Leere Aktenordner und Altpapier stapeln sich in den Fluren des alten Potsdamer Landtags (Bild: dpa)

Potsdamer Landtag zieht um - Die alte Bude passt in fünftausend Kartons

Es wird ernst im alten brandenburgischen Landtag auf dem Brauhausberg – Die Umzugshelfer sind angerückt, als erstes wird die Bibliothek in Kisten gepackt und dann rollen die Laster zum neuen Haus in Potsdams Stadtmitte. Ganz schön viel Aufwand, wenn ein ganzes Parlament umzieht. Von Alex Krämer

Seit einiger Zeit ist auf den Fluren des alten brandenburgischen Landtags auf dem Potsdamer Brauhausberg immer wieder ein Geräusch zu hören - das Aufeinander klatschen von Papierstapeln. Es sind Landtagsdrucksachen, die auf Aktenordner, Zeitungsauschnitte und Gesetzestexte aufschlagen. Von Stunde zu Stunde wachsen die Altpapierberge auf den Fluren. Beim Packen misten alle nochmal in ihren Büros aus. Bei der CDU gelten dafür ganz harte Vorgaben, sagt Ingo Senftleben, parlamentarischer Geschäftsführer. "Ziel muss es sein, jeder nur eine Kiste" so lautet die Ansage.

Die Grünen sind etwas liberaler: Marieluise von Halem hat zehn Kartons bei sich im Büro stehen, den ersten füllt sie gerade mit Aktenordnern und ist zuversichtlich, dass sie auskommt mit ihren Kartonvorräten. Und wenn nicht, dann wird eben noch ein "bisschen weggeschmissen." Freitag um 12.30 Uhr muss sie damit allerspätestens fertig sein. Dann kommen die Umzugshelfer zu den Grünen. Die anderen Fraktionen sind zum Teil schon früher dran.

Die Tassen kommen mit

Das Büro von Landtagspräsident Gunther Fritsch sieht schon recht kahl aus. Keine Bücher mehr, keine Bilder, nur noch nackte Wände. Im Vorzimmer packt Mitarbeiterin Evelin Tietz gerade das bunte Sammelsurium aus zum Teil schon recht alten Kaffeetassen- und Bechern ein. Sehr sorgfältig, in Noppenfolie. Im neuen Büro von Fritsch bleiben die alten Tassen im Schrank und kein neues Geschirr angeschafft.

Alle Möbel und ein Großteil der Technik bleiben dagegen oben auf dem Brauhausberg. Im neuen Landtagsschloss gibt es neue Technik, neue Tische und neue Stühle. Das macht den Umzug wesentlich einfacher, sagt Hartmut Mangold, Abteilungsleiter Verwaltung im Landtag und damit oberster Umzugs-Organisator. Er freut sich, dass nicht das ganze altes Mobiliar in den Lastern Platz finden muss. "Das hat den Vorteil, dass die Menge des Umzugsgutes sich natürlich drastisch verringert. Und der Aufwand sich auch drastisch verringert." Er schätzt, dass der alte Landtag in vier- bis fünftausend Kartons verstaut werden kann. "Das ist die realistische Einschätzung des Umzugsunternehmens, nachdem sie sich unsere Bude angeschaut haben."

Klingt viel, ist aber überschaubar. Schon am Montag können die Abgeordneten zum Auspacken in ihre Büros, gleichzeitig schließen die Techniker dann die Computer an. "Wenn wir alles richtig gemacht haben, wird am Dienstag der Landtag wieder vollständig am Netz sein", gibt sich Chef-Umzieher Mangold zuversichtlich.

Viel allerdings wird sich dort in diesem Jahr nicht mehr tun. Die Weihnachtspause beginnt früher, keine Fraktions-, keine Ausschusssitzungen mehr. Erst in der zweiten Januarwoche geht der Parlamentsbetrieb weiter.

Beitrag von Alex Krämer