Messgeräte zur Feststellung der Luftqualität sind auf dem Dach einer Luftmessstation an einer Straße im Berliner Bezirk Steglitz (Quelle:dpa)
Audio: Inforadio | 17.06.2019 | Elisabeth Müller-Timm | Bild: dpa

Grenzwert überschritten - Berlin ist wegen hoher Stickoxid-Werte jetzt "Intensivstadt"

59 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter wurden 2018 an der Leipziger Straße gemessen - erlaubt sind 40. Mit diesem Negativ-Spitzenwert reiht sich Berlin in die Riege der Städte ein, die wegen besonders schmutziger Luft finanzielle Hilfen bekommen.

In 57 deutschen Städten ist die Luft im vergangenen Jahr zu stark mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid (NO2) belastet gewesen. Das zeigt eine Auswertung des Umweltbundesamt (Uba). Das waren zwar acht Städte weniger als im Vorjahr - in 15 Städten lagen die Werte allerdings besonders hoch, darunter auch in Berlin. Damit gilt die Hauptstadt jetzt auch als "Intensivstadt", für die es besondere Hilfen gibt.

In Berlin wurde an der Leipziger Straße ein maximaler Jahresmittelwert von 59 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) gemessen. In 2017 lag der höchste Berliner Wert an der Karl-Marx-Straße noch bei 49 µg/m³. Der EU-Grenzwert für Stickoxid ist 40 Mikrogramm im Jahresmittel.

Der höchste Wert, der an einer Brandenburger Messstation gemessen wurde, war 36 µg/m³ an der Potsdamer Zeppelinstraße. [alle Einzelwerte im PDF, uba.de]

Anmerkung zum Punkt "Art der Station": Bund und Länder unterhalten Messstationen an verschiedenen Orten. Einige Messstellen stehen an verkehrsnahen Orten, also in Straßen nah an den Fahrspuren. Andere befinden sich aber auch abseits, in Berlin beispielsweise im Grunewald. Hier wird eine Grundbelastung ermittelt.

UBA: Schnelle Nachrüstung von Diesel nötig

Die höchste Belastung im Jahr 2018 hatte Stuttgart mit 71 Mikrogramm vor Darmstadt mit 67 und München mit 66 Mikrogramm. Nach Kiel auf dem vierten Platz (60 Mikrogramm) folgen Berlin und Köln mit einem Wert von je 59 Mikrogramm.

Im Mittel lagen die Jahresmittelwerte an verkehrsnahen Messstationen zwar rund 1,5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft unter denen des Jahres 2017, hieß es vom Uba. Der Trend gehe in die richtige Richtung - aber die bisherigen Maßnahmen für saubere Luft reichten nicht aus, teilte Uba-Präsidentin Maria Krautzberger am Montag mit. Nötig sei eine schnelle Nachrüstung älterer Dieselautos mit wirksamen Katalysatoren, um den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel überall einzuhalten. NO2 in Städten stammt zu einem großen Teil aus Diesel-Abgasen.

Fahrverbote und Tempolimits

Überhöhte NO2-Werte sind der Grund für Fahrverbote für ältere Diesel in Stuttgart, Hamburg und Darmstadt. Andere Städte - etwa Berlin - könnten folgen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte die Einschränkungen vor Gericht erzwungen, es laufen noch Verfahren. Berlin experimentiert derzeit noch mit Tempolimits.

Die Stickoxide entstehen als unerwünschte Nebenprodukte bei Verbrennungsprozessen, vor allem in Automotoren. Laut Umweltbundesamt ist die Belastung in Ballungsgebieten daher am höchsten. Sie schädigen Pflanzen und können vor allem für Asthmatiker problematisch werden. Umweltschützer verweisen außerdem auf Gefahren durch Herzkreislauferkrankungen.

Die Europäische Union hat Deutschland und fünf andere Staaten vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt, weil die Grenzwerte nicht eingehalten werden.

Inforadio: 17.06.2019, 9 Uhr

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54 Kommentare

  1. 54.

    Doch. Wer sich verbindlich vermeidend und nachhaltig verhält, darf auf Diesel schimpfen und mit Bussen fahren. Wär ja noch schöner. Der Großteil der Bürger tut so, als wenn alles im Lot wäre und macht weiter wie bisher und die, die sich schon immer zurücknehmen, sollen dann auf noch mehr verzichten? Quatsch. Gerade wenn man so positioniert ist, hat man auch das Recht Veränderungen zu fordern. Das tue ich hiermit auch. Und ich habe sogar ein Auto, das von 6 Familienmitgliedern genutzt wird und auch oft in der Garage steht. Und ein Fahrrad. Und wenn alle so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig Auto fahren, Lebensmittel kaufen, allgemein konsumieren würden, wäre Berlin wieder ein viel ruhigerer, besserer Ort mit Lebensqualität und Luft zum Atmen. Und wäre ganz schnell keine „Intensivstadt“ mehr. Auf alles verzichten muss keiner. Das ist doch eine völlig überzogene Forderung.

