    Breitenbach hat versucht den "Laden" umzukrempeln und wurde dafür angefeindet, ja regelrecht sabotiert, auch aus den Reihen der eigenen Senatsverwaltung!

  5. 30.

    Sicherlich haben Sie Recht wenn Sie schreiben, das Frau Giffey als Bürgermeisterin von Berlin etwas mehr zu tun hat als ich in meiner Leitstelle und Berlin noch andere Sorgen hat als die Flüchtlinge aus der Ukraine.
    Aber Frau Bürgermeisterin hat auch eine menge Berater die ihr zur Seite stehen.
    Und das eine Menge Flüchtlinge zu uns kommen werden, das war zu erwarten. Da hätte man auch etwas vorausschauender
    Planen können. Oder?

  6. 29.

    Was soll das denn für ein Unsinn,was sie da vom Stapel lassen.Ich habe mit meinem Beitrag lediglich meine Hochachtung für die Ersthelfer ausdrücken wollen,derweil die Behörden noch überlegen und ordnen müssen.Damit drücke ich auch aus wie unkompliziert und schnell doch Bürger handeln.Ich weiß jetzt auch nicht was es damit zu tun haben soll,das der Senat mir mein Bett machen soll und mir Frühstück ans Bett bringen soll.Das finde ich Boha.

  7. 28.

    "Irre, diese post-sozialistische Bürger-Bequemlichkeit Alles immer sofort vom „Staatsapparat“ zu verlangen !"

    Einerseits 100% Zustimmung. Andererseits, wenn man bedenkt, dass der Bürger jahrelang für die Unterhaltungskosten eines "Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten" aufkommt, um in der Krise zu erfahren dass diese Behörde sich fürs "Anleiern" beschränkt und sonst für unzuständig erklärt dann kann man die Empörung sehr gut verstehen. Wir reden über eine Mamut6behörde mit zwei Standorten und 10 Abteilungen sowie unzähligen Planstellen. Wir reden über eine Behörde, die im Berliner Haushaltsplan mit fast eine Halbe Milliarde da steht.

  8. 27.

    Das wäre wirklich ein sehr guter Ansatz. dann wäre auch das ganze Geld, was dort rein gesteckt wurde, nicht vollkommen umsonst ausgegeben.

    Dort sind massig Betten vorhanden, WC Anlagen usw. Für eine kurzfristige Unterbringung ist dies mehr als ausreichend. In naher Umgebung kommen sie trocken unter, können sich erstmal gedanklich etwas sortieren. Auch freiwillige Helfer lassen sich dort einsetzen. Ebenso eine offizielle Anlaufstelle mit Dolmetschern.

  9. 26.

    Gut Möglich, ohne Frau Giffey in Schutz zu nehmen, das eine regierende Bürgermeisterin vermutlich im Gegensatz zu Ihnen etwas mehr zu tun hat und der alleinige Fokus eben nicht nur auf der UKR Krise liegt. Berlin ist noch mehr als nur das

  10. 25.

    Macht mal endlich was ist natürlich sehr gut, darauf kommt auch bestimmt nicht der Senat. Sie erinnern mich an FfF, fordern fordern fordern aber ohne konkrete Lösungsansätze.

  11. 24.

    Boah … Natürlich macht das (in so einer Situation) erstmal das Volk … Wie bei Corona … Der Senat ist das Volk. Sie sind das Volk. Ich bin das Volk. Jedes Unternehmen und jede Institution ist das Volk … Sie glauben tatsächlich, das Ihnen ein „Senat“ alles zu recht macht, ihr Leben organisiert und alles komplizierte sofort aus dem Weg räumt, oder ? … Soll er Ihnen auch noch abends das Bett machen und morgens ein Frühstück ?! … Irre, diese post-sozialistische Bürger-Bequemlichkeit Alles immer sofort vom „Staatsapparat“ zu verlangen !

  12. 23.

