Kriminalitätsschwerpunkt - Innensenatorin Spranger will große Polizeiwache am Kottbusser Tor durchsetzen

Mo 04.04.22 | 12:42 Uhr
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Ein Polizeiwagen fährt beim U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg vorbei. (Quelle: dpa/Philipp Znidar)
Audio: Inforadio | 05.04.2022 | J. Menzel | Bild: dpa-Symbolbild/Philipp Znidar

"Ich werde diese Wache einrichten", bekräftigt die Berliner Innensenatorin Iris Spranger - und meint damit die geplante Polizeiwache am "Kotti". Am Montag gab sie weitere Details bekannt. Die Gewerkschaft der Polizei jedoch findet mahnende Worte.

Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat ihre Pläne für eine neue Polizeiwache in Berlin-Kreuzberg am Kottbusser Tor bekräftigt. "Ich werde diese Wache einrichten!", kündigte die SPD-Politikerin am Montag im Innenausschuss mit Nachdruck an. Seit 2014 wird demnach über die Situation am "Kotti" gesprochen.

Es mache sie "traurig und sauer", dass am Kottbusser Tor Beamte immer wieder "aufs Schlimmste" beleidigt werden, erklärte Spranger. Es gebe an diesem Ort zudem Vermüllung, einen "trostlosen Spielplatz", Straftaten und Rauschgiftdelikte. Es gebe daher seit langem den großen Wunsch der Anwohner und Geschäftsleute nach einer Polizeiwache dort.

Räumlichkeiten im U-Bahnhof nicht verfügbar

Die neue Wache werde "anders geöffnet" sein, kündigte Spranger an. Die Räume werden "nicht typisch" für die Polizei sein. "Es wird eine helle Kotti-Wache", versprach die Senatorin, die auch die Wahl des Standorts verteidigte. Spranger sprach von Räumen in einer ersten Etage in einem der umliegenden Häuser. Im Gespräch ist das Hochhaus, das zum Teil über der Adalbertsraße steht. Räumlichkeiten im U-Bahnhof hätten nicht zur Verfügung gestanden. Container könnten aus Gründen der Statik nicht aufgestellt werden.

Die neue Wache werde mindestens 210 Quadratmeter haben, erklärte Spranger weiter. Sie werde damit deutlich größer als die Wache am Alexanderplatz sein. Es gebe in der Polizei viele Bewerbungen von Beamten aus dem Kiez, die in der neuen Station arbeiten wollten, so die Politikerin weiter. Für die Kotti-Wache sind nach ihren Worten 20 zusätzliche Stellen im Haushaltsentwurf vorgesehen.

Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), sieht aber einen deutlich höheren Personalbedarf. Wenn man "ernsthaft Kriminalität bekämpfen möchte", würden mindestens 65 Kräfte benötigt, so Jendro, der davor warnte, dass andere Direktionen personell weiter "ausbluten" könnten. Zudem sei am "Kotti" kriminalpolizeiliche Expertise nötig.

Unterstützung kommt von den Grünen

Unterstützung für die Planungen erhielt die SPD-Senatorin von den Grünen. Deren Abgeordneter Turgut Altug zeigte sich betroffen von der Ignoranz, die herrsche. "Wenn alle so viel getan hätten wie die Polizei, hätten wir das Problem nicht", sagte Altug.

Auch der Kreuzberger CDU-Abgeordnete Wansner stellte sich hinter die Wache. Er betonte, dass dies eine alte Forderung der CDU sei und hielt Sprangers Amtsvorgänger Andreas Geisel vor, das Projekt der Kotti-Wache verschleppt zu haben. Wansner mahnte, gleichzeitig mit dem Kottbusser Tor auch die Kriminalität im Görlitzer Park in den Blick zu nehmen.

Kritisch bewerte dagegen die Linke das Vorhaben. Anwohner seien in Sorge, wenn die Polizei im Wohngebiet sei, sagte die Abgeordnete Elif Eralp. Sie bezweifelt, dass die Intensivierung der Polizeiarbeit der richtige Ansatz sei und verwies auf das Beispiel Hamburg. Dort habe die Polizei rund um den Hauptbahnhof eine Zero-Tolerance-Strategie verfolgt. Im Ergebnis hätten sich die Probleme "wenige Straßen weiter" verlagert.

