Rollbergesiedlung Berlin - Mathildenviertel Offenbach - Wie man ein abgestürztes Quartier retten kann

Do 16.06.22 | 18:28 Uhr | Von Jana Göbel und Ute Barthel, rbb24 Recherche
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Rollbergeviertel in Berlin Reinickendorf. (Quelle: rbb/J. Göbel)
rbb/J. Göbel
Video: Kontraste | 16.06.2022 | U. Barthel, J. Göbel | Bild: rbb/J. Göbel

In mehr als 40 Berliner Quartieren wohnen besonders viele arme Menschen – in der Reinickendorfer Rollbergesiedlung wird Armut gewissermaßen vererbt. Die Stadt Offenbach hat einen solchen Teufelskreis durchbrochen. Von J. Göbel und U. Barthel

Fast 6.000 Menschen wohnen in der Rollbergesiedlung in Reinickendorf. Viele hier sind arbeitslos, und die Kinderarmut liegt seit Jahren bei über 60 Prozent und mittlerweile vererbt sich die Armut von Generation zu Generation.

Doch nicht nur Armut prägt das Viertel, es verwahrlost auch zunehmend. Die Häuser wurden seit Jahrzehnten nicht saniert, die Fassaden sind grau - und wenn sich Putz löst, wird geflickt. Spielplätze und Grünanlagen brauchen dringend eine Überholung. Ratten und Müll sind ein großes Problem.

Dass sich in der Rollbergesiedlung etwas ändern muss, weiß auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Senator Andreas Geisel (SPD) versprach Anfang des Jahres Unterstützung, seine Staatssekretärin Ülker Radziwill (SPD) ist nun schon zum dritten Mal in der Rollbergesiedlung. Sie ist in Geisels Verwaltung für die Quartiersentwicklung zuständig.

Das Quartiersmanagement ist in der Rollbergesiedlung seit 2021 im Aufbau. Land und Bezirk wollen hier einen Begegnungsort für die Menschen schaffen und lokale Initiativen unterstützen. Auf die Frage, wann es hier richtig losgehen soll, antwortet Staatssekretärin Radziwill: "Es braucht natürlich immer auch ein bisschen Zeit, bis sich das Team zusammenstellt." An einem Konzept, das jetzt umgesetzt werden soll, sei auch schon geschrieben worden.

Quartiersmanager Marcus Schenk (Quelle:rbb)
Quartiermanager Marcus Schenk | Bild: rbb

Das gute Beispiel findet sich in Offenbach

Vielleicht lohnt sich ein Blick ins Mathildenviertel in Offenbach am Main – wenn auch eine Stadt mit 130.000 Einwohnern natürlich nur begrenzt mit der Millionenmetropole Berlin vergleichbar ist. Die Ausgangsposition des Mathildenviertels jedoch ist mit der der Rollbergesiedlung durchaus vergleichbar. Aber das ist 20 Jahre her.

"Zur Jahrtausendwende war das Quartier total runtergekommen", sagt Marcus Schenk, der sich hier mehr als zehn Jahre um das Quartiersmanagement gekümmert hat. "Es gab viele Brachen, Dreck, Drogen und Zerstörung." Durch gezielte Maßnahmen der Stadt und zusammen mit den Bewohnern habe sich das Mathildenviertel mit seinen10.000 Einwohnern inzwischen jedoch zu einem Wohnort entwickelt, der geradezu hip sei. Die Kinderarmut – eines der wichtigsten Indizien für die soziale Situation der Bewohner – geht zurück.

Ansicht auf den Mathildenplatz in Offenbach. (Quelle:rbb)
Mathildenplatz in Offenbach | Bild: rbb

Ob Straßen, Plätze oder Häuser, hier habe sich alles verbessert, sagt Quartiersmanager Schenk. Neue Wohnungen entstanden, darunter auch Eigentums- und Studentenwohnungen. In einer alten Druckerei wurde Platz geschaffen für Start-ups, das lockte junge Leute ins Mathildenviertel. Auf den Wiesen am angrenzenden Mainufer stehen Liegestühle.

Besonders wichtig ist aus Sicht von Marcus Schenk ein lebendiges Quartiersmanagement. Hier entstand es am schönsten Platz im Kiez: "Es dauerte etwa drei Jahre, bis wir das Vertrauen der Menschen im Kiez hatten", sagt er über die Anfänge. Heute gibt es hier Sprachkurse, Lebensberatung, Kochabende, Graffiti-Workshops. Viele dieser Aktivitäten entstanden dann gemeinsam mit den Anwohner:innen.

