Ravensbrück und Sachsenhausen - Woidke betont Bedeutung der Zeitzeugen bei Gedenken an KZ-Befreiung

So 01.05.22 | 17:26 Uhr
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Zeitzeugin Ilse Heinrich weint während der Zentralen Gedenkveranstaltung zum 77. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Audio: Brandenburg Aktuell | 01.05.2022 | Stephanie Teistler | Bild: dpa/Monika Skolimowska

An die Befreiung der Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen ist am Sonntag in Brandenburg erinnert worden.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte besonders das Zeugnis der Überlebenden: "Wir verneigen uns heute in Dankbarkeit vor den Überlebenden, die uns als Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von der Vergangenheit berichten", sagte der Regierungschef bei der Gedenkveranstaltung laut Mitteilung. "Kein Geschichtsbuch, kein Film, keine Erzählung kann dies ersetzen."

Auch 77 Jahre nach Kriegsende falle es schwer, sich das unerträgliche Leid vorzustellen, das Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder ihrer Überzeugung erleiden mussten, mahnte Woidke.

Stiftung engagiert sich für KZ-Überlebende in der Ukraine

Zu dem Gedenken waren nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten fünf Männer und eine Frau als Überlebende an den Ort ihrer Leiden zurückgekehrt. "Ihr Überleben ist ein wichtiges Zeichen der Hoffnung, dafür, dass Rassenhass, Intoleranz und Menschenfeindlichkeit niemals siegen dürfen", betonte Woidke.

Der Ministerpräsident dankte der Stiftung für ihr Engagement für KZ-Überlebende in der Ukraine. So sei ein Spendenkonto für den Sachsenhausen-Überlebenden Volodymyr Kororbov eingerichtet worden, um ihn mit lebenswichtigen Medikamenten zu versorgen. "Mich macht es zutiefst traurig, dass Überlebende der Konzentrationslager durch den Krieg in der Ukraine erneut um ihr Leben bangen müssen", sagte Woidke.

Schüle würdigt Arbeit der Gedenkstätten

Kulturministerin Manja Schüle (SPD) unterstrich bei dem Gedenken an die Befreiung des KZ Ravensbrück die Bedeutung der Arbeit der Gedenkstätten. "Erinnerung und Gedenken sollen dazu dienen, künftige Gräuel zu verhindern - das wünschen sich viele Überlebende", sagte Schüle in der Gedenkstätte Ravensbrück laut Mitteilung.

Auch Schüle schlug einen Bogen zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. "Und angesichts der gegenwärtigen Gewalt in der Ukraine versichere ich, dass wir uns kompromisslos für unsere Werte - für Frieden und Freiheit, für gegenseitige Akzeptanz und Demokratie einsetzen!"

Zeitzeugin Lili Leignel nimmt an der Zentralen Gedenkveranstaltung zum 77. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück teil. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Lili Leignel | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Ehemalige KZ-Insassin Lili Leignel bei Gedenkveranstaltung

Bei der Gedenkveranstaltung sprach als Zeitzeugin auch Lili Leignel, die als Kind aus Frankreich nach Ravensbrück deportiert worden war. Bereits am Samstag hatte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten eine Ausstellung zu den im KZ Ravensbrück inhaftierten Französinnen eröffnet. Rund 7.000 Frauen seien zwischen Januar 1942 und September 1944 aus Frankreich von den Nationalsozialisten in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück verschleppt worden, teilte die Stiftung dazu mit.

Sowjetische und polnische Soldaten hatten vor 77 Jahren, am 22. und 23. April 1945, das KZ Sachsenhausen erreicht, das vorher von den Nationalsozialisten geräumt worden war. In Ravensbrück befreite die Rote Armee am 30. April 3.000 Häftlinge.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.05.2022, 17:00 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Das mit dem Verbieten ist nicht so einfach. Lesen Sie mal nach, wer sich alles an der NPD versucht hat. Am Ende wurde die Klage abgewiesen, weil die Partei zu unbedeutend ist. Das ist zwar bei der AfD nicht der Fall, aber es dürfte trotzdem aussichtslos sein. Das zeigen schon die Urteile zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Man muss sie eben hinnehmen.

  2. 8.

