creens auf der re:publica internet Konferenz 17 bei der Rede von Christoph Kucklick (Quelle: imago/IPON)
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Kommentar zur re:publica 2017 - Drei Tage Selbstvergewisserung in der digitalen Blase

Von Social Bots bis zu vernetzten Sextoys - die re:publica 2017 hat ihre Besucher mit einer Unmenge an Angeboten und Themen herausgefordert. Doch ist die Digitalkonferenz ihrem eigenen politischen Anspruch gerecht geworden? Von Martin Adam

Kämpferisch wollte sie sein, die re:publica 2017, und kämpferisch ging es auch los: "Fuck yeah, wir dürfen das Internet nicht den Arschlöchern überlassen", sagte re:publica-Gründerin Tanja Häusler zum Auftakt. Und: "Es ist unsere digitale Gesellschaft. Wir müssen sie gestalten", das Credo von re:publica-Vater Markus Beckedahl. Drei Tage und über 500 Veranstaltungen später ist von "Kampfeslust" jedoch kaum noch etwas zu spüren.

Zwar hat Sascha Lobo bei seinem vielbeachteten Auftritt eine Strategie zum Umgang mit Hatern und Hetzern entworfen - eine Zangentaktik aus geduldigem Verständnis und klarer, demokratischer Kante. Die US-Sprecherin Lisa Ling hielt ein flammendes Plädoyer gegen den Einsatz von Kampfdrohnen. In etlichen Vorträgen wurde zur kritischen Beobachtung von Gesetzen aufgerufen, die geeignet sind, Netzneutralität, Datenschutz und Redefreiheit zu verletzen.

Die schiere Masse an Angeboten überfordert

Und natürlich - Liebe war ja das Motto - wurde immer wieder zu Recht darauf hingewiesen, dass jeder Einzelne dafür verantwortlich ist, für die Gleichberechtigung von Geschlechtern und Sexualitäten zu sorgen. Aber: All das ging unter in der schieren Masse an Angeboten.

Erneut hat die Digitalkonferenz ihre bisherigen Größenrekorde gebrochen. Viele Besucher ließ das überwältigt zurück, gehetzt, stets auf dem Sprung in den nächsten Talk, mit dem Smartphone in der Hand und damit beschäftigt, den bestmöglichen Weg durch den Input-Dschungel zu finden. Eben noch Social Bots, dann vernetzte Sextoys, danach kurz streiten über Netzpolitik mit Thomas de Maizière - ein paar Tweets, dann weiter zum nächsten Termin.

Kühles Bier und alte Bekannte

Das ist gewollt. Die re:publica will eine Gesellschaftskonferenz sein und Vielfalt abbilden. Man kann sich wunderbar treiben lassen, viel lernen, etliche neue und vor allem alte Bekannte treffen. Es gibt kühles Bier vom Sponsor und Judith Holofernes singt dazu.

Am Ende fahren knapp 10.000 re:publicaner zurück nach Hause, mit dem wohligen Gefühl sich drei Tage in der republica-Blase ihrer selbst vergewissert zu haben. Das ist schön - aber mit Gestalten oder gar Kämpfen hat es wenig zu tun.

Beitrag von Martin Adam

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