Nach Abwahl - Friedland wählt im September neuen Bürgermeister - bisher nur eine Kandidatin

Fr. 06.06.25 | 17:01 Uhr
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Das Gebäude der Stadtverwaltung in Friedland im Landkreis Oder-Spree. (Quelle: rbb)
rbb
VIdeo: Brandenburg Aktuell | 06.06.2025 | Felicitas Montag | Bild: rbb

In Friedland herrscht politisches Vakuum: Nach der Bürgermeisterabwahl und Personalabgängen soll ein neues Stadtoberhaupt Ende September Stabilität bringen.

Nach der Abwahl des bisherigen Bürgermeisters vor drei Wochen, soll in Friedland (Oder-Spree) am 28. September ein neues Stadtoberhaupt gewählt werden. Darauf hat sich die Stadtverordnetenversammlung der kleinsten Stadt Brandenburgs am Donnerstagabend mehrheitlich geeinigt. Eine mögliche Stichwahl ist für den 12. Oktober geplant.

Der erfolgreiche Bürgerentscheid zur Abwahl des parteilosen Bürgermeisters Maik Koschak hat bisher keinen politischen Frieden geschaffen. Übergangsweise führt derzeit Bauamtsleiter Andreas Schulz die Amtsgeschäfte – doch er gibt beide Posten Ende August ab. Die Gemeinde braucht auch einen neuen Finanzchef – die bisherige Kämmerin hatte im Mai gekündigt. In den vergangenen Jahren sind bereits mehrere Kämmerer gegangen.

73 Prozent wählten Bürgermeister ab

"Wir hatten also innerhalb von vier Jahren fünf Kämmerinnen verschlissen – das ist deutlich über dem Durchschnitt, würde ich mal sagen –, was dazu geführt hat, dass wir keine verlässliche Zahlenbasis hatten über den Haushalt der Stadt", sagte der parteilose Vorsitzende der Friedländer Stadtverordnetenversammlung, Axel Becker, dem rbb. Die Gründe für den hohen Personalverschleiß seien vielfältig - eine komplizierte Finanzsoftware, die offenbar keine andere Kommune nutzt, zwischenmenschliche Konflikte und Krankheit. Um handlungsfähig zu bleiben, unterstützt vorübergehend eine Kreismitarbeiterin bei den Finanzen.

Am Friedländer Marktplatz erinnern noch Plakate an die Turbulenzen der vergangenen Monate. Vor rund drei Wochen wurde Bürgermeister Koschak mit 73 Prozent der Stimmen abgewählt. Ihm wurden unter anderem Untätigkeit und Bevorteilung einzelner Mitarbeiter vorgeworfen. Auch für das schlechte Klima im Rathaus wurde er verantwortlich gemacht.

"Die Stimmung ist nicht schlecht, jedenfalls besser als vor der Abwahl des Bürgermeisters", sagt der parteilose Vorsitzender der Friedländer Stadtverordnetenversammlung, Axel Becker. "Wir haben einen Weg gefunden mit den Mitarbeitern und den Stadtverordneten, uns zukunftsfähig aufzustellen."

Eine erste Bewerberin gibt es schon

Eine erste Interessentin für den Bürgermeisterposten gibt es schon: Die 42-jährige Karolin Lisieckie (parteilos), Verwaltungsfachwirtin und seit einem Jahr Ortsvorsteherin der kleinen Stadt Friedland. "Ich bin seit 20 Jahre hier glücklich liiert und habe auch früher hier in der Verwaltung gearbeitet und das hat mir immer Spaß gemacht, hier vor Ort was zu machen, Projekte aufzubauen, mit den Leuten hier zu arbeiten, für die Leute da zu sein", sagte sie dem rbb. "Ich denke, das ist nicht nur ein Job, den man da machen würde, sondern auch eine Berufung."

Weitere potenzielle Kandidaten sind noch nicht bekannt. Die Bewerbungsfrist endet voraussichtlich Ende Juli. Im Herbst wird dann eine Bürgermeisterin oder ein Bürgermeister gewählt.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 06.06.2025, 19:30 Uhr

Mit Material von Felicitas Montag

5 Kommentare

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  1. 5.

    Tja, dagegen sein ist einfach, erst recht in Deutschland, wo Jammern zum Volkssport geworden ist. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes wussten schon, weshalb sie im Bund nur ein KONSTRUKTIVES Misstrauensvotum ermöglicht haben. Wäre vielleicht für Brandenburgs Dörfer auch eine gute Idee: Bürgermeister abwählen geht nur noch, wenn zugleich ein neuer gewählt wird.

  2. 4.

    Die Verwaltung wird erst zur Ruhe kommen, wenn interne Dinge innerhalb der Verwaltung geklärt wurden.......

  3. 3.

    Sollte man sich nicht vor einer Abwahl schon mal Gedanken machen, ob es bessere Kandidaten gibt, die auch wollen?

  4. 1.

    Es ist die Frage, was sich mit diesen ständigen Personalwechseln ausdrückt. Alleine eine komplizierte Software kann es nicht sein. Als Mitarbeiter aus mehreren Verwaltungen tippe ich mal auf unklare Strukturen, Aufgabenverteilungen und Zielsetzungen - alle machen dann irgendwas, aber ob es sinnvoll ist und zusammen passt, steht auf einem anderen Blatt.
    Ebenso werden oft Ansprüche an Verwaltungen formuliert, für die sie gar nicht gedacht sind. Es sollen dann private Probleme der Bürger gelöst und deren eigene Verantwortung übernommen werden. Diese typischen "Kümmerer" hören sich immer gut an, schaffen aber nur Abhängigkeiten und (selbst gewollte) unmündige Bürger, die vor den Anforderungen eines komplexen Lebens ausweichen möchten.

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