Lehrermangel in Berlin - Schulleitervereinigung: Zur Not Mehrarbeit von Teilzeitlehrkräften

Mi 08.06.22 | 18:51 Uhr
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Symbolbild: Eine Lehrkraft steht an der Tafel; Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse sitzen im Unterricht. (Quelle: dpa/P. Ditfurth)
Video: rbb24 Abendschau | 10.06.2022 | Anja Herr | Bild: dpa/P. Ditfurth

Die Berliner Gymnasialschulleitervereinigung schlägt vor, Teilzeitlehrkräfte zur Not mehr arbeiten zu lassen. Sie ziehe das angesichts des Lehrermangels in Betracht, sagte sie auf Anfrage des rbb.

Der Vorsitzende der Gymnasialschulleitervereinigung, Arnd Niedermöller, will nicht, dass wegen des Lehrermangels die Stundentafel ausgedünnt wird. Zuerst will er daher schauen, welche Lehrkräfte in anderen Bereichen arbeiten, wie zum Beispiel in der Schulverwaltung, und diese an die Schulen zurückholen. Ehe aus Not an der Stundentafel gekürzt wird, kann sich Niedermöller zudem vorstellen, die Mindeststundenzahl für Teilzeitlehrkräfte heraufzusetzen, von 13 auf 18 Unterrichtsstunden. Davon ausnehmen will er beispielsweise Lehrkräfte, die weniger arbeiten, weil sie Kinder erziehen oder Angehörige pflegen.

Sendung: Inforadio, 08.06.2022, 17:25 Uhr

20 Kommentare

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  1. 20.

    Liebe Namensvetterin, zu schweigen zu einem Thema, über das man sich augenscheinlich nicht fundiert und noch viel weniger differenziert ein Urteil zu leisten vermag, wäre Gold wert.
    1. Es hat Gründe, dass Lehrer in Teilzeit arbeiten - zum. Beispiel kleine Kinder, um die man sich verantwortungsvoll kümmern muss & möchte. Da flächendeckend Ganztagsschulen die Regel sind, können die zu unterrichtenden Stunden (je nach Teilzeitdeputat) zwischen 8 und 16 Uhr (Schulbeginn und -ende) an 5 Tagen die Woche liegen. Ein Abarbeiten seiner Stunden am Stück lässt sich schulorganisatorisch nirgends umsetzen.
    2. Wer Teilzeit arbeitet, erhält auch nur anteiliges Gehalt (Besoldung oder Gehalt ist hier unerheblich).
    3. Das Unterrichtsdeputat von - angenommen - 13 Stunden sagt wenig über die tatsächliche Arbeitsbelastung aus, die sehr individuell von den Fächern, der Schulform und dem Schulstandort, Klassenleitung usw. abhängt. Zwei Korrekturfächer in Sek I und II… wie wär‘s? Werden Sie Lehrer/in!

  2. 19.

    Ich komme ursprünglich aus der Gastronomie, da spricht man von 5-Tage-Woche, wie viele Stunden körperlicher Arbeit das sind, danach fragt niemand. Jetzt arbeite ich im Büro mit 40-Stunden-Woche, zuzüglich zwei Stunden unbezahlte Fahrtzeit. Kein Urlaubs- und kein Weihnachtsgeld und 28 Tage Urlaub.
    Wenn man bei Teilzeit für die Vor- und Nacharbeiten noch das Wochenende dazu nehmen muss, hat man sein Zeitmanagement nicht im Griff - sorry!
    Und wenn ich eine Frage oder Erklärungsbedarf habe, finde ich zuverlässige Quellen und damit meine ich nicht diese Foren, wo jeder seinen Frust raushaut und schon gar nicht Sie, der zu jedem Bericht den ersten Kommentar schreiben muss!

  3. 18.

    Kleinere Klassen nicht vergessen. Dann können Sie bedarfsgerecht fördern... und Ihrem Ehrenkodex besser genügen.

  4. 17.

    Warum soll ein anderer meinen Unterricht vorbereiten?
    Papierkram ist Mist, geht aber manchmal nicht anders. Stundenzahl runter, Qualität des Unterrichts rauf und Verkürzung des Studiums mit hohem Praxisanteil.

