"Ort der Kapitulation" in Berlin-Karlshorst - Museum in Karlshorst ersetzt bisherigen Schriftzug durch "Ort der Kapitulation"

So 08.05.22 | 11:50 Uhr
  26
Vor dem Museum Karlshorst steht am 08.05.2022 "Ort der Kapitulation Mai 1945" anstatt wie bisher "Deutsch-Russisches Museum". (Quelle: rbb24/Caroline Winkler)
Bild: rbb24/Caroline Winkler

Das bisher als Deutsch-Russisches Museum bekannte Haus in Berlin-Karlshorst hat den Schriftzug vor seinem Gebäude geändert. Statt "Deutsch-Russisches Museum" sei auf einer Mauer vor dem Eingang nun "Ort der Kapitulation, Mai 1945" zu lesen, wie eine Sprecherin sagte.

Das Museum befestigte das Schild mit dem neuen Schriftzug in Form einer Metallplatte am Samstagmorgen über den alten Buchstaben. Es hatte zuletzt angekündigt, ab sofort den im Vereinsregister eingetragenen Namen "Museum Berlin-Karlshorst" zu benutzen.

Sprecherin verweist auf aktuelle Lage

Der neue Schriftzug soll zunächst nur eine provisorische Lösung sein, betonte die Sprecherin. Angesichts des Gedenktages zum Kriegsende am Sonntag (8. Mai) habe man sich kurzfristig mit der neuen Beschreibung zeigen wollen. Das Museum wolle die Metallplatte langfristig ersetzen.

"Wir erinnern natürlich an alle sowjetischen Opfer", sagte die Sprecherin. Die alte Bezeichnung habe diese bisher eher ausgeschlossen als die Realität abgebildet. Zu den Mitgliedern des Trägervereins des Museums gehören neben Russland und Deutschland auch die Ukraine und Belarus.

In dem Gebäude unterzeichneten die Oberbefehlshaber der Wehrmacht in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 vor Vertretern der Sowjetunion, der USA, Großbritanniens und Frankreichs die bedingungslose Kapitulation Deutschlands als Ende des Zweiten Weltkriegs.

Sendung: Fritz, 8. Mai 2022, 7:30 Uhr

26 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 26.

    Stimmt: Seinen Ursprung hatte dieser Krieg zu unterschiedlichen Zeitpunkten und an unterchiedlichen Orten.
    Dennoch scheint mir das Argument haltbar, dass er erst mit dem Überfall Deutschlands auf Polen zu einem WELTkrieg wurde, während er ansonsten wohl auf eine pazifische Auseinandersetzung begrenzt geblieben wäre.

  2. 25.

    Ich betrachte mich zwar nicht als Rechtsextremisten, bin aber durchaus auch für ein nationales Bewusstsein.
    Denn wenn es nichts weiter bedeutet als sein Land zu lieben und es in besonderem Maße wert zu schätzen, trifft das in meinem Fall durchaus zu.
    Denn jedes Volk hat das Recht, auf sein Land, dessen Errungenschaften und Vorzüge stolz zu sein - auch das Deutsche.
    Und ich widerspreche:
    Nationalismus in dieser gesunden Form hat noch nie Kriege ausgelöst, sondern war (wie ich ja geschildert habe) oft ein Grund, das eigene Land und dessern Werte zu verteidigen.
    Falls Sie das anders sehen, sollten Sie das der Ukrainischen Bevölkerung schnellstmöglich mitteilen.

  3. 24.

    Der WK II entsprang nicht alleine dem Expansionismus der Nazis. Im Pazifik tobte seit Juli 1937 der 2. Sino-japanische Krieg, der durch den Überfall auf Pearl Harbour die Überfälle Japans auf die Kolonien Frankreichs, Niederlande und Englands sowie der Kriegserklärung Hitlers an die USA sich zum WK II entwickelte. Für die USA galt die Devise Germany First um die Briten und UDSSR zu unterstützen. Höhepunkte waren die amphibischen Landungen in Europa!

  4. 23.

    "Daraus zu folgern, dass Nationalstaaten per se ein Übel seien und ihre Existenz ansich zu solchen Kriegen führt, ist mehr als abenteuerlich. "

    Weder "Ursus Lyck", noch ich haben von "Nationalstaaten " gesprochen. Sondern von "nationalen Bewusstsein der Menschen", einen unter heutigen Rechtsextremen beliebten Formel.

    Nationalismus, besonders in seiner übersteigerten Form ist und war eine Triebfeder von Kriegen! Nationalismus hat noch in der Geschichte der Menschheit Kriege beendet, dafür aber etliche ausgelöst.

