Lehrkräftemangel - Grundschule am Kollwitzplatz will verkürzten Unterricht später einführen

Mi 29.06.22 | 18:48 Uhr
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Schulkinder gehen zum Unterricht in die Grundschule am Kollwitzplatz. (Foto: Jörg Carstensen/dpa )
Audio: rbb 88.8 | 29.06.2022 | Kirsten Buchmann | Bild: Jörg Carstensen/dpa

Eine Berliner Schule will die angekündigte Einführung von verkürzten Unterichtsstunden verschieben. Die Grundschule am Kollwitzplatz (Prenzlauer Berg) will ihre geplanten 40-Minuten-Unterrichtsstunden nach rbb-Informationen nicht im kommenden, sondern erst im Schuljahr 2023/24 umsetzen.

Die Schulleitung hatte angekündigt, Unterrichtsstunden von 45 auf 40 Minuten verkürzen zu wollen, um einen Mangel an Lehrkräften ausgleichen zu können. Zudem war ein späterer Unterrichtsbeginn ab 8.30 Uhr angedacht. Die Ankündigung war auf heftigen Gegenwind gestoßen.

Durch die entstehenden freien Minuten, die sich im Laufe der Woche dann in jeder Klasse sammelten, sollte beispielsweise der Förderunterricht abgedeckt werden, so die Schulleitung zu dem Vorhaben. Ebenso könnten dann Freiräume für die Klassenratsstunden geschaffen werden, ohne dass weiteres Lehrpersonal gebraucht würde. Die Klassenratsstunde ist ab dem kommenden Jahr in Berlin verpflichtend.

Schulaufsicht will Vorhaben prüfen

Erst ab dem nächsten Jahr und damit ein Schuljahr später als geplant, will sie ihre Unterrichtsstunden von 45 auf 40 Minuten verkürzen. Auch das Kollegium soll in den Prozess eingebunden werden.

Zuvor hatte es Beschwerden von Lehrkräften gegeben, dass das nicht der Fall gewesen sei. Laut der Bildungsverwaltung wollte die Schulaufsicht das prüfen, und zudem, ob mit einer Verkürzung der Einzelstunde auf 40 Minuten die Jahresgesamtstundenzahl den Vorgaben der Kultusministerkonferenz entspricht. Werde die einzelne Unterrichtsstunde kürzer, müsse es entsprechend mehr Unterrichtsstunden geben.

Sendung: rbb 88.8, 29.06.2022, 16 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Hier geht es nicht um Arbeitszeit!! Unterrichtszeit = Arbeitszeit. Die Senatsverwaltung rechnet Unterrichtszeit multipliziert mit 1,5 als Arbeitszeit für Lehrkräfte. Das sollte die Vorbereitung und Nachbereitung von Unterricht sowie Konferenzen, Elternarbeit, Ausflüge, Klassenfahrten und etc. abdecken. De facto kommt das nicht hin, auch weil der Lehrermangel dazu führt, dass eine Lehrkraft oft die Arbeit von min. einer halben weiteren machen muss (z.B. Vertretungen).

  2. 7.

    Die 40 Minuten -Stunde ist bei meinem Sohn bereits Realität. Seit fast 2Jahren schon.
    Warum hat sich damals keiner aufgeregt?
    Wo war die Öffentlichkeit? Wir haben protestiert, geschrieben, haben versucht, die Presse einzubinden.
    Es hat niemanden interessiert.

  3. 6.

    Jedoch haben die angedachten -verkürzten- 40 Min. in der Schule aktuell Sinn. Ich arbeite an einer Berliner Grundschule und habe zwei Kinder an einer anderen Grundschule. Was da jeweils an Unterricht ausfällt ist unglaublich. Viele Lehrer:innen und Erzieher:innen sind älteren Semesters und daher öfters mal krank. Zudem gibt es zu wenig Ersatzkräfte die einen drohenden Ausfall von Unterricht auffangen könnten. Dazu kommt,dass Erzieher:innen auch noch fehlende Lehrer:innen ersetzen sollen unf dann selbst völlig überlastet sind (denn Lehrer:innen springen für gewöhnlich nicht ein wenn zu wenige Erzieher:innen einsatzbereit sind). Neben mehr Personal benötigen wir einfach auch neue Wege. Z.B. würde ich gerne mit einem einjährigen berufsbegleitenden Studiengang Grundschulsport studieren (da könnte dann vieles wegfallen was man für andere Einsatzbereiche im Sport abseits der Grundschule benötigt). Dann würde ich gerne als Erzieher arbeiten und teilweise auch Sport lehren. Schwierig in D.

  4. 4.

    Wie ist denn diese Schulleitung aufgestellt? Man geht mit der faktischen Kürzung von Unterricht in die Medien, unterlässt es aber, das eigene Kollegium zu involvieren. Bemerkenswert. Das ist nun wirklich ein Vorgehen, das Vertrauen zerstört.

  5. 3.

    Die Schulpflicht, die darf lediglch prüfen, meistens nach einer eingegangenen Beschwerde.
    Für die Sitationn an den Schulen ist die Politik verantwortlich, und da zu gehört die Schulpflicht definitiv nicht, im Gegenteil.

  6. 2.

    Ich finde das bei mir eine Arbeitsstunde auch nach 55 Minuten enden sollte!

  7. 1.

    Die Schulaufsicht prüft...
    Wenn es genügend Lehrer u. Klassen- Räume...gäbe, könnten d. Kinder in kleineren Klassenverbänden lernen. Die Lehrer könnten qualitativ hochwertig lehren. Es würden weniger Stunden ausfallen ect. Hier kann die Schulaufsicht prüfen, wie die Situation in den Schulen spürbar verbessert werden kann !!! Und dann, zur Tat schreiten !!! Bis dahin - sind die Verkürzung der Schulstunden u. ein späterer Schulbeginn eine gute Zwischenlösung.

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