Rund 300 Beschäftigte in Berlin gekündigt - Kipping kritisiert Lieferdienste wegen Entlassungen

Fr 27.05.22 | 13:12 Uhr
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Katja Kipping (Die Linke) während eines Interviews mit der dpa (Bild: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Mehr als 300 Beschäftigte des Lieferdienstes Gorillas in Berlin wurden entlassen. Das veranlasste die Senatorin für Arbeit und Soziales, Katja Kipping dazu, das Unternehmen und das Geschäftsmodell allgemein zu kritisieren.

Nach der Ankündigung von Entlassungen hat die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Katja Kipping (Die Linke), Lieferdienste kritisiert. "Verschiedene Lebensmittel-Lieferdienste haben die Zeiten von Corona und Home-Office für eine aggressive Expansionsstrategie genutzt", sagte sie in einer Mitteilung am Donnerstag. Die Pandemiezeit sei für Lieferdienste eine Zeit hoher Nachfrage und damit auch großer Umsätze gewesen.

"Doch so schnell wie sie zu liefern versprechen, so schnell feuern sie auch", kritisierte Kipping. "Ich halte ein solches Geschäftsmodell weder für nachhaltig noch für sozial." Gute Arbeit bedeute sichere Beschäftigungsverhältnisse mit sicheren Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und guter Bezahlung.

320 von 600 Mitarbeitern in der Verwaltung müssen gehen

Gorillas hatte am Dienstag erklärt, sich aus Kostengründen von der Hälfte seiner Mitarbeiter in der Verwaltung trennen zu wollen. 320 Mitarbeiter aus der Hauptverwaltung in der Berliner Zentrale des Lieferdienstes sollen demnach gekündigt werden, wie die Gewerkschaft Gorillas Workers Collective dem rbb mitteilte. Ein Sprecher des Unternehmens widersprach dem am Freitag und sagte, es handele sich um 300 Entlassungen und diese beträfen Verwaltungsangestellte weltweit.

Die rund 14.000 Fahrerinnen und Fahrer, die für Gorillas arbeiten, sind nach Angaben des Unterehmens Stellenabbau nicht betroffen. In welchem Land die meisten Mitarbeiter gehen müssen, war zunächst nicht bekannt.

Das Unternehmen ist seit seiner Gründung im Jahr 2020 immer wieder aufgrund von Konflikten mit seinen Fahrerinnen und Fahrern in die Schlagzeilen geraten. Diese kritisierten vor allem die Arbeitsbedingungen und verliehen ihren Forderungen mit sogenannten wilden Streiks Nachdruck. Inzwischen haben die Fahrer einen eigenen Betriebsrat.

Kipping begrüßte die Betriebsratswahlen. "In dieser Branche gibt es echte Knochenjobs, wenn Fahrerinnen und Fahrer mit schweren Rucksäcken auf die Straße geschickt werden", wird sie zitiert.

Sendung: Inforadio, 26.05.2022, 17:25 Uhr

57 Kommentare

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  1. 57.

    Bitte kein Halbwissen verbreiten. §§ 111 ff BetrVG sehen gerade bei betriebsbedingten Kündigungen unter anderem einen Anspruch auf Abfindung zu. Der Abschluß eines Sozialplans/Interessensausgleich setzt allerdings das vorhandensein eines ordnungsgemäß gewählten Betriebsrates voraus.

  2. 56.

    Allerdings sichert nur fleißiges Sich-Beliefern-Lassen Arbeitsplätze bei Lieferdiensten. Wer selbst einkauft, nimmt anderen eine Verdienstmöglichkeit. Auch nicht schön.

  3. 55.

    Möchten sie hier auch was sinnvolles kund tun oder nur provozieren? Geben sie auch Quellenangaben an oder lassen sie es einfach sein. Guten Tag noch

  4. 54.

