Amtsinhaber Uhe tritt nicht erneut an - Die Prignitz wählt einen neuen Landrat

So 08.05.22 | 11:08 Uhr | Von Björn Haase-Wendt
Wahlkampf zur Landratswahl in der Prignitz (Quelle: Björn Haase-Wendt/rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.05.2022 | Ronald Schleif | Bild: Björn Haase-Wendt/rbb

Torsten Uhe hört Ende Juli als Landrat in der Prignitz auf und tritt aus persönlichen Gründen nicht mehr an. Am Sonntag buhlen nun fünf Kandidaten um die Wählerstimmen und wollen ins Prignitzer Landratsamt einziehen. Von Björn Haase-Wendt

Die Jugend zieht immer noch weg, die Bahnfahrt mit dem "Prignitz-Express" von Berlin in die Kreisstadt Perleberg ist alles andere als eine Express-Reise und auch die medizinische Versorgung könnte besser sein. In der Prignitz warten auf den künftigen Landrat viele Aufgaben, etwa in der Wirtschaftsförderung.

Spricht man mit Unternehmern, heißt es immer wieder: "Die Behörden arbeiten zu langsam". Ein Problem, dass auch SPD-Landratskandidat Christian Müller sieht. "Ich glaube, dass wir nach der Coronapandemie neuen Schwung aufnehmen und versuchen müssen Verwaltungsvorgänge durch die Digitalisierung effizient zu gestalten und zu beschleunigen", sagt Müller. "Das wird ganz klar ein Schwerpunkt sein."

Christian Müller, SPD, Landrats-Kandidat in der Prignitz (Quelle: Björn Haase-Wendt/rbb)
Christian Müller, SPD | Bild: Björn Haase-Wendt/rbb

Breites Bündnis

Der 39 Jahre alte Meyenburger gilt als aussichtsreichster Kandidat bei der Prignitzer Landratswahl am Sonntag. Zum einen hat er die meiste Verwaltungserfahrung, ist er doch seit 2015 der Erste Beigeordnete in der Prignitzer Kreisverwaltung. Zum anderen kann er ein breites Bündnis hinter sich vereinen. Sowohl CDU als auch Linke, FDP und Freie Wähler unterstützen den SPD-Kandidaten.

Schwerpunkte will er künftig auch beim Ausbau der Infrastruktur setzen - etwa beim Weiterbau der A14, der weiter auf sich warten lässt oder in der Fachkräftesicherung. "Für viele Betriebe, ob vom Handwerker über Industriebetriebe bis zur Verwaltung, ist das eine große Herausforderung", so Müller.

Im Falle einer Wahl will er die bisherigen Ressourcen und "guten Ideen" bündeln und sich mit allen Akteuren vernetzen. "Um nachhaltige Strukturen zu schaffen, damit wir junge Leute überzeugen, dass sie in der Region gute Perspektiven haben", erklärt der SPD-Kandidat.

Jean-René Adam, AfD, Landrats-Kandidat in der Prignitz (Quelle: Björn Haase-Wendt/rbb)
Jean-René Adam, AfD | Bild: Björn Haase-Wendt/rbb

Ärzte müssen auf das Land

Als Konter zum breiten Parteienbündnis sieht sich Jean-René Adam. Der 57-Jährige tritt für die AfD bei der Landratswahl an. Der gelernte Instandhaltungsmechaniker ist seit 2021 AfD-Kreischef in der Prignitz und arbeitet derzeit im familiären Transportunternehmen.

Er sieht vor allem die medizinische Versorgung in der Prignitz als das drängendste Problem. "Wir haben eine sehr alte Bevölkerung, dem muss man gerecht werden. Wir brauchen in der Fläche die Ärzte." Ihm schweben etwa spezielle Stipendien für Landärzte vor oder Unterstützungsangebote gemeinsam mit den Gemeinden, wenn es um Bauland für potenzielle Ärzte geht.

Um die Jugend in der Prignitz zu halten, will sich Adam für ein Berufsbildungszentrum im Landkreis einsetzen. "Das unsere Lehrlinge nicht nach Cottbus, Neubrandenburg oder sonstwohin fahren müssen", so der AfD-Kandidat. Auch kritisiert er, dass die Prignitz zu wenig in Land und Bund wahrgenommen werde. "Ich würde Herrn Woidke klipp und klar einiges sagen. Ich erinnere nur an das Prignitzer Impfzentrum, dass wir eigentlich nicht bekommen hätten, weil man uns schlichtweg vergessen hat."

