Internationaler Frauentag in Berlin und Brandenburg - Demos, Veranstaltungen und (k)ein Feiertag

Di 08.03.22 | 18:36 Uhr
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Anläßlich des Frauentages versammeln sich Teilnehmer an einer Kundgebung eines Bündnis aus feministischen Gruppen, Gewerkschafter, Klima- und Care-Aktivisten am Rosa-Luxemburg-Platz. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: rbb|24 | 08.03.2022 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Paul Zinken

Im Fokus der Veranstaltungen und Demos anlässlich des Internationalen Frauentags - ob als Feiertag wie in Berlin oder als Arbeitstag wie in Brandenburg - steht das Leid der ukrainischen Frauen. Tausende Aktivistinnen waren auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs.

Anlässlich des Internationalen Frauentags haben an diesem Dienstag in Berlin zahlreiche Demonstrationen, Proteste und Veranstaltungen stattgefunden, von denen Aktivistinnen, Veranstalter und Polizei bereits am Mittag mehrere tausend Teilnehmer vermeldeten.

Gote erinnert an das Kriegsleid vieler Frauen aus der Ukraine

Im Fokus vieler Proteste stand dabei der Krieg in der Ukraine. Berlins Gleichstellungssenatorin Ulrike Gote (Grüne) wies darauf hin, dass insbesondere Frauen und ihre Kinder auf der Flucht seien, viele seien schon in Berlin angekommen oder werden noch kommen. Unzählige Familien habe der Krieg auseinandergerissen: "In Konflikten nimmt die Gefahr sexueller Gewalt zu, vor allem bei Frauen, die fliehen oder sichere Unterkünfte verlassen müssen. In Berlin finden sie Sicherheit und die gesundheitliche und psychologische Unterstützung, die sie brauchen. Meine Gedanken sind auch bei den mutigen Frauen, die ihr Land verteidigen", unterstrich Gote.

Geschichtlicher Hintergrund

Der Frauentag wurde auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin erstmals am 19. März 1911 in Deutschland und in Nachbarländern organisiert.

Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert.

1977 erkannte die UN-Generalversammlung den 8. März als Internationalen Frauentag an.

Brandenburgische Frauenwochen zum Thema "Gehen oder Bleiben"

Auch für Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) steht in diesem Jahr vor allem auch die Solidarität mit den Frauen in der Ukraine im Vordergrund, die besonders unter den Folgen des russischen Krieges gegen das Land zu leiden hätten. Daher widmen sich die Brandenburgischen Frauenwochen [frauenpolitischer-rat.de], die im Zusammenhang mit dem 8. März im Land veranstaltet werden dem Thema "Gehen oder Bleiben". Vor dem Hintergrund des völkerrechtswidrigen Krieges in der Ukraine habe dieses Themenfeld eine dramatische Aktualität. "Hunderttausende ukrainische Frauen stehen vor der Entscheidung, zu bleiben oder ihre Heimat zu verlassen und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen", sagte Woidke. Es gehe um die nackte Existenz und die körperliche und seelische Unversehrtheit. Deshalb sei es besonders wichtig, dass jetzt alle zusammenstehen. Er bedankte sich für die große Solidarität der Brandenburger.

Woidke rief außerdem zu mehr Chancengleichheit für Frauen in der Gesellschaft auf. Dieser Tag sei jedes Jahr Anlass, die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen verstärkt in den Blick zu nehmen. "Das muss aber jeden Tag Thema sein. Jeder Frau muss es möglich sein, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten", betonte er.

Die Brandenburgischen Frauenwochen waren bereits am vergangenen Donnerstag eröffnet worden. Aufgrund der Corona-Pandemie finden sie wie im vergangenen Jahr ganzjährig bis zum 31. Dezember statt. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen wie Diskussions- und Gesprächsrunden, Workshops, Ausstellungen, Theater und Lesungen. Im Veranstaltungskalender des Frauenpolitischen Rats sind Angebote des ganzen Landes gelistet [frauenpolitischer-rat.de].

8. März seit 2019 in Berlin Feiertag

Berlin entschied sich im Januar 2019, diesen Tag als gesetzlichen Feiertag einzuführen. "Wie kein anderes Datum steht der 8. März für den langen Weg hin zur Gleichstellung der Geschlechter", hatte der damalige Berliner Regierungschef Michael Müller (SPD) dazu erklärt.

In diesem Jahr kündigten viele Aktist:innen und Veranstalter:innen Proteste und Demonstrationen tausender Menschen auf den Straßen Berlins an. Die wohl größte Demonstration startete am Nachmittag in Wedding: "Frauen*kampftag 2022". Wie die Polizei mitteilte, seien hier mehrere tausend Teilnehmer angekündigt. Vom Leopoldplatz soll es über verschiedene Zwischenstationen zur Seestraße gehen.