    "Sie sind es doch, der hier beständig argumentationsfrei bleibt." Den Beweis für das Gegenteil kann man hier nachlesen. Auf Argumente wie Union Busting gehen sie mit keinem Wort ein.

    "Sie können ja gerne selbst eine Firma gründen und Menschen beschäftigen, nur damit die keinen neuen Job suchen müssen." Warum sollte ich eine Firma gründen, die nur auf Ausbeutung aus ist, weil sie sonst nicht rentabel ist?

    "Von Gewinnmaximierung kann bei der fraglichen Firma nämlich keine Rede sein, dafür bräuchte die überhaupt erst mal einen Gewinn."

    Ja, eben. Die Investoren wollen Geld sehen. Mit der Brechstange!

  5. 53.

    Es wird schlicht keine Abfindung geben, weil die Kündigungen betriebsbedingt sind und eine Abfindung freiwillig ist, weil gesetzlich nicht vorgeschrieben. Lediglich die Sozialauswahl ist eine gesetzliche Vorgabe, aber auch die ist nicht unbegrenzt fest. Der Arbeitgeber hat trotzdem noch eine gewisse Flexibilität in seiner Auswahl.

  6. 52.

    Sie sind es doch, der hier beständig argumentationsfrei bleibt. Sie können ja gerne selbst eine Firma gründen und Menschen beschäftigen, nur damit die keinen neuen Job suchen müssen. Von Gewinnmaximierung kann bei der fraglichen Firma nämlich keine Rede sein, dafür bräuchte die überhaupt erst mal einen Gewinn.

  7. 51.

    Auch das Kündigungsschutzgesetz schreibt eine Sozialauswahl vor. Die Firma ist erst zwei Jahre alt, was z.B. die Höhe der Abfindung in überschaubarer Höhe hält. Wollten sich die MA in der Verwaltung auch am "workers-collektiv" beteiligen oder nur die "Rider"?

  8. 50.

    Sie sprechen aus was viele Menschen in Berlin denken, mich eingeschlossen."
    Da kann man nur hoffen, das diese vielen Menschen, Sie eingeschlossen, nicht mal in eine Situation kommen, in der sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

  9. 49.

    Sternchen:
    "Antwort auf [Alexander] vom 27.05.2022 um 07:53
    Hallo Alexander,
    werden Sie erstmal alt oder können nach einer Fuß-OP nicht richtig laufen, dann wissen Sie die Lieferdienste bestimmt auch zu schätzen."

    Für Alte und Behinderte mögen diese Lieferdienste notwendig sein. Sie können sich diese oft aber aus finanziellen Gründen nicht leisten.

    Die meisten, die diese Lieferdienste nutzen, stehen aber in der Blüte ihres Lebens und sind zumeist nur bewegungsfaul.

  10. 48.

    "Wenn Kritik von Ihnen kommt, gespickt mit den üblichen hohlen Kampfbegriffen, dass weiß ich, dass ich absolut richtig liege. Sie haben weder den wirklichen Sinn von Gewerkschaften, das System von Einstellung und Entlassung, noch den Manchasterkapitalismus auch nur im Ansatz verstanden." Sicher, nur sie sind im Alleinbesitz des umfassenden Wissens. So spart man sich auch gleich Argumente, die sie nicht haben.

    "Allein letzteres mit Deutschland überhaupt in Verbindung zu bringen, ist völliger Realitätsverlust, da sind Kipping und Sie auf einer Linie." Schon alleine die Unterstellung beweist wer hier unter extremen Realitätsverlust leidet und ihre hysterische Reaktion unterstreicht das noch.

    "Aber unrentable Jobs nicht weiterzuführen, ist nun mal bei aller Betroffenheit für die ehemaligen Arbeitnehmer eine wirtschaftliche Selbstverständlichkeit."

    Darum geht es nicht, es geht ausschließlich um Gewinnmaximierung. Und Union Busting.

