Sicherheit in Berliner Grünanlagen - Spranger sieht Alkoholverbote als Option gegen Krawall in Berliner Parks

Di 28.06.22 | 14:21 Uhr
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Der Parkdienst-Mitarbeiter Jens Lange geht durch den Mauerpark, um Besucher des Parks darauf hinzuweisen, dass Müll in die dafür vorgesehen Behälter gehört. Vom Müllproblem sind nach Angaben der Bezirke die meisten Grünanlagen in Berlin betroffen. (Quelle: Jörg Carstensen/dpa)
Bild: Jörg Carstensen/dpa

Immer wieder führen eskalierende Partys in Berliner Parks zu Gewalt und Polizeieinsätzen. Die Innenverwaltung will die Sicherheit in den Grünanlagen nun mit einem einheitlichen Konzept verbessern - und bringt dafür auch Alkoholverbote ins Spiel.

Die Senatsverwaltung für Inneres will die Sicherheit in Berlins Parkanlagen erhöhen. "Wir entwickeln mit den Bezirken bereits in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe Lösungen", sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) der "Berliner Morgenpost" (Dienstag).

Ziel sei ein einheitliches Konzept, um die Kriminalität in den Griff zu bekommen. "Ab einem bestimmen Zeitpunkt muss auch ein Alkoholverbot ausgesprochen werden", sagte Spranger. Wenn nötig, müssten Parks eingezäunt werden. "Wenn keine anderen Möglichkeiten bleiben, muss man auch darüber nachdenken, Parks ab einem bestimmten Zeitpunkt zu schließen."

Räumungen im James-Simon-Park

Gewaltvorfälle hatte es in Berliner Parks schon im vergangenen Sommer mehrfach gegeben. Auch in den vergangenen Wochen fanden mehrfach entsprechende Polizeieinsätze statt. Am ersten Juni-Wochenende und in der Nacht zum vergangenen Sonntag hatte die Polizei den James-Simon-Park in Berlin-Mitte geräumt.

Die Arbeitsgruppe mit den Bezirken wurde auf Sprangers Initiative hin ins Leben gerufen. Ihre Vertreter kamen erstmals in der vergangenen Woche zusammen. "Dass nicht jeder allein vor sich hin friemelt, ist erstmal gut", sagte der für Grünflächen zuständige Neuköllner Stadtrat Jochen Biedermann (Grüne). Parkordnungen zu überarbeiten und zu vereinheitlichen, reiche aber nicht aus.

Gewerkschaft der Polizei kritisiert Pläne zum Alkoholverbot

Zu Sprangers Vorstoß, in kritischen Situationen ein Alkoholverbot auszusprechen oder Parks einzuzäunen oder zu sperren, sagte Biedermann, er wolle anderen Bezirken keine Ratschläge erteilen. "In Neukölln sehe ich dafür derzeit aber keine Notwendigkeit."

Der Stadtrat für Grünflächen in Charlottenburg-Wilmersdorf, Oliver Schruoffeneger, sagte, Alkoholverbote, Einzäunungen und Schließungen müssten zum Instrumentenkasten dazugehören. Es müsse aber eine finanzielle und personelle Absicherung geben, so der Grünen-Politiker.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft Berlin kritisierte Sprangers Vorstoß. Landeschef Bodo Pfalzgrad nannte ein Alkoholverbot in Parkanlagen "irreal". Eine Kontrolle des Verbots sei zudem angesichts der Personalknappheit nicht realisierbar, schrieb Pfalzgraf auf Twitter. Allein in der Polizeidirektion, die für den James-Simon-Park zuständig ist, seien bis Ende Februar dieses Jahres über 200.000 Überstunden zusammengekommen.

Sendung: rbb 88,8, 28.06.2022, 12:30 Uhr

60 Kommentare

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  1. 60.

    Parks nachts zu schließen, ist eine Sache – und als allerletztes Mittel eventuell tatsächlich überdenkenswert. Tagsüber Eintritt zu nehmen, so dass Menschen, die sich diesen nicht leisten können, vom Zutritt zu Parks ausgeschlossen werden, ist hingegen eine ganz andere Sache und geht absolut gar nicht. Darauf habe ich mich bezogen und dabei bleibe ich auch; ganz vehement sogar!

  2. 59.

    Bitte lesen Sie * 53 + *54 von " Ule " ! Das Sie sich glücklich schätzen, dass ein guter Lösungsansatz nicht Ihrem Hirn entsprungen ist, lässt tief blicken. Das jemand auf solche Zustände abfährt, ist zudem ein Zeichen vom Niedergang der kulturellen Ansprüche in diesem Land. Ich empfehle, sich mal mit den kategorischen Imperativ zu beschäftigen und darüber nachzudenken. Ich entschuldige mich vorsorglich ebenfalls mit Ihrem eigenen Zitat: Versteht nun mal leider nicht jeder !!!

  3. 58.

    Also, in Schweden ist die Rationierung (Bezugskarte mit Stempeln) wohl seit den 1980ern Geschichte,
    und was "10mal so teuer" angeht:
    [info: Systembolaget]
    1) Guinness extra stout 60,30 kr/l (19,90 / 0,33) => 1 Euro 80 die Flasche;
    2) Johnnie Walker red label 377,14 kr/l (264,00 / 0,7) => 24 Euro 70 die Flasche;
    diese Importwaren kosten 1) 99 ct [REVE] 2) ca. 15 Euro [Kaufland] -
    also nicht mal doppelt.

  4. 57.