  5. 16.

    Wollen Sie sich nicht doch lieber bei diesem "ausgelutschten" Thema schlau machen, bevor Sie sich blamieren? Oder sollen wir hier Ihnen zum x-ten Mal vorrechnen, wie schnell man auf 50-60 h/Woche, incl. Wochenende, außerhalb der Ferien kommt? Nicht alle sind dafür "gebaut" das auszuhalten... Sie etwa, oder machen Sie doch schon nach 5 Tagen "schlapp"?

  6. 15.

    Ich kenne Lehrer due ihre Stunden redzluziert haben weil sei ausgebrannt sind , wenn sie jwtzt wieder hochgesetzt werden wäre ein Dauerausfall sehr wahrscheinlich

  7. 14.

    Wenn man 13 Pflichtstunden (zu je 45 min) bei 20 h wöchentliche Arbeitszeit in Teilzeit leistet, dann kann man nicht 18 Pflichtstunden bei 20 h wöchentlicher Arbeitszeit verlangen.
    Man muss dann auch 36 Pflichtstunden bei Vollzeit (40 h wöchentlicher Arbeitszeit) verlangen. § 11 AZVO.

    § 1 Abs. 3 AZVO: "Die wöchentlichen Pflichtstunden der Lehrer im Rahmen der durchschnittlichen Wochenarbeits-
    zeit [im Durchschnitt 40 Stunden in der Woche] ergeben sich aus der Anlage zu dieser Rechtsverordnung."
    u.a. 26 Pflichtstunden an Gymnasium.

    Die AZVO gilt laut § 44 TVL auch für angestellte Lehrer.
    Mehrarbeit: § 9 AZVO

    Natürlich können Verordnungen geändert werden. Aber in diesem Fall macht es nur Sinn, wenn die wöchentliche Arbeitszeit von Lehrern aufgehoben wird und nur Pflichtstunden (36 a 45 min) gelten.
    Ähnlich wie Abgeordnete sollten Lehrer eine Pauschale kommen um Mitarbeiter zu beschäftigen für Verwaltungskram; Unterrichtsvorbereitung usw.





  8. 12.

    Sie tun ja gerade so, als leisteten Lehrer Schwerstarbeit? In Teilzeit von "Überlastung" zu sprechen, ist doch wohl jammern auf hohem Niveau, oder? Andere Arbeiten 40 Stunden plus(unbezahlte) Stunden Fahrtzeit und sprechen nicht von "Burnout"...

  9. 11.

    Niemand verzichtet auf einen Teil seines Gehalts und damit verbunden Rente, weil er oder sie das besonders gut findet. Alle diese Menschen haben Gründe für diese Entscheidung. Ein Zwang führt sicherlich nur zu einem Ergebnis: ... Auch andere Bundesländer haben schöne Schulen, auch andere Arbeitgeber haben kapiert, dass wir im Moment einen durch die Arbeitnehmer geführten Markt haben. Schade für die Schüler:innen: Wer verlässt wohl als erstes das sinkende Schiff?

  10. 9.

    Verwaltung des Mangels aber keine grundlegende Lösung des lange bekannten Problems!
    Ich finde es bemerkenswert, dass die Hauptstadt eines der reichsten Länder Europas es nicht geregelt bekommt, Schulen, Behörden, Ämter fachgerecht und ausreichend auszustatten. Es ist ein totales Versagen der politisch Verantwortlichen.

  11. 8.

    Mir kommen die Tränen! Den Lehrern wird durch Heraufsetzung des Stundendeputats das Leben erschwert!!! Meine wöchentliche Pflichtstundenzahl wurde nach der Wende auf 26 Wochenstunden angehoben und seitdem nicht auf den Stand von vor 1989 reduziert. Was soll also das Gejammere?

  12. 7.

    Wenigstens wird nun in alle Richtungen gedacht. Sehe es aber auch problematisch, diese Lehrer wollten wahrscheinlich auch nicht mehr mit Kindern arbeiten.
    Einsparpotential gibt es bestimmt auch bei den normalen Verwaltungsaufgaben von Lehrern und Direktoren.
    Elternversammlungen, Feste, Klassenfahrten, usw. kann man bestimmt von Verwaltungsmitarbeitern abarbeiten lassen und die verdienen auch noch 1/3 weniger.

