Berliner Mauer, Gebäude, außen, Außenansicht (Quelle: Imago/Rüttimann)
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Kommentar | René Althammer - Der Ostdeutsche als immerwährendes Opfer?

Ostdeutsche als Bürger zweiter Klasse, damit macht Thüringens Ministerpräsident Ramelow ebenso Politik wie der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Hirte. Gelten für Ostdeutsche tatsächlich andere Gesetze? Dabei geht es um etwas ganz anderes, meint René Althammer.

Der Ossi als Bürger zweiter Klasse, damit lässt sich prima Politik machen. Wir gegen die, mehr braucht es nicht, um in die Schlagzeilen zu kommen. Christian Hirte, der Ostbeauftragte der Bundesregierung, macht damit ebenso Politik wie Bodo Ramelow, Thüringens linker Ministerpräsident. Aber was heißt das? Gelten für Ostdeutsche andere Gesetze als für Westdeutsche? Dürfen sie nicht wählen, sich frei bewegen, demonstrieren, ihre Meinung äußern?

Es geht einfach nur ums Geld

Nein, denn darum geht es nicht. Es geht nicht um Demokratie und Freiheit, um lang erkämpfte und von vielen Ostdeutschen über die Jahrzehnte bis zum Fall der Mauer geforderte Rechte, nein, es geht einfach nur ums Geld.

Ostdeutsche verdienen weniger, die Arbeitslosigkeit ist in vielen Regionen höher als im Westen, die Rentenangleichung lässt auf sich warten. Aber macht das den Ostdeutschen zum "Bürger zweiter Klasse"? Nein! Und das sollte jeder, der politische Verantwortung trägt, auch klar und deutlich zum Ausdruck bringen.

Auch im Westen gibt es Einkommensunterschiede, Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und geringer Perspektive. Doch mit der Frage, ob man Bürger erster oder zweiter Klasse ist, hat all das nichts zu tun. Der Bürger bemisst sich allein an seinen Rechten und Pflichten gegenüber dem Staat, dem Gemeinwesen. Doch genau das haben schon 1990 viele Ostdeutsche nicht verstanden, als Hunderttausende die schnelle Einheit mit dem Schlachtruf: "Kommt die D-Mark, bleiben wir. Kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr" einforderten.

Falsche Einheit der angeblich Benachteiligten

Der kardinale Irrtum dahinter war und ist es bis heute, dass ein deutscher Bürger per se Anspruch auf Wohlstand hat. 28 Jahre nach der Einheit ist es Zeit, sich ehrlich zu machen, statt mit populistischen Forderungen auf Stimmenfang zu gehen und eine falsche, verlogene Einheit der angeblich benachteiligten Ostdeutschen als immerwährende Opfer zu beschwören. Wer dies nicht deutlich macht, der muss sich nicht wundern, wenn immer mehr Bürger in einfachen Wahrheiten ihr Heil sehen. Für einen Ostdeutschen wie mich ist das umso erschreckender, weil selbst die, die es besser wissen müssten, so den rechten wie linken Populisten Auftrieb geben, ohne sich dessen anscheinend bewusst zu sein.

Beitrag von René Althammer

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Da sind Sie aber noch nicht viel im.Westen gesessen. Auch dort gibt es in den Dörfern keine Läden oder Internet.
    Und "wir"Wessis haben auch Ihnen nix weggenommen, bei mir ist jedenfalls nix angekommen. Im Gegenteil, Steuer- und Sozialabgabenerhöhung Solidaritätszuschlag.....
    Bis heute sich als Opfer darstellen ist natürlich einfach.

  2. 11.

    So, so..die Ossis sind also die geldgierigen, neidischen, selbsternannten und vor allen Dingen immerwährenden Opfer. Gut, dass ich da mal aufgeschlaut werde. Ein Körnchen Wahrheit ist da wohl bei. Aber keine Angst, auch die Westdeutschen Mitbürger können da ein Liedchen von singen. Ich arbeite in einem Westdeutschen Grossunternehmen. Der beste Arbeitgeber, den ich mir vorstellen kann. Die Kollegen super...ja, bis zu dem Moment, wo du als ostdeutsche Frau in eine Gehaltsgruppe höher eingestuft wirst. Dann kommen sie aus den Löchern, neidische, missgünstige Jammerlappen. Das hat sich alles wieder beruhigt und wir sind zur Tagesordnung übergegangen. Ich will damit nur sagen, es kommt nicht auf die Himmelsrichtung an, sondern die Umstände. Wir waren zu euphorisch, haben uns auch viel Blödsinn erzählen lassen Anfang der Neunziger. Das kann man doch keinem verdenken. Wir hatten keine wirkliche Chance auf Mitbestimmung, noch nie. Mir geht es wirklich fantastisch und ich glaube, mich hat noch nie jemand jammern hören. Ich denke nur, dass man schon etwas tiefer gehen muss, als es in diesem "Beitrag" der Fall ist.

  3. 10.

