Ein Fänger der TiB Rangers bei einem Abendspiel auf dem Tempelhofer Feld (Bild TiB Rangers)
Bild: TiB Rangers

Baseballspieler bangen um Spielstätte auf dem Tempelhofer Feld - Vom Strikeout zum Rauswurf?

Seit Jahrzehnten wird auf dem Tempelhofer Feld Baseball gespielt, amerikanische Soldaten siedelten den US-Nationalsport dort einst an. Nun würde der lokale Verein gerne das Spielfeld modernisieren und ausbauen - was nach dem Volksentscheid jedoch fraglich ist. Denn das neue "Tempelhof-Gesetz" lässt das eigentlich nicht zu.

Auf den ersten Blick hat das Volksbegehren zum Tempelhofer Feld alle Fragen beantwortet: Gebaut wird nicht, weder Wohnungen noch die neue Zentral- und Landesbibliothek, für die der Senat bereits fieberhaft nach alternativen Standorten sucht. Ein paar Fragen bleiben allerdings doch noch offen. Zum Beispiel: Was wird denn nun aus Berlins neuem Baseballstadion?

Das nämlich hat sich die Baseballmannschaft der "Rangers" gewünscht. Das Team spielt seit einigen Jahren auf den Baseballfeldern am Columbiadamm – passenderweise auf eben den Anlagen, die ursprünglich von amerikanischen Soldaten angelegt wurde. Die Rangers planen mittelfristig den Aufstieg in die Bundesliga. Dafür wollte der Verein im Zuge der Entwicklung des Tempelhofer Feldes ein neues Stadion bauen: bundesligareif und sogar für internationale Spiele ausgelegt, erklärt Rangers-Vorstand Jürgen von Dombrowsky auf Nachfrage von rbb-online. "Wir haben sogar überlegt, hier einen Standort für Baseball-Spitzensport aufzubauen, mit Nachwuchsentwicklung."

Baseballspieler der TiB Rangers auf dem Platz am Columbiadamm (Bild TiB Rangers)
Das aktuelle Spielfeld reicht für die Verbands-, aber wohl nicht für die Bundesliga | Bild: TiB Rangers

Der Senat hatte Neubau versprochen

Der Masterplan des Senats sah vor, zunächst eine neue Kombi-Spielstätte für Baseball und Softball zu bauen. "Als Perspektivplanung war ein neues Baseballfeld [am Columbiadamm] geplant", teilt die Senatsverwaltung für Sport mit.

Doch nach dem Wahlerfolg der Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld stehen diese Pläne auf der Kippe. Denn ob ein neues Baseballstadion auch mit den Einschränkungen des nun geltenden Tempelhof-Gesetzes zusammenpasst, ist äußerst fraglich.

Umkleideräume in Containern und tragbare Tribünen

Michael Schneidewind, Vorstand der Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld, hat prinzipiell nichts an einem modernisierten Baseballfeld auszusetzen – sofern es den Geist des Tempelhof-Gesetzes nicht verletzt. "Das sind ja inzwischen historische Spielstätten", sagte er im Gespräch mit rbb-online.

So sei zum Beispiel nichts dagegen einzuwenden, dass 25 Meter hohe Flutlichtmasten aufgestellt werden, da diese nahe an der Straße stünden. Auch könnten neue Sanitäranlagen und Umkleiden eingerichtet werden. "Da kann man ja Container aufstellen", so Schneidewind. Auch Tribünen, die laut Satzung des Baseballverbandes für die Bundesligalizenz vorgeschrieben sind,  seien möglich. "Die könnte man ja auf Stahlrohre stellen und im Winter wegtragen, wie beim Karneval. Da findet sich bestimmt eine  Lösung."

Schlagmann der Rangers (Bild TiB Rangers)
Die Rangers haben inzwischen über 100 aktive Mitglieder und stellen mehrere Mannschaften | Bild: TiB Rangers

Ausbau des muslimischen Friedhofs sorgt für Unmut

Ob ein paar Container und höhere Lichtmasten den Ansprüchen der Baseballspieler genügen, muss nun geklärt werden. Die Rangers wollen mit der Initiative "100% Tempelhofer Feld" verhandeln: Kann ein Stadion gebaut werden, und wenn ja, wie darf es aussehen? "Wenn die Initiative nein sagt, wäre das schlecht für uns", erklärt Dombrowsky. Dann nämlich droht dem Verein der Umzug auf ein anderes Feld in einem anderen Stadtteil.

Die Gespräche zwischen Sportlern und Feld-Bewahrern startet allerdings unter schlechten Vorzeichen. Denn der muslimische Friedhof direkt nebenan darf laut THF-Gesetz ausdrücklich ausgebaut werden - was bedeutet, dass wohl eines der beiden historischen Baseballfelder weichen muss. Ersatz ist nicht in Sicht.

"Das ist blöd und ärgert mich ein bisschen", sagt Arno Kölker vom Baseballteam "Wizards", der im Berliner Baseballverband auch für die Jugendarbeit zuständig ist. Gegen den muslimischen Friedhof habe er nichts, im Gegenteil. "Flughafengebäude, Radarturm und muslimisches Minarett: So eine Kulisse haben sie nirgendwo sonst, das ist die Vielfalt von Berlin." Aber an die Baseballspieler auf dem Tempelhofer Feld habe die Bürgerinitiative offenbar gar nicht gedacht. "Es ist, als haben die sich mit uns gar nicht wirklich beschäftigt, als nehmen die uns nicht ernst."

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