Streit um Haushalt - Brandenburg will mehr Geld in Bildung stecken - warum Schulen trotzdem unzufrieden sind

Fr. 06.06.25 | 19:32 Uhr | Von Annette Kufner
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Schüler melden sich während des Unterrichts. (Quelle: dpa/Roland Weihrauch)
dpa/Roland Weihrauch
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 06.06.2025 | Stephanie Teistler | Bild: dpa/Roland Weihrauch

Die Brandenburger Regierung will mehr Geld in Bildung investieren. Gleichzeitig sollen Stellen für Lehrer wegfallen. Das wird Folgen für den Schulunterricht haben. Von Annette Kufner

Die Ausgangslage: Seit Wochen steht die Landesregierung wegen geplanter Kürzungen im Bildungsbereich in der Kritik. Das Ministerium hält dagegen. Statt weniger habe die Landesregierung im geplanten Doppelhaushalt mehr Geld für Bildung veranschlagt als im Haushaltsjahr 2024, argumentiert sie: 300 Millionen Euro zusätzlich sollen demnach pro Jahr in den Bildungsbereich fließen.

Allerdings will die Landesregierung mit dem zusätzlichen Geld im Haushalt neue Projekte finanzieren. So sollen Brandenburgs Schulen weiter digitalisiert werden. Aus dem Etat sollen etwa der Länderanteil für den Digitalpakt Schule 2.0 und Landeslizenzen für Lernsoftware bezahlt werden. Außerdem will die Landesregierung mehr Geld für Demokratiebildung und den Jugendbereich ausgeben.

Das bedeutet, dass an anderer Stelle gekürzt werden muss.

Zum Thema: Podcast "DER TAG"

345 Vollzeitstellen fallen weg

Trotz des größeren Etats stehen 50 Millionen Euro weniger für die Gehälter von Lehrkräften und sonstigem pädagogischen Personal bereit. Das heißt, dass im kommenden Schuljahr 345 Vollzeitstellen wegfallen. Um das abzufedern, hat die Koalition nachträglich insgesamt 14 Millionen Euro für Vertretungslehrer bereitgestellt. Wie Vertretungslehrer eingesetzt werden, entscheiden die Schulämter.

Die Folge: Den Schulen stehen weniger Lehrkräfte zur Verfügung – und das, obwohl in Brandenburg im kommenden Jahr rund 3.000 Schülerinnen und Schüler mehr zur Schule gehen werden.

Beispiel: Die Elternsprecherin einer Grundschule in Zeuthen (Dahme-Spreewald) berichtet, dass dort im kommenden Schuljahr zwei Vollzeitstellen wegfallen. Das werde dazu führen, dass zusätzliche schulische Angebote – der Chor, die Handball-AG oder Wandertage - selten oder gar nicht mehr stattfinden könnten. Schon jetzt würden häufig Förderstunden ausfallen, weil Lehrkräfte kranke Kollegen vertreten müssten.

Lehrkräfte unterrichten eine Stunde mehr

Laut Ministerium sollen Lehrkräfte ab Februar 2026 pro Woche eine Stunde mehr unterrichten. So will die Koalition verhindern, dass Schulstunden ausfallen, weil Lehrerstellen gestrichen werden.

Die Folge: Für die Lehrkräfte vergrößert sich die Arbeitsbelastung. Außerdem stehen die Schulen im ersten Halbjahr vor einem Problem. Denn während die 245 Vollzeitstellen schon im August wegfallen sollen, kommt die zusätzliche Unterrichtsstunde erst im Februar. Nach dieser Regelung ist es zudem möglich, dass Schulen am Ende sogar Lehrkräfte abgeben müssen.

Beispiel: Ein Schulleiter einer ländlichen Oberschule im Norden Brandenburgs kritisiert, dass die Stundenerhöhung nicht bei jeder Lehrkraft sinnvoll sei. Wenn etwa ein Musiklehrer zusätzliche Unterrichtsstunden geben müsse, heiße das nicht, dass auch mehr Musik in der Schule unterrichtet werde. Einen möglichen Mangel an Mathelehrern könne die betreffende Lehrkraft aber nicht ausgleichen.

