Sommerinterview mit Michael Müller (r.) und Boris Hermel (l.) (Foto: rbb/Karo Krämer)
Video: Abendschau | 13.07.2014 | Boris Hermel

Bausenator Müller im Sommerinterview über das Tempelhofer Feld - "Die Entscheidung hat mich schon getroffen"

Es bleibt sein ewiges Thema: Der Wohnungsneubau in Berlin beschäftigt Stadtentwicklungssenator Michael Müller, seit er im Amt ist. Dass er den gerne auf dem Tempelhofer Feld realisiert hätte, haben ihm die Berliner übel genommen. Leider, sagt Müller im Sommerinterview mit der rbb Abendschau, denn in der Stadt werde der Platz eng.

Müller steht an der Eberswalder Straße und stippt seine Pommes in Currysoße von Konnopke. Hier, an der belebtesten Ecke im Prenzlauer Berg, kosten Wohnungen so viel wie kaum anderswo in Berlin. Und er soll es ändern, der Stadtentwicklungssenator, der auch dafür zuständig ist, dass die Berliner ihre Wohnungen noch bezahlen können. Im Sommerinterview mit der rbb Abendschau ist Wohnen das bestimmende Thema: Wo soll gebaut werden? Wer kann sich das leisten? Bleiben noch genug Mietwohnungen übrig?

Neubau, und immer wieder Neubau

Müllers Antworten sind seit Monaten die gleichen. Die Hauptstadt wächst, der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen steigt. Mietregulierung ist das eine, sagt Müller. "Wir brauchen aber auch neue Angebote: zusätzliche Wohnungen, Verdichtung, Dachgeschossausbau in der Innenstadt.“ Müller sieht in der "ganzen Stadt“ Potenzial für den Wohnungsneubau – auch wenn die Stadt  innerhalb des S-Bahnrings kaum Grundstücke besäße.

Deshalb hätte er gerne die Ränder des Tempelhofer Felds bebaut. "Die Entscheidung, dass das Tempelhofer Feld zu 100 Prozent frei bleiben soll, hat mich schon getroffen,“ sagt Müller. Zumal das Feld in seinem Wahlkreis liegt. "Dabei hätten wir eine große Freifläche erhalten und trotzdem viele Wohnungen gebaut.“

Umwandlungsverbot kommt

Es sei außerdem wichtig, dass nicht alle Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, so der Stadtentwicklungsenator. "Ich bin sicher, dass das Umwandlungsverbot früher oder später kommt. Wer es sich leisten kann, sollte besser eine Neubauwohnung kaufen." Zusätzlich sei der Schutz der Mieter, die ausziehen sollen, weil ihre Wohnung zu einer Eigentumswohnung umgewandelt worden ist, erhöht worden: Seit vergangenem Jahr haben sie zehn Jahre Kündigungsschutz, drei Jahr mehr als bisher. Ob Müller die Umwandlungsverordnung noch in dieser Wahlperiode einführen kann, ist umstritten. Koalitionspartner CDU lehnt sie bisher kategorisch ab.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Die Berliner sind misstrauischer geworden, das gibt auch Müller zu. Während der Kampagne zum Tempelhofer Feld habe er gesehen, dass viele den großen Berliner Organisationen nicht mehr vertrauen. "Viele waren sich nicht sicher, kommt das, was wir versprechen?" Wie er dieser Glaubwürdigkeitskrise begegnen will, die Antwort bleibt Michael Müller schuldig.

Aktuelle Themen der Stadtentwicklungsverwaltung

  • Ende Juni hat Müller mit den Berliner Bezirken und einigen Wohnungsbauverbänden ein Neubaubündnis unterzeichnet. Das Ziel: bis 2025 jährlich 10.000 neue Wohnungen in Berlin zu bauen. Laut Vereinbarung sollen bei größeren Projekten mindestens ein Drittel zu Kaltmieten zwischen sechs und acht Euro zu haben sein.

  • Das Tempelhofer Feld liegt in Müllers Wahlkreis – er hat intensiv für seinen Masterplan zu dessen Bebauung geworben. Beim Volksentscheid am 25. Mai haben 64,3 Prozent der Berliner Wähler dagegen gestimmt. Damit ist auch ungeklärt, wo die neue Berliner Zentral- und Landesbibliothek gebaut werden soll – ein weiteres Projekt in Müllers Ressort.

  • Der Zentrale Omnibusbahnhof in Berlin Charlottenburg platzt aus allen Nähten. Für die Sanierung ist ebenfalls Müllers Senatsverwaltung zuständig – so wie auch für die Berliner U-Bahnen oder die Straßenbahnen.

  • Mehr als 1100 Brücken hat Berlin, viele davon marode. Ihre Sanierung ist eine unendliche Geschichte für den Stadtentwicklungssenator – in diesem Jahr werden nur die allerdringendsten Fälle angegangen, wie zum Beispiel die Freybrücke in Spandau.

Das Gespräch mit dem Stadtentwicklungssenator eröffnet die Sommerinterview-Reihe der Abendschau. Jeden Sonntag stellt sich ein Senatsmitglied den Fragen der Reporter. In der kommenden Woche: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Auf eine Currywurst mit Michael Müller

Auf eine Currywurst mit Michael Müller

Beitrag von Boris Hermel