  11. 47.

    wer sich nicht gewerkschaftlich oranisieren will -dieses workers-collektiv- ist sicherlich keine Gewerkschaft im rechtlichen Sinn, darf sich über solche Methoden nicht wundern. Anscheinend wurde auch kein ordentlicher Betriebsrat gewählt, der über ein echtes Mitbestimmungsrecht bei Kündigungen nach dem BetrVG verfügt und bei dieser Sachlage Sozialplanverhandlungen erzwingen könnte. Deshalb hält sich mein Mitleid mit den Gekündigten in Grenzen. Es wäre so wie so am besten wenn diese Bestellkulis gänzlich vom Markt verschwinden würde. Man müsste dann mal seinen Hintern bewegen und wieder selbst einkaufen gehen.

  12. 46.

    Ich habe auch schon ein gewisses Alter erreicht aber ich würde nie auf die Idee kommen solchen Quatsch mit zu machen. Ich habe liebe Nachbarn, Familie und Freunde und man unterstützt sich gegenseitig. Auch leide ich unter den Nachfolgeem meiner Infektion, seit einem Jahr.

  13. 43.

    Eine Senatorin sollte sich aus den Interna eines Unternehmens heraushalten.

    Viele Berliner Unternehmen entlassen täglich Mitarbeiter.

    Letztlich entscheidet jeder selbst, ob er bei so einem Unternehmen arbeitet. Gezwungen wird niemand

  14. 42.

    Die ukrainischen Flüchtlinge müssen mit Sicherheit nicht in Massenunterkünften und schon gar nicht in Berlin wohnen. SIE WOLLEN ES . Wer hat sie denn gezwungen nach Berlin zu kommen? In eine Stadt die schon seit Jahren ein großes Wohnungsproblem hat. Die Züge, auch Busse, die aus dem Osten mit Kriegsflüchtlingen kamen sind noch weiter Richtung Westen oder Süden gefahren. Aber die allermeisten sind in Berlin ausgestiegen. Und auch hier geblieben. Warum gehen sie nicht in die Lausitz, wo Leerstand

  15. 41.

    Man kann niemanden vorschreiben, was er möchte... und erziehen gleich gar nicht.
    Frau Kipping kann beweisen, wie man mit den eigenen Leuten vorbildlich umgeht, nicht aber andere bewertet, selbst wenn Sie recht haben sollte, ist da ihre verlogene Meinung nicht gefragt. Verlogen deshalb, wenn Linke selber AG sind, dann ist Ausbeutung und Gleichmacherei die eigentliche rückwärtsgewandte gängige Methode, sagen nicht nur die (freien) Mitarbeiter des "ND"...
    Man kann aber Herrn Heil, als AM, daran erinnern, was sein Job ist: Subunternehmertum so bekämpfen, dass sklavenähnliche Beschäftigungsverhältnisse nicht möglich sind. Tarifauseinandersetzungen müssen auf Augenhöhe ausgetragen werden. Dafür muss er sorgen, statt Almosen verteilen... die auch ungerecht sind, gegenüber denen, die dies erarbeiten müssen.

  16. 40.

    Die Senatorin macht es sich zu einfach, wenn sie die Lieferdienste, die von ihrem Resort ohne ausreiche Prüfung auf Arbeitsrecht und Soziales, genehmigt wurden. Sie sollte zukünftig ihren Job einfach besser machen.

  17. 39.

    Hallo Alexander,
    werden Sie erstmal alt oder können nach einer Fuß-OP nicht richtig laufen, dann wissen Sie die Lieferdienste bestimmt auch zu schätzen.

  18. 38.

    Ich bewege meinen Hintern noch selbst in Läden und Restaurants, brauche keine Lieferdienste und wer da arbeitet, weiß, worauf man sich einlässt und braucht somit auch nicht jammern, wenns einen vor die Tür katapultiert. Wer diese "Dienste" meint, nutzen zu müssen, ist entweder scheißfaul oder zu dumm, sich vorher Gedanken um die Versorgung zu machen.

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