Rollbergesiedlung: Mieter:innen werden selbst aktiv

Auch in der Rollbergesiedlung in Berlin-Reinickendorf gibt es aktive Mieter und Mieterinnen, aber sie fühlen sich von den PolitikerInnen im Stich gelassen – wie zum Beispiel Renate Thiele. Die Rentnerin sammelt regelmäßig Müll auf der Straße ein. "Ich kann es nicht ertragen, dass das Viertel immer mehr verschmutzt", sagt sie.

Mietersprecherin Elke Schmolt ruft immer wieder bei der Gewobag an, wenn Mieter:innen Probleme mit kaputten Fenstern oder mit der Heizung haben. Und im Kirchenzentrum „Face“ versuchen zwei Sozialarbeiterinnen mit Teilzeitstellen den hohen Beratungsbedarf tausender Menschen zu stillen. "Wir sind zu wenige", sagt Sozialarbeiterin Dorothea Schmidt "und wir haben nicht genügend Räume."

Offenbach hat Prioritäten gesetzt

In Offenbach haben sie Prioritäten gesetzt und für das Mathildenviertel Geld in die Hand genommen. Tatsächlich leistet sich die Stadt kein Theater und kein Hallenbad mehr und für die Straßenerneuerung steht auch nicht so viel Geld zur Verfügung. Dafür gibt es jetzt aber zum Beispiel genügend Kitaplätze im Mathildenviertel: Deren Anzahl wurde massiv aufgestockt, bei den Drei- bis Sechsjährigen beträgt die Abdeckung im Mathildenviertel 98 Prozent. Und es gibt dort extra Sprachunterstützung. Das ist wichtig, denn der Migrationsanteil im Mathildenviertel beträgt mehr als 90 Prozent.

Die Kinder erweitern in der Kita ihren Wortschatz und lernen, aktiv zu sprechen. Muhammad Taimoor Janjua, dessen Sohn hier in die Kita geht, erzählt: "Wir versuchen zu Hause auch Deutsch zu reden, ich und meine Frau. Aber wir haben bemerkt, seit unser Sohn in die Kita geht, hat sich seine Sprache sehr verbessert." Und Tuba Aydin, berichtet: "Meine Tochter ist seit September hier in der Kita und hat nur Türkisch gesprochen. Mittlerweile spricht sie sogar mit mir jetzt Deutsch."

"Trotz knapper Kassen wird am Aufbau und Ausbau von neuen Kindertagesstätten nicht gespart", sagt Susanne Pfau, die Leiterin des Kommunalen Jobcenters "Mainarbeit".

Abgesperrter Spielplatz in der Rollbergesiedlung. (Quelle: rbb/J. Göbel)Abgesperrter Spielplatz in der Rollbergesiedlung

Rollbergesiedlung: Lehrerinnen können nicht alles ausgleichen

In der Berliner Rollbergesiedlung klagen Eltern, Sozialbetreuer, Lehrer und Lehrerinnen über fehlende Kitaplätze. 70 Prozent der Kinder in der "Grundschule in den Rollbergen" haben Sprach- oder Lernprobleme bei der Einschulung. "Ich gebe mir große Mühe und ich mag meine Arbeit sehr", sagt Lehrerin Angela Garling, "aber ich kann das nicht ausgleichen."

Obwohl die Schule wegen des hohen Förderbedarfs besser ausgestattet ist, bekommen hier nur 25 Prozent der Kinder eine Gymnasialempfehlung. Der Berliner Schnitt ist fast doppelt so hoch. Dabei gebe es hier genauso viele begabte und kluge Kinder, sagt die Lehrerin, aber sie hätten nicht die gleichen Chancen. Es mangelt an Lehrern und Erziehern, die die Defizite, unter denen die Kinder aufwachsen, ausgleichen können. Hilfen für die Familien, von denen Eltern und Kinder gleichermaßen profitieren.

