Areal für neues Hertha-Stadion - Reitverein am Maifeld fühlt sich von Sportsenatorin überrumpelt

Fr 08.04.22 | 17:45 Uhr
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Auf einer Luftaufnahme ist das Olympiastadion zu sehen. (Luftaufnahme aus einem Helicopter) (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Audio: rbb24 Inforadio | 08.04.2022 | Heike Schmitt-Schmelz | Bild: dpa/Christophe Gateau

Bekommt die Berliner Hertha ein neues Stadion nördlich vom Maifeld? Die Landespolitik reagiert gespalten auf den Vorschlag der Sportsenatorin, der betroffene Bezirk ist dagegen. Und der Reitverein, der weichen müsste, fühlt sich übergangen.

Der Vorschlag von Innen- und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD), ein neues Hertha-Stadion nördlich des Maifelds zu ermöglichen, trifft auf ein gespaltenes Echo. Zustimmung signalisiert die Berliner CDU, während die FDP im Abgeordnetenhaus ein solches Vorhaben ablehnt. Auch der betroffene Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bewertet diese Pläne skeptisch. Ein Reitverein, der einem solchen Neubau weichen musste, hat erst über die rbb-Berichterstattung von dieser Idee erfahren.

CDU würde Waldbühne miteinbeziehen

Bei der CDU im Abgeordnetenhaus stoßen die neuen Vorschläge für ein Hertha-Stadion im Olympiapark auf Zustimmung. Auch mit weniger als den ursprünglich geplanten 55.000 Sitzplätzen sei das kleinere Stadion "eine gute Ergänzung" zum Olympiastadion, sagte der Sportexperte der CDU-Fraktion, Stephan Standfuß. Hertha BSC reagiere damit wohl auch auf die coronabedingt geänderten Bedürfnisse von Zuschauern, von denen künftig möglicherweise weniger zu Großveranstaltungen kommen, so der CDU-Politiker.

Das neue Stadion und das Olympiastadion gemeinsam von Land und Verein zu betreiben, sei ein richtiger Vorschlag, so Standfuß: "Ich würde da vielleicht sogar noch die Waldbühne mit einbeziehen. Es geht um ein Gesamtveranstaltungskonzept an diesem einmaligen Ort."

Lageplan des Olympiastadions mit dem vom Senat vorgeschlagenen Bereich für das Hertha-Stadion. (Quelle: rbb|24, Kartenmaterial: OpenStreetMaps contributors)

Grüne verweisen auf Lärmschutz - FDP bezweifelt Finanzierung

Etwas vorsichtiger äußerte sich die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Klara Schedlich. Im Abgeordnetenhaus gebe es weiter Vorbehalte gegen den Stadionbau im Olympiapark, vor allem aus Gründen des Lärmschutzes und der unsicheren Zukunft des Olympiastadions. Dennoch werde man den Vorschlag nun prüfen und alle Akteure einbeziehen. "Wir sperren uns nicht, sondern sind an einem konstruktiven Austausch interessiert", sagte Schedlich dem rbb.

Ablehnung kommt hingegen von der FDP. Der sportpolitische Sprecher der Fraktion, Stefan Förster, kritisierte, dass Sprangers Vorschlag für alle Beteiligten überraschend gekommen sei. "Das ist mit ganz heißer Nadel gestrickt", so Förster. Er verwies auf Aussagen der Sportstaatssekretärin im Abgeordnetenhaus, wonach weder mit der Sport-, noch mit der Bauverwaltung, dem Bezirk, dem Denkmalschutz oder der Olympiastadion GmbH gesprochen worden sei.

Die Idee, das neue Stadion über eine gemeinsame Gesellschaft zwischen Land Berlin und Hertha BSC zu betreiben, lehnte Förster ab. Das Konstrukt hänge an der Leistungsfähigkeit des Vereins ab und war in der Vergangenheit schon einmal gescheitert, nach einem Abstieg in die zweite Bundesliga. Das neu aufzulegen sei finanziell nicht ratsam, warnte Förster, "schon gar nicht bei einem Verein, der bald in der zweiten Bundesliga spielen könnte". Der FDP-Politiker äußerte zudem Zweifel über die Finanzierung des neuen Stadions, hier sei der Verein klare Informationen bislang schuldig geblieben.

Bezirk ist "nicht überzeugt" von den Vorschlägen

Ebenfalls skeptisch äußerte sich die Bezirksstadträtin für Sport in Charlottenburg-Wilmersdorf, Heike Schmitt-Schmelz. Sie sei "nicht überzeugt" von den Vorschlägen der Sportsenatorin. "Weil sich mir nicht erschließt, wie die Probleme, die wir auf dem Maifeld und an der Rominter Allee hatten, weggewischt sind", sagte Schmitt-Schmelz dem rbb.

