Begleitet von großem Polizeiaufgebot - Demonstranten erinnern in Berlin an Weltkriegsende aus russischer Sicht

Mo 09.05.22 | 22:02 Uhr
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Angehörige ehemaliger Rotarmisten ziehen am 09.05.2022 vom Brandenburger Tor zum Ehrenmal an der Straße des 17. Juni und halten Fotos in die Höhe. (Quelle. dpa/Paul Zinken)
dpa/Paul Zinken
Video: rbb|24 | 09.05.2022 | Autor: Stefan Oberwalleney | Bild: dpa/Paul Zinken

Offizielle Vertreter Russlands und Mitglieder der russischen Community haben am Montag an den Sieg über Nazi-Deutschland erinnert. Die größte Veranstaltung fand am Ehrenmal am Brandenburger Tor statt. Nur wenige "Nachtwölfe" kamen in Berlin an.

Mit Kranzniederlegungen und Kundgebungen ist am Montag in Berlin an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa vor 77 Jahren erinnert worden.

Hunderte Menschen beteiligten sich an den verschiedenen Gedenkveranstaltungen. Rund 1.800 Polizistinnen und Polizisten waren demnach im Stadtgebiet unterwegs. Besondere Vorkommnisse gab es demnach im Tagesverlauf nicht.

Gedenken und Demonstrationen

Größte Veranstaltung am Sowjetischen Ehrenmal

Die größte Veranstaltung war laut einer Polizeisprecherin eine Demonstration unter dem Motto "Rotarmisten-Gedächtnis-Aufzug zum Gedenken an die gefallenen sowjetischen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs" am Sowjetischen Ehrenmal am Brandenburger Tor.

An dieser Veranstaltung nahmen mit in der Spitze 500 Teilnehmenden der Sprecherin zufolge "wesentlich weniger" Menschen als erwartet teil. Angemeldet waren im Vorfeld bis zu 1.300 Teilnehmer. Beamte hätten nur vereinzelt bei verbalen Provokationen einschreiten müsse, hieß es.

Nur wenige "Nachtwölfe" in Berlin angekommen

An der Demonstration wollten laut Polizei auch Mitglieder der Rockergruppe "Nachtwölfe" teilnehmen. Statt der erwarteten 150 Personen, die am Vormittag von Frankfurt am Main aus nach Berlin fahren wollten, seien etwa 50 bis an die Stadtgrenze gekommen. Diese seien dort kontrolliert worden, sagte eine Polizeisprecherin am Abend. Eine Vielzahl der Motorräder sei dabei aus dem Verkehr gezogen worden, hieß es weiter.

19 Mitglieder der "Nachtwölfe" sind schließlich laut Polizei in die Stadt zur Straße des 17. Juni weitergereist. Dort wurden sie demnach von Polizisten jeweils zu Fuß in kleinen Gruppen zum Ehrenmal geleitet. Bereits am Vormittag waren dort einige Mitglieder mit Helm, aber ohne Motorrad an dem Ehrenmal zu sehen

Im gesamten Stadtgebiet habe die Polizei im Laufe des Tages 52 Motorräder überprüft, die mit den "Nachtwölfen" in Verbindung ständen. Die Gruppe gilt als Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Russischer Botschafter legt Kränze nieder

Im Treptower Park kamen am Morgen etwa 200 Menschen zusammen. Dabei wurden auch russische Fahnen geschwenkt. Gäste der Delegation durften diese tragen, wie die Polizei betonte. Nach dem Veranstaltungsende seien die Fahnen wieder heruntergenommen worden. Ein weiteres Gedenken mit rund 500 Menschen fand am Sowjetischen Ehrenmal in Tiergarten statt. Viele von ihnen trugen rote Blumen und erinnerten mit Schwarz-Weiß-Fotos an gefallene Soldaten. Der russische Botschafter Sergej Jurjewitsch Netschaje legte an beiden sowjetischen Ehrenmälern Kränze nieder.