Offenbach unterstützt gezielt

In Offenbach gibt es schon seit Jahren ein breit angelegtes Förderpaket für Menschen, die Unterstützung brauchen. Der Anstoß kam vor fast zwanzig Jahren vom Jobcenter. "Die Arbeitslosenquote war hoch", sagt die heutige Leiterin Susanne Pfau. Die Stadt habe beschlossen, Langzeitarbeitslosen nicht nur Sozialhilfe zu zahlen, sondern sie besser zu unterstützen, um sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. "Unser Ziel war, die Arbeitslosenquote kontinuierlich nach unten zu bringen und auch die Sozialstruktur zu verbessern, also die Lebensverhältnisse insgesamt zu verbessern."

Deshalb gibt es auch viele Angebote für Menschen in schwierigen Lebenslagen. In den Schulen werden notorische Schwänzer aus dem Regelschulbetrieb rausgenommen und in kleinen Gruppen unterrichtet. Langzeitarbeitslose können im Sozialkaufhaus Luise den Umgang mit Kund:innen erlernen und werden auf eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt vorbereitet. Oder sie arbeiten als sogenannte Rundgänger, erfassen und sammeln Müll im Quartier.

Mike Hirsch ist seit fast einem Jahr dabei. "Am Anfang hatte ich Bammel, in ein richtiges Arbeitsleben reinzugehen", sagt er, "aber jetzt nicht mehr. Ich bin gerade dabei, Bewerbungen zu schreiben". Durch all diese Maßnahmen ging die Arbeitslosigkeit zurück und damit auch die Kinderarmut. Das Viertel wurde reicher, Eltern und Kindern wurden Zukunftschancen eröffnet.

Rollbergesiedlung: Rundumsanierung liegt in weiter Ferne

In der Berliner Rollbergesiedlung haben die Menschen bisher kaum Unterstützung, wenn es um die Bewältigung des Alltags geht. Es mangelt an Angeboten zum Beispiel bei Schulproblemen, Jobsuche, gesundheitlichen Sorgen oder Sprachschwierigkeiten.

Der Frage, warum solche Angebote bisher kaum vorhanden sind, weicht Staatssekretärin Ülker Radziwill aus. Sie spricht lieber von der Zukunft: "Hier braucht es Unterstützung. Und es ist gut, dass wir jetzt hier sind und vor Ort Dinge entwickeln."

Wann das lange geplante Gemeindezentrum mit Kita gebaut wird, kann Radziwill nicht sagen. Ebenso wenig, wann die dringend notwendige Sanierung der Rollbergesiedlung beginnt - all dies sei aber in Planung, sagt sie.

Eigentümer ist seit 2019 die Landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. In diesem und dem nächsten Jahr werde in Heizungen und Fahrstühle investiert, heißt es auf Anfrage. Von einer Rundumsanierung des Viertels sei jedoch in den nächsten Jahren nicht auszugehen. Offen ist auch, ob und wann für neue Anwohner gebaut wird, auch um die Sozialstruktur zu verbessern.

Platz und Pläne für Neubauten gibt es. Voraussetzung ist auf alle Fälle erstmal eine bessere Infrastruktur. In Offenbach hat man durch Neu- und Umbaumaßnahmen damit Erfolg gehabt.

Häuser in der Rollbergesiedlung. (Quelle: rbb/J. Göbel)Häuser in der Rollbergesiedlung

Eine Aufgabe für mindestens zehn Jahre

Im Mathildenviertel habe es auch keine Verdrängung gegeben, sondern eine Aufwertung, so Quartiersmanager Marcus Schenk. Die Mischung habe sich verbessert, weil jetzt mehr Menschen Arbeit hätten - und damit ein richtiges Einkommen. "Jemanden in Arbeit zu bringen und eine wirtschaftliche Stabilität in eine Familie zu bringen, ist der beste Weg, das Zusammenleben in einer Gesellschaft zu verbessern", sagt er.

Vor kurzem hat Schenk in einem anderen Offenbacher Viertel das Quartiersmanagement übernommen. Man brauche einen langen Atem für diese Aufgabe und sehr viel Zeit: "Das dauert mindestens zehn Jahre."

Sendung: Kontraste, Das Erste, 16.06., 21:45 Uhr

24 Kommentare

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  1. 24.

    Wirklich ein Rätsel, warum die vielbeschworene "Aufwertung" im Offenbacher Mathildenviertel funktioniert und in der Berliner Rollberge-Siedlung nicht.

    Kleiner Tipp: Zentral gelegener Altbau ist halt bei Normal- und Besserverdienenden beliebter als Platte am Stadtrand. Verdrängungsprozesse sehen wir in allen Großstädten, hatten wir in Berlin in den letzten Jahren bekanntlich sehr stark ausgeprägt in Prenzlauer Berg und in Friedrichshain; zurzeit wohl am stärksten in Kreuzberg.