In Berlin-Kreuzberg trafen sich hunderte Frauen am Mittag zu einer Fahrraddemonstration am Mariannenplatz. Sie radeln unter dem Motto "Ab auf das Rad gegen‘s Patriarchat" durch Berlin.

Protest vor der russischen Botschaft

Zu einer Kundgebung vor der Russischen Botschaft Unter den Linden in Mitte versammelte sich bis zum Mittag eine Anzahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern im unteren vierstelligen Bereich, wie ein Polizeisprecher dem rbb sagte. Es gebe noch immer starken Zulauf zu der Veranstaltung. Die Kundgebung richtet sich gegen den Krieg in der Ukraine und soll auf die Lage ukrainischer Frauen aufmerksam machen.

Zu einer weiteren Frauentags-Demonstration am Rosa-Luxemburg-Platz, zu der die Gewerkschaft ver.di aufgerufen hatte, kamen ebenfalls Hunderte Menschen. Die Zahl liegt der Polizei zufolge im oberen dreistelligen Bereich.

"Rosen für Clara": Das FrauenNetz Marzahn-Hellersdorf legte - wie nun bereits seit über 20 Jahren am internationalen Frauentag Blumen am Clara-Zetkin-Denkmal in Ahrensfelde nieder.

Zudem sind weitere Veranstaltungen - verteilt über das gesamte Stadtgebiet geplant [berlin.de].

Trotz Vorstoß der Linken, 8. März in Brandenburg kein Feiertag

Brandenburgs Politik hatte sich in diesem Jahr noch dagegen ausgesprochen, den 8. März so wie in Berlin zum gesetzlichen Feiertag zu erklären, obwohl vor rund zwei Wochen im Potsdamer Landtag ein entsprechender Antrag der Linksfraktion eingebracht worden war. Die Linken trafen hier auf wenig Zustimmung. Die Landtagsmehrheit aus SPD, CDU, Grünen sowie der oppositionellen AfD stimmte gegen den Antrag, Linke und BVB/Freie Wähler hatten dafür votiert.

Während die Grünen anführten, dass aktuell nicht die Zeit für einen solchen Feiertag sei, denn jetzt müsste erstmal die Pandemie überwunden werden, erklärten SPD-Vertreter, dass es sich zwar um einen Kampftag handele. Aber die Sensibilisierung für Gleichberechtigung müsse ständig geschehen und nicht nur am 8.März. Innenminister Michael Stübgen (CDU) lehnte den Vorstoß ebenfalls ab. Es gebe Morde an Frauen wegen ihres Geschlechts, es gebe Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt würden und solche, die wegen ihres Geschlechts nicht befördert würden, sagte er. Ein gesetzlicher, arbeitsfreier Frauentag helfe diesen Frauen allerdings null und nichts. Er sprach von einem "Show-Antrag". AfD-Vertreter nannten den Antrag "überflüssig, weil Frauen von der deutschen Mehrheitsgesellschaft eben nicht diskriminiert werden".

Laut Umfrage aus dem Jahr 2021 favorisiert jeder zweite Bundesbürger aber einen Feiertag

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem vergangenen Jahr sollte der 8. März nach Ansicht jedes zweiten Bundesbürgers in ganz Deutschland gesetzlicher Feiertag sein. So sprachen sich 47 Prozent der Befragten für diesen Schritt aus. Nur 29 Prozent der Bundesbürger wäre nicht damit einverstanden.

Sendung: Abendschau, 08.03.2022, 19:30 Uhr

49 Kommentare

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  1. 49.

    Ach Gottchen, jedes Jahr am 8. März die gleichen Kommentare hier: Ein arbeitsfreier Frauentag und Demonstrationen in Berlin sind unnötig, weil "brauch ich nicht"; "wo bleibt der Männertag?"; "DDR Nostalgie"; "Shopping Day in Brandenburg" uswusf.

    Mal als kleinen Denkanstoß: In Istanbul wurden gestern Frauen, die am internationalen Frauentag demonstriert haben, zusammengetrieben und mit Tränengas beschossen. Und hier feiert Ignoranz und m. E. auch eine gewisse Misogynie immer wieder pünktlich fröhlichen Urständ . . .

  2. 47.

    Sie haben Recht, der Frauentag weißt auf die Ungleichbehandlungen und Schwierigkeiten von Frauen hin. Aber welche Frauen bleiben den an diesem Tag hier in Berlin zu Hause?? Nicht die Krankenschwester, Ärztin die Bus oder U-Bahnfahrerin und und und. Es bleibt die Frau zuhause die am vergangenen Freitag um 16 Uhr ihren Schreibtisch verlassen hat, am Montag einen Brückentag genommen hat und heute morgen frisch erholt zur Arbeit gekommen ist.

  3. 46.

    Ich nehme mal an Sie gehen an den von Ihnen offenbar so gehassten christlichen Feiertagen auch nicht arbeiten und machen einen auf La Dolce Vita. Ansonsten wäre mein Vorschlag, dass jeder der sich über diese Feiertage negativ äußert einfach arbeiten geht.

