Bundestagspräsident Norbert Lammert während einer Feierstunde zur Eröffnung des Plenarsaales im neuen Landtag in Potsdam (Bild dpa)
Brandenburg aktuell | 21.01.2014 | Tina Rohowski | Bild: dpa-Zentralbild

Bundestagspräsident Lammert hält Festrede - Brandenburger Landtag feierlich eröffnet

Der letzte Stein wurde schon vor einer ganzen Weile gelegt, nun ist auch der letzte Festakt zur Eröffnung des neuen Landtages in Potsdam geschafft. Bundestagspräsident Norbert Lammert lobte das Stadtschloss als historische Errungenschaft. Vor allem den beiden Großspendern Günther Jauch und Hasso Plattner wurde viel gedankt. Und auch der weiße Adler war wieder einmal Thema.

Mit einem Festakt haben die Abgeordneten in Brandenburg am Dienstag offiziell die Arbeit im neu gebauten Landtag aufgenommen. Der Neubau im Gewand des historischen Stadtschlosses werde den Gästen aus aller Welt zeigen, dass Brandenburg sich seiner Geschichte bewusst und der Zukunft verpflichtet sei, sagte Landtagspräsident Gunter Fritsch zum Auftakt im Plenarsaal in Potsdam. Nach 22 Jahren in der alten SED-Bezirksleitung auf dem Brauhausberg seien die Abgeordneten mit dem Landtag im Stadtzentrum näher an die Bürger herangerückt.

In seiner Festrede würdigte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) das Stadtschloss als "erstes eigene Parlamentsgebäude in der tausendjährigen Geschichte Brandenburgs". Er würdigte auch das bürgerschaftliche Engagement für das neue Gebäude in der Gestalt des alten Potsdamer Stadtschlosses.

Die Stunde der Zeitzeugen

Für Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) besitzt Brandenburg nun "erstmals ein Landtagsgebäude, auf das alle Bürgerinnen und Bürger stolz sein können". Er dankte allen, die am Bau beteiligt waren, vor allem aber den beiden Großspendern Günther Jauch und SAP-Gründer Hasso Plattner. 

Unter den Gästen waren auch Zeitzeugen, die in den Jahren 1959 und 1960 mutig gegen den Abriss der Schlossruine protestiert hatten, den die DDR-Führung angeordnet hatte. Woidke erinnerte an die friedliche Revolution vor 25 Jahren. "Der Geist dieser Menschen lebt in diesem Landtag weiter." Die kommenden beiden Jahre will die Landesregierung daher unter das Motto "25: Am Mute hängt der Erfolg" stellen. Die Auftaktveranstaltung für das Doppeljubiläum von Wiedervereinigung und der Gründung des Bundeslandes Brandenburg werde am 7. Mai im neuen Landtag stattfinden.

Architekt Peter Kulka mit Sportschuhen in den brandenburgischen Farben (Bild dpa)
Architekt Kulka mit seinen neuen rot-weißen Turnschuhen - mehr rot als weiß, wohlgemerkt. | Bild: dpa-Zentralbild

Die Spender waren auch da

Landtagspräsident Fritsch bedankte sich in seiner Rede auch bei Architekt Peter Kulka. Mit der Eröffnung des Stadtschlosses sei eine "Wunde im Herzen der Stadt Potsdam geschlossen" worden. Als Geschenk übergab er dem bekennenden Turnschuh-Träger Kulka ein Paar neue Sneaker - in rot-weiß, ein Seitenhieb auf die anhaltende Auseinandersetzung über den weißen Adler im Plenarsaal, den Kulka konzipiert hatte.

Kulka wiederum erlaubte sich in seiner Rede eine Replik, die mit viel Applaus und Gelächter belohnt wurde: "Ich hätte auch lieber die weiße Taube von Picasso dahin gehängt als Euren weißen Adler."

TV-Moderator Günther Jauch während der Eröffnung des neuen Landtages in Potsdam (Bild dpa)
TV-Moderator Jauch hatte das Geld für das Fortunaportal gespendet. | Bild: dpa-Zentralbild

Auf den gut 180 roten Sesseln im strahlend weißen Plenarsaal hatten neben den mehr als 80 Abgeordneten auch zahlreiche Ehrengäste Platz genommen. Unter ihnen waren der Fernsehmoderator Günther Jauch, der das Fortunaportal zum Innenhof des Schlosses gespendet hatte, US-Botschafter John B. Emerson und der polnische Botschafter Jerzy Marganski. Auch das Oberhaupt des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen, war in das wiederrichtete Schloss seiner Ahnen gekommen.

Erste Tagesordnung erstmal geändert

Der Software-Milliardär und Mäzen Hasso Plattner, der Millionen für die Fassade und das Kupferdach des Schlosses gestiftet hatte, war nicht erschienen. Er verbringt seinen 70. Geburtstag im Ausland.

Zur feierlichen Landtags-Eröffnung kamen unter anderem einige Zeitzeugen, die in den Jahren 1959 und 1960 mutig gegen den Abriss der Schlossruine protestiert hatten, den die DDR-Führung angeordnet hatte.

Der brandenburgische Ministerpräsident a. D. Manfred Stolpe (l) und Georg Friedrich Prinz von Preußen (Bild dpa)
Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Stolpe und Georg Friedrich Prinz von Preußen | Bild: dpa-Zentralbild

Bei der Premiere im Plenarsaal musste gleich die Tagesordnung geändert werden. Weil geplante Filmbeiträge zum Stadtschloss zunächst nicht liefen, wurde die Rednerliste kurzerhand umgestellt. Das wird am Mittwoch nicht mehr möglich sein. Dann kommen die Abgeordneten zur ersten ordentlichen Landtagssitzung zusammen. Und dann wird auch über jede Änderung der Tagesordnung ordentlich abgestimmt.

Besucher strömen in den Potsdamer Landtag

Beitrag von Sebastian Schöbel

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