    Allerdings folgt der Beitrag der verkürzten Logik, wonach die 'Mischung' alle Probleme löse. Mein eigenes Einkommen ändert sich aber nicht dadurch, dass neben mir ein reicherer Nachbar einzieht. Stellt sich eher die Frage, wohin die Familie von nebenan gezogen ist, die raus musste. Im Zweifel in eine noch abgelegenere Wohngegend, in der es sich ein bisschen billiger wohnt. Aus den Augen, aus dem Sinn...

    Wirkungsvolle Armutsbekämpfung geht u.a. durch Erhöhungen bei Mindestlohn und Grundsicherung.

  2. 23.

    Sich Dinge zu wünschen, auch ein bisschen neidisch zu sein, ist zunächst nichts Schlechtes. Es bedeutet zu schauen, wie man das Gewünschte (Realistisches) für sich erreichen kann. Wenn man Kindern vorlebt, dass es dafür zur Normalität gehört, zur Arbeit zu gehen, sie verstehen lässt, dass Bezahlung auch mit den Bildungsvoraussetzungen zusammenhängt, sie auch ihren Weg finden sollen, ohne aber schnell alles hinzuschmeißen, wenn es mal nicht gut/leicht läuft, ist viel erreicht. Wenn ein großer Teil der sie umgebenden Menschen jedoch dies nicht lebt/leben kann, gehört es auch häufig nicht zum Lebensweg der nächsten Generation. Nicht umsonst wird Armut „vererbt“. Da Kinder mit Lernhindernissen nach Ihrer Meinung die „Klassenlehre hemmen“, ist dies umso mehr ein Argument für eine bessere „Durchmischung“ von Schülern aller sozialer Schichten, um nicht ganze Generationen solcher Viertel abzuhängen, da dort dann kaum was geht. Das bringt auch ein für Lehrer machbares Mit- und Füreinander.

  3. 22.

    Problem an der sozialen Mischung ist, dass es Neid begünstigt.

    In BRD sehr ausgeprägt, dem Nachbarn nichts gönnen, weil ich weniger habe.

    BRD ist da Spitze, ja - so wie auch bei der sozialen Durchmischung.

  4. 21.

    Nicht selten verfügen diese Leute über ein ausgeprägtes Ego und Selbstbewusstsein.

    Ausgeprägt ist auch das Anspruchsdenken, jemand habe mir zu helfen.

    Ich verachte diese Einstellung.

  5. 20.

    Wie erklären Sie sich, dass es aber immer auch schon Kinder gegeben hat, aus denen etwas geworden ist - in diesem Umfeld.

    Davon gibt es nicht wenige.

    Es liegt nicht nur am Umfeld, in der Schule hemmen diese Kinder oftmals die Klassenlehre.

    Die Klasse muss sich so am niedrigeren Leistungspensum des schwächsten Glieds orientieren, um diese nicht abzuhängen.

    Ich finde diese Entwicklung fatal.

    Im Prenzlauer Berg/Gymnasium werden die guten Noten gefühlt verschenkt.

    In der Grundschule in NRW war meine Tochter relativ schlecht, nach dem Umzug nach Berlin war sie auf der Kreuzberger Grundschule sofort die Klassenbeste.

    Da tun sich leider Welten auf.

  6. 19.

    Da widerspreche ich mal ganz energisch. Es geht eben genau um eine „Durchmischung“ sozialer Schichten. Dass sozial schwache Menschen nicht zusammengepfercht leben und ihre Aussicht (im wahrsten Sinne des Wortes) überall Perspektivlosigkeit ist. Insbesondere gilt das für die Kinder. Eine befreundete Lehrerin einer Schule in einem solchen Viertel erlebt Kinder, die sich darüber beschweren, dass sie morgens/überhaupt in die Schule müssen, obwohl alle anderen, auch die Eltern, immer ausschlafen dürften. So konzentriert sich die nächste Generation von Menschen ohne gesellschaftlich notwendige Vorbilder - weder zuhause noch in ihrer Umgebung-, die durch Bildung, soziales/berufliches Engagemen etwas aus sich machen-. Die als real empfundenen Zukunftsmöglichkeiten lauten Fußballer, Topmodel, Sänger, Influencer oder Rapper. Das werden am Ende die wenigsten, erfolgreich schon gar nicht. Und Menschen sind nicht per se „Problemfälle“.

