AfD Brandenburg wählt neuen Vorsitzenden - Wer kommt nach Kalbitz?

Sa 09.04.22 | 08:20 Uhr | Von Amelie Ernst
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Collage: René Springer (AfD) / Birgit Bessin (AfD) (Quelle: dpa/Christophe Gateau/Soeren Stache)
Audio: Inforadio | 09.04.2022 | Amelie Ernst | Bild: dpa/Christophe Gateau/Soeren Stache

Seit mittlerweile fast zwei Jahren, seit Andreas Kalbitz seinen Posten räumen musste, hat die Brandenburger AfD keinen Vorsitzenden. Zwei Stellvertreter führen seitdem die Geschäfte. Am Wochenende soll ein neuer Vorstand gewählt werden. Von Amelie Ernst

Dass die Brandenburger AfD gespalten ist, bestreitet inzwischen eigentlich kaum noch jemand - zumindest nicht hinter vorgehaltener Hand. AfD-Fraktionschef Hans-Christoph Berndt sprach zwar nach seiner knappen Wiederwahl vor vier Wochen von einem "positiven Signal".

Das Wahlergebnis zeigte jedoch eher das Gegenteil: Fast so viele Fraktionsmitglieder stimmten gegen wie für ihn. Auch in einigen Kreisverbänden brodelt es – und zwar teils so heftig, dass nach der im Barnim zuletzt auch die AfD-Kreistagsfraktion in Dahme-Spreewald zerbrach und sich nun um die Namensrechte streitet.

Kalbitz-Vertraute Bessin kandidiert

Auch bei der Wahl des oder der neuen Landesvorsitzenden gibt es im Wesentlichen zwei Lager: Auf der einen Seite die Anhänger der bisherigen stellvertretenden Landesvorsitzenden und Kalbitz-Vertrauten Birgit Bessin. Sie hat kein grundsätzliches Problem mit Radikalen und Identitären in oder im Umfeld der Partei, kämpft gegen die Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz und steht für den Teil der Partei, der auf der Straße agiert und beispielsweise gegen Corona-Maßnahmen demonstriert.

Regelmäßig spricht Bessin auf Kundgebungen und bei sogenannten "Montagsdemonstrationen". Unterstützer hat sie vor allem in den AfD-Kreisverbänden im Brandenburger Süden und im Nordosten - dort, wo sich auch Andreas Kalbitz auf besonders große Zustimmung verlassen konnte.

Konkurrent Springer tritt gemäßigter auf

Lange Zeit hatten Kalbitz' Anhänger gehofft, dass dieser noch rechtzeitig vor der Neuwahl in die Partei zurückkehren und damit selbst antreten kann - nach dem Rückzug von Ex-Parteichef und Kalbitz-Opponent Jörg Meuthen im Januar schien dies zunächst wahrscheinlicher zu werden. Allerdings entscheidet das Berliner Landgericht erst am 22. April, zwei Wochen nach der Neuwahl in Prenzlau, über Kalbitz‘ Klage gegen seinen Rauswurf aus der Partei. Stattdessen kandidiert nun Birgit Bessin.

Bessins Konkurrent um den Landesvorsitz ist der AfD-Bundestagsabgeordnete René Springer. Auch er kritisiert "Impfzwang" und "Migrationskrise" und will dem "Staatsfunk das Rückgrat brechen", tritt aber nach außen meist gemäßigter auf als Bessin und will die Wahrnehmung der Brandenburger AfD verändern. In seinem Bewerbungsvideo fordert er unter anderem PR-Schulungen für die Kreisverbände.

"Wir müssen uns fragen, warum unsere Veranstaltungen inzwischen nicht mehr gut besucht werden, warum wir Mitglieder verlieren und warum wir in Umfragen trotz des desaströsen Zustands unseres Landes eher fallen als steigen", so Springer. Außerdem müsse es das große, übergeordnete Ziel der AfD sein, zur stärksten politische Kraft zu werden und "die Machtfrage" zu stellen. Alles sei diesem einen Ziel unterzuordnen.

Wer schafft es, mehr Unterstützer zu mobilisieren?

Auch René Springer grenzt sich nicht klar von Radikalen und Rechtsaußen in der Partei ab, würde sie im Falle eines Wahlerfolgs wohl auch in den Vorstand integrieren, heißt es aus seinem Umfeld. Allerdings müsse der Vorstand künftig stärker auf die Einhaltung der Satzung achten. Zu oft seien Konflikte innerhalb des Landesverbandes in den vergangenen Monaten eskaliert – das wolle Springer ändern.

Offen ist, wer am Ende mehr Parteimitglieder von sich überzeugen kann: So wird es beim Parteitag auch darauf ankommen, wer es schafft, besser zu mobilisieren und an einem Wochenende mehr UnterstützerInnen nach Prenzlau, ganz im Brandenburger Nordosten, zu holen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.04.2022, 6 Uhr

Beitrag von Amelie Ernst

30 Kommentare

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  1. 30.

    Der "Mainstream", wie sich Rechtsextremisten auszudrücken pflegen, ist nicht perplex, sondern entsetzt über die manipulierten Wahlen und die Abschaffung der Demokratie in Ungarn. Aber die EU reagiert, wenn auch viel zu spät. Jetzt geht es der Kleptokratie in Ungarn an den Kragen.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/orbn-als-abrissbirne-der-demokratie-europas-dreistester-kleptokrat-sitzt-in-budapest/26640004.html

  2. 29.

    Zitat: "Ganz ihrer Meinung. Morgen wählt Frankreich. Frankreich hat schon immer starke Signale nach D gesendet."

