Bildungsverwaltung plant Selbstauskunft - Berliner Lehrkräfte sollen von sich aus über Tattoos informieren

Mi 11.05.22 | 07:47 Uhr
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Symbolbild: Ein tätowierter Arm. (Quelle: imago images/E. Moore)
imago images/E. Moore
Audio: rbb24 Inforadio | 10.05.2022 | Kirsten Buchmann | Bild: imago images/E. Moore

Um zu verhindern, dass Berlin Lehrkräfte mit verfassungsfeindlicher Symbolik am Körper einstellt, plante die Bildungsverwaltung detaillierte Abfragen: Was? Wo? Sogar Fotos sollten angefordert werden. Nach deutlicher Kritik wird nun aber umgesteuert.

Die Berliner Bildungsverwaltung plant eine Eigenauskunft angehender Lehrerinnen und Lehrer zu ihren Tattoos. Das bestätigte sie am Dienstag dem rbb. Die konkreten Details dazu werden den Angaben zufolge nun erarbeitet.

Ein entsprechender Fragebogen, mit dem solche Daten erhoben wurden, komme nicht mehr um Einsatz, bestätigte Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) dem rbb. "Das Schreiben aus meinen Haus war in seiner inhaltlichen Ausgestaltung deutlich zu weitgehend. Deshalb habe ich es auch sofort gestoppt", sagte sie.

Neue Idee einer Selbstauskunft

In dem Fragebogen wurden angehende Lehrkräfte aufgefordert, ihre Tattoos zu beschreiben, den Ort am Körper anzugeben und die Tattoos zu fotografieren. Der Senat wollte damit sicherstellen, dass ab kommendem Schuljahr keine Lehrerinnen und Lehrer verbeamtet werden, die Nazi-Tattoos oder andere verfassungsfeindliche Symbole am Körper haben.

Die GEW hatte in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung kritisiert, selbst Intim-Tattoos seien nicht ausgenommen worden. Sie wies die detaillierten Abfragen als unzulässigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte zurück. GEW-Vorstandsmitglied Udo Mertens nannte das Vorgehen eine "rechtswidrige Gewissensüberprüfung per Hautscreening". Dass die Angaben auch noch vom Amtsarzt überprüft werden sollten, schlage dem Fass den Boden aus.

Die neue Idee einer Selbstauskunft, ob angehende Lehrkräfte solche Tattoos tragen, findet die GEW niederschwelliger. Auch dieser Weg müsse aber, da es um Einstellungen geht, dem Personalrat vorgelegt werden.

Sendung: rbb24 Inforadio, 11.05.2022, 06:25 Uhr

27 Kommentare

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  1. 27.

    Ja, ich verstehe Sie sehr gut und wir haben da Konsens.

  2. 26.

    Ich stimme Ihnen vollkommen zu. Vielleicht habe ich mich auch nicht ganz konkret ausgedrückt. Es wird einige Menschen geben denen ihr Tattoo heute eher peinlich ist. Damit meine ich ausdrücklich keine, die auf eine Gesinnung schließen lassen. Wo gegen ich mich wehre sind, wer bestimmt welches Tattoo anstößig ist? Der Amtsarzt/Amtsärztin, der Senat? Ja natürlich stehen Lehrkräfte in einem besonderen Status. Mir ging es darum, wer legt die Normen dazu fest. Was heute als Tattoo durchgeht kann morgen anstößig sein. Wo sind die Grenzen? Auch Herr Stübgen hat für seinen Vorstoß Kritik geerntet. Darüber wurde auch im ÖRR berichtet. Zu diesem ganzen Thema fehlt eine klare Definition, das ist und war mein ganzes Anliegen. Daher auch mein etwas hinkender Vergleich aus der Vergangenheit.

  3. 25.