  7. 18.

    Sie haben mit Ihren Kommentaren leider so was von Recht! Das Problem ist die grundsätzliche Einstellung der Betroffenen, anderen gegenüber, auch vor allem sich selbst. Wenn die grundsätzliche Haltung darin besteht, dass immer Andere verantwortlich und schuld an der eigenen Situation sind, dann spiegelt sich das im Verhalten und der Erziehung der eigenen Kinder wider. Dann sind eben Andere zuständig, hinter einem herzuräumen. Dann haben einige dieser Menschen keinen Bezug mehr zu Gemeinschaftseigentum, was sich in sinnlosem Vandalismus widerspiegelt. Arm und dreckig sind keine zwangsweise Kombination, es ist ein Spiegelbild der Auffassung der Bewohnerschaft zu Staat und Gesellschaft. Der Ganz zur Mülltonne oder der Anruf bei der BSR oder das Schätzen von Verschönerungsmaßnahmen sind auch armen Menschen möglich. Wird aber ohnehin alles vermüllt, verschandelt und zerstört, wird eben auch nichts mehr erneuert und verschönert. Lohnt ja nicht.

  8. 17.

    Die Problemfälle gehören m. E. eben nicht über das gesamte Stadtbild verteilt.

    Man sollte die Augen öffnen - die Leute sind so, wie sie sind.

    Die Gesellschaft ist auch nicht der Erzieher dieser Menschen.

    Kaum einer von denen fragt doch, was man für den Staat oder die Gesellschaft positives tun kann.

    Nettes Gequatsche und soziale Emphatie gehen hier fehl.

  9. 16.

    „Wenn aber eine Gesellschaft Menschen immer wieder zeigt wie überflüssig sie sind sinkt deren Motivation sich um ihre Umgebung zu kümmern.“

    Man könnte natürlich damit anfangen, sich selbst nützlich zu machen, Respekt zu zeigen, dankbar für Sozialleistungen zu sein, dankbar für ein Dach über dem Kopf zu haben und anfangen Unkraut zu zupfen.

    Dann garantiere ich Ihnen, wird sich ihr sozialer Status bei dem einen oder anderen Nachbarn zum positiven ändern.

    Man kann aber auch jammern und vermüllen und mit Finger auf die Gesellschaft zeigen.

    Bei Verlierern sind immer die Anderen schuld, das wird sich nie ändern.

  10. 15.

    Wer zerstört denn Ihrer Meinung nach die Haltestellenhäuschen und Telefonzellen? Es wird eher umgekehrt ein Schuh draus: warum dann noch Bepflanzungen erneuern, Firmen für die Pflege von Böschungen bezahlen? Die Gelder werden für demolierte Hauseingänge, Beseitigung von Rattenbefall, Müllbeseitigung aus Grünanlagen und Spielplätzen, wiederholte Sperrmüllabholungen usw. benötigt. Da fehlen dann Mittel und auch die Erfolgsaussichten auf Beständigkeit für reine Aufhübschungsaktionen. Es könnten sich auch Mieter - so sie denn wollten - zusammentun und pflegen. Warum braucht man dafür immer Andere als die, die davon profitieren und auch für den Zustand verantwortlich sind? Es geht um eigene Verantwortung und Engagement. Wer es nicht vom eigenen Geld ersetzen muss und/oder es nicht selbst gepflegt/bezahlt hat, sieht sich leider selten verantwortlich.

  11. 14.

    Tja, das kommt davon wenn die Politik nicht den klugen Spruch "Wehret den Anfängen" beherzigt, und die Augen verschließt.
    Mit solchen "Brennpunkten" erleben wir immer wieder das das Selbe, die Politik überläßt die asoziale Entwicklungen den "Akteueren", und erst wenn es unerträglich wird, dann besinnt sie sich auf ihre Mitverantwortung.

  12. 13.

    Erstaunlich, Staatssekretärin Frau Radziwill war " schon" drei Mal in der Rollbergsiedlung, für die sie eigentlich verantwortlich ist. Auch die anderen Äußerungen der Frau Staatssekretärin strotzen vor Konjunkiven, aber etwas Konkretes konnte ich bisher nicht erkennen. Das wird wohl mal wieder eine Luftnummer

  13. 12.

