Exklusiv: Organisierte Kriminalität - Der Clan der falschen Polizisten

Di 08.02.22 | 06:05 Uhr | Von F. Mader, O. Sundermeyer und L. Wreschniok
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Razzia in einem Callcenter in Izmir in der Türkei. (Quelle: AA)
Audio: Inforadio | 08.02.2022 | Rene Althammer | Bild: AA

Es ist einer der größten Schläge gegen Clankriminalität überhaupt: Mithilfe des Berliner LKA werden Banden von Telefonbetrügern ausgehoben, die von der Türkei aus ältere Menschen in Deutschland abzocken. Von report München und rbb24 Recherche: F. Mader (BR), O. Sundermeyer und L. Wreschniok (BR)

In Izmir findet man viele von denen, die in Deutschland gesucht werden oder als Schwerkriminelle bekannt sind. Ob auf der Anklagebank eines türkischen Gerichts, wo sich einige Mitglieder des Miri-Clans als Hinterleute einer Bande von Telefonbetrügern verantworten müssen. Oder abends in einem Restaurant um die Ecke, wo einer der Haupttäter des spektakulären Berliner Pokerraubs vom erfolgreichen kriminellen Leben in Izmir prahlt.

Immer wieder tauchten in den vergangenen Jahren Kriminelle aus Berlin in der Türkei ab, dabei erwies Izmir sich als besonders beliebte Destination. Beim Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) galt das Land bislang wegen der eingeschränkten Rechtshilfe als ein sicheres Exil für Straftäter aus Deutschland, zumal für jene mit einem türkischen Pass.

Türkei war lange Rückzugsort für Straftäter

Gemeint sind Männer wie der 33-jährige Amar S. aus Bremen. Der lange vergeblich in Deutschland per Haftbefehl gesuchte Mehrfachtäter aus dem bundesweit bekannten Miri-Clan soll der Kopf der Bande sein, die von Izmir aus ältere Menschen in Deutschland um Millionen abgezockt haben soll. Vor zehn Jahren war Amar S. vor einem Prozess wegen Einbruchdiebstahls aus dem Haftraum des Bremer Landgerichts in die Türkei geflohen war. Nun sitzt er in Izmir vor Gericht.

Den Angeklagten wird die "Gründung einer Organisation zur Begehung von Verbrechen, Betrug, Geldwäsche von Vermögenswerten aus Straftaten" vorgeworfen. Es geht um organisierten Telefonbetrug nach der Masche der so genannten "falschen Polizisten", mit der aus Callcentern in Izmir – zumeist ältere – Menschen in Deutschland um ihr Vermögen gebracht worden sein sollen.

Dabei geben sich Callcenterbetrüger am Telefon fälschlicherweise als Polizisten aus, und berichten etwa von Einbrüchen in der Nachbarschaft. So bringen sie Menschen dazu, ihnen ihr Vermögen zu übergeben, um es angeblich in Sicherheit zu bringen. Dabei nutzten sie das sogenannte "Call ID Spoofing". Mit dieser Vorgehensweise erscheint bei dem Angerufenen eine vorgetäuschte Rufnummer im Display. Oliver Huth, Bundesvorstandsmitglied beim Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), sieht in dem Prozess in Izmir einen Durchbruch bei der bislang schwierigen Polizeizusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei.

Schaden in Berlin mehr als 20 Millionen Euro

Die Anklageschrift, die dem ARD-Politikmagazin report München und rbb24 Recherche vorliegt, weist 24 Betrugsfälle aus, bei denen durch die Münchner Kriminalpolizei der Weg der Beute von den Opfern in Deutschland bis nach Izmir nachverfolgt werden konnte, insgesamt geht es um 5,4 Millionen Euro.

