Kriminalstatistik 2021 - Zahl der festgestellten Straftaten in Berlin erneut rückläufig

Fr 22.04.22 | 16:09 Uhr
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Ein Demonstrant wird von Polizisten neben der Karl-Marx-Allee festgesetzt. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Audio: rbb24 Inforadio | 22.04.2022 | Jan Menzel | Bild: dpa/Annette Riedl

Die Pandemie macht sich auch bei der Kriminalität weiter bemerkbar: Im Vorjahr gab es weniger Diebstähle und Wohnungseinbrüche, dafür stieg die Zahl der Betrugsfälle. Und: Es wurden weniger Straftaten aufgeklärt, kritisiert die Opposition.

Die Zahl der registrierten Verbrechen in Berlin ist auch im zweiten Pandemiejahr rückläufig gewesen. Die Polizei habe im Jahr 2021 rund 482.000 Straftaten erfasst. Das waren 4,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik am Freitag in Berlin.

Demnach fiel die Zahl erstmals seit 2012 unter die Marke von 500.000 erfassten Straftaten. Spranger wies jedoch darauf hin, dass Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern in der Kriminalstatistik noch ganz oben liege. Zudem geht aus der Statistik auch hervor, dass die Aufklärungsquote gesunken ist. Sie lag 2021 bei 45,3 Prozent, nach 46,1 Prozent im Vorjahr.

Weniger Diebstähle, mehr Betrug

Die Pandemie hat sich konkret auch auf die verschiedenen Arten der Kriminalität ausgewirkt: So sind Diebstähle um 9,8 Prozent zurückgegangen. Bei Ladendiebstählen waren es sogar 16,4 Prozent und bei Wohnungseinbrüchen minus 29,5 Prozent.

Starke Anstiege gab es dagegen beim Betrug, etwa beim Tanken (plus 72,4 Prozent), im Bereich Informationstechnik (plus 255,3 Prozent) und ganz besonders beim Gebrauch falscher Gesundheitszeugnisse (plus 542,9 Prozent). Spranger nannte zudem explizit Betrugsfälle bei Corona-Soforthilfen und in Testzentren.

Ebenfalls stark gestiegen sind Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Hier liegen die Fallzahlen um 32,7 Prozent über dem Vorjahr. Insbesondere die Verbreitung pornographischer Schriften hat demnach zugenommen.

Körperverletzungen (minus 9,0 Prozent) und Raub (minus 6,6 Prozent) nahmen dagegen ab. Insgesamt wurden 100 Fälle von Mord und Totschlag erfasst.

Mehr Gewalt bei politischen Straftaten

Zugleich registrierten die Behörden eine höhere Gewaltbereitschaft bei politischen Straftaten. Zwar ist die reine Zahl der politisch motivierten Straftaten insgesamt von 6.098 Fällen im Jahr 2020 auf 5.799 Fälle im vergangenen Jahr gesunken.

Dagegen stieg die Zahl politisch motivierter Gewalttaten laut Spranger auf 1.037 Fälle, ein Plus von 126 Fällen oder 13,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bedrückend nannte die Innensenatorin dabei auch die zunehmende Gewalt gegen Polizeidienstkräfte.

Polizeikräfte deutlich öfter Opfer von Straftaten

Im Jahre 2021 seien Polizisten 8.569 Mal Opfer von Straftaten geworden. "Das waren über 1.000 Kollegen mehr als im Vorjahr", sagte Spranger. Ein Großteil der Gewalt (27,5 Prozent) passierte dabei laut Polizeipräsidentin Barbara Slowik auf Versammlungen und verbotenen Versammlungen, die sich zumeist gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen gerichtet hätten.

Angesichts dieser deutlichen Steigerung fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Berlin einen besseren Schutz von Einsatzkräften. "Politik und Gesellschaft müssen da einfach mehr tun", erklärte DPolG-Landesvorsitzender Bodo Pfalzgraf laut einer Mitteilung vom Freitag.

Während rechts- und links-motivierte Straftaten 2021 mit minus 20,4 und minus 29,8 Prozent deutlich sanken, stiegen die nicht eindeutig einer bestimmten Szene zuzuordnenden politischen Straftaten um 839 Fälle - ein Plus von 73,9 Prozent. Im Jahr 2021 wurden 1.974 entsprechende Fälle registriert, im Jahr 2020 waren es 1.135. Auch bei den antisemitischen Straftaten gab es eine Zunahme um 14,7 Prozent. Hier wurden 422 entsprechende Fälle registriert. Davon waren knapp zwei Drittel (282) rechts motiviert.

Opposition fordert bessere Polizeiaustattung

Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus kritisiert vor allem die geringere Aufklärungsquote. "Das Sicherheitsempfinden vieler Berlinerinnen und Berliner nimmt ab, wenn in unserer Stadt nicht mal jede zweite Straftat aufgeklärt wird", erklärte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Frank Balzer, laut einer Mitteilung. Die Polizei arbeite weiter am Limit, es fehle an Einsatzkräften und technischer Ausstattung. Und durch immer mehr Einsätze werde es immer schwerer, Überstunden abzubauen.

Die FDP-Fraktion warnt, dass die Abnahme der Fallzahlen bei Rohheitsdelikten, Diebstählen und politisch motivierter Kriminalität nicht von Dauer sein werde. Nach dem Ende der Corona-Maßnahmen müsse die Polizei wachsamer sein, "denn mit der Hauptstadt wird auch die Kriminalität wieder aus dem Pandemieschlaf erwachen", so der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Jotzo. Die Verschiebung der Kriminalität in den virtuellen Raum sieht er als einen zunehmenden Trend. Die Polizei müsse dem mit spezialisiertem Personal und modernster Ausstattung entgegentreten.

Statistik mit begrenzter Aussagekraft

In der Kriminalstatistik sind nur die registrierten Verbrechen erfasst. Taten wie Morde, Überfälle, Einbrüche und Autodiebstähle werden zu einem sehr großen Teil statistisch aufgelistet, weil Opfer sich fast alle bei der Polizei melden.

Die meisten Drogendelikte, Ladendiebstähle und Beleidigungen werden aber nicht erfasst. Auch Körperverletzungen, sexuelle Belästigungen und sexueller Missbrauch von Kindern werden oft nicht aufgedeckt - und tauchen deshalb in keiner Statistik auf. Daher ist die Aussagekraft von Kriminalstatistiken nur in bestimmten Bereichen aussagekräftig.

Sendung: rbb 88.8, 22.04.2022, 12:00 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    ",dass Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern in der Kriminalstatistik noch ganz oben liege". Dann muss an der Statistik noch gearbeitet werden?

  2. 4.

    Nur 45% Aufklärung ist ein Armutszeugnis für Politik und Polizei. Von 482.000 wurden also 265.100 nicht aufgeklärt. Die Täter lachen uns aus. Und wer schonmal eine Anzeige bei der Berliner Polizei machen musste, der weiß auch warum die Quote so ist.

  3. 3.

    Zahl der festgestellten Straftaten bei der Polizei erneut gestiegen.

  4. 2.

    Statistiken sind das Eine. Ich glaube nur denen die ich selbst gefälscht habe.

  5. 1.

    73,9% Steigerung bei den Straftaten, die man KEINER BESTIMMTEN SZENE ZUORDNEN KANN?
    Wo kommt diese magische Explosion her?
    Jede Straftat kann doch wohl einer SZENE zugeordnet werden.
    Offenbar muss der Erfassungsbogen einfach nur mal mit WEITEREN SZENEN ERWEITERT WERDEN.

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