Infografik: Stickstoffdioxid - Die 5 höchsten Standorte (Quelle: rbb|24/Martina Springmann)
Bild: rbb|24/Martina Springmann

Antworten auf kritische Einwände - Das sind die Hauptkritikpunkte an den #abgasalarm-Messungen

Hunderte Zuschriften haben wir zur #abgasalarm-Messreihe von rbb|24 und TU Berlin erhalten. Darunter viel Lob, etliche Nachfragen, aber auch Kritik. Hier antworten wir auf die beiden am häufigsten vorgebrachten Einwände.

Kritikpunkt 1: 40 Mikrogramm Stickoxid sind ein Jahresgrenzwert, rbb|24 und TU Berlin haben aber nur einen Monat lang gemessen. Die #abgasalarm-Werte und die vom Senat gemessenen Werte sind daher nicht miteinander vergleichbar.

Dieses Argument kam von vielen Nutzern - und auch von Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos). In der rbb-Abendschau sagte sie: "Hier wurde ein Vier-Wochen-Zyklus genommen, während wir den Jahresdurchschnitt messen. Deshalb kommt man zu teilweise unterschiedlichen Werten."

Richtig ist, dass meteorologische Einflussfaktoren die Stickoxid-Messwerte schwanken lassen. An Tagen, an denen es viel regnet oder viel Wind weht, wird mehr Stickoxid aus der Luft ausgewaschen oder von den Straßen geblasen, die Werte sind dann niedriger als an windstillen, trockenen Tagen.

Dennoch haben die von der TU Berlin zwischen dem 24. Oktober und dem 26. November 2017 erhobenen Monatswerte eine hohe Aussagekraft – so verregnet ist der Berliner Herbst nämlich gar nicht. Das zeigt ein Abgleich mit dem vom Senat erhobenen Passivsammlerdaten. An den sechs verkehrsnahen Messstellen des Senats wichen in den Jahren 2014, 2015 und 2016 die Monatswerte in unserem Messzeitraum 24.10.-26.11. im Schnitt nur 5,6 Prozent von den Jahreswerten ab. Rund die Hälfte der Monatswerte war dabei leicht höher als im Jahresschnitt, die andere Hälfte leicht niedriger als im Jahresschnitt.

Quelle: Dem rbb vorliegende Daten zu den RUBIS-Messstellen Hardenbergplatz, Schildhornstraße, Mariendorfer Damm, Silbersteinstraße, Frankfurter Allee und Karl-Marx-Straße.

Kritikpunkt 2: Der Außenluft-Grenzwert ist viel zu niedrig angesetzt. Am Arbeitsplatz ist ein Vielfaches an Stickoxid-Belastung erlaubt.

Ein Argument, dass von einigen Nutzern in den Kommentaren unter unseren Beiträgen und auf Facebook vorgebracht wurde. Richtig ist, dass an Arbeitsplätzen eine Stickoxid-Belastung von bis zu 950 Mikrogramm erlaubt ist, während der Grenzwert für Außenluft bei 40 Mikrogramm im Jahresmittel liegt. Ein direkter Vergleich der beiden Werte führt jedoch in die Irre. Denn der Arbeitsplatzgrenzwert gilt nur für gesunde Industriearbeiter wie etwa Schweißer und für Handwerker, die dieser hohen Belastung nur für maximal 40 Stunden pro Woche ausgesetzt sein dürfen. Für Büroarbeitsplätze liegt der Höchstwert bei 60 Mikrogramm.

Der Außenluftwert ist hingegen ein Jahresmittelwert, der für alle Menschen rund um die Uhr gilt - also auch für Kinder, Schwangere, Senioren und chronisch Kranke, die  wesentlich sensibler auf Stickoxid reagieren. Pro Stunde ist zudem auch in der Außenluft eine Höchstbelastung von bis zu 200 Mikrogramm erlaubt - ein Wert, der zu Hauptverkehrszeiten in Berlin auch hin und wieder überschritten wird.

Der Grenzwert von 40 Mikrogramm steht im Einklang mit Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er wurde aus toxikologischen und epidemiologischen Langzeitstudien abgeleitet, die insbesondere für die Risikogruppen ein vermehrtes Auftreten von Lungen – und Herz-Kreislauferkrankungen aufgezeigt haben.

Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit diesem Thema haben die Kollegen des ARD-Faktenfinders vorgenommen.

Quellen: Umweltbundesamt, Unterschied zwischen Außenluft- und Arbeitsplatzgrenzwert,S Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr: Jahresübersicht der Luftqualität 2014

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

3 Kommentare

  1. 3.

    Warum wird die "Grüne Plakette" nicht schon ab dem Ortseingangsschild Berlin verlangt?
    Und wann werden die Fahrzeug-Parks der BVG, BSR und der Polizei u.s.w. modernisiert?

  2. 2.

    RBB, macht bitte bitte bitte weiter mit diesem Gedönse! So haben wir wenigstens eine minimale Chance, dass sich etwasändert.

  3. 1.

    RBB, lassen sie doch endlich dieses Gedönse. Passiert ja doch nichts, denn die Politik verdient an der Autoindustrie ganz gut.

Das könnte Sie auch interessieren

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller beim SPD-Bundesparteitag im Dezember 2017 (Quelle: imago/Popow)
imago stock&people/Popow

SPD-Mitgliedervotum gestartet - Müller wirbt für Ja zur GroKo

Seit Dienstag können 464.000 SPD-Mitglieder über eine mögliche Große Koalition abstimmen. Berlins Landesvorsitzender Müller ist dafür. Im rbb sagte er, die SPD solle nicht vor der Verantwortung weglaufen. Am Abend kommt Juso-Chef Kühnert nach Berlin.