  2. 53.

    Unsinn. Weil ich seit Jahren auf sehr viel verzichte und versuche so umweltbewußt zu leben, wie es irgendwie geht, bin ich schon ziemlich weit vorne :-) Natürlich darf ich mit Diesel-Bussen fahren und fordern, dass Diesel-Autos reduziert werden. Wer einen Mißstand anprangert, muss dann sofort nur noch Beeren vom Strauch essen und laufen? Das ist doch albern^^

  3. 52.

    Weil wir in einer freien Welt leben und nicht im Kommunismus oder Sozialismus.
    Übrigens ist der Garten kein Privat- sondern Insekten- Igel- und Vogelparadies.
    Und mit der Arbeit für die Natur kann man sich den Sozialneid von Leuten wie Ihnen auch gerne verdienen. Denn meinen monetären Einsatz gibt mit keiner zurück, doch: Fauna und Flora - aber der ist unbezahlbar.
    Aber meckern, neiden und anderen nichts gönnen lässt auf ihre Unzufriedenheit schließen, Herr Tetzlaff.

  4. 51.

    Dann sollten Sie die Dieselbusse meiden und aufs Fahrrad umsteigen.
    Ich darf nicht auf Diesel etc schimpfen und dann mit solcher mitfahren, das ist inkonsequent.

  5. 49.

    Ich schrieb deshalb ja auch Kultursteppe. Der Mensch hatvdue geschaffen. Der Euskeller ist deshalb von extremen Temperatugegensetzen geprägt. Es heizt such schnell auf und kühlt schnelk wieder aus. Gleiches gilt auch für Kleingärten oder das Tempelhofer Feld.

  6. 48.

    Natürlich :-) Und das aus Überzeugung schon wesentlich länger, als es die Diskussionen hier gibt!^^

  7. 45.

    Was ist das für ein Quatsch? Wenn ich meinen Naturgarten, der nur heimische Pflanzen und Bäume beherbergt, der Öffentlichkeit zugänglich machen würde - würde sich bitte was ändern?
    Er würde totgetrampelt, als Grillplatz oder Partylocation herhalten usw. - neee danke.
    Kleingärten sind keine Kultursteppen - dann sollten Sie sich besser informieren und nicht solche unsubstantiierten Argumente ins Feld führen.

  8. 44.

    Als "grüne Lunge" würden Kleingärten nur taugen, wenn man die der Allgemeinheit zugänglich machen und vor allem Bäume als CO2-Senke pflanzen würde.

    Solche Kultursteppen heizen sich extrem schnell auf. Der Eiskeller ist im Hochsommmer einer der wärmsten Orte Berlins und auch die Wetterstation Tempelhof registrierte im vergangenen Sommer mit die höchsten Temperaturen.

  9. 43.

    Und wer weder mit dem Flugzeug verreist, noch Kreuzfahrten macht, noch Lieferdienste beansprucht und kein eigenes Auto hat...der darf dann Diesel und Benziner doof finden?^^

  10. 42.

    Aber Kreuzfahrten und Flugreisen unternehmen und online bestellen, sich die Lebensmittel liefern zu lassen ect.
    Abgesehen davon, dass dank der Senatssparpolitik und der desolten DB-Struktur der ÖPNV nicht wirklich mehr Fahrgäste verträgt, ist dank der enorm fortschreitenden Flächenversiegelung, Abholzung und Entfernung von Grünflächen und dem wahnsinnigen Zuwachs von Lieferverkehren und Baustellen erst die Verschlechterung der Luftwerte angestiegen.
    Wie viele Baumaschinen stehen mit laufenden Motoren sinnlos herum? Die Fahrgastschiffe ohne Abgasfilter tuckern durch die Wasserflächen, durch das Regierungsviertel - wieviel Bäume und Pflanzen stehen dort bitte? Ich sehe keine mehr.
    Es wird polemisiert ohne echte Daten zu liefern - also bitte nicht pauschal nur auf die städtischen KFZ-Nutzer prügeln. Obgleich mich ärgert, dass sehr viele im Stand den Motor laufen lassen ohne sich über die Folgen bewusst zu sein.