Währenddessen versammelten sich Veteranen der Sowjetarmee und ihre Familienangehörigen zu einer Demonstration am Brandenburger Tor. Die Polizei forderte die Teilnehmenden auf, sowjetische und vor allem russische Symbolik nicht zu zeigen.

Demonstrationen unter Auflagen

Zudem waren für Montag Dutzende weitere, kleinere und größere Gedenkveranstaltungen in Berlin angemeldet worden. Sie hatten laut Polizei geringe Teilnehmerzahlen - oft nur im zweistelligen Bereich.

Mehrere Dutzend Menschen waren am Tiergarten unterwegs, vereinzelt habe die Polizei "zurückhaltend eingegriffen", wenn sich Menschen gestritten hätten, hieß es. Am Treptower Park versammelten sich beispielsweise mehrere Dutzend Menschen, die der Reichsbürger-Szene zugeordnet werden.

Am 9. Mai feiert Russland traditionell den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland. In Deutschland ist der 8. Mai der Gedenktag, auf diesen Tag hatten sich auch die Gedenkveranstaltungen der Ukrainer in der Hauptstadt konzentriert. Botschafter Andrij Melnyk und Veteranen der ukrainischen Armee hatten die Gedenkstätte am Brandenburger Tor entsprechend bereits am Sonntag besucht.

Die Polizei hatte für Sonntag und Montag mehrere Auflagen für 15 Gedenkstätten und Mahnmale erlassen. Dazu gehört etwa die umstrittene Auflage, dass auf dem jeweiligen Gelände oder in der Nähe weder russische noch ukrainische Fahnen gezeigt werden dürfen. Für Mitglieder von Delegationen und Veteranen gilt dieses Verbot allerdings nicht.

Ebenso sind Uniformen oder Uniformteile - auch in abgewandelten Formen - sowie Marsch- oder Militärlieder verboten. Untersagt ist außerdem das Z-Symbol. Der Buchstabe wird von Befürwortern des Krieges genutzt und steht für "za pobedu" ("Für den Sieg").

Für eine kleine Versammlung am Montagabend vor dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin Karlshorst ließ das Berliner Verwaltungsgericht aber kurzfristig ukrainische Fahnen und Militärlieder zu. Wie eine Gerichtssprecherin kurz vor der Veranstaltung mitteilte, hat sich der Anmelder damit erfolgreich gegen das Verbot gewehrt. Das Oberverwaltungsgericht hat die Entscheidung des Verwaltungsgerichts am späten Montagabend dann allerdings wieder gekippt.

Polizei griff am Sonntag mehrfach ein

Am Sonntag hatte die Polizei bei Gedenkveranstaltungen in Berlin mehrfach eingegriffen, unter anderem beim Entrollen einer etwa 25 Meter langen Ukraine-Fahne. Die Ukraine kritisierte das Verbot. Berlin habe damit "einen Fehler gemacht", teilte Außenminister Dmytro Kuleba mit. Es sei falsch, ukrainische Fahnen ebenso zu behandeln wie russische Symbole.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik verteidigte die Entscheidung. Sie sei notwendig gewesen, um ein würdiges Gedenken zu gewährleisten und Auseinandersetzungen zu vermeiden. Im Vorfeld hatten die Sicherheitsbehörden angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine von einer "sehr sensiblen Gefährdungslage" gesprochen.

Sendung: rbb24 Abendschau, 09.05.2022, 19:30 Uhr

39 Kommentare

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  1. 39.

    "Was für ein Verteidigungsbündnis? Kennen Sie eins?"
    Ja. Ergibt sich aus dem Gründungsvertrag (Artikel 5) sowie aus dem Artikel 51 der UN Charta.
    Kann ich mich übrigens nicht daran erinnern, dass NATO jemals einen Angriffskrieg mit dem Ziel territoriale Gewinne zu erzielen, gegen einen souveränen Staat geführt hat.

  2. 38.

