Häuserfassaden (Quelle:dpa)
Audio: Holger Hansen | 28.05.2014 | Bild: dpa

Planungen erst 2017/18 - Berlin sucht Raum für Wohnungen

Der Senat will bis 2020 neue Wohnungen bauen, weil immer mehr Menschen nach Berlin ziehen und der Druck auf den Wohnungsmarkt wächst. 4.700 Wohnungen waren am Rande des Tempelhofer Feldes geplant, diese Planung ist nach dem Volksentscheid passé. Jetzt sind kreative Ideen gefragt. Von Holger Hansen

Keine Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld – was nun? Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller hat auf die Fragenoch keine wirklich konkrete Antwort: "Nun muss Neubau auf anderen Flächen stattfinden. Und daran wird weiter gearbeitet."

Offenbar hatte der Senat keinen Plan B für den Fall, dass die Volksinitiative gegen jegliche Bebauung erfolgreich ist, meint der baupolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Andreas Otto. Es gebe aber genügend viele andere Möglichkeiten, neu zu bauen: "Man muss natürlich auch in der Innenstadt nach-verdichten. Stichwort Dachgeschossausbau, Stichwort Gewerbeflächen, die man nicht unbedingt benötigt oder anderes."

Das Potenzial ist da

Auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs Pankow darf der Unternehmer Krieger ein Möbelhaus und ein sehr großes Shoppingcenter bauen. Dort könnten aber auch mehr Wohnungen entstehen, meint Otto.

Bei Flächen, die bisher nur für den Bau von Einfamilienhäusern ausgewiesen werden, müsse man überlegen, ob dort nicht mehr Wohnungen entstehen könnten, wie zum Beispiel in Karow. Hier sieht Otto den Bedarf "umzusteuern". Genau diese "Aktivität" werde jetzt vom Senat erwartet.

Auch der BUND Berlin sieht noch viel Wohnungsbau-Potenzial in der Stadt. In Buch und Lichterfelde Süd gebe es dafür noch Flächen, sagt Geschäftsführer Tilman Heuser. Leerstehende Gebäude wie der Postbank-Turm am Halleschen Ufer haben Raum für neue Wohnungen.

Auch kleine Gebäude wie die frühere Diesterweg-Grundschule in Wedding bieten sich an. Dort würde die Wohnungsbaugesellschaft Degewo gerne Wohnungen bauen, das Grundstück gehört dem Land. Und in der Innenstadt könne stellenweise höher gebaut werden, so Heuser. Ein Weg könne sein, Discounter mit Wohnungen zu überbauen. Das hört sich abenteuerlich an, es gibt aber bereits ein Beispiel dafür: In der Pasteurstraße in Prenzlauer Berg ist Rewe damit einverstanden, seinen Markt abzureißen, und an der Stelle ein höheres Gebäude mit 50 Wohnungen und neuem Shop zu errichten. Solche Möglichkeiten müsse der Senat gezielt suchen und auf die Eigentümer zugehen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Stadtreparatur, wie der BUND es nennt: Beispiel Moltkemarkt am Roten Rathaus in Mitte. Die sechsspurige Fahrbahn könnte zurückgebaut werden und Platz für Wohnhäuser machen.

Planungen starten erst 2017/18

Diese Möglichkeit sieht auch die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Daniela Augenstein. Darüber werde auch im Senat nachgedacht. Die Planungen können aber erst 2017/18 beginnen, sagt sie, wie auch bei weiteren möglichen Standorten. Zum Beispiel ein Projekt auf der Fischerinsel von der Wohnungsbaugesellschaft WBM, die dort 300 Wohnungen bauen möchte. Auch in der Breiten Straße gegenüber der Landesbibliothek gebe es Möglichkeiten, neu zu bauen. Da gehört das Grundstück aber zum Teil dem Bund, das muss also erst noch verhandelt werden. Oder Flächen an der Schöneberger Goebenstraße oder am Hohenzollerndamm in Wilmersdorf, die dringend darauf warten, "repariert" zu werden.  

Viele Vorschläge und Ideen, aber die konkreten Pläne sind kaum ausgearbeitet. Trotzdem ist der Senat sicher, allein in der Innenstadt 3.800 neue Wohnungen bauen zu können – und genügend viele darüber hinaus.

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