Bis zu 3,75 Millionen Euro - Polizeiwache am Kottbusser Tor soll erneut deutlich teurer werden

Mo 23.05.22 | 16:48 Uhr
  27
Ein Polizist steht während einer Pressekonferenz am Kottbusser Tor vor der geplanten neuen Polizeiwache (bild: dpa/Christophe Gateau)
Audio: rbb 88,8 | 23.05.2022 | Silke Mehring | Bild: dpa/Christophe Gateau

Ursprünglich sollte die neue Polizeiwache am Kottbusser Tor in Berlin 250.000 Euro kosten. Jetzt hat die Planung ergeben, dass es bis zu 3,75 Millionen Euro werden könnten. Anwohner stört aber vor allem der Standort der geplanten Polizeistation.

Der Bau der umstrittenen Polizeiwache am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg wird offenbar noch einmal deutlich teurer, als geplant. Zusätzlich zu den bisher veranschlagten 250.000 Euro seien nun weitere 3,5 Millionen Euro für die Einrichtung der Wache nötig, sagten die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh am Montag bei einem Besuch des künftigen Standortes.

Die erste Kostensteigerung hatte Spranger bereits im April angekündigt und mit dem Bau eines zusätzlichen Fahrstuhls sowie allgemein gestiegener Baukosten begründet. Damals hieß es, dass die Kosten für die sogenannte "Kotti-Wache" auf 2,5 Millionen Euro korrigiert werden müssten.

Grund für den erneuten Preissprung auf 3,75 Millionen Euro sind nach Angaben der Berliner Immobiliengesellschaft allem die Grundsanierung, die Polizeitechnik und das Sicherheitsglas für die Fenster. Der SPD-Politiker Raed Saleh sagt bei dem Ortstermin am Montag: "Sicherheit darf uns was kosten, Sicherheit muss uns was kosten." Die 3,75 Millionen Euro enthielten zudem einen Puffer für die Finanzierung.

Diskussionen mit den Anwohnern

Das Kottbusser Tor mit seinen vielen Kneipen und Imbissen gilt auch als Ort mit Straßenkriminalität, Drogenhandel und einer teilweise polizeifeindlichen Szene. Deshalb soll dort die neue Wache entstehen.

Die Sprecherin des Mieterrats des Hauses an der Adalbertstraße, Marie Schubenz, betonte, unter Anwohnern gebe es seit Jahren schon einen Wunsch nach mehr Sicherheit rund um das Kottbusser Tor. Den Einzug der Polizei in das Wohnhaus "Neues Kreuzberger Zentrum" (NKZ) lehne man allerdings ab, sagte Schubenz.

Den vorgesehenen Standort bezeichnete sie als "No-Go". "Eine Polizeiwache über den Köpfen der Menschen ist das falsche Symbol." Notwendig sei ein ebenerdiger, bürgernaher Standort. "Sie tun uns keinen Gefallen, Frau Spranger, wenn Sie dieses Projekt durchziehen", so die Anwohnerin. Noch sei es nicht zu spät, eine andere Lösung zu finden, etwa einen Container für eine Polizeiwache an der U-Bahn.

Nach den derzeitigen Plänen des Senats soll die Polizei im Januar 2023 im ersten Stock des Hauses den Dienst aufnehmen. Die 200 Quadratmeter großen Räume werden derzeit von Altlasten befreit, ab Juni soll der Ausbau für die Polizei beginnen. Von der Gewerkschaft der Polizei (GDP) hieß es, man wünsche sich einen anderen Standort, mehr als die geplanten rund 200 Quadratmeter und viel mehr Personal als die angekündigten 20 Stellen.

Noch keine Details zur Videoüberwachung

Wie und wo genau die geplante Videoüberwachung am Kottbusser Tor konkret umgesetzt werden soll, stehe noch nicht fest, berichtete Spranger. Das müsse noch mit den Koalitionsfraktionen besprochen werden. Grüne und Linke sind weitgehend gegen Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh sprach sich am Montag für eine Polizeiwache im Gebiet Heerstraße Nord in Spandau aus. Dort war es in der Vergangenheit zu einer Serie von Brandstiftungen gekommen. Dieser Teil von Spandau ist einer der ärmsten Berlins mit großen sozialen Problemen. Als Ort für eine Polizeiwache böten sich das lokale Einkaufszentrum oder eine Freifläche davor an. Saleh kündigte an, dass eine Wache dort ab 2024 mit dem nächsten Doppelhaushalt errichtet werden könne.

Sendung: rbb24 Abendschau, 23.05.2022, 19:30 Uhr

27 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 26.

    Hallo Gerdi, natürlich wird - leider - alles teurer aber doch nicht in dieser Größenordnung.

  2. 25.

    „Und deshalb wird es noch lange eine Utopie bleiben.“

    Ja, leider! Unser ausgeprägtes Ego, das uns Menschen als Spezies ausmacht, ist gleichzeitig unser größtes Problem. Auch das Fortbestehen der herrschenden Verhältnisse lässt sich wohl darauf zurückführen.

  3. 24.

    Ja Tim, es gab schon derartige Vorstellungen von einer Gesellschaft ohne Polizei, wo alle Menschen sich rational nur am Nutzen für die gesamte Gesellschaft orientieren. Abgesehen von Bienen- und Ameisenvölkern wird diese Gesellschaftsform auch gerne Kommunismus genannt. Nicht im Format einer DDR oder Sowjetunion sondern in der "reinen" Lehre der Philosophie. Nur leider sind hierbei nicht Bienen oder Ameisen, sondern Menschen die Hauptakteure. Und deshalb wird es noch lange eine Utopie bleiben.

