Schonfrist endet - Nur knapp ein Drittel der Berliner Hunde im Hunderegister eingetragen

Fr 01.07.22 | 09:08 Uhr
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Eine Frau spielt in einem Park mit einem Hund. (Quelle: dpa/Christin Klose)
Audio: rbb24 inforadio | 30.06.2022 | Angela Ulrich | Bild: dpa/Christin Klose

Eigentlich sind Hundebesitzer in Berlin schon seit Jahresbeginn verpflichtet, ihre Vierbeiner im neuen Hunderegister anzumelden. Am 1. Juli endet eine Übergangsfrist und Bußgelder drohen - doch die meisten Hunde sind immer noch nicht registriert.

Ab dem 1. Juli muss eigentlich jeder Hund in Berlin im neuen Hunderegister eingetragen sein. Doch bisher sind nur rund 37.000 Hunde registriert – von aktuell 123.915 steuerlich erfassten Vierbeinern in der Hauptstadt.

Diese Zahlen gab die zuständige Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz dem rbb auf Nachfrage bekannt. Zunächst war von 33.000 registrierten Hunden die Rede. Damit sind nur rund 30 Prozent der Tiere im Hunderegister eingetragen. "Diese Lücke gilt es nun schnellstmöglich zu schließen", heißt es aus der Senatsverwaltung.

"Es geht um Tierschutz"

Das neue Register soll helfen, entlaufene Hunde leichter ihrem Besitzer zuordnen zu können. Außerdem soll es einen besseren Überblick darüber geben, in welchen Bezirken wie viele Hunde gehalten werden, und auch welche Rassen - um möglicherweise zusätzliche Hundeauslaufgebiete zu schaffen.

"Es geht um den Tierschutz, und um ein gutes Zusammenleben von Mensch und Tier", sagt Verbraucherschutz-Staatssekretär Markus Kamrad (Grüne). Die Berliner FDP ist strikt gegen das neue Hunderegister. "Es ist eine Gängelung der Berliner Tierfreunde ohne jeden Mehrwert", meint FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja. Das Hunderegister gehöre sofort wieder abgeschafft.

Auch bei vielen Hundehaltern kommt das Register nicht gut an. Ihre Tiere seien bereits steuerlich erfasst und damit beim Finanzamt gemeldet, bemängeln viele. Im Februar gab es eine Demonstration von Gegnern der neuen Regelung vor dem Roten Rathaus. Im Plenum des Abgeordnetenhauses will die FDP das Thema nach der parlamentarischen Sommerpause erneut debattieren.

Online-Anmeldung kostet 17,50 Euro

Seit Jahresanfang sind Berliner Hundebesitzer verpflichtet, ihren Hund im Zentralregister eintragen zu lassen. Weil das bisher nur sehr zögerlich geschah, hat die zuständige Senatsverwaltung eine Übergangsfrist bis zum 1. Juli zugelassen. "Jetzt ist es aber ernst", meint Staatssekretär Kamrad.

Wer seinen Hund nicht registrieren lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und riskiert ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro. Zusätzliche "Bello-Streifen" der Bezirksämter, um die neue Regelung zu überwachen und Bußgelder einzutreiben, wird es aber nicht geben. Die Senatsverwaltung setzt vor allem darauf, bei Kontrollen wie zum Beispiel nach Beißvorfällen auf die Hundebesitzerinnen und -besitzer einzuwirken.

Die Anmeldung eines Hundes kostet online 17,50 Euro, per Post 26,50 Euro. Anders als bei der Hundesteuer sieht das Hundegesetz keine Befreiung von der kostenpflichtigen Registrierungspflicht vor. In Härtefällen kann eine Befreiung in Form einer Einzelfallentscheidung geprüft werden. Um mehr für das neue Register zu werben, hat die Senatsverwaltung eine Plakataktion für Tierarztpraxen gestartet.

"Hundebesitzer sind hier die Gelackmeierten"

Der Gegenwind allerdings bleibt: FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja ist überzeugt: "Wer seinen Hund bisher nicht registriert hatte, wird das auch jetzt nicht tun." Czaja verweist auf die bisher schon bundesweit höchste Hundesteuer in Berlin: "Hundebesitzer sind hier die Gelackmeierten." Auf der Plattform Change.org haben aktuell knapp 20.000 Menschen eine Petition gegen das Hunderegister unterschrieben.

Korrektur: In einer vorherigen Version hieß es, "Ausgenommen sind Bezieher von Sozialleistungen wie ALG II und Besitzer von Assistenz-Hunden, wie Blindenhunden". Tatsächlich sieht das Hundegesetz keine Befreiung von der kostenpflichtigen Registrierungspflicht vor. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 30.06.2022, 18:20 Uhr

57 Kommentare

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  1. 57.