    "Sie wollen also die von Ihnen genannten Parteien einfach so verbieten." Ich kann Ihnen Ihr offensichtliches Leseproblem nicht lösen, denn ich schrieb in #2: „…angesichts nicht verbotener Parteien wie afd, npd, republikaner u.ä. sinnlosen Gruppierungen…“ Den offensichtlichen Unterschied möchten Sie zu einer Unterstellung verbiegen - kann man in einer Demokratie bis zu einem gewissen Punkt machen. Und Ja - solange das deutsche Grundgesetz in bisheriger Formulierung noch gilt haben Sie Ihr demokratisches Recht, diese Parteien schick zu finden, obwohl die das Ziel verfolgen unsere demokratische Grundordnung abzuschaffen und dem Nazi-Unrecht voll umfänglich nachtrauern. Ich dagegen schließe mich Parteien und Gruppierungen an, die nie wieder ein rollback in brauen Vergangenheiten ermöglichen und konsequent verhindern wollen als einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie selbst wenn geschafft wird den vielfachen Sadisten Putin zu stoppen.

  3. 7.

    Diese Parteien mögen demokratisch gewählt sein – und dennoch träumen sie und nicht wenige ihrer Wähler (mehr oder weniger) insgeheim davon, die Demokratie abzuschaffen. Nur weil sie demokratisch gewählt sind, bedeutet das noch lange nicht, dass sie selbst auch Demokraten sind. Gegen solche Bestrebungen MUSS eine Demokratie sich zur Wehr setzen, wenn sie weiter bestehen will. Und diesen Wunsch dürften zumindest 90% der Wahlberechtigten in diesem Land haben.

  4. 6.

    Nur, dass diese Parteien extrem rechtsaussenstehen und im Verfassungsbericht erwähnt werden. Dort werden sie z.T. als verfassungsfeimdlich eimgestuft. Und was die AFD betrifft, nun Teile haben eine Rethorik drauf, die doch sehr an die Nazis erinnert. Zudem hat der Kommentatator Ausländerfreund nur auf diese Parteien hingewiesen. In einer Demokratie muss man manchmal extreme Parteien dulden, zudem ist ein Parteienverbot mit hohen Hürden verbunden. Um so mehr gilt es ein wachsames Auge auf extreme Bewegungen zu haben, egal ob von der linken oder rechten Seite des Parteienspektrums.

  5. 5.

    Sie wollen also die von Ihnen genannten Parteien einfach so verbieten. Dann sind Sie ja auch ein " Lupenreiner Demokrat ". Zu Ihrer Information sind alle die von Ihnen genannten Parteien demokratisch legitimiert. Ansonsten wären sie schon verboten. Auch wenn es Ihnen so nicht passt.

  6. 4.

    Nicht erinnern, sondern ein jeder muss aktiv dafür eintreten, dass Genozide, Verfolgung politisch Andersdenkender kein Möglichkeit haben wieder Wurzeln zu schlagen. Angesichts der Verbrechen der russischen Armee in der Ukraine kommt mir eines der Gespräche mit einem Familienmitglied in den Sinn der im aktiven Widerstand und dafür KZ war. Er sagte mir sinngemäß, dass wir Schuld auf uns laden, wenn wir solche Verbrechen nicht aktiv zu vereiteln versuchen und tatenlos zusehen!

  7. 3.

    In Ravensbrück waren deutsche Kommunistinnen inhaftiert, u.a.Margarete Buber-Neumann, die in der SU Zuflucht gesucht hatten und 1940 von Stalin an die Nazis ausgeliefert wurden. Darüber wurde in der DDR nie etwas erwähnt. Schließlich hatte Ulbricht seine Finger im Spiel.

  8. 2.

    Haben Sie das im RBB-Artikel gelesen? >"Sowjetische und polnische Soldaten hatten vor 77 Jahren, am 22. und 23. April 1945, das KZ Sachsenhausen erreicht, das vorher von den Nationalsozialisten geräumt worden war. In Ravensbrück befreite die Rote Armee am 30. April 3.000". Sich an diese Aktionen dankbar zu erinnern und gleichzeitig zu mahnen und zu warnen, dass so etwas nie wieder geschehen darf ist angesichts nicht verbotener Parteien wie afd, npd, republikaner u.ä. sinnlosen Gruppierungen voll aktuell und von höchster Wichtigkeit auch angesichts dem Verbrecher WP, der auf demselben schlimmen Niveau handelt wie AH und seine Komplizen.

  9. 1.

    Von den heutigen Demonstranten und Demonstrantinnen weiß kaum einer, was ein Arbeits- und Konzentrationslager war. Manch eine Handling würde dann vielleicht nochmals überdacht werden unter der Tatsache, was man heute alles hat und darf!

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