  13. 6.

    Wenn sich Herr Niemöller so äußert, ist es wahrscheinlich schon weit nach Mitternacht und selbst die Gymnasien sehen sich nicht mehr in der Lage den Stundenplan abzudecken...gute Nacht...niemand aus der Verwaltung wechselt zurück in die Schule und mit Zwang geht da schon mal gar nichts... Herr Niemöller möchte ich nicht als Chef haben, wenn er so mit Personal umgehen will...Recht auf Teilzeit har der Senat numal eingeführt, ob es Herrn Niemöller passt oder nicht! Wobei noch mehr Lehrkräfte in den Burnout zu jagen scheint ja sein Ziel zu sein, vielleicht ein Wettbergen unter Schulleitungen?

  14. 5.

    Man sollte lieber die Pflichtstunden der Lehrer reduzieren, damit nicht noch mehr abwandern aufgrund von Überlastung. Junge, topmotivierte und wirklich tolle Kollegen arbeiten nur noch Teilzeit, weil sie auch so schon bis nachts sitzen. Von den Burnouts möchte ich noch gar nichts sprechen, da wird eine riesige Welle heranrollen. Immer mehr Verwaltungsaufgaben, kaum Rückendeckung der Schulämter, immer mehr Eltern, die die Erziehung in der Schule sehen und immer mehr Fördermaßnahmen. Ich kenne so viele, die gerne voll arbeiten würden, es aber ihrer Gesundheit und/oder Familie zuliebe nicht mehr können. Vergrault doch noch mehr, Bildung ist ja eh nicht mehr gefragt.
    Ach ja, die Ausstattung der Lehrer mit Laptops habe ich vergessen. Mehr als 2 Jahre nach Pandemiebeginn braucht glaube ich niemand mehr einen Laptop!

  15. 4.

    Dem Kollegen Niedermöller geht es wohl weniger darum, den Beruf des Lehrers ein positiveres Image zu geben. Wenn wir aber möchten, dass mehr junge Menschen diesen Beruf ergreifen, dann ist das sicher nicht zu erreichen, indem man Lehrenden das Leben erschwert. Der Vorschlag mit der Rückrekrutierung von Lehrkräften aus der Schulaufsicht ist amüsant, denn es gibt Gründe, warum ehemalige Lehrkräfte seinerzeit nicht mehr auf Kinder und Jugendliche "losgelassen" wurden. Anekdoten erspare ich mir an dieser Stelle.

  16. 3.

    Dem Kollegen Niemöller geht es wohl weniger darum, den Beruf des Lehrers ein positiveres Image zu geben. Wenn wir aber möchten, dass mehr junge Menschen diesen Beruf ergreifen, dann ist das sicher nicht zu erreichen, indem man Lehrenden das Leben erschwert. Der Vorschlag mit der Rückrekrutierung von Lehrkräften aus der Schulaufsicht ist amüsant, denn es gibt Gründe, warum ehemalige Lehrkräfte seinerzeit nicht mehr auf Kinder und Jugendliche "losgelassen" wurden. Anekdoten erspare ich mir an dieser Stelle.

  17. 2.

    Na klar, wenn ihr das macht hören noch mehr auf. Fragt euch doch mal warum das keiner mehr machen will. Oder eine volle Stelle! Aber das würde ja die politische (Bildungs) Unfähigkeit der letzten 30Jahre zeigen.

  18. 1.

    „Zuerst will er daher schauen, welche Lehrkräfte in anderen Bereichen arbeiten, wie zum Beispiel in der Schulaufsicht“ - also das ist ja mal ein Hinweis darauf, dass Lehrkräfte in die Verwaltung „abgesaugt“ werden und in der Statistik, innerhalb der Schule, geführt werden. Das wird aber nur die „Spitze des Eisberges“ sein: Fortbildungsflyer erstellen, Lehrplanvorgaben, Prüfungen ausarbeiten usw. kommen da auch noch in Betracht untersucht zu werden. Diese Kräfte müssen an die Schulen zurück und noch viel mehr Verwaltungslehrer, die an der „Gängelungsfront“ arbeiten statt zu unterrichten.

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