Busse, Bahnen, Fähren - Messerverbot im Berliner ÖPNV soll noch im Juni beschlossen werden

Sa. 07.06.25 | 11:51 Uhr
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Symbolbild: Schild mit Piktogrammen und der Aufschrift "Waffen verboten", vor einem Hauptbahnhof. (Quelle: dpa/sulupress)
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Video: rbb24 Abendschau | 06.06.2025 | Sami Chahbani | Bild: dpa/sulupress

Immer wieder kommt es in Berlin zu Messerangriffen. Der Senat hatte deshalb ein Messerverbot im gesamten öffentlichen Nahverkehr angekündigt. Noch im Juni soll es beschlossen werden, im Juli könnte es gelten.

  • Waffen- und Messerverbot soll im Sommer auf ÖPNV in Berlin ausgeweitet werden
  • Es soll für Busse, Bahnen, Trams, Fähren sowie Bahnsteige und Bahnhöfe gelten
  • Polizei darf dann verdachtsunabhängig kontrollieren
  • Innensenatorin nennt das Verbot "Signal an die Stadtgeselleschaft"

Der Berliner Senat will ein umfassendes Waffen- und Messerverbot im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) noch in diesem Monat beschließen. Das teilte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) dem rbb am Freitag mit.

"Waffen und Messer haben im öffentlichen Personennahverkehr nichts verloren", erklärte Spranger. Man wolle eine eindeutige Rechtslage schaffen. Waffen seien dann in U- und S-Bahnen, Regionalzügen, Straßenbahnen, Bussen, Fähren, auf Bahnsteigen und in Bahnhöfen verboten.

Verdachtsunabhängige Polizeikontrollen

So sollen die tatsächliche Sicherheit, aber auch das Sicherheitsgefühl für die Fahrgäste erhöht werden. Daneben sei es auch ein "Signal an die Stadtgesellschaft", dass der Rechtsstaat entschieden gegen Messerangriffe vorgehe, so Spranger. "Die Ausweitung von Waffen- und Messerverbotszonen gehört als elementarer Bestandteil zur Berliner Strategie gegen Messerkriminalität." Mitte April hatte der Senat ein solches Verbot bereits angekündigt.

Die Polizei erhalte dadurch die Möglichkeit, unabhängig von konkreten Verdachtsmomenten zu kontrollieren, betonte Spranger. Bei Verstößen seien hohe Bußgelder möglich. Wird die Verordnung wie geplant im Juni vom schwarz-roten Senat verabschiedet, könnte sie ab Mitte Juli in Kraft treten.

Bisher gab es Messerverbote im Nahverkehr nur an ausgewählten Bahnhöfen. So gilt seit gut anderthalb Wochen ein Messerverbot laut Bundespolizei an den Bahnhöfen Hauptbahnhof, Zoologischer Garten, Friedrichstraße, Alexanderplatz, Gesundbrunnen, Spandau, Ostbahnhof, Warschauer Straße, Ostkreuz, Lichtenberg, Neukölln und Südkreuz. Die Polizei kann hier unabhängig von konkreten Verdachtsmomenten Kontrollen durchführen. Die Regelung läuft allerdings am 30. Juni aus, wenn sie nicht verlängert wird.

Messerverbotszonen sollen ausgeweitet werden

Seit 15. Februar gilt so ein Verbot zudem in drei Gebieten Berlins mit viel Kriminalität: im Görlitzer Park und am Kottbusser Tor in Kreuzberg sowie am Leopoldplatz im Wedding.

In diesen drei Zonen wurden laut Spranger seitdem rund 90 Messer aus dem Verkehr gezogen und fast 140 Ordnungswidrigkeiten erfasst. Die Polizei kann in solchen Fällen Waffen und Messer einziehen und eine Geldbuße von bis zu 10.000 Euro verhängen.

Das Verbot gilt für Messer aller Art und für klassische Schusswaffen ebenso wie für Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen - und zwar auch dann, wenn die Besitzer einen sogenannten kleinen Waffenschein haben. Bei Messern gilt das Verbot umfassend und unabhängig von der Klingenlänge. Verboten sind auch Taschen- und Küchenmesser. Entsprechende Hinweisschilder wurden seinerzeit in den Gebieten aufgestellt und Informationsblätter verteilt.