  5. 22.

    Leider hat Instrumentalisierung des Sieges über Nazideutschland schon am 7.Mai 45 durch Stalin angefangen und führte zur erneuten Zeremonie in Karlshorsts. Dass aber der WK II nicht mit diesem Datum endete, sondern erst mit dem 15. August 1945 wird vielfach aus den Augen verloren. Auch hier zeigten sich schon Spannungen zwischen den ehemaligen Siegern, die bis heute andauern => Kurilien.

  6. 21.

    Es fehlte bislang an Sensibilität dafür, dass das zahlenmäßig Größere das Kleinere nicht einfach an die Wand drückt und sich faktisch für ausschließlich erklärt. Das ist bislang Russland so zugestanden worden, sich faktisch mit der Sowjetunion ineins zu setzen und immer noch wird es den USA zugestanden, sich ineins mit Amerika zu setzen.

    Die vergangene Sowjetunion, die Nazi-Deutschland von Osten her befreit und zur Kapitulation gezwungen hat, bestand aus allen Teilen der SU, so sollte es mithin auch stehen und genannt werden. Deshalb ist "Ort der Kapitulation" zutreffend. "Der" seht keineswegs davor.

    Und dieses In-den-Blick-Bekommen aller, die an der vergangenen Roten Armee beteiligt waren, wird umso selbstverständlicher werden, wie völlig selbstverständlich wiederum zwischen den USA und Amerika unterschieden wird. Ein Teil kann nie ausschließend das Ganze repräsentieren.

  7. 20.

    Und wieso wird dann eine Kopie der Reimser Kapitulationsurkunde in Karlshorsts gezeigt. Hier ging es nur um die Deutungshoheit, wer der eigentliche Sieger sei und das wollte Stalin sein. Analysiert man jedoch den Krieg im Osten, dann wird ma feststellen, dass Stalin das Blatt hat nur wenden können, weil die Japaner nicht angegriffen haben und er massivst durch die Westalliierten mit Militärgerät unterstützt wurde.

  8. 19.

    In Reims wurde am 7. Mai die Kapitulation unterschrieben. Die Waffen sollten am 8. Mai an allen Fronten schweigen. Durch die Teilkapitulation am 5. Mai in der Lüneburger Heide schwiegen die Waffen im Westen schon ab dem 5. Mai. In Ostpreußen allerdings aufgrund von Angriffen der Sowjets auf Evakuierungstransporte erst am 14. Mai. Also welches wünschen Sie?

  9. 18.

    Stalin erkannte die Unterschrift des sowjetischen Vertreters in Reims nicht an. Er bestand auf eine Wiederholung in Karlshorsts. Hintergrund dürften die in den Tagen zuvor erfolgten Teilkapitulationen im Westen gewesen sein. Erst Eisenhower hat in Reims durch die Drohung keine Zivilisten und Soldaten durch die Demarkationslinie zwischen den westlichen und de SBZ zu lassen die bedingungslose Gesamtkapitulation erzwungen.

  10. 17.

    Unsinn.
    Der Zweite Weltkrieg entsprang dem Größenwahn und den Eroberungsgelüsten der Nazis.
    Daraus zu folgern, dass Nationalstaaten per se ein Übel seien und ihre Existenz ansich zu solchen Kriegen führt, ist mehr als abenteuerlich.
    Nicht die Vereinten Nationen haben Hitler & Co. besiegt, es waren ein Bündnis einzelner Länder und die Tapferkeit von Männern und Frauen, die ihre Heimat und ihre Werte verteidigen wollten.
    Wie erklären Sie sich, dass viele Nationen gut miteinander auskommen, gar nicht die Absicht haben, gegeneinander in den Krieg zu ziehen, dass man sich im Gegenteil sogar oft untereinander HILFT?
    Hätte es seinerzeit keine Nationalstaaten gegeben, hätte ein Zweiter Weltkrieg gar nicht stattgefunden.
    Denn dann hätte es genügt, wenn die Nazis nur EINE Regierung übernommen hätten - nämlich die der gesamten Erde.
    Welche Armee hätte sie dann noch aufhalten können?

  11. 16.

    Das Verhalten, das sich derzeit breit macht, erinnert mich an das vieler Amerikaner nach 9/11 den Franzosen gegenüber:
    Urplötzlich ist alles Russische böse, jeder Russe ein Schurke, selbst das Wort "russisch" ein Unwort.
    Da werden Russen mal eben enteignet (auch wenn sie womöglich gar nichts mit disesem Krieg zu tun haben) und nun ändert man sogar den Namen eines Museums (auch wenn die Überschrift dieses Artikels diese Tatsache zu bemänteln versucht).
    Ich wünschte, die Agitatoren wären eine aussterbende Spezies.