Neben der Kriminalpolizei in München, bei der die Ermittlungen zusammengelaufen sind, war auch das Berliner Landeskriminalamt an dem Verfahren beteiligt. Dort gilt der Schlag gegen den "Izmir-Clan" nur als Ausschnitt eines umfangreichen Tatkomplexes mit einem noch größeren Netzwerk an Clankriminellen und Mittätern, die aus Izmir und weiteren Städten in der Türkei agieren. Zwischen 2018 und 2021 haben kriminelle Banden mit der Betrugsmasche "Falsche Polizisten" in Berlin mindestens 20,3 Millionen Euro erbeutet. In Brandenburg liegt die Schadenssumme bei knapp 1,6 Millionen Euro, allerdings liegen für 2021 in Brandenburg noch keine Zahlen vor.

Deutschlandweit haben die Banden seit 2018 einen Schaden von mindestens 120 Millionen Euro verursacht, wie eine Umfrage von report München und rbb24 Recherche ergab. Demnach wurden in dem Zeitraum mehr als 154.000 Fälle registriert, davon waren die Täter in gut 10.500 Fällen erfolgreich. Fachleute gehen davon aus, dass der Schaden und die Zahl der Opfer noch wesentlich höher sind: Zahlreiche Betroffene dieser Masche würden den Betrug aus Scham nicht zur Anzeige bringen.

Frau verkauft Haus, um zu helfen

Unter den in Izmir angeklagten Fällen ist auch der einer älteren Frau aus Bayern, die anonym bleiben möchte. Sie war über Monate von den Tätern telefonisch isoliert worden. Ein Mann, der sich "Oberkommissar Stein" nannte, brachte sie schließlich dazu, einem Abholer 300.000 Euro in bar auszuhändigen. Danach habe ihr ein anderer Polizist weis gemacht, dass der Kollege Stein von der Einbrecherbande entführt worden sei und man jetzt ihre Hilfe benötige: "Und damit hat dann das Verhängnis seinen Lauf genommen" erinnert sie sich. "Indem er dann mit dem Vorschlag kam, ob ich nicht mein Haus verkaufen würde. Um daraus dann erstmal Lösegeld für Herrn Stein zu haben." Sie verkauft ihr Haus für drei Millionen Euro, lässt sich dazu überreden, für dieses Geld Diamanten zu kaufen, sowie eine Rolex-Uhr für 250.000 Euro, packt alles in einen Koffer, und stellt diesen auf einen Stromkasten in der Nähe ihres Hauses ab.

Hauptverdächtige tauchen in Rap-Video auf

Für diesen Coup hatte die Bande eigens einen Abholer arrangiert, der aus Berlin angefahren kam. Eine Information, die dem Berliner LKA mittels Telefonüberwachung bekannt war, und die es an die Kripo in München weitergegeben hatte. Janet Gampe aus dem Betrugsdezernat erinnert sich: "Den Zugriff haben die Kollegen in München gemacht. Wir haben sie aber von hier begleitet, um die Sache sozusagen zum Ende zu bringen." Die Diamanten und die Rolex wurden sichergestellt. Der Abholer sitzt in Berlin in Haft.

Schließlich wurde bei einer Razzia in Izmir Ende 2020 unter den Hintermännern der Bande auch der Anrufer festgenommen, der sich in diesem Fall als "Oberkommissar Stein" ausgegeben hatte, Miran S. Zusammen mit Amar S., zwei seiner Brüder und Cousins, durften sich zuvor in einem Hochglanzvideo des Berliner Rappers Mudi noch als Gangster in Izmir inszenieren. Nun sind sie dort alle als Haupttatverdächtige angeklagt. Rap-Musik und die Miris, eine Verbindung mit Tradition. Schon seit Jahren thematisieren einzelne Mitglieder dieses Clans ihre Schwerkriminalität auf diese Weise.

Suizide und schwere Traumata

Die Opferliste der angeklagten Bande weist mindestens zwei Todesfälle auf, die auf den Betrug zurückzuführen sein sollen: In einem Fall geht die Staatsanwaltschaft von Selbstmord als Folge des Vermögensverlusts aus. In einem zweiten Fall hatte der Hausarzt eines der Betroffenen, ein weit über 80-jähriger Mann, bereits bei einem Gerichtsverfahren gegen die Abholer in Deutschland ausgesagt, dass sein Patient aus gesundheitlichen Gründen an den Folgen des Betrugs verstorben sei.