Zehn Vorfälle pro Tag

Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei in Berlin laut Kriminalitätsstatistik 3.412 Messerangriffe - also fast zehn pro Tag.

Ein Verbot von Messern und Waffen im ÖPNV wird seit Längerem im schwarz-roten Senat diskutiert, mit Nachdruck seit einem Vorfall Mitte April, als ein 43 Jahre alter Mann einen 29-Jährigen in einer U-Bahn mit einem Küchenmesser tödlich verletzt hatte.

Sendung: rbb24 Abendschau, 06.06.2025, 19:30 Uhr

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105 Kommentare

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  1. 105.

    Lächerlich. Jetzt k9mmen die Modelbauer um die Ecke. Und nein, ich z.B. hatte als Kind kein Messer ständig dabei. Warum auch? Nehmen Sie das Rad oder das Auto, schon löst sich ihr großes Problem. In der BVG haben Waffen aller Art nichts zu suchen.

  2. 103.

    Warum sollen auch Sprays verboten sein? SPRAYS sind nicht für die MESSERGEWALT verantwortlich und damit nicht Teil des Problems.

    Diese Sprays sind eines der wenigen, legal mit zuführenden, Mittel um sich gegen Kriminelle zu verteidigen. Übrigens auch gegen Kriminelle mit Messern. Wenn uns das weggenommen wird, haben wir ein Problem.

    Oder wie stellt die liebe Innensenatorin sich das vor?
    Ich werde mit einer Waffe bedroht und sage: "Moment, warten Sie bitte mit ihrem Überfall (oder schlimmeres) ich rufe kurz die Polizei" und dann warte ich 10 Minuten, bis die da sind? Oder wie?!

  3. 102.

    Genau jeder der vorhat jemanden mit messergewalt etwas anzutun wird sich daran halten.Was für ein Schwachsinn

  4. 101.

    Als ob irgendwelche Verbote die Kriminellen interessiert hätten? Das ist doch alles eine Augenwischerei!

  5. 100.

    Bei dem Vergleich ging es darum eine Meinung zu haben auch wenn man nicht direkt betroffen ist. Und nicht jeder der Verbotszonen ablehnt ist automatisch jemand der mit einem Messer rumrennt.
    Ein Ausflug in die Jungend… da hatte jeder ein Messer… die Fahrtenmesser… und das nicht um damit jemanden zu bedrohen oder schlimmeres sondern zum schnitzen… Picknick (das machten wir noch ohne Plastikmesser) und einfach so.
    Ich weiss nicht ob Modellbauer / RC Car Fahrer für sie zu normalen Mitmenschen gehören aber da hat man sehr scharfe Schere, Skalpell und Messer dabei.
    Aber das Problem ist ein anderes … mit solchen Maßnahmen ist jeder potenziell verdächtig… wie man an einigen Fragen hier sieht wird nun überlegt äh darf ich jetzt kein gekauftes Messer mehr nach Hause bringen… vielleicht finden sie es angenehm zu überlegen was ist denn nun wo erlaubt.

  6. 99.

    Wer jemals in Jarkater war, wird wissen, dass die Auswahl von Verboten, dargestellt durch Piktogramme, unerschöpflich ist.
    Nur, dort ist es nicht so dreckig und abgeranzt wie hier.

  7. 98.

    Da haben sie vollkommen Recht, die Kriminellen die sowieso auf die Verbote pfeifen werden sich freuen, wenn der Rest der Bevölkerung nicht mal mehr ein Abwehr Spray bei sich tragen darf. Undurchdachter Aktionismus.

  8. 97.

    Da liegst du richtig. Einen Waffenschein bekommt fast niemand. Der würde bedeuten, dass ich immer mit ner Knarren rumrennen dürfte, das würde auch keinen Sinn machen. Ich darf das nur im Auftrag meines Arbeitgebers.
    Wenn ich aber wegen einer Straftat, und insbesondere bei waffenrechtlichen Verstößen in Erscheinung trete kann mein Chef mich nicht mehr gebrauchen, da viele seiner Kunden Objekte bewachen lassen, für die der "Bewacher" eine Waffensachkunde für Berufswaffenträger und ein Eintragsloses erweitertes Führungszeugnis besuchen.
    Ich bin da jetzt nicht der Experte, aber wenn ich einen Eintrag wegen eines Verstoßes gegen das Waffenrecht bekäme, habe ich sicher keine Chance den Job zu behalten. Wenn sich damit jemand besser auskennt, bitte ich um Korrektur meiner Aussage.