    Es waren in der Vergangenheit geplante, rechtswidrige und es sind in der Gegenwart fragwürdige Methoden, daher ja auch das große Aufsehen. Aber der Anlass und Ansatz war es, einen Teil dazu beizutragen, Rechtsextreme nicht billigend im empfindsamen Bildungssystem zuzulassen. Das sind diejenigen, die Sie hier verteidigen, wohingegen Sie diejenigen angreifen, die Rechtsextremen keinen Platz in verantwortungsvollen Positionen in dieser Gesellschaft einräumen. Dass Sie das rechtsextreme Verschwörungsnarrativ von Umerziehung andeuten, dessen sich einzig historisch die Diktaturen bedienten, meint auch, dass sie echtes diktatorisches Handeln verharmlosen.

    Der Ansatz mittels Prävention auszusieben, wer schon seinem Auftreten nach nicht ins Bildungssystem passt, ist eine Illusion und nicht der richtige Weg, mit bekannten Ausnahmen von Leuten, die sich bewusst mit ihren Tätowierungen gezeigt haben. Intervention und kritische Diskurskultur auszubauen, wäre zielführend.

  4. 24.

    Merkt hier eigentlich jemand, aus welcher politischen Richtung diese Verbots-, Umerziehungs- und Schnüffelpolitik kommt?
    Langsam mache ich mir Sorgen....

  5. 23.

    Im Gegensatz zu blauen, braunen und grünlichen Augen, im Gegensatz zu blonden, schwarzen und braunen Haaren, sind ja Tattoos nicht von Natur aus da, sondern sie werden sich künstlich hinzugefügt. Insofern scheidet Ihr Vorwurf mit den blauen Augen, der ja auf den Rassismus abhebt, aus.

    Bliebe ggf. der Vorwurf, dass bestimmte Verhaltensweisen unterbunden werden sollen. Auch da wird nichts abverlangt, dass irgendein positives Staatsbekenntnis sichtbar demonstriert werden soll. Allerdings geht es darum, Anstößigkeiten zu vermeiden, die eine Autoritätsperson, die es ja nun mal ist, nun einmal hervorrufen kann. Da sind wir dann wieder einmal bei der typisch-bayerischen sichtbaren Einschwörung auf das Christentum in Blickrichtung Lehrenden mit einem großen Kreuz an der Wand; woanders: Parolen an Staatsgebäuden, die sich zugunsten der einen und zulasten der anderen richten.

    Es ist nicht unbillig, dass sich öff. Bedienstete da zurückhalten sollen.

  6. 22.

    Nein, genau das meinte ich nicht! Und das habe ich auch in meinem Kommentar so geschrieben. Die Gefahr von Extremisten geht wohl eher von den Gedanken und der Gesinnung im Kopf aus. Einige werden ein dementsprechend Tattoo haben, allerdings wird die Dunkelziffer im "Gedanken/Kopf" wesentlich höher sein. Das wollte ich damit zum Ausdruck bringen. Aber es steht Ihnen frei meinen Kommentar in Ihrem Sinne zu interpretieren.

  7. 21.

    "Die Werte und die Eignung eines Menschen sollen nun von Äußerlichkeiten abhängen? "

    Ganz sicher. Wenn z.B. ihre "Freunde" ein Tattoo der "schwarzen Sonne" tragen.

    "Hatten wir schon mal." Stimmt. Das haben wir hier leider öfter dass ganz bestimmte Leute ihre Gesinnungsgenossen verharmlosen und verteidigen.

  8. 20.

    Sie meinen also, auch Rechtsextremisten sollten unterrichten dürfen?

  9. 19.

    Ziemlich schräge Entwicklung des Themas.
    Bei der Restriktion von Kleidung oder Schmuck mit Symbolwert ging es im Zusammenhang mit der Vorbildfunktion von Lehrern immer um Sichtbares. Es geht hier also um die Gesinnung und das sollte verfassungsrechtlich betrachtet und geprüft werden. Vielleicht gibt es da ja hierzu auch schon Ausarbeitungen.
    Mal sehen, was der PersRat dazu sagt.

  10. 18.

    Ein schönes Tattoo mit Sandino im Teaserbild

  11. 17.