Für die FDP mahnte Innenpolitiker Björn Jotzo, dass die Wache keine "Schaufenster-Lösung" sein dürfe, durch die die Polizei in der Breite geschwächt werde. Es sei "eine ausreichend dimensionierte Wache" nötig, die alle notwendigen Fähigkeiten bietet.

Bekannt ist bereits, dass die Polizeiwache voraussichtlich erst 2023 in Betrieb gehen wird. Für die Miete sind dann jährlich 50.000 Euro in den Haushaltsentwurf eingestellt. Die Einrichtung der Polizeiwache soll zunächst etwa 250.000 Euro kosten. Zusätzlich soll es eine Videoüberwachung geben.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels haben wir Aussagen der Linken-Abgeordneten Elif Eralp ihrer Kollegin Hendrikje Klein zugeordnet. Wir bitten die Verwechslung zu entschuldigen.

Sendung: rbb24 Abendschau, 04.04.2022, 19:30 Uhr

16 Kommentare

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  1. 15.


    Polizei abschaffen, stattdessen die Ursachen bekämpfen, wie zB. die sinnlose und menschenfeindliche Kriminalisierung. Mit den frei gewordenen Ressourcen ließen sich unzählige soziale Projekte fördern.

    Jeder der am Kotti mal gesehen hat wie sich ein Süchtiger vor einer Gruppe Kinder die Nadel in den Arm rammt, weis, wir brauchen dringend mehr professionell beaufsichtigte Drogenkonsumräume.

    Die Kriminalisierung von suchtkranken Menschen schafft erst Probleme, die es ohne diese Kriminalisierung gar nicht geben würde.
    Ob die sehr kompetente Regierung es in 4 Jahren schafft, wie angekündigt das 100jahre alte Reichsgesetz BtmG zu ändern?

  2. 14.

    Polizei gegen soziale Probleme, wo hat das nochmal super geklappt? Achja, im Görlitzer Park. Rassistische Kontrollen haben den Drogenhandel im Park kein bisschen gehemmt, im Gegenteil, die Polizei hat den Drogenhandel minimalst aus dem Park verdrängt, der hat sich nun in jede einzelne Straße in den angrenzenden Wohngebieten bis nach Fhain verlagert.

  3. 13.

    Aber genau das ist doch das Problem: das Ganze Desaster verlagert sich nur....heraus aus dem Hausflur in andere Räumlichkeiten andere Bezirke! Aber weder Sozialarbeiter noch die Polizei werden doch das Grundproblem wirklich lösen können!
    Das ist wie Pflasterkleben bei einem Herzinfarkt!

  4. 12.

    Doch! Seit dem in der ehemaligen Senioren-Wohngemeinschaft im NKZ ein Aufenthaltsraum und Drogenkonsumräume eingerichtet wurden, liegen bei uns im Hausflur keine Fixer und deren Spritzen mehr rum. Besonders den älteren Bewohnerinnen haben diese oft Angst gemacht, aber auch für die Kinder im Haus waren die Begegnungen manchmal beängstigend.
    Ein großer Teil der Gewalt spielt sich innerhalb der Gruppen des Drogenhandels/konsums bzw. den Alkoholikern auf dem Platz ab. Daher sind Aufenthaltsräume, die nicht im Bereich des ÖPNV liegen (U-Bahnhof) oder direkt vor der Kita (z.B. INA-Kita im ehemaligen Parkhaus hinter dem NKZ) durchaus sinnvoll. Es trägt zum sozialen Frieden bei, die Aufenthaltsorte z.B. von Drogenkonsumenten und Kindern zu trennen. Auch Kinder sind auf den ÖPNV etc. angewiesen. Aber ohne Angebote/Räume, landen Spritzen dann auch auf den Spielplätzen, in den Grünanlagen, Hausfluren, ...

  5. 11.

    @ Frau Herrmann,
    Sie schreiben mir aus den Herzen.
    Ich würde dann Frau Spranger auch noch einen guten Friseur empfehlen, gerade am Kotti soll es gute geben.

  6. 10.

    Wieder einmal zeigt sich, dass es Fachwissen und langjähriger Erfahrung bedarf, ein Amt zu führen.
    Frau Spranger ist Finanzbuchhalterin und verwaltet die Innere Sicherheit.
    Was habt ihr denn erwartet? Bearbeiten und abheften!
    Das es für das Entkriminalisieren kluger Strategien und hinreichender Erfahrungen bedarf, muss Frau Spranger noch lernen.
    Ein Vier- wöchiges-Berufspraktikum im Funkwageneinsatzdienst der Berliner Polizei kann viiiel bewirken.