Nach Informationen von Report München und rbb24 Recherche prüfen die Landeskriminalämter in NRW und Bremen derzeit, ob einzelne Mitglieder des Miri-Clans in Deutschland Beute aus diesen Betrugsdelikten gewaschen haben. Etwa über den Erwerb von Immobilien mittels Strohleuten. Die türkische Staatsanwaltschaft weist Amar S. in der Anklageschrift jedenfalls mehrere Immobilien nach, darunter ein Hotel im Badeort Çeşme.

Aktuelle Ermittlungen des Berliner LKA führen in der weiteren Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei in München bald zur nächsten Anklage gegen eine Bande falscher Polizisten aus dem Umfeld des Miri-Clans. Auch sie sollen von der Türkei aus ältere Menschen in Deutschland abgezockt haben.

Das ARD-Politikmagazin report München berichtet in seiner Sendung am 08. Februar 2022 um 21.45 Uhr über die Recherchen. Der Film "Der Izmir Clan - Beutezug durch Deutschland" steht ab 17 Uhr in der ARD-Mediathek bereit.

Sendung: Abendschau, 08.02.2022, 19:30

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25 Kommentare

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  1. 25.

    Es gibt mehrere Möglichkeiten, unbekannte Nummern automatisch abzuweisen.
    Man kann das im Kundencenter online eigenhändig erledigen oder eine entsprechende Einstellung im Router vornehmen.
    Der Nachteil:
    es kommen wirklich keine unbekannten Nummern durch.
    Es können im Kundencenter online auch White und Blacklists erstellt werden.
    Black: gesperrt White: davon ausgenommen.
    Eine Sperrung von Einzelnummern, Spamanrufe z.B.,
    kann auch online vorgenommen werden.
    Vieles ist möglich. Man schränkt sich allerdings damit auch selbst ein. Das muß klar sein.

  2. 24.

    Also in der Schweiz bei Swisscom klappt das https://www.swisscom.ch/de/privatkunden/hilfe/festnetz/anrufsperre.html .
    Bei dem deutschen rosa Riesen übrigens auch.
    https://telekomhilft.telekom.de/t5/Telefonie-Internet/Rufnummernsperre-fuer-eingehende-Anrufe-einrichten/ta-p/2273728
    Die Ausführungen der Bundesnetzagentur sind da weniger modern. Eine Sperrung von versch. Spoofingmöglichkeiten soll erst ab 1.12.2022 erfolgen.
    https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/TK/Aerger/Faelle/Manipulation/start.html
    Wer nicht solange warten will, wird sich also mit der jeweiligen Bedienungsanleitung / Hotline auseinandersetzen müssen. Auf der Strecke bleiben bis dahin somit die, die Uralttechnik verwenden. Traurig aber wahr.

  3. 23.

    Fortsetzung:
    Eine Änderung ist meines Wissens gar nicht möglich, weil es sich bei dem Verfahren um einen internationalen Standard handelt. Im Zweifel müsste man sich tatsächlich einen Router suchen, der die Erstellung einer sogenannte "White list" für Anrufe ermöglicht. Es soll wohl auch Telefone geben, die das können (dann können nur gespeicherte Kontakte überhaupt anrufen). Dies ließe sich dann aber kriminell umgehen, wenn ein Anrufer eine Nummer aus dieser Liste kennt und diese als Anrufnummer vorgaukelt, auch wenn das natürlich schon wieder sehr theoretisch ist. Das empfangende Telefon kann leider nicht erkennen, ob die angezeigte Nummer echt ist. Das könnte nur der Provider des Anrufers und zumindest im fernen Ausland besteht da oft kein Interesse an Kontrolle.

  4. 22.

