BerlinTrend - Umfrage vor dem Volksentscheid - Mehrheit der Berliner für 100 Prozent Tempelhofer Feld

Gut eine Woche vor dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld gibt es einen Dämpfer für die Pläne des Berliner Senats. Laut einer Umfrage hat sich die Mehrheit der Befragten gegen die Bebauung des Feldes ausgesprochen. Auch unter ihren eigenen Anhängern muss die Große Koalition noch Überzeugungsarbeit leisten. Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus.

Der Countdown läuft: Am 25. Mai soll in einem Volksentscheid darüber abgestimmt werden, ob am Tempelhofer Feld neue Wohnungen gebaut werden sollen oder nicht. Doch die Mehrheit der Berliner Bevölkerung will, dass das Tempelhofer Feld so bleibt, wie es ist. Das ist das Ergebnis des Berlin Trends von infratest dimap im Auftrag der rbb-Abendschau und der Berliner Morgenpost.

Danach sprechen sich 54 Prozent der Befragten dafür aus, dass auf dem ehemaligen Flughafengelände gar nichts gebaut wird. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als bei der letzten Umfrage (April 2013).

Unterschiede zwischen jung und alt

Fast im selben Maße sind diejenigen weniger geworden, die es richtig finden, am Rande des Geländes Wohnungen zu errichten. Jetzt wollen das noch 39 Prozent der Befragten.

Vor allem die unter 30-Jährigen sind dagegen, das Feld zu bebauen - in dieser Altersgruppe lehnen fast drei Viertel der Befragten die Senatspläne ab. Erst bei den über 60-Jährigen gibt es eine Mehrheit, die sich dafür ausspricht, einen Teil des Geländes für Wohnhäuser bereit zu stellen.

CDU-Anhänger sind in ihrer Meinung gespalten

SPD und CDU müssen sich offenbar ernsthaft Sorgen machen, den Volksentscheid zu verlieren. Denn selbst in ihrer eigenen Anhängerschaft schrumpfen die Mehrheiten. Unter den SPD-Anhängern sind nur 50 Prozent für die Senatspläne, 43 Prozent sind dagegen. Das Lager der Union zeigt sich komplett gespalten: 49 Prozent befürworten die Bebauung, genauso viele lehnen sie ab.

Klare Werte gibt es nur bei den Anhängern der Opposition: Sowohl bei den Grünen (29 Prozent dafür, 62 Prozent dagegen) als auch bei den Linken (35 Prozent dafür, 61 Prozent dagegen) ist eine deutliche Mehrheit gegen die Pläne des Senats für das Tempelhofer Feld.

"Pläne des Senats nicht sozial"

Die politischen Reaktionen auf die Ergebnisse fielen unterschiedlich aus. Nach Ansicht von Björn Eggert, jugend- und familienpolitischer Sprecher der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus, haben viele Berliner sich noch keine Meinung zu dem Thema gebildet und werden sich erst kurz vor dem Volksentscheid entscheiden.

Iris Spranger, Sprecherin für Bauen, Wohnen, Mieten der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, verteidigte die Pläne für eine Teilbebauung im rbb. Dieser Schritt sei  angesichts der Wohnungsknappheit in der Stadt unvermeidlich. Sie könne verspechen, dass dort nur Wohnraum mit Kaltmieten zwischen 6 und 8 Euro entstünden.

Wie die Grünen sagen, haben die Berliner verstanden, dass die Pläne des Senats nicht sozial sind. Fraktionschefin Antja Kapek sagte dem rbb, mehr als ein Viertel der Menschen könnten sich die neu geplanten Wohnungen nicht leisten. Ein Drittel der Fläche soll mit sieben- bis zehngeschossigen Häusern bebaut werden. Zudem werde die Planung "von oben durchgedrückt", sagte Kapek.

Ähnlich sieht es Michael Schneidewind, einer der Mit-Initiatoren der Kampagne "100% Tempelhofer Feld". Seiner Meinung nach haben die Berliner gemerkt, dass die Senatspläne nicht zur Lösung der Wohnungsprobleme beitragen können, zumindest nicht im Segment der mittleren und unteren Einkommen.

CDU-Fraktionsvize macht Gesprächsangebot

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Stefan Evers, äußerte Verständnis für die Vorbehalte vieler Menschen. Es gebe eine große Unsicherheit, über was genau am 25. Mai abgestimmt werde. So seien etwa die umstrittenen Pläne für einen Neubau der Zentral- und Landesbibliothek nicht Gegenstand des Volksentscheids, sagte Evers.

Darüberhinaus gebe es bei den Bebauungsgegnern sehr große Unterschiede, so Evers. Während einige die Weite des Tempelhofer Feldes erhalten wollten und andere von der Renaissance des Flughafens träumten, passten einer dritten Gruppe schlicht die genauen Vorstellungen des Senats nicht.

Berliner Senat vs. "100 Prozent Tempelhofer Feld"

Für den Fall, dass der Senatsentwurf die Mehrheit bekommt, stellte der CDU-Politiker in Aussicht, nach dem 25. Mai noch einmal auf die Berliner zuzugehen werden, "um mit ihnen zu diskutieren, wie Stadt hier entwickelt werden kann".

Für die Linken ist es "ein deutliches Zeichen, dass dieser Senat ausstrahlt, dass die Bürgerinnen und Bürger ihn eher stören", so der Landesvorsitzende Klaus Lederer. Das Vertrauen der Berliner schwindet, so Lederer.

Laut Masterplan des Berliner Senats für das Tempelhofer Feld ist eine Bebauung zunächst an drei Rändern vorgesehen: im südwestlichen, südlichen und im östlichen Bereich. Geplant sind Gewerbeflächen, die neue Zentral- und Landesbibliothek, eine Sportanlage, eine Schule, zwei Kitas und 4.700 neue Wohnungen.

Die "Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld" spricht sich dagegen gegen jegliche Bebauung aus und fordert vom Land Berlin "das Tempelhofer Feld in seiner Gesamtheit zu erhalten und zu schützen." Die Initiative spricht sich nur für folgende Veränderungen aus: sanitäre Anlagen, Bau ungedeckter Sportflächen, die Anlage von Sitzgelegenheiten, die Pflanzung von einzelnen Obstbäumen und Flurgehölzen, genehmigungspflichtige Veranstaltungen.

BerlinTREND Mai 2014 - Volksentscheid Tempelhofer Feld, Quelle: rbb/ InfratestDie Ablehnung gegen die Pläne des Senats für eine Randbebauung am Tempelhofer Feld wächst. Derzeit gäbe es unter Befragten dafür keine Mehrheit.
Gegen die Bebauung des Tempelhofe Feldes, Quelle: rbb/ Infratest dimap 2014Auch unter den Anhängern der Regierungsparteien wächst offenbar der Unmut: Bei den CDU-Anhängern lehnen sogar 49 Prozent der Befragten die Bebauungspläne ab.