Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am 12.09.2013 auf einer Pressekonferenz zur Planung künftiger Wohnbebauung am Tempelhofer Feld (Quelle: SPD)

Müller verteidigt Tempelhof-Pläne - "Das ist tatsächlich ein Eingriff"

Nur noch wenige Tage bleiben bis zum Volksentscheid zur Zukunft des Tempelhofer Feldes. Bausenator Michael Müller (SPD) hat sich nun in der Urania den Fragen der Bürger gestellt - und ist dabei auf weniger Widerstand gestoßen als erwartet. Von Tina Friedrich

Er war auf einen harten Schlagabtausch vorbereitet. Müllers Eröffnungsvortrag ist nicht etwa ein glühendes Plädoyer für Baugruben auf dem Tempelhofer Feld. Im Gegenteil: Sie müssten das gar nicht alles gut finden, umgarnt er gleich zu Beginn seine Kritiker. "Es ist richtig, ich rede da gar nicht herum, man kann nicht insgesamt 4.700 Wohnungen bauen, ohne dass man es merkt", sagt er. "Wenn man in dieser Größenordnung an den Rändern baut, dann ist das tatsächlich auch ein Eingriff."
Dann verspricht er, aus der Freifläche keinesfalls eine Parkanlage zu machen und mindestens die Hälfte der Wohnungen für sechs bis acht Euro kalt zu vermieten. Es bleibt das beherrschende Thema an diesem Abend.

Müller trifft auf Skepsis der Bürger

Die Menschen hören geduldig zu,  aber so recht trauen sie ihm nicht. "Mir kommt es nicht glaubwürdig vor, dass es hier tatsächlich um Wohnraum geht, wo doch die Hälfte von dem, was da ausgewiesen ist, gar kein Wohnraum ist, sondern Gewerbefläche, Industriefläche oder Mischfläche", sagt zum Beispiel Christoph Witt. Jan Rauhfuß sieht den Argwohn vieler Mitbürger in der Frage begründet: "Kann man davon ausgehen, dass zum Beispiel auch entlang der Oderstraße oder entlang der Autobahn, nicht private Gesellschaften Wohnungen für 13, 14 Euro anbieten. Dann gibt es nämlich meiner Meinung nach in der Summe zu wenig bezahlbaren Wohnraum am Tempelhofer Feld." Andreas Becher hält günstige Mieten überhaupt für unrealistisch. "Wann gehen wir endlich mal ehrlich an die Sache ran und erklären allen Leuten, was das Bauen wirklich kostet?"

Müller sagt oft "Sie haben Recht", argumentiert mit Mietsubventionierung und Absprachen mit den Wohnungsbaugesellschaften. Er nickt viel, auch wenn beim Zuhören seine Kiefermuskeln arbeiten. Immerhin: Kaum einer pöbelt, wer dazwischen ruft, wird sofort von den anderen ermahnt: "Lass ihn doch mal ausreden!"

Und dann bekommt Müller doch noch den stärksten Applaus des Abends - ausgerechnet als er am Ende noch einmal leidenschaftlich seinen Masterplan verteidigt. "Es ist völlig richtig und gerade zu die Pflicht von Politik und Verwaltung, Masterpläne vorzustellen. Und dann müssen wir uns darüber streiten und schaun, was wir davon für die Stadt umsetzen. Aber es kann nicht sein, dass einige ihre Einzelinteressen durchsetzen, nur weil sie am Wochenende kiten und surfen wollen - und wir nicht zu Wohnungen in dieser Stadt kommen."

Zwei Stunden dauert die Diskussion in der Urania - der Moderator bemüht den Vergleich vom Fußballmatch mit Verlängerung. Für Michael Müller ist es ein Heimspiel.

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