    „Da ich aber nicht gern alleine wohne....bitte Kathrin83, lass uns eine WG gründen.“

    Falls die gute Kathrin83 nun wirklich partout nicht für diese Idee zu begeistern sein sollte, lässt sich hier doch bestimmt noch ein anderer Putin-Troll finden …

  3. 36.

    Kathrin83-vielen Dank für die an Schlichtheit nicht zu unterbietende Aussage! Nun bin ich schon mehr als 15 Jahre mit meiner Liebsten zusammen und die hat immer noch ihren russ.Pass! Aber jetzt reichts! Ich werfe sie aus der Wohnung, soll sie doch zu Putin gehen!
    Da ich aber nicht gern alleine wohne....bitte Kathrin83, lass uns eine WG gründen.

  4. 35.

    Aber natürlich gib es ein Verteidigungsbündnis. Die NATO. Ein Bündnis das verhindert, dass ein Land von einem Nachbarn mit einem Diktator mit wirrer Weltsicht überfallen wird. Damit nicht mit anderen Ländern so umgesprungen wird wie mit der Ukraine die von Russland mit Mord und Plünderung überzogen wird. Darum gibt es ein Verteidigungsbündnis wie die NATO. Und das ist auch gut so.

  5. 34.

    „Ob Herr Putin weiß, wie es geendet hat?“

    Sicherlich weiß er das. Aber er weiß eben auch ganz genau, dass er – im Gegensatz zu Nazideutschland – im Besitz von nicht gerade wenigen Atomwaffen ist und wohl wirklich NIEMAND* die Absicht hat, Russland auf seinem eigenen Staatsgebiet anzugreifen – geschweige denn zu besetzen.

    * (evtl. mit Ausnahme der sich verzweifelt gegen den russischen Überfall zur Wehr setzenden Ukraine)



  6. 32.

    Nun, Sie differenzieren ja auch. Die Eingangskommentatorin eben nicht. Das macht genau den Unterschied aus. Es gibt nicht „die Russen“ so wie es nicht „die Amis“ gibt. Und niemand ist gezwungen, seine politischen Ansichten zu zeigen. Die Forderung, Russen müssten die ukrainische Fahne zeigen, damit die Eingangskommentatorin sie akzeptieren kann, ist übergriffig.

  7. 31.

    "sie sind auch stalinistisch und stehen damit auch für Terror und Menschenverachtung." Ja UND? Dennoch haben die stalinistische Rote Armee zusammen mit den Armeen Franlreichs, Englands, Kanadas und der USA Deutschland über deren im 2. Weltkrieg leider unvermeidbaren militärischen Angriffe von der Hitlerbarbarei befreit - das zählt und MUSS im Gedächtnis BLEIBEN!

  8. 30.

    Natürlich darf man die Russen nicht über ein Kamm scheren. Wer aber wie die Nachtwölfe die nationalistische, ja faschistische Politik Putins unterstützt, der sollt sich nicht wundern, wenn er ausgegrenzt wird. Im Übrigen wirkt die Einschränkung der Presse in Russland fast wie die Gleichschaltung der Presse unter den Nazis. Viele Russen werden also indoktriniert, genau wie im NS-Regime die Deutschen. Es ist merkwürdig wie sich Diktaturen gleichen!

  9. 29.

    Axel:
    "Ich hänge mir nicht mal eine deutsche Fahne irgendwo an, weshalb sollte ich mir eine Fahne eines fremden Landes anpinnen?"

    ... aus Solidarität und Mitgefühl mit den Überfallenen und als Zeichen gegen Putins Diktatur und terroristische Kolonialkriege!

    Eine deutsche Flagge würde ich mir auch nirgendwo hinhängen (denn Deutschland ist nicht bedroht), aber eine ukrainische schon.

  10. 28.

    So ein Quatsch! Man kann doch nicht jedem aus dem Weg gehen, der mal einen russischen Wodka getrunken hat! Meine russischen Nachbarn bleiben nette Nachbarn! Sie können nichts für den Krieg und befürworten ihn auch nicht.
    Ich finde es furchtbar, dass hier wegen der Herkunft Existenzen vernichtet und Menschen angegriffen werden! In meinem Bekanntenkreis wurde einer Alleinerziehenden mit zwei Kindern das Bankkonto gesperrt, weil sie Russin ist!