    Das Problem liegt darin, den älteren wird immer gesagt: „Wenn etwas ist, dann rufen sie die 110. Das ist die Nummer der Polizei.“ Dann steht ja auch diese Nummer und nicht 4664..... Wenn die Menschen dann 110 sehen, denken die ja daß es sich um die Polizei handeln müsste. Leider sind viele nicht mehr so geistig auf der Höhe, was in jedem Alter vorkommt, und durchschauen die Sache. Vor allem wenn die dann hören: „Hier spricht ihre Polizei...“ dann ist es ganz aus.

  5. 21.

    Grundsätzlich kann jedes Call-Center eine beliebige Telefonnummer "vorgaukeln", die der Angerufene dann sieht. Das ist im Grunde sogar notwendig, weil diese meistens für mehrere Mandanten arbeiten oder auch dann, wenn zu verschiedenen Sachverhalten telefoniert wird. Ich nehme mal das Beispiel eines Stromanbieters. Dessen Callcenter ruft erst Leute an, die Rechnungen nicht gezahlt haben, dann Leute, denen der Anschluss gesperrt werden soll. Danach Leute, bei denen am Vertrag was zu klären ist und zum Schluss macht man Neukundenwerbung. Für alles nutzt man natürlich einen Anschluss, gibt aber verschiedene Nummern vor. Ruft jetzt ein Kunde zurück, kann anhand der Rückrufnummer ermittelt werden, zu welchem Gebiet das Anliegen gehört und es wird an den richtigen "Agent" vermittelt. Im Grunde ist das alles sehr praktisch und korrekt, nur kann es leider auch betrügerisch ausgenutzt werden. Es gibt sogar entsprechende PC-Programme. Könnte praktisch Jeder.

  6. 20.

    Ja, das ist dann aber keine überraschende Telefonmasche sondern das langsame Aufbauen eines Vertrauensverhältnisses mit Jemandem, der sich in das vermeintliche Gegenüber verliebt hat. Dort geht es dann aber nicht um angeblich sofortigen Handlungsbedarf und die Übergabe von Geld an einen Boten sondern um das allmähliche und andauernde Ausnehmen der Opfer. In Summe kann man sagen: Kommt Geld ins Spiel, ist immer allerhöchste Vorsicht geboten.

  7. 19.

    Erst einmal erfreulich, dass man auch mal die Hintermänner im Ausland gefaßt hat und nicht nur die Abholer. Und dann werden sie hoffentlich auch dort bestraft.
    Einträge aus Telefonbüchern sind z.T. noch aus der Zopfzeit und sind leider auch im Internet zu finden. Da würde nur ein Nummerwechsel helfen. Besser wäre doch, ein besseres Telefonverhalten. Wenn mich jemand anruft, gehe ich davon aus, dass er meinen Namen kennt. Telefongesellschaft, die Details meines Vertrages abfragen, sind so "glaubwürdig" wie die Anrufe von Microsoft. An guten Tagen höre ich mir den Quatsch kurz an, an anderen lege ich wortlos auf. Generell gilt am Telefon und an der Tür lieber zu misstrauisch und unhöflich, als sich später ärgern.

  8. 18.

    Ja, ich weiß - ist alles bekannt. Aber da gibt's ja noch die Masche über Partnersuchportale, wo die Zielgruppe der Trickbetrüger, vorwiegend in Afrika ansässig, nicht alte Leute, sondern Frauen mittleren Alters sind. Die sind keineswegs senil oder kognitiv eingeschränkt und fallen trotzdem drauf rein, wenn ihnen online oder am Telefon die große Liebe vorgaukelt oder das Blaue von Himmel versprochen wird. Und dann folgt das gleiche Prozedere: Jemand ist krank und braucht eine teure Behandlung; wollen nach DE kommen, um die Frau zu besuchen, aber das Geld für Tickets wurde gestohlen und ...zig andere Begründungen.
    Da muss ich dann doch fragen: Warum setzen im reiferen Alter auch bei gebildeten Frauen logisches Denkvermögen und Selbstreflexion aus?

  9. 17.