    Gleich so, wie es Lehrenden und Beschäftigten bei der Polizei untersagt ist, SPD-, CDU- (/CSU-), Bündnisgrüne-, Die Linke- oder jedwediges anderes Button oder T-Shirt in diesem Sinne zu tragen, so sollte dies selbstverständlich auch für Tattoos gelten. Denn mehr noch als Buttons oder T-Shirts, die ja einfach abgelegt werden, können einschlägigen Tattoos nicht so einfach "abgelegt", "abgesteckt" oder ausgezogen werden.

    Immer geht es um das Verhältnis nicht einfach zwischen zwei Personen, sondern zu einer Person, der von Staats wegen Autorität zugeschrieben wird bzw. sie auch per faktischem Zwang ausüben darf.

  12. 16.

    Wenn den Staat die Tätowierungen nichts angehen, dann auch nicht die Gesinnung ! Am Besten überhaupt nix mehr ! Das wäre doch die Lösung !!

  13. 15.

    „Auch die Selbstauskuft kann rechtliche Konsequenzen bei Falschangaben haben.“

    Weswegen man eben auch keine falschen Angaben machen sollte … Hat schon alles seinen Sinn!

  14. 14.

    Ja! Die meisten tragen es im Kopf aber auch nach außen gewand.und somit sind diese Menschen nicht prädestiniert ( sprich Lehrer, Beamte ), ! Eine nach außen getrauende Gesinnung , politische und nicht gesetzeskonforme Äußerungen gehören nicht in diesen Berufsstand. Das muss präventiv beachtet werden.

  15. 13.

    Wenn ich an meiner Backe unterhalb der Gürtellinie ein Tattoo habe geht das niemanden was an.
    Sichtbar - Nichtsichtbar - was für ein Lokus.Kenne einige Beamte-innen die zum Beispiel auf dem Unterarm den Namen ihres Kindes tätowiert haben, was für schlechte Vorbilder Herr Wolf.
    Lächerlich solche Ansichten.

  16. 12.

    Zitat: "Was gehen den Staat meine Tattoos an?"

    Sie sind Referendar im Berliner Schuldienst und wollen eine Lehrerlaufbahn einschlagen? Denn nur dann wären Sie von dieser Eigenauskunft betroffen. Oder sind Sie Beamtenanwärter in Brandenburg, da Sie hier den (nicht unumstrittenen) "Verfassungstreue Check" erwähnen? Well, i don't think so.

    Grundsätzlich ist es m. E. durchaus angemessen, Beamtenanwärter auch hinsichtlich (sichtbarer) Tattoos abzuchecken. Denn es sollte bsw. keinem Schüler zugemutet werden, von einem Lehrer mit Hakenkreuz Unterarm- oder Halstattoo unterrichtet zu werden.

  17. 11.

    In welcher Zeitschine sind Sie denn vergessen worden ? Welches Jahr ist bei Ihnen auf dem Kalender ?

  18. 10.

    Was gehen den Staat meine Tattoos an? Ich glaube es hackt hier so langsam. Die Werte und die Eignung eines Menschen sollen nun von Äußerlichkeiten abhängen? Und das ist mit dem Gleichheitsgrundsatz des Senates vereinbar? Die verdeckten Extremisten tragen die Gesinnung im Kopf. Was kommt als nächstes? Mindestgröße, blaue Augen? Hatten wir schon mal. Was in Berlin die Tattoos sind nennt sich in BB der von Stübgen geplante "Verfassungstreue Check" und die Kriterien bestimmt der Minister gleich selbst? Wenn Berlin so seine zukünftigen Lehrkräfte aussucht wird das nix mit der Besetzung der schon ohnehin fehlenden Lehrkräfte.

  19. 9.

    Die Berliner Verwaltung ist ein Tollhaus.

  20. 8.

    FALSCH! RICHTIG IST, dass SIE denken, dass "Tattoos und Piercings ...." usw !
    Sie erkennen den Unterschied?

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