  11. 27.

    Ballermann:
    "Antwort auf [Kathrin83] vom 09.05.2022 um 08:46
    So ähnlich wird wohl auch Putin gedacht haben, bis seine Toleranz und Geduld am Ende war. Er hat es mehrfach gesagt, wir haben es mehrfach ignoriert und sogar immer noch eins draufgesetzt."

    Was meinen Sie konkret?
    Ja, Putin hat eben keine "Toleranz und Geduld" gegenüber demokratischen Entwicklungen in seiner Nachbarschaft bzw. zukünftigen Kolonien. Da ist seine "Toleranz und Geduld" im In-land wie auch für das Ausland sehr schnell am Ende. Ja, er hat mehrfach zu verstehen gegeben, dass sich seine Nachbarschaft nicht zur Demokratie hinwenden und auch nicht auf den Verteidigungsfall vorbereiten darf. Wir haben das leider ignoriert und die Ukraine nicht schon vor 2014 in die NATO aufgenommen. Das war ein Fehler!

  12. 25.

    Diese Ehrenmale sind sowjetisch, richtig. Aber sie sind auch stalinistisch und stehen damit auch für Terror und Menschenverachtung.
    Das fällt in der Bewertung leider komplett unter den Tisch. Ich bin 1945 im Alter von einemJahr befreit worden, aber nicht von Stalin und seinen Helfern.

  13. 24.

    Eigentlich müsste Putin Albträume haben. Der Russlandfeldzug mit vertauschen Rollen. Erst die Anfangserfolge, dann verstärkter Widerstand, erlahmen der Offensive, Waffen und Materiallieferungen der westlichen verbündeten, Erstarkung des Gegners. Jetzt hätte nur noch die Verkündung des "totalen Krieges" gefehlt. Ob Herr Putin weiß, wie es geendet hat?

  14. 23.

    Wofür soll sich wer schämen? Dafür, dass er einen Aggressor einen Aggressor nennt, dafür, dass Putin ein Massenmörder genannt wird was er auch ist, dafür, dass Putin Kinder von Raketen in kleine Stücke reißen lässt, dafür dass Putin mit Lügen einen Überfall auf das Nachbarland Ukraine befiehlt und Tausende von Menschen tötet? Wenn man das sagt muss sich dafür kein Mensch schämen, es ist die Wahrheit.

  15. 22.

    Verbreiten sie Ihre Propaganda in Russland. Da gefällt es wenigstens. Hier ist es Peinlich und zum fremdschämen. Ehrlich? Sie hinterfragen es nicht mal? Das ist so 1950......
    Ansonsten sagt ihr Name alles was ich wissen muss.

  16. 20.

    ""So ähnlich wird wohl auch Putin gedacht haben, bis seine Toleranz und Geduld am Ende war. Er hat es mehrfach gesagt, wir haben es mehrfach ignoriert und sogar immer noch eins draufgesetzt."
    Was konkret haben WIR draufgesetzt? Und was hat Herr Putin mehrmals gesagt? Etwa dass er rabiat wird und der Welt mit atomaren Erstschlag drohen wird, wenn man ihm im Wege steht und nicht zulässt, dass friedliche Länder angegriffen werden? Oder wenn souveräne Staaten aus Angst vor seiner imperialen Expansionspolitik einem Verteidigungsbündnis beitreten? Oder dass er im Recht ist wenn er die russische Minderheiten im Ausland dazu missbraucht die sog. Volksaufstände zu inszenieren damit er immer neue Gebiete annektieren kann?
    Sie präsentieren hier eine unerträgliche Rhetorik und suchen Rechtfertigung für jemanden der einen verbrecherischen Angriffskrieg führt und für den Tod und Vertreibung von unzähligen Menschen verantwortlich ist.

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