  12. 15.

    Russland und die meisten anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion feiern das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa am 9. Mai - im Gegensatz zu den westlichen Alliierten, die den Sieg über Nazi-Deutschland schon einen Tag zuvor begehen. Das hat vor allem technische Gründe.

    Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel als Befehlshaber der Wehrmacht unterzeichnete die Kapitulationsurkunde erst am 9. Mai - kurz nach Mitternacht. Vorgesehen gewesen war die Zeremonie zwar für den 8. Mai, aber ein Streit über die russische Fassung verzögerte den Akt.

    Insgesamt bestätigten deutsche und alliierte Offiziere die bedingungslose Kapitulation Hitler-Deutschlands zweimal mit ihren Unterschriften: am 7. Mai im französischen Reims und in der Nacht zum 9. in Berlin-Karlshorst. Der Beginn der Waffenruhe war bereits in Reims auf den 8. Mai um 23.00 Uhr MEZ festgelegt worden. In Moskau war es da schon 1.00 Uhr - am 9. Mai. Der Westen feiert also die Waffenruhe, die Ex-Sowjetrepubliken feiern die Kapitulation.

  13. 14.

    Aufgrund des "nationalen Bewusstsein der Menschen" ist diese Katastrophe überhaupt erst entstanden, die Millionen von Toten und ein verwüstetes Europa hinterlassen hat!

  14. 13.

    Die Geschichte ist nun mal so gewesen.
    Und ehrlich… würden Sie sich in solch einem bedeuten Fall auf irgendwas mündliches oder nen Persilschein verlassen wer wohl welche Zusagen oder Befehlsgewalt hat?
    Die förmlich komplette Kapitulation als Vertrag mit allen damals Verantwortlichen war nun mal in Karlshorst.

  15. 12.

    Wir sprechen im Allgemeinen von "Russen", meinen aber die Menschen des Vielvölkerstaates Sowjetunion. Angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine ist um so wichtiger, dass wir alle heute bestehenden Nationen und deren Völker bewusst bezeichnen, die Unterschiede (er)kennen und das nationale Bewusstsein der Menschen akzeptieren.

  16. 11.

    In den Geschichtsbüchern steht evtl. nicht die richtige Wahrheit, weshalb es - so wie auch hier - zu überflüssigen Diskussionen kommt. Das, was auf Wiki steht, ist immer gut recherchiert und wird der Wahrheit am nächsten kommen, zumal die Unterzeichnung der zweiten, ratifizierenden Kapitulationsurkunde mit historischem Foto belegt ist.
    Die Umbenennung ist jedenfalls eine richtige Entscheidung. Die neue Bezeichnung trifft des Pudels Kern.

  17. 10.

    Das ist schon ziemlich geschichtsvergessen und peinlich - und das für ein Museum. Man sollte nicht vergessen, dass man auch mit ernsthaften Historikerinnen und Historikern zu tun haben will, die für diese Art Geschichtsverdrehung sicher kein Verständnis haben. Dann keine sowjetische Fahne aufzuhängen, sondern eine ukrainische, die es 1945 gar nicht gab. Vor einiger Zeit haben wir uns noch über Polen aufgeregt, jetzt läuft das hier genauso. Wir brauchen nicht mal eine PIS-Regierung.

  18. 9.

    Jodel hatte Vollmacht von Doenitz im Auftrag des Oberkommandos der Wehrmacht, also aller Teilstreitkräfte zu unterzeichnen. Am 8. Mai wurde diese um das Gesicht Stalins zu wahren in Karlshorsts durch Keitel wiederholt. Zuvor waren Versuche einer Teilkapitulation am 6. Mai teilweise gescheitert, führten aber zur Einstellung der Kampfhandlungen im Westen. Doenitz versuchte so viele Zivilisten und Soldaten aus den östlichen Provinzen und besetzten Gebieten gen Westen zu retten.

  19. 8.

    Als ob es keine anderen Probleme gibt

  20. 7.

    Genauso ist es. Und vor allem ohne großes Trara, weil eben die Vereinssatzung als Basis benutzt wurde. Ja, und die Beflaggung heute bzw. die Fahne wird ja schon länger aufgezogen worden sein. Auch o.k.
    Und wenn es sich bei den blühenden Sträuchern um den Schneeball handeln sollte, dann wäre es eine dauernde, sehr dezente, Mahnung (Czerwona Kaline ukraina- s. Neringa Rekasiute-Flashmob in Lithauen).

Nächster Artikel