Fest in Guben und Gubin - 15.000 Menschen feiern Europatag an deutsch-polnischer Grenze

So 08.05.22 | 15:41 Uhr
Luftaufnahme der geteilten Stadt Guben (Bild: imago images/Rainer Weisflog)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.05.2022 | O-Ton Fred Mahro, Bürgermeister von Guben | Bild: imago images/Rainer Weisflog

Etwa 15.000 Menschen haben nach Angaben der Veranstalter in der deutsch-polnischen Eurostadt Guben-Gubin an der Neiße das Europafest gefeiert. Seit mehr als 30 Jahren verbindet die Städte eine enge Partnerschaft.

Das Fest stand unter dem Motto "Solidarität mit der Ukraine". Mit der grenzüberschreitenden Veranstaltung wollten europäische Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker, das Land Brandenburg, Polen und beide Städte ein Zeichen für Völkerverständigung, Frieden und Solidarität setzen.

Partner des Festes waren unter anderem die Vertretungen der Kommission und die Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments in Deutschland und Polen sowie die Europäische Investitionsbank und die beiden Städte.

Der Europatag ist ein Feiertag für Europa. Er wird traditionell an zwei Tagen im Mai begangen, um an das Kriegsende und die Gründung des Europarats zu erinnern.

Riesenrad an der Neiße

Direkt am Fluss war ein Riesenrad mit 26 Gondeln aufgestellt. Dort und an mehr als 25 Ständen konnten sich Besucherinnen und Besucher über das europäische Zusammenleben in ihrer Region und über EU-Themen informieren. Einer der Höhepunkte des Festes war der Auftritt der polnischen Folkrock Band "Enej" und der polnisch-ukrainischen A-Cappella-Gruppe "Zazula".

Auf der Veranstaltung sprachen unter anderem Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank, Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Elzbieta Polak, Marschallin der Wojewodschaft Lubuskie und Anne-Marie Descôtes, Botschafterin Frankreichs in Deutschland.

Woidke lobt Guben/Gubin als Vorbild

"In Guben und Gubin sieht man, wie europäische Lebenswirklichkeit aussieht und welchen Nutzen Europa für uns hat", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Samstag als Gast der Veranstaltung. Guben und Gubin hätten sich sehr gut entwickelt und mit europäischer Hilfe viele wegweisende Projekte umgesetzt und damit viel für die Grenzregion erreicht.

Woidke verwies auf dem Fest auch auf die Bedeutung für den Einsatz für Frieden und Freiheit in Europa. "Es ist ein großes Geschenk, dass die meisten von uns ohne Krieg aufwachsen konnten. Umso schlimmer ist es, dass in diesen Tagen der Krieg nach Europa zurückgekehrt ist", so der Regierungschef. Den vielen Ehrenamtlichen in Brandenburg und Polen dankte er für die große Hilfsbereitschaft bei der Aufnahme und Versorgung von Geflüchteten aus der Ukraine.

Etwa 1.000 Polen leben in Guben

Nach Ansicht des Gubener Bürgermeisters Fred Mahro ist Guben/Gubin schon ein Stück weiter als Europa insgesamt. "Ich denke, das, was sich Europa in der Zukunft strategisch vorstellt, das leben wir in großen Teilen schon in unserer kleinen Stadt", sagte Mahro der Deutschen Presse-Agentur. Ihm zufolge leben über 1.000 Polen in der 16.000-Einwohner-Stadt Guben. Es gebe kaum ein Unternehmen, das nicht mindestens einen polnischen Beschäftigten habe, so der Bürgermeister. In den Kindergärten und Schulen lernten und spielten deutsche und polnische Kinder längst gemeinsam.

Ein deutsch-polnisches Polizeiteam sorgt seit 2020 für Sicherheit in beiden Städten. Die gemeinsame Streife ist landesweit das erste Modellprojekt an der Grenze und wird mit EU-Mitteln gefördert. Insgesamt leben nach Angaben des Bürgermeisters über 60 Nationen in der Stadt mit den polnischen Nachbarn als größte Gruppe.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.05.2022, 15 Uhr

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