  7. 8.

    Frau Spranger scheint wohl zu denken das der Kotti ein kuscheliger Kieztreffpunk ist.
    Seit über 10 Jahre gibt es darüber Disskusionen, aber wer ständig Fundamentalopposition wie die Grünen und Linken betreibt sollte lieber die Finger von solchen Objekten lassen.
    Und bis 2023 fliesst noch viel Wasser und Geld den Bach herrunter.

  8. 7.

    "Es gebe an diesem Ort zudem Vermüllung, einen "trostlosen Spielplatz""... Davon gibt es im Kiez einige. Zum Beispiel gab es am Haus Naunynstraße 46 einen Fassadenbrand, nachdem vermutlich Obdachlose, die schon länger in einem Baumhaus auf dem angrenzenden Spielplatz lebten, dieses versehentlich in Brand setzten. Der Baum ist ersatzlos gefällt. Die Spielgeräte durch andere ersetzt. Aber die giftigen Brandreste (Plastikbrand der Fassadenisolierung) im angrenzenden Boden des Spielplatzes wurden bis heute nicht entfernt. Dort spielen mehrere Kitas regelmäßig mit ihren Kleinkindern, und natürlich die Kinder aus der direkten Nachbarschaft. Trotz wiederholter Hinweise ans Bezirksamt, wird eine Bodensanierung nicht vorgenommen. Der Bereich ist für spielende Kinder frei zugänglich. Wahrscheinlich eine Umweltstraftat. Muss da jetzt erst die Polizei kommen?! Oder wäre das auch anders zu heilen?

  9. 6.

    Soziale Einrichtungen und Wohnungen gibt es in Berlin überall zu wenig. Stimmt.
    Dass eine Fixerstube, eine Drogenberatung, ein Asyl für Wohnungslose und eine Suppenküche die Gewalt- und Kriminalität rund um den Kotti verhindern, glauben sie sicher selbst nicht.
    Gewalttaten würden jedoch sicher durch die Anwesenheit von Polizeibeamten eingeschränkt. Die Täterverfolgung wäre sicher effektiver

  10. 5.

    Es sind meist nicht ARME, die sich am Kotti danebenbenehmen sondern Menschen mit Geld (aus Transfer / Drogenhandel / Diebstähle)

  11. 4.

    Selbstkritik von einem Grünen zu den Zuständen in Kreuzberger? Whow! Und das auch noch vom direkt gewählten Abgeordneten des Wahlkreises FHXB3! Die Dame von den Linken aus Lichtenberg sollte mal bei den Genossinnen Breitenbach und Kipping nachfragen, was die innerhalb deren Aufgabenbereiches getan haben haben bzw. zu tun gedenken. Das gilt nicht nur rund um das Kottbusser Tor, sondern auch rund um eine Station weiter gen Osten.

  12. 3.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt, es wäre wünschenswert wenn es endlich mal wieder eine „Law and Order“ Innensenatorin geben würde welche den Keim an der Wurzel packt und der Polizei den Rücken stärkt. Und bevor jetzt die besondere Fraktion wieder aufschreit…. Ich meine damit nicht die Art und Weise wie in bestimmten Ländern die Polizei agiert!!!

  13. 2.

    am Kottbusser Tor gibt es sicherlich viele Problemstellungen, keine*r bestreitet dies. Ob aber eine Polizei, die immer wieder durch mangelnde soziale Kompetenz bei Konfliktlösungen auffällt und höchstens ein paar Knüppel zu bieten hat, ist sicher keine Lösung für Probleme wie zb. Suchtkriminalität die zb. aus Armut entstehen. Wir brauchen soziale Einrichtungen und zb. billigen Wohnraum gegen Obdachlosigkeit hier im Kiez!

  14. 1.

    Hinterfragen die Parteien eigentlich auch mal, welche ihrer Programmpunkte zunächst dazu geführt haben, dass der U-Bhf. Kottbusser Tor überhaupt ein GEWALTSCHWERPUNKT geworden ist?
    Kriminalität regnet ja nicht wie von Geisterhand VOM HIMMEL!

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