    PS: Es sollen wohl auch schon solche Trickdiebstähle verhindert worden sein, weil Bankangestellte darauf aufmerksam geworden sind, wenn ihre älteren Kunden plötzlich horrende Summen Bargeld abheben wollten, und die dann die Polzei eingeschaltet haben.

  10. 16.

    Bei vielen Älteren, die noch ein altes Festnetztelefon haben, geht das nicht. Bei Mobiltelefonen werden ja die Anrufer mit eingespeicherten Nummern angezeigt.
    Da könnte von den Angehörigen für ihre Senior(inn)en Bildtelefonie eingerichtet werden, damit die sehen können, wer von der Verwandtschaft anruft. Wenn kein bekanntes Gesicht, dann kein Geld. Und wenn die Hochbetagten genug Geld haben, um jemand finanziell unterstützen zu können, ist für ein entsprechendes Gerät ja wohl auch genug Geld da.
    Bloß der Enkeltrick ist doch schon so lange bekannt, dass da eigentlich jeder vor gewarnt sein müsste.

  11. 15.

    Schutzbefohlene heißen diese Hochbetagten und diese heißen so, weil sie zu schützen sind. Das Alter und der kognitive Leistungsabbau macht sie zu schnellen Opfern. Dafür erlernen wir in der Sozialisation Werte und diese Werte geben uns vor, wie unsere Gesellschaft mit den schwächsten Gliedern umgeht. Vielleicht ein Werteverfall?

  12. 14.

    Goldmünze, Grünes Gewölbe, falsche Polizisten... Miri, Remmo, Abu-Chaker- es sind stets die gleichen Zusammenhänge. Deutlich zu spät ist die Berliner Polizei gegen die gut etablierte Clankriminalität aktiv geworden, umso besser, dass mit dem Einbehalt von Geld, Immobilien und Luxusfahrzeugen Mittel geschaffen worden sind, diesen widerwärtigen Familien auf die Füße zu treten. Hoffen wir, dass spätestens in der Post-Erdogan-Zeit die Zusammenarbeit mit der Polizei der Türkei geschmeidiger läuft...

  13. 13.

    Ich entnehme der Antwort, dass es möglich ist, dies technisch zu unterbinden. Wer stellt die Möglichkeit zur Verfügung? Was die mögliche Umgehung angeht, würde das sinngemäß bedeuten, ich lasse den Transportweg fürs Kokain unangetastet, die Dealer können sich ja vielleicht einen anderen Weg suchen. Das kann nicht die Antwort sein. Irgend jemand stellt die Voraussetzungen technischer Natur, und verdient damit. Wer? Warum bleibt er seit Jahren unbehelligt?

  14. 12.

    Beim Polizistentrick mag das in der Regel helfen, nur gibt es eben unzählige Tricks, um gutgläubige alte Menschen um ihr Geld zu bringen und nicht bei allen geben sich die Täter als separat kontaktierbare Institutionen aus. Da ist dann eben der Enkel im Ausland verunglückt und die "Klinik" ruft an für angeblich lebensrettende Behandlungskosten, oder ein angeblicher Anwalt, weil der Enkel angeblich nach einem verschuldeten Autounfall im Ausland im Knast sitzt und ohne Kaution nicht wieder raus kommt, oder, oder oder... Die Stories wechseln ständig und wenn eine Masche zu bekannt wird, weil ausgereizt, werden neue erfunden. Letztlich sind es immer Variationen des Enkeltricks, die alte Leute in Angst oder das Bedürfnis des Helfenwollens sowie (ganz wichtig) unter Zeitdruck versetzen , damit sie nicht über die Unsinnigkeit der Geschichte nachdenken.

  15. 11.

    Alles gut und richtig, aber -wie man ja immer wieder sieht- gibt es viele Menschen, die eben nicht so handeln (können). Wenn es an's Herz geht, weil es einem Angehörigen schlecht geht, schaltet oft der Verstand aus ,dann will man nur noch helfen, und das wissen diese skrupellosen Typen leider genau. Das Beste wäre, Telefone so einrichten zu können, dass nur Anrufe von gespeicherten Nummern ankommen können, weiß nicht, ob das geht....