    Hier geht es nicht um den Aufstand wegen der 17.50 Euro. Es geht darum, dass ich für meinen Hund bereits Hundesteuer zahle, sie somit bereits registriert ist. Alles andere ist einfach nur Abzocke. Die ehrlichen sind mal wieder die Doofen, denn wer die Steuer bisher noch nicht bezahlt hat, wird es auch jetzt nicht tun. Und da er nirgends registriert ist, bleiben diejenigen auch vor dieser Zahlung verschont und werden dann ihren Hund höchstwahrscheinlich auch nicht versichert haben. Auch für die befreiten Hartz 4er wird der Anreiz, sich noch ein Tier anzuschaffen auch nicht gerade minimiert. Nur wer weder Hundesteuer noch Versicherung zahlen kann, der wird den Tierarzt wahrscheinlich auch nur vom Hörensagen kennen.

  2. 56.

    Nicht auf meine Kosten!
    ... und jetzt höre ich auf.
    Wir sind anderer Meinung, was ja vollkommen legitim ist, aber wir drehen uns im Kreis.

  3. 55.

    Und warum soll ich für "unwillige" Hundehalter zahlen?
    Weil sich so ein Automat an jeder Straßenecke mit einem deutlich schlechten Gewissen auf unwillige Hundehalter auswirkt macht und für einen diskreten Druck sorgt.

    Die Hundehalter mit einer unsinnigen gebührenpflichtigen Registrierung zu nerven erscheint mir sehr fragwürdig und auch die Begründung.... So viele bissige Biester sind mir noch gar nicht im Stadtbild aufgefallen? E-Roller welche durch geschützte Grünanlagen brettern sind da schon eine ganz andere Hausnummer... und Radfahrer ohne Kennzeichen, daran sollte man auch mal dringend etwas ändern. Berlin hat also neben dem Personalmangel noch viele Baustellen ;)

  4. 54.

    Und warum soll ich für "unwillige" Hundehalter zahlen?
    (Über "Bedürftigkeit" müsste gesondert diskutiert werden ;-)
    Jetzt werden Sie natürlich argumentieren, dass ich dies ja auch bei der BSR tue.
    Und ja, damit hätten Sie dann recht ... aber ich muss es ja nicht im "Vorfeld" mit kostenlosen Beuteln tun.
    Und wieder kommt in Beziehung auf die Sauberkeit (ob Hunde- oder Menschenhaufen) der Personalmangel ins Spiel.
    Dort sollten wir m.E. investieren!

  5. 53.

    So ein Hund kostet im Jahrganz locker 2000 €.
    Steuern, Haftpflichtversicherung, Tierarztkosten, Impfungen, Chippen, Hundefutter, Zubehör etc.. Das ist eine sehr große lohnenswerte Zielgruppe. Die Hundesteuer wird nicht für die Hunde verwendet, sondern ist eine Luxussteuer. Eine zusätzliche unsinnige gebührenfplichte Registrierung ist überflüsslig. Und ja, Kotbeutel an Bedürftige und besser unwillige Hundhalter finde ich großartig. Als die BSR noch an allen Straßenecken die kostenlosen, organgen Kotbeutelautomaten zu stehen hatte, waren die Straßen deutlich sauberer. Mir fallen da ganz andere Zielgruppen ein, welche man mal zur Kasse bitten sollte ;)

  6. 52.

    "... Wenn Sie der Kot stört, dann einfach mal eine Grünfläche aufräumen oder Kotbeutel an bedürftige Hundehalter verteilen :) ,,,"
    Nun ist aber mal gut!
    10 Euro/Monat Hundesteuer zuviel?
    Kotbeutel an bedürftige verteilen?
    Wenn ich mir ein Tier anschaffe, muss ich auch Kosten bzw. Gebühren einplanen.

  7. 51.

    Die Berliner Hundehalter werden schon genug gemolken. Die Registrierung ist unnötige Abzocke! Im Übrigen gibt es sehr viele arme Menschen in Berlin deren einziger Lebensinhalt und Bezugspunkt der eigene Hund ist und für diese Menschen sind 18 € sehr viel Geld! Wenn Sie der Kot stört, dann einfach mal eine Grünfläche aufräumen oder Kotbeutel an bedürftige Hundehalter verteilen :) Ich ärgere mich auch immer über Müll, Essensreste, Zigaretten oder zertrümmerte Glasflaschen auf den Bürgersteigen und in den Grünnanlagen.

  8. 50.

    Hallo RBB,

    Sie schreiben in Ihrem Artikel, dass Bezieher von ALG2 von den Gebühren befreit sind. Nach dem Login im Hunderegister und der Dateneingabe landet man aber nur bei den Bezahloptionen. Eine Auswahl auf Gebührenbefreiung steht nicht zur Verfügung. Eventuell können Sie nachforschen, wie man sich gebührenfrei registerieren kann?

    Herzlichen Dank :)

  9. 49.