Das Bezirksamt hatte zuvor einen Stadionbau im Olympiapark abgelehnt. Man werde die neuen Pläne prüfen. Schwierig sei vor allem die Lärmbelästigung, die zusätzlich zum Olympiastadion und zur Waldbühne hinzukämen, sagte Schmitt-Schmelz. Darüber müsse man nun auch mit den Anwohnern ist Gespräch kommen.

Reitverein fühlt sich "verarscht"

Völlig überrascht zeigte sich die Vorsitzende des Reitvereins am Maifeld, Angela Siesslack. Dass der Senat das Grundstück, auf dem der Verein seit 28 Jahren zu Hause ist, für den Stadionbau vorgeschlagen hat, erfuhr Siesslack durch eine Nachfrage des rbb. "Warum spricht niemand mit uns?", sagte sie dem rbb.

Der Verein biete Kinder- und Jugendreiten sowie therapeutisches Reiten an und sei zudem ein Trainingsstützpunkt für Vielseitigkeitsreiten – laut Siesslack eine Seltenheit in Großstädten. "Mir ist unklar, warum wir hier weg sollen", sagte Siesslack am Freitag dem rbb. "Ich finde es unverschämt, dass ein Sportverein einen anderen einfach wegdrücken will. So kann man miteinander nicht umgehen." Der Standort sei ideal, ein Umzug komme nicht infrage.

Dem Verein selbst sei wegen der denkmalgeschützten Lindenallee dort der Bau eines überdachten Longierzirkels für Kinder untersagt worden, wegen der Sichtachsen. "Und jetzt soll hier ein Stadion hin? Ich fühle mich ein bisschen verarscht."

Sendung: rbb24 Inforadio, 8. April 2022, 14:05 Uhr

34 Kommentare

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  1. 34.

    Am besten nichts verändern und gemeinsam zurück ins Fax Mittelalter, Berlin Deutschland lol

  2. 33.

    Es geht hier nicht um Privilegien, sondern vielmehr um ein Angebot für Kinder, Jugendliche und kranke Menschen und um die Art und Weise, wie mit einem "Anbieter", einem e.V., umgegangen wird.
    Bei therapeutischem Reiten sind Kostenübernahmen möglich. Ansprechpartner wären die Krankenkasse, die Pflegekasse, das Sozialamt oder das Jugendamt. Das ist auch Solidarität. Die Gelder der möglichen Kostenträger stammen ja auch von Ihnen. Danke dafür.

  3. 32.

    Ein Unterirdisches Stadion ist eine Super Idee
    Definitiv besser als das Gelände einem Reitsportverein wegzunehmen
    Und Hertha und Berlin hätte ein Stadion das es sonst nirgendwo sonst gibt, was einmaliges

  4. 31.

    Kalle:
    Ein unterirdisches Stadion für eine unterirdisch spielende Mannschaft - der Vorschlag gefällt mir.

  5. 30.

    Der Vorschlag ist nicht der schlechteste:). Aber jetzt mal wirklich, alleine den Gedanken, den Reitsportverein mit seinen sozialen Einbindungen als Fußballstadion vorzuschlagen ist unglaublich!,,,!
    Aber unterirdisch finde ich gut, da ist das Gegröle weit weg!

  6. 29.

    Guter Vorschlag. Nur die Hauptwindrichtung West würde die Kleingärtner am Wochende sehr stören. Rasenmäher nein, Gegröle ja?

    P.S. Da nur das Emissionsschutzgesetz noch gelten soll: Soundsoviel dB pro Zeiteinheit ist zumutbar? Da drohen, ohne Abstandsregeln (schönes sinnvolles Wort), jahrelange Verzögerungen.... sehr lange Verzögerungen. (Wenn das mal kein „Bärendienst“ war, die abzuschaffen.)

  7. 28.

    Mal wieder ein Fall für Solidarität. Entweder es können einige privilegierte ihren Reiterhof weiter benutzen oder die grobe Mehrheit von Fußballfans darf sich über das schicke neue Stadion freuen.

  8. 27.

    Alternativ-Vorschlag: die bisherige SPORTANLAGE WESTEND.

    + Lage: im Ortsteil Westend: nördlich des Spandauer Damms, östlich von mehreren Kleingartenanlagen.
    + Fläche: ca. 50.000 qm.
    + Verkehrsanbindung: S-Bhf. Westend (S-Bahn-Ring), Bus, Stadtautobahn,
    + Bisherige Nutzer: 3 kleine Sportvereine (Hockey, Fußball). Demnächst mit Ersatzflächen im Olympiapark?
    + Denkmalschutz: Nein.
    + Eigentümer: Land Berlin.

  9. 26.

    Mit einem klug gewählten (dicht besiedelten) neuem Standort, werden auch zusätzliche neue regionale Bindungen aufgebaut, neue Fangruppen dazugewonnen und Kinder angelockt.

    In München hat man, sehr schlau, ein Autobahnkreuz gewählt. Das kann man lernend „toppen“: Der Avus-Parkplatz ist super, aber Ludwigsfelde ist auch gut und die würden sich richtig Mühe geben ein passendes Grundstück zu finden. Und wenn die erst Wettbewerb mit Schönefeld bekommen... oh je, da gibt es dann noch ein ganz anderes Union-„Kopfkino“...

