Das Tempelhofer Feld im Mai 2014 (Quelle: rbb online/ Manuel Tanner)

Kommentar - Es geht einfach weiter - und das ist wunderbar

Das Feld bleibt ein Feld. Die Berlinerinnen und Berliner haben gesprochen und dafür gesorgt, dass der Volksentscheid 100 Prozent Tempelhofer Feld Erfolg hatte. Das bedeutet: Auf dem ehemaligen Flughafen-Gelände wird kein Haus gebaut und keine Bibliothek errichtet. Ein Kommentar von Jan Menzel.

Es gibt einen klaren Gewinner: Das ist Berlin. Berlin behält sein grünes Herz. Tempelhof bleibt Wiesenmeer und, ach ja, davon geht die Welt nicht unter. Das muss man einfach mal sagen, nachdem im Wahlkampf vor dem Volksentscheid so viel von Schicksal, Richtungsentscheidung und Zukunftsfähigkeit die Rede war. Nein, es geht einfach weiter. Und das ist wunderbar.

Keine Stadt dieser Welt hat in ihrer Mitte so etwas wie wir mit dem Tempelhofer Feld. Das zu bewahren, ist alle mal besser als Veränderung um jeden Preis. So gut die Absichten des Senats auch waren, zum Beispiel günstigen Wohnraum zu schaffen.

Klaus Wowereit und Co müssen sich nun natürlich anhören, dass sie einen Denkzettel, eine Klatsche und sonst noch was verpasst bekommen haben. Meinetwegen, ich glaube, dass es den Leuten in der Wahlkabine um mehr ging. Um die Sache. Und die war einfach noch nicht reif.

Was in sechs Jahren sein wird, weiß niemand

Günstige Wohnungen braucht Berlin - klar-  aber das was der Senat als Plan und das Parlament als Gesetz vorlegt haben, war zu unkonkret. Beispiel Landesbibliothek: keine Kostenschätzung, dafür grässliche Architektenentwürfe - das war keine Werbung für ein 300 Millionen-Euro Projekt. Und dann die große, offene Frage: Was soll um Himmels willen mit dem riesigen alten Flughafengebäude passieren? Keine Antwort, nirgends.

Auch deshalb haben bei diesem Volkentscheid Skepsis und Misstrauen gesiegt. Auch gegenüber Verwaltungen und Politikern, die sich an Großprojekten versuchen. Der Volksentscheid hat all dem einen Riegel vorgeschoben und dennoch glaube ich nicht, dass in Tempelhof für alle Ewigkeit kein Grashalm gekrümmt wird.

Es ist gerade mal sechs Jahre her, dass Tempelhof als Flughafen endgültig dicht gemacht wurde. Nun haben die Berliner für das Feld so wie es ist, gestimmt. Was wieder in sechs Jahren sein wird, weiß niemand. Muss auch niemand wissen. Das kommt schon, und bis dahin gibt es Wiese, Wind und Weite für alle mitten in Berlin.

Das Tempelhofer Feld als Refugium und Zankapfel

Beitrag von Jan Menzel

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