Wenig Studierende und Absolventen - Lehrermangel in Brandenburg verschärft sich weiter

Mi 23.03.22 | 14:34 Uhr
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Schüler sitzen während des Unterrichts im Klassenzimmer. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Brandenburg steuert auf einen dramatischen Mangel an Lehrerinnen und Lehrern zu.

Im Wintersemester 2020/21 haben sich 951 Studierende für einen Lehramts-Studiengang immatrikuliert, wie aus einer Antwort des Bildungsministeriums in Potsdam auf eine Anfrage der Linke hervorgeht. Im vergangenen Wintersemester waren es demnach nur noch 808, davon 566 für die höheren Lehrstufen Sekundar I und II. Für ein Grundschullehramt schrieben sich nur 153 Studierende ein.

Für das zurückliegende Studienjahr weist das Bildungsministerium 328 Absolventen aus. Laut Bedarfsplanung der Landesregierung bräuchte das Land mehr als 1.000 neue Lehrkräfte. Besonders drastisch ist der Mangel demnach in Grund-, Förder- und Berufsschulen.

Linke fordert "ehrliche Evaluation"

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Kathrin Dannenberg, warnt vor einer "Katastrophe" im Bildungsbereich. "Der Mangel an voll ausgebildeten Lehrkräften droht sich zu verfestigen", kritisiert auch die hochschulpolitsche Sprecherin der Linken, Isabell Vandre.

Selbst wenn ein Teil der zurückgehenden Zahlen mit der Corona-Pandemie zu erklären sei, dürfe man sich nicht darauf ausruhen. "Das Problem sitzt offenkundig tiefer und verlangt nach einer ehrlichen Evaluation", so Vandre. Dannenberg kritisierte gegenüber dem rbb, dass schon jetzt an manchen Schulen etwa 40 Prozent Seiteneinsteiger lehrten.

Lehrermangel ist bundesweites Problem

Landesweit ist laut Angaben des Bildungsministeriums im Schnitt jede fünfte der rund 24.000 Lehrkräfte ohne "grundständige Lehramtsausbildung". Die im Verhältnis meisten Seiteneinsteiger arbeiten in Grund- und Förderschulen.

Die Linke fordert mehr Engagement von Bildungs- und Wissenschaftsministerium wie etwa Werbekampagnen und mehr finanzielle Unterstützung. So brauche die Universität Potsdam für die Lehrkräfteausbildung mehr Professuren, damit die angepeilte Zahl von 1.000 Lehramtsstudierenden noch erreicht werden könne.

Der Mangel an Personal ist nicht nur ein Brandenburger Problem: Bundesweit registriert die Kultusministerkonferenz (KMK) sinkende Zahlen. Bis 2030 fehlten nach Modellen der KMK rund 14.000 Lehrerinnen und Lehrer. Bildungsforscher warnen, dass der Mangel durch mehr Geburten, Zuwanderung und altersbedingte Abgänge noch deutlich größer sein könnte als von den Ministerien prognostiziert. Sie gehen von einer Lücke von mehr als 80.000 Lehrkräften bis 2030 aus.

Sendung: Brandenburg aktuell, 23. März 2022, 19:30 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Gut geschrieben, bis auf den Klammersatz, weil Unterrichtsstunden nicht gleich Arbeitszeiten sind und der unterschiedliche Verdienst sich an den unterschiedlichen Voraussetzungen mitorientiert, die man erbringen muss.
    Aber zur Sache: Es ist eine Binsenweisheit, dass man sich gegen den Trend ausbilden lassen muss...

  2. 9.

    Berlin probiert es mit Verbeamtung, was in Brandenburg offenbar auch nicht reicht. Lachhaft. Statt innovative Lösungen zu schaffen (Lehrbedingungen verbessern), werfen Pfründe verteilt (Verbeamtung).

  3. 8.

    Mein Abitur habe ich 2006 gemacht und wie sehr wurde mir davon abgeraten Lehrerin zu werden: da bekommst du keinen Job hat es geheißen. Und heute? Tja, die Wartelisten sind leer (ich war nach meinem Examen auf Platz 352 im Jahr 2011) und stattdessen darf bald jeder Busfahrer Lehrer werden… ach weh, es geht bergab. Da kann auch kein guter Lehrer mehr nachkommen, wenn es an der Bildung scheitert. Armes, armes Deutschland und deren Kinder!