    Sie haben völlig Recht! Die Unfähigkeit gepaart mit Selbstgefälligkeit des Senats wird so offensichtlich, dass man sich schämen muss. Die Interviews z.B. von Frau Giffey glänzen durch inhaltliche Leere und der Sprachgebrauch von Frau Kipping ist in der Wortwahl unangemessen. Das Einsetzen von echten Krisenstäben wird zeitlich versäumt, obwohl jeder, der Nachrichten nicht nur lesen kann sondern auch VERSTEHEN kann, wusste was kommen wird. Aber sicher rühmt man sich im nächsten Interview seiner „Erfolge“. Der Staatssekretär: „Vor allem seien die Mitarbeiter des Landes aber damit befasst, Unterkünfte zu finden“. Mit etwas Nachdenken findet man sie, wie Heike im Kommentar 18 schreibt. Diese Politschwätzer sollten jetzt mal die Fernsehkameras meiden und an Lösungen arbeiten.

  13. 22.

    Hätte man in Berlin nicht alles kaputtgespart, wäre auch unkomplizierte Hilfe möglich.

    Es gibt genug Turnhallen zur Unterbringung. Aber das ist ja als Sofortmaßnahme nicht gut genug ..

  14. 20.

    Jahrzehntelang wurde die Berliner Verwaltung kaputtgespart. Ebenso die Berliner Polizei, Feuerwehr und Justiz.

    Jetzt rächt sich der unsägliche Sparwahn der letzten Jahrzehnte.

    An der aktuellen Personalsituation kann niemand schnell oder mittelfristig etwas ändern.

    Angestellte und Beamte müssen erst ausgebildet werden. Das dauert und kostet

    Also nicht immer nur fordern.. mehr Personal für die Ukrainer gibt's halt nicht

  15. 19.

    Ich ziehe den Hut vor den vielen Freiwilligen Helfern.Der fast rote Senat ist Mal wieder überfordert.Das Volk macht das!!!!!!.Wie fast alles Gute immer.Das Volk .Unsere Vertreter die wir gewählt haben überlegen noch Nächste Mal bei der Wahl Augen auf. Es gibt auch viele unabhängige Interessengruppen die noch Ideale haben und kluge Leute in ihren Reihen haben.Die sind das Volk .

  16. 18.

    Sie haben vollkommen recht. Das ehemalige Notfallkrankenhaus Messegelände hätte man mit den richtigen Helfern ruckzuck erstmal zu einer Notunterkunft für die ankommenden Flüchtlinge am ZOB umbauen können. Daneben gleich das Impfzentrum...das wäre schon mal was gewesen.

  17. 17.

    Es ist völlig normal dass erstmal Menschen Menschen unbürokratisch helfen, wozu braucht es immer gleich und sofort die Politik. Die Politiker könne ja nicht einfach ohne rechtlichen Rahmen in irgendwelche Töpfe greifen und das Geld verteilen wo es Ihnen gerade beliebt und wer soll das alles sofort machen, es gibt eine bestimmte Anzahl an Mitarbeitern in der Verwaltung. Die haben auch noch anderes zu tun, weil z.B. Hr. Meier einen neuen Ausweiss braucht, ganz dringend natürlich. Oder sollen wir z.B. die Jugendamtmitarbeiter, abziehen. Vielleicht können Sie auch Nachtschichten machen, schlafen wird überbewertet. Man sollte eigentlich selbstständig genug sein um in einer Krise erstmal zu helfen.
    Jeder ein bischen

  18. 16.

    Es ist doch wirklich nicht zu fassen, wie die Berliner Führungsriege wirklich bei keinem Thema irgendetwas auf die Reihe bekommt. Man müsste, könnte, sollte, evtl. "leiert" man vielleicht was an ... MACHT ENDLICH MAL! Es kann echt nicht wahr sein, diese geballte, sich den Arsch auf Steuerzahlers Kosten breit sitzende Inkompetenz!

  19. 15.

    Polen hat innerhalb von 5 Tagen 680 Tausend Schutzsuchende aufgenommen. Und niemand hat dort gefragt wo sollen die alle hin.

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