    "Ebenso ist ein Alkoholverbot, auch zeitlich begrenzt, außerhalb der Möglichkeiten eines Rechtsstaats . . ."

    Das sieht man in den Rechtsstaaten Großbritannien, Irland, Norwegen, USA (u.v.m) anders.
    Auch in Staaten, die öffentliches Trinken generell nicht verbieten, kann es lokal andere Regeln geben:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Drinking_in_public

    Der Trick mit der Papiertüte drum wird nicht überall akzeptiert,
    und in Schweden ist alkoholFREIES Bier zwar im Supermarkt erhältlich,
    darf aber nur an Personen ab 18 Jahren abgegeben werden!
    (selbst etwas so absurdes geht also in Rechtsstaaten durch)

  5. 56.

    Aber das alles besagt doch nicht, daß man seinen Dreck überall fallen lassen muss. Wenn jeder seinen Müll wieder mitnimmt und ein Grillverbot eingehalten wird dann wird auch nicht gemeckert.

  6. 55.

    Diese äußerst „brillante“ Idee ist zum Glück nicht meinem Hirn entsprungen; ich habe sie lediglich zitiert und das eigentlich auch ziemlich gut kenntlich gemacht. Sie wissen doch, was ein Zitat ist, oder? Falls ich Sie mit meiner Ironie Sie überfordert haben sollte, möchte ich mich dafür in aller Form bei Ihnen entschuldigen. Versteht nun mal leider nicht jede:r.

  7. 54.

    und wer knapp bei Kasse ist kann sich den Einlass mit Aufräumarbeiten verdienen , dann kriegt man auch gleich ein ganz anderes Gefühl für die Natur und wird diese selber wahrscheinlich nicht mehr verunreinigen .

  8. 53.

    Je mehr ich drüber nachdenke , desto besser finde ich die Idee , und wer es sich nicht leisten kann , der kann es sich verdienen , indem er, bevor er den Park nutzt , Ihn vorher erstmal eine Stunde sauber macht dann hat er freien Eintritt. Ist das nicht super ...Tim ?

  9. 52.

    Eine brilliante Idee mit sehr gutem Lösungsansatz von Ihnen: Parks dann also am besten nur noch für Leute, die es sich leisten können. Wer Ordnung liebt und Reinlichkeit, der gibt auch gern eine Kleinigkeit !!

  10. 51.

    Natürlich ist das möglich, die Parks gehören der Stadt bzw. den Bezirken und somit allen vernunftbegabten Bürgern zur Erholung und nicht den Knallköppen, die sie versauen, da ist es schon aus ökologischen Gründen sinnvoll, einen Schutzzaun drumrum zu bauen.

  11. 50.

    Natürlich ist es möglich und juristisch unbedenklich, Parks nachts zu schließen. Auch das Tempelhofer Feld ist ja nachts zu. Die Frage ist nur, ob das sinnvoll ist. Durch den Park am Gleisdreieck beispielsweise führt der offizielle Radweg von Berlin nach Leipzig. Den kann man nicht nachts einfach sperren. Und dann ist noch die Frage der Durchsetzung von Regeln. Während der Pandemie war in allen Berliner Parks Alkohol komplett verboten. Das wurde nie kontrolliert.

  12. 49.

    Na prima Vorzeigeparks,nur gegen Endgeld, tagsüber,am besten nur für Touris die Geld bringen und die eigen Bevölkerung weiterhin keine Jugend oder Altenbegegnung etc. Es dauert dann nicht mehr lang bis der aufgestaute Frust enlaed und das nicht nur bei der Jugend.

  13. 48.

    UrberlinerIn, wohne mit meinen Kindern und hab nicht mal ein Smartphone. Bin aber früher auch gerne in Parks feiern gegangen. Einfach mal ausprobieren...

  14. 46.

    Sehr viele Angebote für Jugendliche sind weggefallen in den letzten Jahren, Clubs sind auch immer teurer geworden.

  15. 45.

    Warum sollte ein örtlich und zeitlich eingeschränktes Alkoholverbot im Rechtsstaat nicht möglich sein?
    Die Stadt als Eigentümer darf das genauso wie eine Privatperson in ihrem Park. Nur weil es öffentlicher Raum ist, muss nicht alles erlaubt sein. Das Rathaus wird auch abgeschlossen, obwohl es der Allgemeinheit gehört.
    In FF gab und gibt es das immer wieder mal im Lennepark.
    Wenn solche Partys in Gewalt enden, gilt es vorrangig die friedliche Allgemeinheit, welche in Berlin hoffentlich die Mehrheit, ist zu schützen. Und da kann Alkoholverbot ein probates Mittel der Vorbeuge sein.
    Ob die Ordnungsbehörden so etwas in D durchsetzen können oder wollen steht auf einem anderen Zettel.

  16. 44.

    „Wird viel bringen diese Arbeitsgruppen ...“

    Diese Arbeitsgruppen wird viel bringen, ja? Vielleicht ja immerhin mehr, als so mancher Deutschunterricht in der Schule …

  17. 43.

    Wie wäre denn mal ein "Pilotprojekt"? ;-)

  18. 42.

    Es ist schon erbärmlich wie einfallslos die Menschen ihre Freizeit im Park absitzen. Wir hatten allabendlich Spaß im Club auch wenn diese nicht so lange offen hatten, aber es hat ja auch ausgereicht. Sie haben den Zweig erfüllt.

  19. 41.

    Vielleicht könnten auch die Ordnungsämter öfter in den Parks auftauchen, statt die Autofahrer:innen zu kontrollieren!

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