Ein Verkehrsstau in der Nähe des S-Bahnhofs Berlin Ostkreuz (Quelle: imago/Thomas Trutschel)
Video: rbb aktuell | 10.01.2017 | André Kartschall | Bild: imago/Thomas Trutschel

rbb|24-Datenauswertung - Amtliche Berliner Stickoxid-Werte auch 2017 zu hoch

Die NO2-Belastung lag in Berlin 2017 erneut stellenweise über dem gesetzlichen Grenzwert. Das zeigen vorläufige Messdaten des Landes, die rbb|24 vorab ausgewertet hat. Nur am Hardenbergplatz konnte der Senat einen klaren Rückgang verbuchen. Von Dominik Wurnig

Die Stickstoffdioxid-Werte an vielbefahrenen Berliner Straßen lagen im Jahr 2017 erneut teilweise deutlich über dem zulässigen Grenzwert. Das zeigen von rbb|24 vorab ausgewertete Jahreswerte der sechzehn Standorte des offiziellen Berliner BLUME-Messnetzes. Die Daten gelten allerdings noch als vorläufig, weil vereinzelt noch Werte geprüft werden.

Vor dem Neuköllner Rathaus ist die Luft am schmutzigsten

Die schlechteste Berliner Luft wurde im Jahr 2017 vor dem Neuköllner Rathaus in der Karl-Marx-Straße gemessen. Mit 49,4 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³) lag der Jahresmittelwert hier rund zwanzig Prozent höher als erlaubt. Der EU-weit gültige Grenzwert liegt bei 40 µg/m³. Auch an der Silbersteinstraße (49 µg/m³) in Neukölln, dem Mariendorfer Damm (47 µg/m³) in Tempelhof-Schöneberg und an der Schildhornstraße (45 µg/m³) in Steglitz-Zehlendorf lagen die Zahlen deutlich über dem Grenzwert. An der Frankfurter Allee (41 µg/m³) in Friedrichshain-Kreuzberg wurde der Grenzwert knapp überschritten.

Damit sind die NO2-Werte an diesen fünf Standorten nur minimal besser als im Vorjahr. Einzig am Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoo, wo sich einer der größten Busbahnhöfe der Stadt befindet, ist der Wert recht deutlich gesunken: Von 51 Mikrogramm im Vorjahr auf nun 45 Mikrogramm. Dies lässt sich möglicherweise auf eine Initiative von Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos) zurückführen. Sie hatte sich bei der BVG dafür eingesetzt, dass am Hardenbergplatz mehr Busse eingesetzt werden, die mit SCR-Filtern nachgerüstet wurden. Diese Filter können einen Großteil der Stickoxide herausfiltern. 

Der Berliner Senat will zudem Elektro-Taxis fördern und prüft, weitere Tempo-30-Zonen einzurichten, um die NO2-Belastung zu senken. Doch ob das ausreicht, um Fahrverbote zu vermeiden, ist fraglich.

#abgasalarm-Messreihe lieferte weit höhere Werte

Die #abgasalarm-Messreihe von TU Berlin und rbb|24 hatte kürzlich gezeigt, dass die NO2-Werte an vielen Standorten in Berlin noch deutlich höher liegen als zuvor bekannt. An zehn vielbefahrenen Straßen, an denen der Senat nicht misst, hatte rbb|24 Werte von über 60 Mikrogramm gemessen - am Görlitzer Bahnhof sogar 77 Mikrogramm.

Dabei hatte rbb|24 rund einen Monat lang gemessen, es handelt sich also nicht um Jahresmittelwerte. Ein Abgleich von Monatswerten mit Jahreswerten der Vergangenheit zeigt jedoch: Im Schnitt wichen die Werte im Messzeitraum, den rbb|24 gewählt hat, nur um rund sechs Prozent von den Jahreswerten ab.

Weil die NO2-Werte in Berlin flächendeckend überschritten werden, hat die Deutsche Umwelthilfe Klage gegen die Berliner Verwaltung erhoben. Die Organisation fordert ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge, um die Belastung unter den Grenzwert zu bringen. Diesel-Autos sind in Städten die Hauptquelle für das Reizgas, das in hohen Konzentrationen insbesondere bei Lungenkranken, Kindern und Senioren die Lunge und das Herz-Kreislaufsystem schädigen kann. Am Mittwoch will die Organisation eine bundesweite Mitmach-Aktion für "Saubere Luft" starten, bei der auch Berliner Bürger dazu aufgerufen werden, Stickoxid-Werte zu messen.

Potsdam hatte durchgegriffen - mit Erfolg

In Brandenburg hat sich die NO2-Belastung im Vergleich zum Vorjahr deutlich verringert.
Erstmals liegen auch die beiden Potsdamer Messstellen für Stickstoffdioxid im Jahresmittel unter dem Grenzwert. Sowohl in der Zeppelinstraße als auch in der Großbeerenstraße ergeben sich nun Werte von jeweils 34 Mikrogramm.

Die Stadt Potsdam hatte mit einer umstrittenen Reduzierung der Fahrspuren und mit Tempolimits auf die überhöhten Werte reagiert. Im Vorjahr waren noch Werte von 43 und genau 40 Mikrogramm gemessen worden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.01.2018, 10:00 Uhr