  4. 45.

    Ihren Kommentar schließe ich mich voll an.
    Dieser Tag bedeutet einfach mehr als nur übers Kaffeekränzchen nachzudenken mit Sahnehäubchen obendrauf.

  5. 44.

    Ich finde den Frauentag klasse!
    Ein Feiertag ohne verstaubten Jahrhunderte alten religiösen christlichen Bezug. Was bringt denn der Reformationstag? Oder Pfingsten? Wie viel Prozent der Berliner wissen, was da dolles religiöses gefeiert wird bzw wer „feiert“ das dann wirklich und eilt dafür in die Kirche?
    Aber ein Tag, der auf die aktuellen Ungleichbehandlungen/Schwierigkeiten von Frauen hinweist, der ist zeitgemäß und sensibilisiert hoffentlich jedes Jahr mehr Menschen und führt so über die Jahre zu Fortschritten hier in Berlin.
    Ein schöner Gedanke!

  6. 42.

    Die Geschichte des internationalen Frauentages bei Wiki nachzulesen, fand ich höchst spannend. Meine Kinder hatten gefragt und ich kannte den Ursprung des Datums 8. März selbst nicht: "Am 8. März 1917 – nach dem damals in Russland verwendeten julianischen Kalender der 23. Februar – streikten in Petrograd die Bewohnerinnen der armen Stadtviertel auf der Wyborger Seite. Arbeiterinnen, die Ehefrauen von Soldaten und erstmals auch Bäuerinnen gingen gemeinsam auf die Straße und lösten so die Februarrevolution aus. Zu Ehren der Rolle der Frauen in der Revolution wurde auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt."
    Überraschend die Liste der Länder in denen der Feiertag, wie in Berlin, offiziell begangen wird - in manchen Ländern gilt der Feiertag nur für Frauen ;)
    de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Frauentag

  7. 41.

    Diese Umfrage ist keine Neuigkeit, welcher Arbeitnehmer hätte nicht gerne ein zusätzlichen Urlaubstag bei voller
    Bezahlung?

  8. 40.

    Vollkommen am Thema vorbei. Ein Tag ohne Sahne tust auch ;-)

  9. 39.

    Ach das ist ja mal eine Ansage....wir sind gleich da:-) Aber bitte mit Sahne.
    Hier in Berlin hatte sogar mein Lieblingsbäcker zu;(

  10. 37.

    Liebe@Heike
    aber gerne, in der Nähe vom Bahnhof ist eine schöne Konditorei.
    Ansonsten stimme ich Ihnen zu.

  11. 36.

    Meines Wissens ist der Muttertag immer ein Sonntag, also kein extra ausgewiesener Feiertag. Der Vatertag ist auch Herrentag ist kein so heißender Feiertag. Der Name des Feiertages lautet korrekt Christi Himmelfahrt.

  12. 35.

    „Die grüne FDP meint hingegen "dass aktuell nicht die Zeit für einen solchen Feiertag sei, denn jetzt müsste erstmal die Pandemie überwunden werden".“

    Mit der Begründung könnte man diesen unsäglichen „Herrentag“ an Christi Himmelfahrt ja dieses Jahr auch einfach mal ausfallen lassen … Halleluja, der Herr sei (nicht) gepriesen! Amen.

  13. 34.

    Haben sie auch die Begründung dafür gelesen?

    Die rechtsextreme AfD meint der Tag wäre überflüssig, weil "überflüssig, weil Frauen von der deutschen Mehrheitsgesellschaft eben nicht diskriminiert werden".

    Die grüne FDP meint hingegen "dass aktuell nicht die Zeit für einen solchen Feiertag sei, denn jetzt müsste erstmal die Pandemie überwunden werden".

  14. 33.

    Verstehe die Aufregung über den Frauentag ÜBERHAUPT NICHT.
    Es müsste noch viel mehr FEIERTAGE geben.
    Viel zu lange hat sich die ARBEITENDE BEVÖLKERUNG von der ganz großen Agenda2010-Koalition EINLULLEN LASSEN.

  15. 32.

    Himmelfahrt, andernorts auch als „Vatertag“ bekannt, wird in Berlin euphemistisch als „Herrentag“ bezeichnet. Also, wenn das kein dezidierter Männertag ist, weiß ich auch nicht. Warum Mann sich ausgerechnet an diesem Tag besonders peinlich und unangenehm verhalten muss, ist und bleibt mir auch ein Rätsel.

  16. 31.

    Also die Frauen haben den Muttertag und den Int. Frauentag - also zwei Feiertage. Die Männer haben den "Vatertag" und am 19. November ist der Int. Männertag - aber es gibt nur einen davon als Feiertag. Ist ja auch gerecht. Frauen haben / hatten sehr oft eine Doppelbelastung und dürfen deshalb zweimal feiern. Logisch - oder etwa nicht?

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