    Aus meiner Sicht hat die Frage, ob ich meine Umgebung bewusst vermülle, etwas mit Anstand und Erziehung zu tun.
    Das mag altmodisch klingen, stimmt aber wohl.
    Der These, dass Arbeitslosigkeit per se zu asozialem Verhalten führen muss, liegt ein Menschenbild zugrunde, welches ich nicht teile: das Bild eines unselbständigen, für seine Handlungen nicht verantwortlichen Menschen, im Grunde eines Kindes.
    Mündige erwachsene Bürger sind aber durchaus verantwortlich für das, was sie tun. Auch für die Erziehung ihrer Kinder übrigens.

  14. 11.

    Ich kann Sie beruhigen. Vermüllung schaffen auch die gebildeten Stände. Seit in meinem Weddinger Kiez junge Leute mit besserer Bildung und höherem Einkommen wohnen verdreckt der Wedding endgültig. Vom Lärm mal ganz zu schweigen. Sperrmüll auf der Straße oder im Hausflur kannte ich in diesem Ausmaß so nicht.
    Wenn aber eine Gesellschaft Menschen immer wieder zeigt wie überflüssig sie sind sinkt deren Motivation sich um ihre Umgebung zu kümmern. Und die Ächtung sozial Schwacher hat seit den 90er Jahren immer mehr zugenommen.

  15. 10.

    Großgeworden in einer Sozialbausiedlung im Westen Berlins, wohnten dort damals insbesondere Arbeiterfamilien mit niedrigem Einkommen, teilweiser Unterstützung durch das Sozialamt, und Rentner. Viel Grün, Spielplätze, mittendrin kleine Gärten usw. Mitte der Neunziger veränderte sich die Bewohnerstruktur, in der Hauptsache Familien ohne Arbeitnehmer und wenig integrierte Familien aus dem Ausland. Verkohlte Klingeltableaus, Müll (zerbrochenes Mobiliar, dreckige Matratzen) und Mülltüten überall, regelmäßige abendliche Auseinandersetzungen mitten auf den Spielplätzen, zerstörte Spielplatzausstattung. Wer konnte, zog weg. Es fehlte häufig bei der Vergabe der Wohnungen der Blick aufs Gesamte: wenig Tagesstruktur, kein Eigeninteresse am Erhalt, da komplette Finanzierung der Wohnung, wenig Integrationsbemühen von beiden Seiten und die Einsicht, dass auch Mittelschichtbürger mit nicht SEHR hohem Einkommen wohnen müssen und ihnen durch eigene Mietzahlungen die Umgebung wichtig ist.

  16. 9.

    Mein Gott, was für ein Vergleich. Mag ja in Offenbach und vielen anderen Städten und Gemeinden klappen, aber doch nicht in Berlin.

  17. 8.

    A. Es läuft anscheinend nicht bei den landeseigenen Gesellschaften.

    Diese Zustände drohen daher nach Vergesellschaftung.

    B. Das Müllproblem scheint mit den „armen Haushalten“ sehr oft verbunden zu sein.

    Das die BSR dort nicht ordnungsgemäß arbeitet, ist mir nicht bekannt.

  18. 7.

    Vielleicht, weil dort, wo "ärmere" Menschen wohnen, genauer hingesehen wird? Ich glaube auch nicht, dass das eine Frage des Einkommens ist.
    Ich habe viele Jahre am Rand dieses Viertels gewohnt, da wurde wenig gepflegt. Die Böschungen waren immer verkrautet, in den wenigen vorhandenen Blumenkübeln standen meterhohe Brennesseln, die Telefonzelle war immer zerstört, genau wie die Haltestellenhäuschen.... und wenn es eh schon so aussieht, kommt es doch nicht drauf an, ob dazwischen noch ein bissi Müll landet. Und wenn einer anfängt, seinen Sperrmüll in den Hausflur zu stellen.... Wer die Möglichkeit hatte, dort weg zu ziehen, hat es getan.

  19. 6.

    Offenbach ist ein wirklich gutes Beispiel. Mit rd. 44 km² Fläche etwa 1 km² größer als Falkensee. Die Problemviertel, deren Einwohnerzahl schon die von Offenbach übertrifft, liegen aber in Berlin, der größten Stadt Deutschlands. Ob die erfolgreiche Offenbacher Lösung, angesichts der "kritischen Masse" in Berlin auch nur ansatzweise umsetzbar ist, wage ich stark zu bezweifeln.

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