Tilmann Heuser, Geschäftsführer des BUND Berlin, am 16.05.2014 bei einer Pressekonferenz auf dem Tempelhofer Feld (Quelle: dpa)
Abendschau | 30.07.2014 | Dorit Knieling | Bild: dpa

BUND-Chef Heuser wird Koordinator - Ein Umweltexperte für die Zukunft des Tempelhofer Feldes

Der Senat stellt die Weichen für die Weiterentwicklung des Tempelhofer Feldes - mit der Verpflichtung von Tilmann Heuser ist ihm damit ein Schachzug gelungen, der auch die Senatsgegner freuen dürfte. Heuser übernimmt die Federführung für den geplanten Dialog, an dem sich auch die Berliner beteiligen sollen.

Auf dem Tempelhofer Feld wird nicht gebaut, auch nicht am Rand, so hatten es die Berliner beim Volksentscheid Ende Mai beschlossen. Doch das Areal soll als Freifläche entwickelt werden, so steht es im Gesetz, dem das Volk gleichzeitig zustimmte. Doch dabei sollen die Berliner mitreden, von Anfang an. Die Leitung dieses Dialogs übernimmt Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) stellte Heuser am Mittwoch als neuen Koordinator vor. "Das Kernproblem wird sein: Wie gestalten wir den Planungsprozess so, dass alle mitreden können und zugleich nicht endlos diskutiert wird", sagte Heuser.

Bürger werden im Spätherbst befragt

Senator Müller bestätigte nochmal, dass an dem Charakter des Geländes nichts geändert werden soll. Aber auch für die Nutzung als Freizeitgelände müsse über sanitäre Einrichtungen, Sportanlagen und schattenspendende Bäume nachgedacht werden.

Am 27. September werden alle Tempelhof-Akteure zu einer ersten Planungsrunde zusammenkommen: Nutzer, die Initiatoren des Volksentscheids und die Politiker. Im Spätherbst sollen dann die Wünsche und Ideen der Bürger in einem Online-Dialog abgefragt werden. Wie mit diesen Vorschlägen umgegangen wird, soll dann in einer Runde geklärt werden, die Tillmann Häuser moderieren wird.  Im ersten Halbjahr 2015 soll dann ein fertiger Plan vorliegen. Zu dem müssen dann zwar noch – allein schon, weil es ja auch ums Geld gehen wird – Senat und Abgeordnetenhaus ihren Segen geben, aber Müller unterstreicht: "Ich kann mir keine Situation vorstellen, wo zum Schluss zum Beispiel ein 20-Seiten-Konzept vorgelegt wird und Parlament und Senat sagen: Das sehen wir aber alles ganz anders und wir fangen von vorne an."

Profilierter Kritiker der früheren Senatspläne

Mit Heuser holt Müller einen der prominentesten Kritiker der früheren Bebauungspläne des Senats ins Boot. Immer wieder hatte der Umweltexperte ökologische Bedenken gegen eine Bebauung geäußert, aber auch darauf hingewiesen, dass die vom Senat geplante Randbebauung nicht zu Ende gedacht war.

Noch im April hatte Heuser die Beteiligungs- und Informationspolitik der Bauverwaltung kritisiert. Der BUND hatte damals Akteneinsicht beantragt, um zu verstehen, wie die bisherigen Planungen zustande gekommen sind. Heuser sah zu diesem Zeitpunkt, also wenige Wochen vor dem Volksbegehren, viele Probleme, zum Beispiel den Autobahnlärm am Südring. "An der Oderstraße, also auf der Neuköllner Seite, ist außerdem vollkommen ungeklärt, wie die verkehrliche Erschließung erfolgen soll", sagte der BUND-Chef dem rbb. Außerdem bemängelte Heuser, dass die Senatspläne zu "gravierenden Eingriffen in wertvolle und gesetztlich geschützte Biotope" führen würden. Wegen der vielen Ungereimtheiten, so sagte Heuser damals voraus, werde es unabhängig vom Ausgang des Volksentscheids eine breite Diskussion geben müssen, wie das Tempelhofer Feld am besten zu bestellen ist.

Ein Mann liegt am 26.05.2014 auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof in einer Hängematte (Quelle: dpa)

Bürgerbeteiligung per Volksentscheid festgeschrieben

Inzwischen sind die Weichen für die Weiterentwicklung des Tempelhofer Feldes gestellt. Mit dem Volksentscheid vom 25. Mai erteilten die Bürgerinnen und Bürger den Senatsplänen eine Absage. Stattdessen wurde ein Gesetz beschlossen, wonach innerhalb eines Jahres ein Pflege- und Entwicklungsplan für das Feld vorliegen soll - unter "Partzipation der Bevölkerung", wie es in Anlage 3 zum Gesetzesentwurf der Bürgerinitiative "100% Tempelhofer Feld" heißt. Genau an dieser Stelle soll nun Heuser aktiv werden, denn was sich die Berliner genau vorstellen, soll über den Beteiligungsbeirat ermittelt werden. Für den Umweltschutz engagiert sich der 47-Jährige schon seit seiner Jugend. Den Berliner Landesverband des BUND leitet er als hauptamtlicher Geschäftsführer seit 2005.

Wie Heuser dem rbb sagte, hatte er sich nach der Anfrage durch den Senator erst einige Tage Bedenkzeit ausgebeten, sich dann aber für die neue Position entschieden, an der er die Entwicklung des Feldes unmittelbar mitgestalten kann. "Eine der Reaktionen, die gleich bekommen habe, war, ich wäre jetzt so etwas wie der Heiner Geisler des Tempelhofer Feldes. Nein!" Anders als bei Stuttgart 21 geht es in diesem Fall nicht um Streitschlichtung. Hier soll Zukunft geplant werden. "Wie sichern wir, dass sich jeder einbringen kann, und gleichzeit, dass wir uns nicht in endlosen Diskussionsrunden verlieren?", sagt Heuser.

Bis zum fertigen Konzept ist es dennoch ein langer Prozess. Aber einer, von dem Tillmann Heuser sich erhofft, dass die Beteiligten Spaß daran haben.

 

Mit Informationen von Thorsten Gabriel

Das Tempelhofer Feld bleibt unbebaut

Mehr zum Thema