  9. 96.

    „ Bei waffenrechtlichen Verstößen kann ich meine waffenrechtliche Erlaubnis dazu verlieren.“
    Ich weiß nicht genau, wie das sich bei einem Waffenträger mit dem Waffenschein genau verhält. Vielleicht sollte jetzt auch gesetzlich der Waffenschein auch Hieb- und Stichwaffen mit einbeziehen?
    Oder das Thema muss bei der BVG mit einbezogen werden, dass Waffenscheininhaber solche Abwehrwaffen mit sich führen dürfen. Denn einen Waffenschein bekommt ja nicht jeder.

  10. 95.

    Das sehe ich auch so, und denke, dass man schon an der Beschaffenheit des Messers sehen kann, wozu es eingesetzt werden soll. Jemand der sich Respekt verschaffen will, packt nicht sein kleines Klappmesser aus der Tasche. Nur wenn Messer generell verboten sind, könnte das kleine Taschenmesser doch schon zur Anzeige führen. Als Offizialdelikt muss es das meines Wissens sogar. Wieviel "Gerichtskapazität" haben wir eigentlich übrig?

  11. 94.

    Als ich mit 10 Jahren den Wölflingen der HerzJesu-Pfadfindergemeinschaft beitrat, schenkte mir mein Vater ein Schweizer-Taschenmesser, welches ich seit dem immer bei mir trage. Das sind nunmehr 40 Jahre.
    Menschen, die nie ein Taschenmesser wirklich genutzt haben, verstehen gar nicht, wie nützlich das Messer im Alltag ist. Ich benutze es täglich und denke jedesmal an meinen Vater wenn ich es gebrauche. Der hat mir alle Sachen beigebracht die ich wissen musste. Mit dem einem Messer habe ich mich tatsächlich noch nie geschnitten.
    Ich arbeite seit 23 Jahren im Sicherheitsbereich und bin darauf angewiesen eine Schusswaffe tragen zu dürfen. Bei waffenrechtlichen Verstößen kann ich meine waffenrechtliche Erlaubnis dazu verlieren.

    Also könnte ich wegen dem Taschenmesser meines Vaters meinen Job verlieren

    Ich könnte jetzt theoretisch alle

  12. 93.

    Darum geht es aber hier gar nicht.
    Wie wäre es mal mit einem eigenen Nick? Es wird langsam langweilig, dieser dauernde Nickklau beim rbb.

  13. 90.

    „ Da haben Sie aber einen dicken Punkt gemacht! Brandenburg gehört dazu!“
    Hier geht es aber um den ÖPNV und nicht allgemein überall. Aus dem Brandenburger ÖPNV ist eine solche Gewalthäufung wie in Berlin (noch) nicht bekannt.

  14. 89.

    Die hier zum Teil lächerlich geführte Diskussion könnte man wie folgt zusammenfassen:

    "Was Willst du mit dem Dolche? Sprich!"
    "Kartoffeln schälen wollte ich.!

    Oder im Ernst - Die Situation wird nicht ernst genommen. Hier geht es nicht um Messer, die man beim Pilze sammeln dabei hat, sondern um Waffen. Und nicht der Staat hat die Kontrolle verloren, schließlich kann er nicht überall sein, sondern die Leute, die sich bewaffnen, um sich fragwürdigen Respekt zu verschaffen oder mit körperlicher Gewalt Rachegelüste zu befriedigen. Deshalb sind solche Verbotsmaßnahmen nötig, auch wenn sie nicht die absolute Universallösung sind.

  15. 88.

    Na komm, also Taschenmesser oder Schweizer Messer hatte ich als Kind immer dabei. Erst in der DDR und dann im Westen!

  16. 86.

    Da haben Sie aber einen dicken Punkt gemacht! Brandenburg gehört dazu!

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