Ein Grundriss vom Tempelhofer Feld mit Ideen für die Nutzung (Foto: rbb /Thorsten Gabriel)
Bild: rbb /Thorsten Gabriel

Treffen für Bürger-Dialog um die Flugfeldgestaltung - Ideensammeln fürs Tempfelhofer Feld

Drachen steigen lassen, joggen oder einfach eine Runde zu spazieren - Berlins aktuell wohl prominentester Park ist selbst im Winter gut besucht: das Tempelhofer Feld. Ein großer Bürger-Dialog soll nur bei der Lösungsfindung helfen, wie das Feld in Zukunft genutzt wird. Von Thorsten Gabriel

Es herrscht wieder einmal Leben in der alten Flughalle, Gedränge und eine gewisse Aufbruchstimmung. "Ich find das extrem spannend, so einen Prozess mitzuerleben und mitzumachen selber", sagt eine, die mit dem Feld auf Du und Du ist, eine Anwohnerin die an diesem Abend gekommen ist, um zuzuhören und mitzureden in dieser Runde. Es ist der Auftakt, das erste Treffen für die Bürgerbeteiligung über die Zukunft des Tempelhofer Feldes.   

Die Anwohnerin hat selbst eine kleine Idee mitgebracht: Einmal im Jahr auf dem Feld saubermachen und das Ganze mit einem schönen Fest verbinden. Eine halbe Stunde später wird sie ihre Idee auf einer Karte notiert an einer Stellwand hängen sehen. In mehreren kleinen Gruppen packen alle, die gekommen sind, ihre Vorschläge auf den Tisch. Was noch geschehen sollte auf dem Feld, jetzt, wo eigentlich nichts mehr geschehen darf nach dem Volksentscheid, indem sich die Mehrheit der Beteiligten gegen eine Bebauung ausgesprochen hatte. Doch ein bisschen Spielraum lässt das Gesetz nun eben doch noch zu.

Jeder will das Feld für sich

Hans-Ulrich Steffen, der sich vor dem Volksentscheid auch schon in der Initiative "100 Prozent Tempelhofer Feld“ engagiert hatte, sagt, um gestalten zu können und Ideen umsetzen zu können, müsse man ganz einfach das Gesetz kennen:  "Und nicht nur das Gesetz, sondern die Erklärungen dazu auch noch. Wenn man das kennt, dann hat man schon ein Grundverständnis für das, was noch möglich ist."

Doch zunächst wird diskutiert über die Ideen und Grundsätze:

- "Ich hätte da gerne: 'Nicht nach Interessen zerfleddern'.“
- "Also, ich hätte gesagt: 'Nicht Zersiedeln' und deshalb erstmal das Nutzungskonzept.“
- "Was meinst du denn?"
- "Jeder sagt: 'Dies ist mein Platz.' und 'Dies ist mein Platz.'"

Theorie- und Praxisgruppen

In der einen Ecke sind die Teilnehmer dieses Abends theoretischer mit Worten und Stichwortkarten unterwegs, in der anderen praktischer:

- "Wir sind auf Einsparmöglichkeiten gekommen. Ein bisschen Kosten-Nutzen-Analyse. Zum Beispiel das Mähen. Die Heuballen sind sehr schön, aber es gäb auch die Möglichkeit wieder Schafe dort weiden zu lassen und dadurch Geld zu sparen."
- “Was mich extrem stört: Die schlecht gemachten Zugänge auf der Nordseite, da fehlen einfach Ampeln. Es ist am Wochenende ein unerträglicher Zustand, zu sehen, wie Leute über den Columbiadamm stolpern. Da muss irgendwas gemacht werden."

Anderthalb Stunden Ideen sammeln

Nach anderthalb Stunden Ideensammeln in Grüppchen werden die Erkenntnisse des Abends zusammengetragen und Koordinator Tilmann Heuser zeigt sich zufrieden: “Man merkt einfach, die Menschen haben Interesse daran, am Tempelhofer Feld mitzuarbeiten." Und  auch die meisten, die mitgemacht haben, sind vom Verfahren angetan.

Doch natürlich  sind auch Zweifel laut geworden, vor allem Angst vor Kleinteiligkeit und wenig ausgereiften Ideen. Darum wird nun auch ersteinmal weitergesammelt. So können im Internet Vorschläge notiert werden.

Was mit der anwachsenden Ideensammlung dann geschehen, wie daraus am Ende der gesetzlich vorgeschriebene Entwicklungs- und Pflegeplan werden soll, auch über dieses Verfahren an sich, wird weiter mit den Berlinern diskutiert. Das ist ein mühsamer Weg, aber einer, der vorbildhaft für andere Projekt in der Stadt zeigen kann, dass das möglich ist: Die Bürger mitreden und auch entscheiden zu lassen.

Beitrag von Thorsten Gabriel

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