Lehrkräfte müssen an mehreren Schulen arbeiten

Das Bildungsministerium räumt ein, dass es durch die zusätzliche Stunde an manchen Schulen einen "Überhang an Lehrkräften" geben werde. Dann müsse man über "Teil-Umsetzungen und ganze Umsetzungen von Lehrerinnen und Lehrern reden". Wie groß das Problem sei und wie genau jene Versetzungen realisiert würden, könne man noch nicht sagen. Rechtlich sei eine Versetzung möglich, solange sie zumutbar und begründet sei, so das Ministerium.

Weniger Tätigkeiten abseits des Unterrichts

Um Lehrkräfte angesichts der zusätzlichen Unterrichtsstunde zu entlasten, sollen sie künftig weniger Tätigkeiten abseits des Unterrichts erledigen müssen. So schlägt das Ministerium vor, verpflichtende Elterngespräche zu reduzieren und weniger Klassenarbeiten schreiben zu lassen. Außerdem sollten Schulen mehr Künstliche Intelligenz nutzen.

Die Folge: Eltern befürchten, dass sich diese Maßnahmen negativ auf Schülerinnen und Schüler auswirken. Der Kontakt zwischen Eltern und Lehrkräften sei essenziell für den Bildungserfolg der Kinder. Verhaltensprobleme könnten ohne Elterngespräche nicht adressiert werden. Weniger Klassenarbeiten führten indes dazu, dass einzelne Noten schwerer ins Gewicht fielen. Das erhöhe den Druck auf Schülerinnen und Schüler.

Schulämter dürfen Richtwerte unterschreiten

Nach den Plänen der Landesregierung sollen die Schulämter Richtwerte zur personellen Ausstattung der Schulen "in einigen Bereichen zeitweise moderat" unterschreiten dürfen. Der Gedanke dahinter: Stunden in jenen Bereichen reduzieren, die über den Pflichtunterricht hinausgehen.

Die Folge: An vielen Schulen fallen ab dem kommenden Schuljahr Stunden weg – etwa für die Betreuung förderbedürftiger Kinder oder Sprachförderung. Eltern befürchten, dass betroffene Kinder im Unterricht nicht mehr mitkommen. Der akademische Erfolg werde wieder stärker vom Elternhaus abhängen.

Beispiel: An einer Gesamtschule im Schulamtsgebiet Brandenburg an der Havel mit mehr als 700 Schülerinnen und Schülern schrumpft die Vertretungsreserve von gut 13 auf 10 Stunden pro Woche. Die Stunden für "Gemeinsames Lernen" sinken von 93 Stunden auf knapp 75 Stunden pro Woche – ein Minus von fast 20 Prozent. Bei der Ganztagsbetreuung verliert die Schule fast zehn Prozent der Stunden, die ihr bisher zur Verfügung standen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 06.06.2025, 19:30 Uhr

Beitrag von Annette Kufner

51 Kommentare

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  1. 51.

    „Bildung ist ja aus gutem Grund Ländersache! So hat man zumindest die Wahl und kann das Bundesland wechseln, wenn einem etwas nicht passt.“
    Unangenehmer Effekt dabei ist u.U., dass z.B. in NRW gewählte zweite Fremdsprachen in Brandenburg sehr selten angeboten werden(Französisch/Latein). Im LK-Bereich meist gar nicht.
    Wenn einem etwas nicht passt, wäre es dann eine wirkliche Lösung in ein anderes Bundesland zu wechseln? Es wird immer Fächer oder Strukturen geben, die einem nicht passen. Auch nach der Schulzeit.

  2. 50.

    Sehr geehrter Christian,

    ich verstehe immer den Neid beim Einkommen nicht. Der durchschnittliche Jahres-Bruttolohn in Deutschland (Vollzeit) beträgt 62192€. Das ist fast genau das Einkommen einer Grundschullehrkraft. Im Gegensatz zum Durchschnittsverdiener muss ein Lehrer aber eine abgeschlossenes Master-Studium haben und noch sein Referendariat beenden haben. Wochenendezuschläge (ja, Lehrer bereiten da tatsächlich Unterricht vor und beantworten Mails der Eltern) gibt es nicht. Viele Arbeitsmaterialien wie den Computer für das Arbeitszimmer, aber auch Kopierpapier, Schulbücher und Whiteboardmarker darf man sich auf eigene Kosten kaufen.
    Ja, Lehrer verdienen gut, aber nicht übermäßig. Dafür haben wir ja auch einen anspruchsvollen Job: Trotz oft geringer Unterstützung der Eltern, trotz fehlender Sprachkenntnisse der Kinder, trotz schlecht ausgestatteter Schulen, trotz Beleidigungen ... versuchen wir jeden Tag das beste für unsere Kinder zu leisten. Mehr Wertschätzung wäre toll.

