Das Tempelhofer Feld in Berlin (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 26.05.2014 | Heike Bettermann | Bild: dpa

Nach dem Volksentscheid - Was wird aus dem Tempelhofer Feld?

Was bedeutet das Tempelhof-Votum für die Freifläche mitten in Berlin? rbb online fasst zusammen, was bislang bekannt ist.

Das Tempelhofer Feld bleibt also unbebaut. Nach dem Volksentscheid ist klar, dass auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens keine Wohnungen, keine Gewerberäume oder Bürotürme gebaut werden dürfen. Auch die Randflächen des Felds bleiben, wie sie sind. Doch stimmt das wirklich?

Michael Schneidewind von der Initiative "100% Tempelhofer Feld" zeigte sich im rbb überzeugt, dass das Feld "kurz- und mittelfristig auf jeden Fall so bleibt wie es ist". Die Weiterentwicklung soll in einem "partizipativen Verfahren" stattfinden.

Das Tempelhofer Feld im Mai 2014 (Quelle: rbb online/ Manuel Tanner)
Die "Allmende-Gärten" auf dem Tempelhofer Feld bleiben.

"Zentraler Wiesenbereich" besonders geschützt

Der Berliner Senat hatte der Bürgerinitiative wiederholt vorgeworfen, für Stillstand in der Stadtentwicklungspolitik zu sorgen. Doch auch der THF-Gesetzentwurf gibt einen gewissen Raum für mögliche Entwicklungen. Denn neben dem öffentlichen Zugang des Felds für alle und der Erhaltung der Flora und Fauna waren bestimmte "Entwicklungsmaßnahmen für Sport und Erholung" ein weiteres Ziel der Initiative.

Doch diese Maßnahmen sind in der Regel nur am Rand möglich. Das THF-Gesetz unterscheidet auf dem Feld zwischen dem "äußeren Wiesenring" und einem streng geschützten "zentralen Wiesenbereich", der innerhalb des Taxiways liegt. Der Taxiway und die Start-­ und Landebahnen im "zentralen Wiesenbereich" stehen unter Schutz. Deshalb ist "eine Inanspruchnahme von Wiesenflächen nur im Äußeren Wiesenring möglich", heißt es im Gesetzentwurf.

Bäume, Toiletten und mobile Gastronomie

Solche Maßnahmen auf dem "äußeren Wiesenring" sind ungedeckte Sportflächen wie Bolzplätze, "mobile" Möbelierungen wie Bänke, Tische und Liegen sowie Abfalleimer. Ebenfalls erlaubt sind Sanitäranlagen und "fliegende Bauten" wie Veranstaltungszelte. Auch die Bepflanzung mit Bäumen schließt der Gesetzentwurf nicht aus - sie dürfen nur nicht als Baumgruppen gepflanzt werden, sondern einzeln stehend. Und sie bedürfen einer Genehmigung.

Auch Gastronomie ist auf dem gesamten Areal ausdrücklich erlaubt. Zwar soll das Feld grundsätzlich kein Standort für den Einzelhandel sein, aber es dürfen zukünftig "vorhandene Gebäude, fliegende Bauten oder einfache genehmigungsfreie Lösungen wie Lastenfahrräder für den Verkauf von Lebensmitteln oder für gastronomische Zwecke genutzt werden", wie es im Gesetzestext heißt.

Entwicklungsmöglichkeiten nach dem THF-Gesetzentwurf

Grundsätzlich erlaubt...
ohne Genehmigung
mit Genehmigung*
Bepflanzung mit kleineren (Obst-)Bäumen X  
Bepflanzung mit größeren Bäumen   X
Ungedeckte Sportplätze und -flächen
  X
Mobile Möbelierung (Parkbänke, Tische, Papierkörbe)
X  
Öffentliche WC-Anlagen (eventuell Duschen)   X
Hinweisschilder und Wegbeleuchtungen
  X
Fliegende Bauten (z.B. Eventzelte, Buden)
  X
Einsatz von Fahrzeugen zur Bewirtschaftung des Feldes X
 
Gemeinschaftsgärten ("Allmende")   X

* Genehmigungen werden von der Oberen Naturschutzbehörde des Landes Berlin erteilt

Die auf Neuköllner Seite bereits angelegten "Allmende-Gärten" bleiben. Die Gemeinschaftsgärten im "äußeren Wiesenring" dürfen laut THF-Gesetzentwurf nicht eingezäunt oder mit Hecken umstellt werden.

Auch die Erweiterung des muslimischen Friedhofs am Columbiadamm ist im THF-Gesetz berücksichtigt. Dieser darf grundsätzlich erweitert werden, "sofern der Friedhof vom Feld aus frei zugänglich ist."

Was wird aus der Bürgerinitiative?

Trotz des Votums für "100 Prozent" ist noch fraglich, wer sich in Zukunft um das Tempelhofer Feld "kümmern" wird. Wie Michael Schneidewind im rbb-Interview sagte, ist noch nicht klar, wie es mit der Bürgerinitiative weitergeht. "Das ist meiner Ansicht nach völlig offen. Es gibt sicherlich Argumente dafür, dass wir weiterarbeiten, aber es gibt sicherlich auch andere Argumente", sagte Schneidewind dem rbb.

Bewirtschaften muss das Feld weiterhin das Land Berlin, in dessen Eigentum es sich befindet. Doch nach der Niederlage des Senats mit seinen Bebauungsplänen muss sich erst noch zeigen, wie weit er sich am Feld engagieren will.

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