  16. 10.

    Apropos Callcentern in Izmir: Ich staune immer wieder, wieviele Leute ihre Telefonnummern samt Adresse auf sozialen Netzwerken, wo sich jeder einloggen kann, veröffentlichen, obwohl es bei manchen die Möglichkeit gibt, Kontaktdaten nicht öffentlich auszutauschen. Die bräuchten dann eigentlich nur noch ihre IBAN und PIN an die Posts ranhängen und sie wären ihre sonst so behütete Knete ohne zusätzlichen Aufwand los ... (Ironie)

  17. 9.

    Spoofing hin oder her - wenn bei mir die Polizei, oder wer auch immer, anrufen würde, such ich mir auf der Webseite oder aus'm Telefonbuch die Nummer raus, ruf dort an, zur Not auch die 110, und frage nach.
    Mach ich auch, wenn sich per Zettel Handwerker ankündigen, ohne dass die Hausverwaltung vorher darüber informiert hat.
    Und der zutiefst bedauerliche Fall der Dame aus Bayern; Sorry, da muss frau doch schon hellhörig werden, wenn die Polizei nach der Übergabe von 300.000 € auch noch Lösegeld für die Entführer ihres Kollegen haben will, statt ihn Kraft ihres Amtes selbst zu befreien?!
    Auf den Enkeltrick reinzufallen, war ja noch verständlich, aber auf Anrufe von der "Polizei"? Die rufen nie bei Bürgern an, es sei denn, man hatte vorher aus eigener Initiative schon Kontakt zu denen.

  18. 8.

    Ergänzung zu meinem Beitrag eben:
    Ja, ich weiß, hier im Artikel ging es gerade nicht um den Enkeltrick sondern falsche Polizisten. Aber auch hier liegt im Prinzip die selbe Problematik zugrunde. Es ist wichtig, dass ältere Menschen vorher aufgeklärt werden und man mit ihnen für den Fall der Fälle eine klare Handlungsanweisung bespricht und vereinbart. "Falls irgend etwas passiert, ruf zuerst ... an! Wenn ... nicht erreichbar ist oder ihm sogar selbst was passiert sein soll, dann ruf ... an! Unternehme nichts, bevor wir miteinander gesprochen haben, auch wenn es angeblich extrem dringend sein soll. So dingend kann nie etwas sein, sonst ist es ein Betrug! Vertraue niemandem außer uns!"

  19. 7.

    Technisch ist dieses Problem quasi nicht zu verhindern, da es sich relativ leicht umgehen ließe. Die Betrüger würden umgehend einen anderen Weg finden, um an ihr Ziel zu kommen. Viel wichtiger in diesem Zusammenhang ist Aufklärung, die Frage "Kann das denn überhaupt so sein? Ist das plausibel?" und Ansprechpartner für die potentiellen Opfer, auch im Bekannten- und Familienkreis. Die Täter machen es sich ja zunutze, dass die Opfer eben nicht mit Dritten darüber sprechen und sich beraten und so von diesen vielleicht noch von "ihrer Dummheit" (nicht im Verständnis von Intelligenz sondern im Sinne von übereiltem Handeln) abgebracht werden könnten. Unser Gesellschaftsproblem, dass die meisten nur selten miteinander persönlich kommunizieren, wird für die Betrügereien eiskalt ausgenutzt. Wenn die Oma nur zwei mal im Jahr vom Enkel überhaupt was hört, passiert es schon mal, dass sie nicht erkennt, dass das am Telefon da gerade gar nicht seine Stimme ist.

  20. 6.

    Genau das ist die Frage. Statt journalistisch immer nur auf die Gefahr zu verweisen, wäre ein Bericht über die Frage wie läuft es technisch, wer ermöglicht, wie kann man es unterbinden, wenn ja, warum geschieht es auf Bundes oder EU Ebene nicht? Kann man die Anbieter u. U wg. Beihilfe belangen, bzw. mit Strafzahlungen Belegen?

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