  3. 49.

    Allein der Vergleich des Gehaltes reicht nicht um die Unterschiede zu erfassen! In Unternehmen wird oft nach Leistung bezahlt und die ist oft mit Rückmeldungen durch Kunden verbunden: Schlechte Leistung, unzufriedene Kunden, weniger Gehalt (im ersten Schritt, später kommt die Kündigung). Thema Verantwortung: wofür haben Lehrer Verantwortung, was kann als Leistung eingeklagt werden? Wenn Schüler etwas nicht wissen / können, nicht versetzt werden, keinen Abschluss haben - alles Punkte bei denen kein Lehrer haftbar gemacht werden kann. Thema Flexibilität: wechselnde Einsatzorte - oft international. Projekte, die in kurzer Zeit zig Überstunden erfordern, Schicht-Nacht-Wochenendarbeit - kennen Lehrer höchstens als seltene Ausnahme. Von der Sicherheit des Arbeitsplatzes will ich gar nicht erst reden....

  4. 48.

    Doch genau so ist es...man ist im allem gut was man nur oft genug wiederholt hat. Lernen = Wiederholen...immer wieder.
    Lehrer ist aus gutem Grund ein Beruf wo studiert werden muss...Sie haben eine falsches Bild und schon lange nicht die Deutungshoheit von „Potenzial nutzen“ ohne die geringste Ahnung.

  5. 47.

    Sehen Sie sich einfach die Gehalttabellen für Lehrer an und vergleichen mit der freien Wirtschaft. Faktenwissen hat noch nie geschadet.

  6. 46.

    Das Geld ist nicht direkt an Einstellungen von Lehrern gegangen, sondern in Renovierung von Schulgebäuden. Das Schulgebäude so herunter gekommen sind, hätte nicht sein müssen, wenn man die Hauswarte nicht gekündigt hätte.

  7. 45.

    Bildung ist ja aus gutem Grund Ländersache! So hat man zumindest die Wahl und kann das Bundesland wechseln, wenn einem etwas nicht passt. Stellen Sie sich vor, Bildung wäre Bundessache und die Bundesregierung würde von einer Partei gestellt, die rechtsextremistisch ist und Nazi-Ideologie toleriert? Was das für die Bildung bedeuten würde, blitzt ja jetzt schon mancherorts auf. Nein, danke!

  8. 44.

    Oh, ich weiß ja nicht in welchem Land Sie leben, aber Faktenwissen spielt mittlerweile eine untergeordnete Rolle. Es geht um Orientierungswissen. Man muss heutzutage nicht alles wissen, aber man muss wissen wo man sich mit Wissen versorgen kann. Also bei uns im Land gibt es keine Schule, die ohne die Zusammenarbeit mit freien Trägern auskommt. Und das ist auch gut so, da nur alle einschlägigen Akteure am Bildungsprozess sein Gelingen befördern können.

  9. 43.

    Sie sind ein unwissender Märchenerzähler. ,,Fürstliche Gehälter''? Für frühzeitigen Burnout und Bedrohungen von Rechtsradikalen?

  10. 42.

    Ich habe jahrelang als Assistent an der Universität Studenten und Lehrer in Chemie unterrichtet und bin dann später in die freie Wirtschaft gewechselt. Als Quereinsteiger für die Schulen in Brandenburg und Berlin gesucht wurden, habe ich mehrere Schulen angeschrieben und mich beworben, keine Schule wollte mich als Naturwissenschaftler mit universitärer Lehrerfahrung einstellen, der Bedarf scheint also nicht wirklich so hoch zu sein, wie immer getönt wird. Als Lehrer hätte ich sogar mehr als Gehalt bekommen, als in der freien Wirtschaft.

  11. 41.

    Warum wettern Sie gegen die NGO's? Die sind grad jetzt, aktuell im Kampf der Behörden und der NGO's usw. gegen den Rechtsterrorismus in Brandenburg (Jungnazis an Schulen) die Priorität. Wer das leugnet, ist dafür, daß sich nichts ändert und macht sich mitschuldig an unseren Kindern! Auch müssen die Lehrerinnen stärker unterstützt werden!

  12. 40.