Maik Tesch, parteilos, Landrats-Kandidat in der Prignitz (Quelle: Maik Tesch)
Maik Tesch | Bild: Maik Tesch

Regionales Gesundheitszentrum schaffen

Auch der heute parteilose Einzelbewerber Maik Tesch aus Perleberg fokussiert sich auf die medizinische Versorgung in der Prignitz - schon von Berufswegen. Der 44-Jährige ist Rettungssanitäter im Landkreis, war früher Stadtverordneter für BVB/Freie Wähler in Perleberg. "Ich bin täglich mit der medizinischen Unterversorgung konfrontiert, gerade im ländlichen Raum", so Tesch. Zwar gebe es in der Prignitz immer wieder Medizinstudenten, aber die würden in den Krankenhäusern verbleiben, "weil die Landarztpraxen für sie unattraktiv" sind.

Als Lösung schlägt Tesch die Errichtung eines regionalen Gesundheitszentrums mit verschiedenen Fachrichtungen vor. "Dazu braucht es auch eine entsprechende Transportinfrastruktur, damit ältere Leute oder mit Handicap dieses auch erreichen", sagt Tesch. Auch wolle er sich dafür einsetzen, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Prignitz wieder gestärkt werde. Eine Erfahrung, die er aus den von ihm organisierten Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Perleberg mitnimmt, wie er sagt.

Mario Schulz, Landrats-Kandidat in der Prignitz (Quelle: Björn Haase-Wendt/rbb)
Mario Schulz | Bild: Björn Haase-Wendt/rbb

Kandidat mit rechtsextremen Verbindungen

Der zweite Einzelbewerber ist Landwirt Mario Schulz aus Lanz. Der 56-Jährige war einst NPD-Funktionär und ist heute Mitglied in der rechtsextremen Kleinstpartei "Der 3. Weg", die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Darauf angesprochen erklärt Schulz, dass dies für ihn eine Ehrenerklärung sei. Und wie steht es um die Anlehnung seiner Partei an den Nationalsozialismus? "Diese Frage habe ich nicht verstanden," sagt Schulz.

Seine Wahlplakate und Flyer werden da schon deutlicher: "Wählt deutsch" ist da zu lesen, oder vom Stopp der "ungehinderten Massenzuwanderung". Gesprächiger wird der Landratskandidat auf die Frage, welches Problem er in der Prignitz angehen würde: die drohende Altersarmut. "Indem ich mit den Prignitzern auf die Straße gehe und von den anderen Politikern einfordere, dass wir eine vernünftige Altersvorsorge haben", erklärt der Landwirt.

Außerdem müssten wieder regionale Wirtschaftskreisläufe geschaffen werden. "Wir haben hunderte Jahre vom Land gelebt, erst als wir modern wurden, hat das nicht mehr für alle gereicht."

Clemens Wehr, Die Grünen, Landrats-Kandidat in der Prignitz (Quelle: Björn Haase-Wendt/rbb)
Clemens Wehr, Die Grünen | Bild: Björn Haase-Wendt/rbb

Runder Tisch für die Prignitz

Auf Kooperation setzt hingegen der Grünen-Kandidat Clemens Wehr. Der 55 Jahre alte Kommunikationsdesigner aus Plattenburg ist derzeit Kreisgeschäftsführer der Prignitzer Grünen und leitetet das Wahlkreisbüro der Landtagsabgeordneten Petra Budke.

Er will sich im Falle der Wahl für eine klimafreundliche und sozial-gerechte Prignitz einsetzen. "Das größte Problem ist, dass es ganz viele Akteure gibt, die sehr engagiert arbeiten. Aber es fehlt die Zusammenarbeit", erklärt Wehr. Er schlägt die Errichtung eines Runden Tischs vor, der sich gemeinsam mit der Kreisverwaltung und dem Kreistag zu Themen wie Bildung, Klimaschutz, Verkehr oder Gesundheit austauscht.

Auch müsse die Prignitz ihre Potenziale für weiteren Zuzug weiter stärken. Handlungsbedarf sieht Wehr etwa bei der Kitaplatzversorgung oder auch im Bildungsbereich. "Wir haben hier eine hohe Schulabbrecherquote, da müssen wir ran. Wir brauchen auch gute Arbeit, um die Abwanderung zu stoppen."

Dazu müsse der Breitbandausbau weiter vorangetrieben und neue Formen von Arbeit entwickelt werden. "Ich glaube zum Beispiel, dass die Förderung von Coworking-Spaces auch eine Wirtschaftsförderung ist. Wenn verschiedene Gewerke in einem Raum sitzen - da entsteht viel Neues", sagt Clemens Wehr.

Wahlbeteiligung entscheidend

Am 8. Mai entscheiden jetzt die Prignitzer, welcher Kandidat sie überzeugt hat. Insgesamt sind rund 65.600 Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Sollte keiner der Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit erhalten, kommt es am 22. Mai zur Stichwahl.

Entscheidend ist auch eine hohe Wahlbeteiligung. Denn der Wahlsieger muss nicht nur eine Mehrheit von 50 Prozent auf sich vereinen, sondern auch noch das Quorum von 15 Prozent der Wahlberechtigten erfüllen - also mindestens 9.800 Stimmen auf sich vereinen.

Beitrag von Björn Haase-Wendt

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