    Glaubt jemand daran, dass Hundeauslaufgebiete geschaffen werden sollen, wo jede freie Fläche für bezahlbaren Wohnraum bebaut werden soll? Wohltäterschaft unserer Regierung zugunsten Hunden und Hundebesitzer? Was für eine billige Ausrede als Begründung für dieses unnötige Hunderegister!

  10. 48.

    Aus datenschutzrechtlichen Bedingungen können Daten vom Finanzamt nicht gezogen werden??? Bezieht man eine Wohnung, kommt umgehend Post von der GEZ, womit man aufgefordert wird, Rundfunkgebühren zu entrichten. Vor Jahren, als allerdings die Gesetzeslage noch anders war, reichte bereits der Erwerb eines Kfz mit Autoradio dafür aus. Datenschutz? In meinen Augen eine Ausrede, damit man eine Begründung für das kostenpflichtige Hunderegister hat!

  11. 47.

    Ich sehe das genauso. Gerade im Osten gibt es kaum Auslaufgebiete. Ich bin immer noch für den Vorschlag, wie es andere Städte machen, dass in jedem der Grünanlage ein Drittel der Fläche für spielende Hunde freigegeben wird. Ein weiteres Drittel sollte für angeleint Hunde sein und von mir aus kann ein weiteres Drittel für Hunde verboten sein. Und ich rede nicht davon, dass irgendwelche Bereiche abgetrennt werden, sondern nur mit Schildern ausgewiesen werden. Am Parkbild ändert sich also nichts. Haufen müssen natürlich überall entsorgt werden. Dann können die Menschen, die keine Probleme mit Hunden haben ( ich denke, das ist der Großteil ) nach wie vor den kompletten Park nutzen und Hundehasser könnten in einem Drittel komplett von Hunden verschont bleiben. Da hätten dann alle was davon. Und jeder Hundebesitzer könnte seinen Hund in Reichweite ein artgerechtes Leben ermöglichen. Dann gäbe es auch genügend Auslauffläche, dass die Grünflächen nicht übernutzt und zur Sandwüste werden.

  12. 46.

    Und sie glauben, dass die Hundebesitzer, die keine Hundesteuer zahlen sich nun in dieses Hunderegister eintragen ? Dass ich nicht lache.

  13. 45.

    Es geht um Tierschutz? Hat er das wirklich gesagt?
    Ich lache immernoch! Wer sucht denn bitte nach entlaufenen Hunden? Die Polizei? Der Herr Staatssekretär persönlich?

    Hunde werden mir immer sympathischer!

  14. 44.

    Wer sich keine 18 Euro mehr leisten kann, de gehört der Hund entzogen, Punkt. Ich wohne in Berlin und trete ständig in die Schei**e, die Hundesteuer ist also noch nicht hoch genug um die Reinigungsfirmen zu bezahlen. Die einzige Wiese, die man noch gefahrlos betreten kann, befindet sich in den GdW. Aber das nur, weil da Hunde verboten sind.

  15. 43.

    Was für ein Aufstand wegen 17,50 €!

  16. 42.

    "Um einen Überblick zu bekommen, wo Hundeauslaufstellen benötigt werden." Das trifft wohl auf jeden Stadtbezirk zu, korregiert mich bitte, aber ich kenne im Raum Köpenick nicht eine, also hier herrscht in jedem Fall Bedarf. Wo nichts ist, muss wohl was geschaffen werden. Da wiehert der Amtsschimmel ziemlich laut. Als braver Hundesteuerzahler, halte ich nichts von dem Register.

  17. 41.

    Jeder Hundebesitzer ist verpflichtet eine Hundesteuer zu entrichten, ergo er muss seinen Hund von sich aus am Wohnsitz anmelden, dies gilt bundesweit.
    Das nun ein verpflichtendes Hunderregister eingeführt wurde, das ist die Antwort auf den Unwillen der Hundebesitzer, ihren Hund anzumelden und die Steuer zu zahlen.
    Von der Hundesteuer sind nur wenige Gruppen befreit, aber das entscheidet das Amt.

  18. 40.

    Sie scheinen ja gar nichts zu verstehen. Wieso sollte jemand der die Hundesteuer nicht zahlt sich beim Hunderegister anmelden? Erst denken dann schreiben....

  19. 39.

    Vielen Dank dafür! Ihr Beitrag bringt es auf den Punkt. Ich kann mich dem nur anschließen und zustimmen.

  20. 38.

    Das dieses Hunderegister eingeführt wurde, liegt nur daran, das die Hundebesitzer sich um die Hundesteuer drücken.
    Eigentlich ist man schon vorher verpflichtet gewesen, seinen erworbenen Hund anzumelden und die fällige Steuer zu entrichten.
    Da es meistens nicht gschah, versucht man der Steuerhinterziehung anders beizukommen.

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