  11. 41.

    Sie haben gerade dem Gericht Fehler beim Prozess der DUH gegen die Stadt unterstellt "Es gibt gemessene Daten für die Jahre 2007-2017. Die höchsten Jahresmittelwerte
    wurden an der Leipziger Straße und an der Buschkrugallee gemessen." findet man im Urteil in der Beschreibung des Tatbestandes.

  12. 40.

    Tägliche Beobachtungen und Erlebnisse im "normalen" Ablauf: im Stau, auf zugeparkten Busspuren uvm. Das bremst z.b. Busse durch privaten Pkw-Verkehr aus. Ist doch ganz einfach, noch nie bemerkt??^^

  13. 39.

    Als "grüne Lungen" werden Wald- und Parkanlagen mit vielen Bäumen bezeichnet, die einen besonderen Erholungswert für die Allgemeinheit haben. Diese trifft auf keine Klein*garten*anlage zu.

    Durch das Beharren auf den eigenen Garten, der nicht für die Allgemeinheit zugänglich ist, muss die Stadt in die Fläche wachsen. Dadurch werden die Wege länger und die Emissionen der Pendler grösser. Im Sinne dieses Artikels ist das kontraproduktiv.

    Als CO2-Senke taugen die auch nichts. Die meisten Pflanzen wachsen dort nur kurze Zeit und werden dann wieder dem Kreislauf zugeführt. In Wälder entziehen die Bäume mit ihren Stämmen, Ästen und Wurzeln über einen langen Zeitraum diesem Kreislauf das CO2. Selbst die Böden können dann mehr CO2 speichern.

    Übrigens ist es in steppenartigen Gebieten wie dem Eiskeller im Hochsommer heißer wie in einer bewaldeten Umgebung. "Die Daten sind typisch für die klassischen SchrebergärtenGegenden." schrieb dazu bereits 2003 der Tagesspiegel.

  14. 38.

    Die aktuellen Durchschnittsgeschwindigkeiten der Radfahrer, Busse ubd Strassenbahneb sind in der Tat ähnlich und liegen bei etwas unter 20km/h. Die Fahrprofile unterscheiden sich aber erheblich.

    Der Radfahrer fährt mit eher konstanter Geschwindigkeit ohne Halt, ist aber mit einem Pedelec deutlich schneller.

    Der Bus muss häufiger halten, egal ob rote Ampel oder für den Fahrgastwechsel. Die Zeiten für den Wechsel können aber stark schwanken. Manchmal steigen nur wenige Personen ein oder aus, dann steht plötzlich eine Touristenhorde vor der Tür, die sich nicht automatisch schließt und manchmal muss die Rampe für einen Rollstuhlfahrer ausgeklappt werden. Regelmässigen Fahrgästen ist das alles wohlbekannt und die M29/M41-Rudel legendär.

    Um den ÖPNV schneller und damit attraktiver zu machen, bedarf es deshalb mehr freier Busspuren und intelligenter Vorrangschaltungen anstelle einer starren grünen Welle. Tram und Bus können sich zudem die Spur teilen.

  15. 37.

    PS: Übrigens ergeben die Stickstoffwerte jetzt Anschluss an Fördertöpfe vom Bund für Berlin. Na sowas, dann kann man ja ruhig die ganzen Kleingartenkolonien als grüne Lunge zubauen lassen, wirkt sich doch positiv für den Senat aus.

  16. 36.

    Frau Pop und Frau Günther freuten sich sicherlich gewaltig über die Vorleistungen ihrer Vorgänger für den Schattenhaushalt zur Beschaffung neue BVG-Bahnen. Leider geht es trotzdem nur sehr langsam voran. Wie schon unter RR gibt es derzeit wieder immer neue Stuhlkreise zur Zukunft der S-Bahn. Anstelle zunächst die Mängel der eigenen App und des Fahrgastdeinformationssystems an Haltestellen und Bahnhöfen zu beheben, arbeitet die Mannschaft von Frau Nikutta lieber an Alternativen zum ÖPNV in gut erschlossenen Gebieten

  17. 35.

    Paris möchte auch die Verbrenner aus der Stadt verdrängen. Im Gegensatz zu Frau Günther arbeiten die aber an Alternativen zum PKW. Die Dame mit dem Dienstwagen streicht stattdessen sogar die grünen Straßenbahnpläne zusammen. Und Frau Pop jettete zwar wegen der E-Busse gerne nach China, ignoriert dann aber die dort und in deutschen Millionenstädten gemachten Erfahrungen.

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