  4. 7.

    Sowohl der Artikel als auch die zitierten Politiker gehen am Thema vorbei. Sie thematisieren nur der aktuelle Situation an den Schulen. Keiner beschäftigt sich mit den Ursachen des jahrelangen Lehrermangels. Die Antwort ist kurz: der Lehrerberuf ist ein " Höllenjob", kein Lehrer hält in dieser "Tretmühle" bis zum Renteneintritt durch.

  5. 6.

    Unsere Häuptlinge scheinen den kurzen Blick in die Zukunft schon lange verloren zu haben. Man könnte sich ja mit der Abwanderung der Lehrer in andere Bundesländer heraus reden. Nur dort herrscht das gleiche Problem. Ähnlich ist es auch mit Wohnraum. Vor 20 Jahren wurden Wohnungen abgerissen / zurück gebaut. Heute fehlt es an Wohnraum.
    Und das liegt bestimmt nicht nur an den Flüchtlingen. Es wurde schlicht verschlafen und alles auf Sparflamme gehalten. Bis sich das einpendelt wird es dauern.

  6. 5.

    Dann kann man sich nämlich gerne selbst von dem entspannten Dasein eines Lehrers gerne selbst überzeugen.

    Langer Rede kurzer Sinn. Wenn man mehr Menschen zum Lehramtsstudium motivieren oder als Lehrkräfte halten möchte, müssen vor allem strukturelle Unzulänglichkeiten angegangen werden und gesellschaftlich Wertschätzung erfolgen.

    Meinen Schülerinnen und Schülern kann ich nicht mehr so bedingungslos zu diesem Studium und Beruf raten wie früher.

  7. 4.

    mehr auf sich nehmen wollen gerade in Anbetracht der Mängel, die es im Bildungswesen gibt.

    Sicherlich spielt auch die gesellschaftliche Sicht auf den Lehrerberuf eine Rolle bzw. die fehlende Wertschätzung, Anerkennung und Unterstützung. Ich zitiere bloß "faule Säcke" und ich könnte viele Kommentare von Nicht-Lehrern aus dem Verwandten- und Freundeskreis sowie Beiträge aus (sozialen) Medien anfügen.
    Ich kann nur jedem raten, mal als Quereinsteiger in den Schulbetrieb reinzuschnuppern.

  8. 3.

    Das wundert mich nicht, ist der Lehrerberuf entgegen der landläufigen Meinung anspruchsvoll, fordernd und stressig und ja, in der Tat, es ist in den letzten Jahren auch durch zusätzliche nicht-unterrichtliche Verpflichtungen schlimmer geworden. An unserer Schule geben meist 75% der Quereinsteiger, die ich grundsätzlich als Bereicherung sehe, innert eines Jahres auf. Meist mit dem Kommentar, dass dies die heftigste und stressigste Arbeit ist, die sie je gemacht haben und sie die Belastungen nicht

  9. 2.


    Hauptverantwortlich für den Lehrermangel ist die KultusMinisterKonferenz, die nicht in der Lage war, eine einfache Rechenoperation durchzuführen: Geburten pro Jahr + 6 =Einschulungsalter. Auch das Ansehen des Berufes ist gering...Das meiste Geld gehört nicht in die Gymnasien - sondern in die Grundschulen (da haben übrigens die Lehrer die meisten Unterrichtsstunden und bis vor Jahren den geringsten Verdienst!). In Brandenburg stellt die SPD seit 1992 den Bildungsminister!! Noch Fragen!?

  10. 1.

    Wer tut sich sowas noch freiwillig an?
    Bei soviel kompetenz im bildungsministerium in form von fr.ernst....ach was solls schwamm drüber.
    Der lehrermangel ist seit jahren bekannt!also mal nicht so tun als ob das gestern vom himmel gefallen ist.
    Wie die letzten 2 jahre coronachaos!also wenn schon unfähig dann aber konsequent!

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