  4. 22.

    Ohne Verallgemeinern zu wollen: Die direkten Anwohner fühlen sich am Kotti nicht wirklich unsicher. Es ist ja real auch keineswegs so, dass man den Platz nicht ungefährdet nutzen kann. Nicht umsonst entwickeln Bewohner des direkten Kiezes eine gewisse Liebe (I love kotti) zu den dortigen Verhältnissen. Es muss ja auch nicht überall "clean" werden.
    Im Gegensatz befürchten die zahlreichen sozial eher schwachen und migrantischen Anwohner ein nicht zu leugnendes Racical Profiling in der Polizeiarbeit (am Görli gibt der Gruppenleiter ja z.B. zu, das genau das bei der dortigen Polizeiarbeit gegeben ist). Kurz - viele Anwohner erwarten eher eine Gefahr und Beeinträchtigung durch die Präsenz und Überwachung der Staatsmacht, als dass sie sich von einem Dealer belästigt fühlen. Daher: Gerne eine offene, kleine Ansprech-Wachstation in der Nähe, aber keine Überwachungsstaffel über den Köpfen

  5. 21.

    Ich glaube, ich habe da irgendwas verpasst. Warum lehnen die Anwohner*innen die Wache im geplanten Gebäude ab? Klärt mich mal auf bitte.

  6. 20.

    „Wäre es nicht mal endlich an der Zeit, gesellschaftliche Verhlätnisse zu schaffen, die eine Aufrüstung der Polizei überflüssig macht?“

    Wie soll es möglich sein, solche Verhältnisse innerhalb eines halben Jahres ohne Polizei zu schaffen? Ich persönlich würde mich eher gegen einen Einsatz der Bundeswehr und eventuelle Flächenbombardements aussprechen.

  7. 19.

    Das scheitert allein schon am Personal! Da entfällt dir Prüfung der anderen Punkte bereits. Es ist immer wieder ein Graus, wenn von Menschen über öffentliche Sicherheit entschieden wird, die keine Ahnung von Polizei haben. Vielleicht sollte Frau Spranger mal 14 Tage Funkwagen in Berlin fahren, um sich ein Bild zu machen.
    Mit der Quote an der Spitze tuen wir uns keinen Gefallen....wahrlich nicht und dafür schäme ich mich als Beamtin, als Mutter, als Ehefrau und Freundin.

  8. 18.

    Und so wünschen sich alle was anderes und die Senatsverwaltung, die Anwohner und die Gewerkschaft können sich nicht einigen.
    Halt, war da nicht nochwas? Richtig, die Linksautonomen und die Dealer wünschen sich dort gar keine Polizei. Ob die die Gewinner dieser Meinungsdifferenzen werden?
    18:10/19:20/20:30/22:05/00:33

  9. 17.

    .... teurer werden ! „
    Man passt sich den Umsätzen die dort gemacht werden ,
    an !

  10. 16.

    Eine Frechheit, egal was Berlin plant es wird immer alles in mehrstellieger Zahl teurer und der Steuerzahler muss bluten. Zum Schluss kommt nichts anderes raus. Politiker sind Verbrecher.

  11. 15.

    Mit 20 Beamten pro Schicht ?
    2 x 7 und 1 x 6 ?
    An Kiez-Wochenenden von Mittwoch bis
    Montag haben Alle Dienstfrei ?
    Oder doch 20 Beamte pro Schicht ?
    Allein der Empfangsbereich, die Toiletten
    für Personal und Kunden, die Spinde
    für die 60 Mitarbeiter und das Telefon
    brauchen mehr als 200 qm und dann die
    Zellen, Schreibtisch, Digitaltechnik,
    Schulungs-/ Aufenthaltsraum ? Schlüssel-
    und Waffen- Schrank, Aservatenkammer,
    Teeküche ?

  12. 14.

    Wollen Sie etwa leugnen dass dort die Polizei und die Feuerwehr mehrmals täglich anrücken müssen, dass sich dort die Kleindealer tatsächlich im Uhrzeigersinn um den Platz bewegen , das heißt sie bleiben dort ein paar Minuten stehen und nach einer gewissen Zeit tauschen sie die Plätze. Sie leugnen also auch dass es dort vermehrt zu Gewalttätigkeiten kommt. Sehr interessant.Ich arbeite dort ,also keine Märchen bitte.

  13. 13.

    Sehe ich ganz genauso......und gleich noch eine Wache Heerstraße Nord.

  14. 11.

    Was bitte hat das mit dem Thema des Beitrages zu tun?
    Vielleicht sollten Sie sich mal den Begriff " Aufrüstung " auseinandersetzen:-)))))

  15. 10.

    In den 1970 er Jahren gab es schon ein Polizeirevier am Kottbusser Tor.
    Genau Kottbusser Strasse 1 im 1 OG. Der Zugang war auch über die Admiralstrasse zu erreichen.
    Desweiteren gab es ein Polizeirevier in der Prinzessinnenstr. kurz vor dem Erkelenzdamm , ebenfalls im 1. OG

  16. 9.

    Wen wunderts.
    Das ist ja nicht das erste Projekt in Berlin, welches deutlich teurer wird als veranschlagt.

  17. 8.

    Na, das ist doch mal wieder toll geplant. Super, Berlin!
    Fahrstuhl, Technik, Sicherheitsfenster usw. für ca. 3 Millionen?
    Gibt es auch goldene Wasserhähne?

Nächster Artikel