    Man hat dort aus Erfahrungen gelernt und Dinge punktuell verändert - so etwas geht tatsächlich: Dinge lernen, die nicht im Lehrbuch stehen, sondern mit einem selber zu tun haben.
    Das eigentliche Hemmnis sind Lehrer die wie vor 40 Jahren unterrichten und nichts dazu lernen wollen! Unfassbar, es sollten ja eigentlich die Profis für`s Lernen sein, aber genau die wollen tatsächliches Lernen unbedingt vermeiden. Zur Klarstellung: das stumpfe Wiederholen von dem, was der Lehrer sagt oder im Buch steht hat mit Lernen nichts zu tun! E-learning kann sehr an den Lernstil (auch Tempo) der Schüler angepasst werden und ermöglicht über schnelles Feedback wirkliche Lernerfolge. In der Coronazeit wäre ein großer Schaden für die Schüler zu vermeiden gewesen, wenn Lehrer damit hätten umgehen können.

  13. 39.

    Im Argen liegen in Deutschland hauptsächlich weiterhin die Kernfächer und nciht die weichen Nebenfächer. Es braucht mehr Wissensvermittlung in den Kernfächern und nicht nur Kompetenzen. Dafür braucht es hauptsächlich pädagogisch gut ausgebildete Lehrer, digitale Technik ist dann nur schnückendes Beiwerk, was punktuell sicher sinnvoll bei vorhandenen Konzepten dafür einsetztbar ist. Es braucht keine NGOs in den Schulen.

  14. 38.

    Weniger Klassenarbeiten erhöhen den Druck auf die Schüler/innen. Das lässt sich nur vermeiden, wenn stattdessen die Lehrer/innen doch wieder mehr Aufwand haben und zusätzlich umfangreiche Lernzielkontrollen schreiben. Diese haben fast den gleichen Umfang wie Klassenarbeiten und können als einziges direkt mit den Klassenarbeiten zu einer schriftlichen Note verrechnet werden. Kleine Test gehören in den mündlichen Notenbereich (umgangssprachlich Mitarbeit) und können eine schlechte Note in der Klassenarbeit nur bedingt auffangen - bei den meisten Kindern, die eine Klassenarbeit verhauen, sind die mündlichen Leistungen ohnehin deutlich besser, da ändern dann die kleinen Tests nichts an der Rechnung. Die schriftliche Note zieht dann die Gesamtnote runter.

  15. 37.

    Das ist Quatsch was Sie da behaupten! Nix mit zurückrudern! Es ging einzig um Bücher an Grundschulen. Also, zurück vom iPad zum gedruckten Buch. Die Digitalisierung ist längst in der deutschen Bildung verankert. Nur bei der Schulbildung hapert's noch.

  16. 36.

    "Vor allem sollte Bildung einheitlich nicht Länder-, sondern Bundessache sein."

    Das ist auch meine Meinung!
    Seit XX Jahren versprechen Politiker in Brandenburg nach der Wahl mehr Investition in Bildung....und was hat es gebracht?
    Lt. Bildungsmonitor ist Brandenburg Vorletzter......und das nicht erst seit heute.

  17. 35.

    Sowohl der Artikel, als auch die Kommentare verkennen, das Bildung nicht gleichzusetzen mit Schulbildung ist. Wenn mehr in Bildung investiert wird und Schule aber weniger bekommt, dann bedeutet das mitnichten, dass es abwärts geht. Schule muss nur dringend aus der Hüfte kommen und Kooperationen mit dem außerschulischen Bildungsbereich knüpfen, damit einerseits dieses Gejammere aufhört und andererseits genau die Dinge, die im Argen liegen (Medienkompetenz, Demokratiebildung,...) von den außerschulischen Profis (weil das sind Schullehrer:innen auf diesen Gebieten eher nicht) angegangen werden können.

  18. 34.

    Was bringt Lernsoftware, wenn man keine Lehrer dafür hat? Der wichtigsten Faktor in der Schule ist immer der Lehrer bzw. die Lehrerin.

  19. 33.

    Na dann, werden Sie doch selbst Lehrer und profitieren Sie selbst von dem "fürstlichen Gehalt".

  20. 32.

    Beim Bildungsmonitor stark abgerutscht.

    Da muss gegengesteuert werden.

    In Berlin selbst sich da nichts, Berliner Schüler haben statistisch am wenigsten drauf.

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