  10. 25.

    Immanuel:
    "NEIN! Das wollen wir Berliner NICHT!" - Warum maßen Sie sich an, mal wieder für Alle zu sprechen? Zu Ihrem WIR gehöre ich nicht. Ich bin ich und schon gar nicht gehöre ich zum vielbeschorenen WIR.
    Ich bin ausdrücklich für eine Bebauung dieses Feldes mit Wohnungen.
    Ob man nun dort auch ein Stadion für einen Zweitligisten erbaut, bleibt abzuwarten.
    Nun, das auch "der alte Westen" immer mehr abbaut, liegt wohl eher daran, dass die gepimperte "Frondstadt" auf dem Boden der Realität angekommen ist.

  11. 24.
    Antwort auf [Bastie] vom 08.04.2022 um 20:01

    Ich finde Ihre Anfeindungen peinlich bin geborener Weddinger also da wo Hertha mal herkam und wegzog!
    Aber bin was solche Thematik angeht trotzdem fair und Neutral.
    Wohne jetzt in Marzahn bin hier sehr glücklich da sehr nette Mitbewohner.
    Ich wünsche Hertha das Sie lieber wieder zurück zu den Wurzeln aber dazu fehlt jetzt halt der Platz also bleibt Ihnen nicht viele Möglichkeiten

  12. 23.

    Was soll denn da für ein Stadion entstehen für 20 - 35 Tsd. Personen !? Lärmschutz ab 22 Uhr wie in der Waldbühne. Parallel Veranstaltungen Konzert und Fußball unmöglich. Vertreiben eines Reitsportvereins geht gar nicht. Was ist das für ein Vorschlag vom Senat!? Die Hertha Mitglieder sollten überlegen doch mal über ein Stadion am Rande der Stadt zu. B. Schönefeld nachzudenken wenn in diesem Jahr keine verbindliche Aussage vom Senat kommt.

  13. 22.

    Der ,,alte Westen,, baut immer mehr ab. Hertha ist leider nur noch ein Trauerspiel.

  14. 21.

    “Dem Verein selbst sei wegen der denkmalgeschützten Lindenallee dort der Bau eines überdachten Longierzirkels für Kinder untersagt worden, wegen der Sichtachsen.“ Das ist wieder der Klassiker unserer Politiker. Lobby und Geld spielen eine Rolle , alle anderen gehen leer aus. Brandenburg hat es gerade erst vorgemacht.

  15. 20.

    Warum überrumpelt, wie es in der Überschrift steht?
    Fußball ist Staatsdoktrie. Wer nicht für Fußball ist, hat hier nichts zu suchen... oder?
    Und, ja Hertha sei dann der Bauherr. Ist doch vergleichbar mit dem Stadtschloss. Herr VON B. tönte damals, alles privat finanziert. Was draus wurde, weiß man.
    Ich will keine Sportstätten mit finanzieren müssen, die nur einer kleinen, elitären Minderheit zu Gute kommt, die Profit auf Steuerzahlerkosten machen. Oder was ist das mit dem O-Stadion?

  16. 19.

    Da sieht man mal, welcher Sport vom Senat mehr geschätzt wird.
    Ein Frechheit ist das.
    Den kleinen überdachten Longierzirkel (Durchmesser wahrscheinlich 25 Meter) durfte nicht gebaut werden, aber ein Stadion geht.

  17. 18.
    Antwort auf [Bastie] vom 08.04.2022 um 20:01

    Ganz ruhig. Wir hatten unser Stadion des 1.FC Union schon zu DDR Zeiten und wir finanzierten den Umbau vor kurzen selber, hört auf uns zu beleidigen. Wir sind nicht Menschen zweiter Klasse.

  18. 17.

    Obwohl ich den Groll bzgl. des Verbots der überdachten Longierhalle verstehe: Reitvereine in der Innenstadt sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Tiere werden nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten und müssen ein Dasein in Paddockboxen/Minipaddocks fristen.
    Daher würde ich mich für die Pferde freuen, wenn der Verein irgendwo einen neuen Standort findet, an dem die Pferde glücklicher, d.h. mit genügend Bewegungsfläche und dauerhaftem physischem Kontakt zu Artgenossen leben können.

  19. 16.

    Kalle:
    "Baut doch ein unterirdischen Fussballstadion, dann braucht ihr kein Platz"

    Sehr guter Vorschlag! Dann muss man auch nicht dieses primitive Gegröle hören.

  20. 15.

    Rüdiger:
    "Hertha könnte auch auf dem Tempelhofer Feld sein Station bauen."

    NEIN! Das wollen wir Berliner NICHT! (s. Volksentscheid!)

    Das GANZE Tempelhofer Feld ist für ALLE da!
    Kein BerufssportKOMMERZ auf dem Tempelhofer Feld!

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