Visualisierung des Dachnutzungskonzepts für das Flughafengebäude Tempelhof (Quelle: Roswag Architekten)
Bild: Roswag Architekten

Gebäudenutzung auf dem Tempelhofer Flughafen - Kreativität im Haus, Party auf dem Dach

Was auf dem Tempelhofer Feld passiert, entscheidet das Volk - was aber künftig in dem riesigen Flughafengebäude geschieht, bestimmt die Stadt. Ein Drittel des Gebäudes steht noch leer, hierfür sucht die Betreibergesellschaft jetzt nach Investoren. Auf dem Dach darf vielleicht bald getanzt werden. Von Friederike Schröter

Regelmäßig gastiert die Modemesse "Bread&Butter" im Flughafengebäude, nur einige Meter weiter arbeitet der Berliner Polizeipräsident. Es gibt hier eine Kita, eine Tanzschule, ein Fundbüro und mehrere Medien- und Internet-Firmen. Über 100 Unternehmen haben sich in etwa einem Drittel des riesigen Gebäudes am nord-westlichen Rand des Tempelhofer Feldes eingemietet.

Insgesamt ist das Flughafengebäude 300.000 Quadratmeter groß - und damit eins der größten Bauwerke der Welt. Ein weiteres Drittel - bestehend aus Haupthalle, Transitbereich und den sieben ehemaligen Flugzeughangars – wird als Eventfläche vermietet: Hier laufen die Models, hier spielten Bands wie die Ärzte und die Toten Hosen.

Nutzungsplan des Flughafengebäudes Tempelhof (Quelle: Tempelhof Projekt GmbH)
Etwa ein Drittel des Flughafengebäudes steht leer und ist sanierungsbedürftig.Bild: Tempelhof Projekt GmbH

Jung, kreativ, zahlungskräftig

Doch jetzt steht der ungenutzte Teil des Gebäudes im Fokus - immerhin etwa 65.000 Quadratmeter - und das Dach. Das sogenannte Columbiahaus, ein halbrundes Gebäude am Platz der Luftbrücke, ist seit Montag öffentlich zur Sanierung und Nutzung ausgeschrieben. Hier logierten früher US-Offiziere, jetzt steht es leer. Sieben Millionen Euro würde Berlin diese Sanierung kosten. Geld, das nicht unbedingt die Stadt aufbringen müsse, sagt Gerhard Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, die für Verwaltung und Vermietung des Gebäudes verantwortlich ist. "Wir schauen nun, ob es Interesse privater Investoren gibt, die das Gebäude unter gewissen Auflagen sanieren und vermieten."

Eine Vorgabe ist, dass der Raum Beschäftigten aus der Kreativwirtschaft zur Verfügung gestellt wird. Damit meine er nicht das "kreative Prekariat", sagt Steindorf, wie es Sarrazin nenne würde, also den einzelnen Kreativen, der vom Café an einen kostenlosen Schreibtisch ziehen möchte. Auch um sie könnte man sich beizeiten kümmern, doch jetzt geht es um junge, zahlungsfähige Unternehmen, die einen exklusiven Arbeitsplatz suchen.

Bei der Gestaltung des Dachs dagegen möchten viele Menschen mitreden. Nicht nur der Denkmalschutz und die Stadtentwickler interessieren sich dafür, was auf der 1,2 Kilometer langen Panoramafläche passiert. Auch die Umweltsprecher des Senats und das Tourismusmarketing wittern hier Potential. Die einen möchten eine große Photovoltaikanlage installieren und das Dach begrünen, die anderen sehen hier die Touristen Tango tanzen und die Städter Beachvolleyball spielen.

Ab September geht es aufs Dach

"Je nachdem, wen Sie fragen, werden Ihnen ganz unterschiedliche Pläne präsentiert", sagt Steindorf. "Fest steht: Wir sind bei der Dachentwicklung noch ganz am Anfang. Erst einmal müssen wir herausfinden, was technisch überhaupt ginge." Das heißt: Es muss geklärt werden, ob das Dach überhaupt trägt – und wenn ja, wieviel. Zu Nazi-Zeiten haben hier zehntausende Menschen die Luftschauen der deutschen Luftwaffe bestaunt. Nun muss untersucht werden, in welchem Zustand das Dach heute ist. Es muss sicher und behindertengerecht zugänglich sein. Mittels Röntgenaufnahmen wird nun untersucht, wie das Dach beschaffen ist. Die Stahlkonstruktionen wurden im Zweiten Weltkrieg durch Brände beschädigt - und möglicherweise auch ausgebaut. Die Statik des Gebäudes zu ermitteln kostet allein einen siebenstelligen Betrag.

Das Gebäude H2rund des Tempelhofer Flughafens (Quelle: imago)
Das so genannte Columbia-Haus ist für private Investoren ausgeschrieben.Bild: imago stock&people

Doch einige konkrete Pläne gibt es bereits:

1. Der hintere Aufbau auf dem Dach wird zur Besucherterrasse umgebaut. Sie wird voraussichtlich im September eröffnet. Die Begehung wird jedoch nur im Rahmen einer der Gebäude-Führungen möglich sein.

2. Über die gesamte Länge des Daches soll eine historische Ausstellung zur Geschichte des Tempelhofer Flughafens installiert werden. Der erste Abschnitt könnte im Jahr 2016 fertig sein.

3. Am nördlichen und südlichen Ende werden kleine Besucherterrassen entstehen, sie werden wohl an Cafés oder Restaurants verpachtet.

Mit einer Nutzung der gesamten Terrasse sei jedoch vor 2017 nicht zu rechnen, sagt Steindorf. Ob hier dann Modenschauen, Open Air Kino, Clubs oder Beachvolleyballplätze sein werden, darüber wird in etwa anderthalb Jahren geredet.

Gerhard Steindorf ist Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH | Bild: imago/Sven Lambert

Alles andere soll so bleiben, wie es ist, wenn es nach Gerhard Steindorf geht. "Ich verstehe nicht, warum viele Menschen sich so dringend ein konkretes Konzept für das ganze Gebäude wünschen." Ab und zu geht eben ein Veranstalter. Wie zum Beispiel die "Bread&Butter", die  ihre Frühjahrs-Schau nach Barcelona verlegte oder das "Berlin Festival", eine der größten innerstädtischen Musikveranstaltungen, die vom Tempelhofer Feld in die Arena Treptow verlegt wurde, wie am Montag bekannt wurde. Doch dafür komme etwas neues nach. "Dieser Ort ist nicht fertig", sagt Steindorf. "Er ist ein großes, ständiges Entwicklungsprojekt."

Von den Nationalsozialisten zur Modenschau

Beitrag von Friederike Schröter