    Die Quertreiber haben sich z. B. auch sowas wie eine "Gelbwesten" Revolution hierzulande gewünscht - kam aber nicht. Also allzu viel Hoffnung würde ich mir an Ihrer Stelle nicht machen, dass die AfD vom wmgl. guten Abschneiden von Le Pen in Frankreich profitiert, Rolando oder Rolandy.

  3. 28.

    Zitat: ".. Und Ungarn hatte vor einigen Tagen gewählt. Der hiesige Mainstream ist perplex."

    Wo haben Sie das denn gelesen, förster? Sicher nicht im von Ihnen so betitelten "ör-Funk", denn dort und auch im "hiesigen Mainstream" hat der Wahlsieg der Fidesz Partei niemanden überrascht.

  4. 27.

    Und Ungarn hatte vor einigen Tagen gewählt. Der hiesige Mainstream ist perplex."
    Eher nicht.
    Aber dumm schon. Sonst würden die EU die rechten Spinnereien der fides nicht auch noch finanzieren.
    Denn wenn der Geldhahn erst zu ist, geht der Herr Orban den Ceaucescu-Weg.

  5. 26.

    Jetzt diffamieren Sie stabile Eichen. Und Rechtsextremismus scheiße zu finden ist jetzt nicht unbedingt quergedacht...

  6. 25.

    .. Und Ungarn hatte vor einigen Tagen gewählt. Der hiesige Mainstream ist perplex.

  7. 24.

    Wer kommt nach Kalbitz? Der Name ist zweitrangig ... aber es wird wieder ein Rechtsextremer(verdachtfall*innen) sein!

  8. 23.

    Also ich habe den Satz von @förster "Beide Kandidaten brauchen nicht die Bewilligung des ör-Funks und auch kein Einverständnis von ör-Foristen." so verstanden, dass es völlig egal ist was sie und andere Querdenker (sorry, der Begriff ist ja schon belegt), sagen wir andere "Kreuz-und-Querdenker" von Beiden denken, getreu dem Motto "Was kümmerts eine feste und stabile Eiche, wenn ein kleiner Hund sie anpinkelt."
    In dem Sinne noch einen schönen Sonntag.

  9. 22.

    Frankreich ja, Neofaschisten eher nicht. Sonst gäbe es die deutsch-französische Freundschaft nach zwei schrecklichen Weltkriegen nicht.

    Der Nationalismus der Neofaschisten hat die Welt zweimal an den Rand der Katastrophe geführt.

  10. 21.

    Nein. Aber die Beobachtung des VS. Übrigens schreiben sie hier im "ör-Funk". Mal sehen ob meine Kommentare auch bei ihnen in der "Deutschen Stimme" oder "AfD Kompakt" veröffentlicht würden.

    Soviel zum Demokratieverständnis von Rechtsextremen.

  11. 20.

    Glückwunsch zu dieser Erkenntnis. Und was genau wollen Sie jetzt mitteilen?

  12. 19.

    Ganz ihrer Meinung. Morgen wählt Frankreich. Frankreich hat schon immer starke Signale nach D gesendet.

  13. 18.

    Nein. Aber die Beobachtung des VS. Übrigens schreiben sie hier im "ör-Funk". Mal sehen ob meine Kommentare auch bei ihnen in der "Deutschen Stimme" oder "AfD Kompakt" veröffentlicht würden.

    Soviel zum Demokratieverständnis von Rechtsextremen.

  14. 17.

    Wohin wollen Sie denn zurückgeführt werden? In die Zeit nach der Weimarer Republik oder ins Zarenreich? „ Scotty, beam ihn zurück.“

  15. 16.

    Beide Kandidaten brauchen nicht die Bewilligung des ör-Funks und auch kein Einverständnis von ör-Foristen.

  16. 15.

    "Bessins Konkurrent um den Landesvorsitz ist der AfD-Bundestagsabgeordnete René Springer. Auch er kritisiert "Impfzwang" und "Migrationskrise" und will dem "Staatsfunk das Rückgrat brechen", tritt aber nach außen meist gemäßigter auf als Bessin ..."

    Nach außen, ja.

    "Er stellte den ehemaligen Landesvorsitzenden der Jungen Alternative in Brandenburg Jean-Pascal Hohm ein, nach Recherchen von Zeit Online einer von siebenundzwanzig Aktivisten und Anhänger rechtsextremer Organisationen unter den Mitarbeitern von AfD-Bundestagsabgeordneten."

  17. 14.

    Und beide unterstützen den angeblich aufgelösten faschistischen und völkisch-nationalen "Flügel". Wo bleibt der VS der uns endlich von der braunen Brut befreit?

  18. 13.

    Und beide unterstützen den angeblich aufgelösten faschistischen und völkisch-nationalen "Flügel". Wo bleibt der VS der uns endlich von der braunen Brut befreit?

  19. 12.

    Ich sprach von der Zurückführung aller, die von Gesetzes wegen schon lange hätten zurückgeführt werden müssen Wenn Sie was dagegen haben, müssen Sie erst das Gesetz ändern. Bis jetzt ist die unerlaubte Einreise und der unerlaubte Aufenthalt im Bundesgebiet nach § 95 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) strafbar,

  20. 11.

    Vielleicht kommt wieder Kalbitz. Hängt davon ab, wie das Berliner Landgericht entscheidet. Denn bewiesen ist bisher nichts, was die Mitgliedschaft von Kalbitz in dem rechten Pfadfinderclub angeht.

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