Blick auf die Hochhaussiedlung im Berliner Stadtteil Staaken. (Quelle: imago/Schöning)
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Mietentwicklung in Spandau-Staaken - Am Stadtrand klafft die Schere weit auseinander

Nicht nur in den Berliner Innenstadtbezirken, auch am Stadtrand steigen die Mieten - so zum Beispiel ganz im Westen, in Staaken. Lange Zeit fanden hier Geringverdiener günstige Wohnungen. Doch das ändert sich - die Einkommen aber bleiben dieselben. Von Sylvia Tiegs

Berlins Wohnungsmarkt hat sich in den letzten zehn Jahren rasant verändert. Auch im Bezirk Spandau ist das deutlich zu spüren: Nirgendwo ist die Schere zwischen Einkommen und Mieten so weit auseinandergegangen wie hier, so das Ergebnis einer umfangreichen Datenrecherche des rbb zum Berliner Mietenmarkt. Denn in Spandau gibt es zwar einerseits viel Grün, die Altstadt und idyllische Einfamilienhäuser, aber auch Hochhausviertel mit günstigen Wohnungen. Letztere sind für Geringverdiener seit vielen Jahren eine Alternative zur teuren Innenstadt.

Spandaus Sozialstadtrat Frank Bewig (CDU) (Quelle: rbb/Sylvia Tiegs)
Die Zuzüge von Geringerdienern haben stark abgenommen, sagt Spandaus Sozialstadtrat Frank Bewig. | Bild: rbb/Sylvia Tiegs

Zum Beispiel der Ortsteil Staaken: Von hier aus ist es nur noch ein Stück die Heerstraße westwärts, dann ist man im Havelland. Stadtrand also - und viele Hochhäuser. Wer kein Problem damit hat, findet aktuell Wohnungsangebote für sechs Euro pro Quadratmeter. Tausende Berliner sind genau deshalb jahrelang hierhergezogen, sagt Spandaus Sozialstadtrat Frank Bewig (CDU). "Wir haben verlässliche Zahlen vom Jobcenter, die noch vor acht, neun Jahren knapp 1.000 Zuzüge nach Spandau auswiesen. Das hat jetzt massiv abgenommen." Trotzdem würden aktuell immer noch pro Jahr 300 bis 400 Leistungsempfänger aus dem Stadtgebiet nach Spandau ziehen, so Bewig.

Ausziehen - aber wohin?

Der Zuzug von Geringverdienern hält also nach wie vor an - nicht unbedingt zur Freude der Alteingesessenen. Zum Beispiel eine sichtlich gut situierte Rentnerin, die in Staaken aufgewachsen ist und die hier ein Eigenheim besitzt. Die Mischung stimme nicht mehr, sagt sie, seit die Menschen, die aus Mitte verdrängt wurden, nach Staaken gezogen seien. "Und dann auch so viele Russen und diese Roma."

Sozialstadtrat Bewig sieht ein ganz anderes Problem: Die Spandauer selbst fänden nun kaum mehr günstige Wohnungen, es werden immer weniger. So berichtet ein Ehepaar auf der Straße, sie bezahlten im Hochhaus 812 Euro für 76 Quadratmeter. Billig ist das nicht, und der Vermieter lasse trotzdem das Haus verkommen, klagt der Mann. Dennoch werde automatisch immer die Miete erhöht. "Wenn es noch höher wird, dann werde ich wahrscheinlich ausziehen."

Tom Liebelt, Sozialarbeiter beim Gemeinwesenverein Heerstraße Nord in Berlin-Spandau. (Quelle: rbb/Sylvia Tiegs)
Sozialarbeiter Tom Liebelt will Mieter und Vermieter zusammenbringen. | Bild: rbb/Sylvia Tiegs

Die Mieten steigen viel stärker als die Einkommen

Ausziehen? Seine Frau macht große Augen. "Aber wohin, das ist alles noch teurer", meint sie. "Die verlangen von vornherein 1.000 Euro oder 1.200 – das können wir uns alles gar nicht leisten."

Resignation also in Spandau? Tom Liebelt stemmt sich dagegen, er ist Sozialarbeiter beim Gemeinwesenverein Heerstraße Nord. Hinter der großen Mieten-Entwicklung steckten riesige Prozesse, sagt Liebelt. "Das wird man nicht im Kleinen ändern können." Aber man könne die Kommunikation darüber fördern: "Dass es überhaupt Treffen gibt zwischen Vermietern und Mietern, dass sich Mieter treffen und sich über ihre Ängste austauschen und fragen, was wollen wir eigentlich", hofft Liebelt.

Aber bezahlbare Mieten kann man sich nicht herbeiwünschen: Die Haushaltseinkommen in Spandau sind in den letzten zehn Jahren im Schnitt um sechs Prozent gestiegen. Die angebotenen Mieten dagegen um 36 Prozent.

 

Beitrag von Sylvia Tiegs

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