    Es war schon immer Ausdruck fehlender oder unvermögender Phantasie, sich nicht vorstellen zu können, dass der andere sehr viele andere Vorstellungen von Zusammenleben hat als man selbst. Was die so bezeichnete deutsche Einheit angeht, betrifft dies die Unterschiedlichkeit im Ver-, treffender wohl Absicherungswesen und der Tatsache, Dinge schon im frühen Stadium per Rechtsanwalt zu regeln. Ansonsten Menschen sich eben Naivität vorwerfen lassen müssen.

    Ich glaube, genau dadurch ist vielen Ostdeutschen das Leben im gewohnten Umfeld fremd geworden. Die Farbe an den Häusern nach Jz. des Verfalls haben die Städte ästhetisch zur Blüte gebracht und das ist Grund zum Jubeln. Das Dahinterliegende keineswegs.

    Die Chance des GEGENSEITIGEN Lernens abseits der Bevormundung einer staatstragenden Partei ist 1990 versiebt worden.

  4. 9.

    Der Osten hat durch den Mauerfall einen Wirtschaftaufschwung für den Westen ermöglicht, und was ist der Dank?
    Wie hat Honecker gesagt "... uns vor Banditen und Räubern zu schützen", jetzt geht mir ein Licht auf, Umtauschprämie für Dieselfahrzeuge wäre so ein Fall. Wir werden gezwungen uns enteignen zu lassen.
    Weshalb wir Ossis jammern ist klar, wir haben den Vorteil und haben beide Staaten kennengelernt.
    Die DDR, einen armen sozialen Wir-Staat mit Ostgeld und höherer Kaufkraft.
    Und nun einen Bananen-Staat, in dem jeder die Schale über die Schulter wirft, damit der nächste ausrutscht und einer harten Währung die nichts wert ist außer dem Metall.
    Jetzt rechnen Sie den Kurs Ostmark in Westmark in Euro.
    Die Miete zu DDR-Zeiten kam Altbau 35 Mark oder 97,50 Mark Neubau bei 700 Mark Einkommen. Also warum sollte der Ossi nicht heutzutage jammern??? Reisen oder Miete...

  5. 8.

    ...wer schreibt denn so was zum Feiertag, der wohl eher dem westlichen Teil gebührt . Genau diese Ansichten vom blöden Ossi sind das Problem, Besatzermentalität.

  6. 7.

    Gequirlter Schwachsinn, den der Autor da von sich gibt. Es geht um Geld, aber nicht nur allein. Es sind die Verletzungeb ( wie dieser ahnungslose Beitrag), die entwerteten Biographien durch den Deindustrialisierungs-Treuhandwahnqsinn, der bis heute nachwirkt, der gezielte Elitenwechsel an den Unversitäten und Hochschulen usw. usf. Der Typ weiß nicht, dass er wieder nur Westklschees kolportiert.

  7. 6.

    Es gibt Unterschiede in Bezahlung und Wohlstand zwischen Männern und Frauen, zwischen Stadt und Land, zwischen Öffentlichem Dienst und freier Wirtschaft. Wären Männer bereit, in den Pflegedienst zu gehen, Haare zu scheniden etc., wären diese Berufe besser bezahlt. Freiberufler zahlen 60 Prozent ihres Verdienstes an Steuern und Versicherungen, tragen alle Sozialversicherungsbeiträge selbst. Ist das ungerecht oder gerecht? Ist das sozial?
    Ich denke auch: Mit dem Reden vom "ostdeutschen Opfer" will diese und jene Partei Wählerstimmen fangen.

  8. 5.

    Alle Nörgler sollten sich an ihre Landesregierung wenden. Was hat in Brandenburg ein Woidke für mehr Wohlstand getan? Mindestlohn ist für diesen Herren schon Wohlstand. Bisher haben es Brandenburger noch gar nicht zur Kenntnis genommen. Wo Rot und Linke regieren herrscht grundsätzlich Armut und Perspekttivlosigkeit für fast alle. Wählen Sie die Zerstörer nicht und auch in Brandenburg geht es wieder aufwärts.

  9. 4.

    Ein wunderbarer Kommentar, Herr Althammer. Besser konnte ich es auch nicht erklären. Nur, eines fehlt: die Schlagworte "AfD", "Nazis", "Rechtsradikale", ...
    Ja, wir Ostler sind undankbar, haben kein Demokratieverständnis und meckern nur.
    Wie konnten wir auch so blöde sein und den Versprechungen von "blühenden Landschaften" Glauben schenken.
    Natürlich gehen die Menschen dahin, wo sie mehr verdienen, wo, so schnöde technische Errungenschaften wie das Internet funktionieren, wo nicht in den Dörfern die Läden schließen, Krankenhäuser in den Kreisstädten dicht machen und, und und, ....
    Ja, wir sind undankbar, aber auch von Euch enttäuscht, weil Ihr uns nicht nur alles weggenommen habt, sondern uns auch die Identität nehmt.
    Das es aber im Homeland NRW mehr Nazis, Naziübergriffe gibt, als alle zusammen im Osten, wird unterschlagen. Der doofe Ostler war's. Die Trumps und Putins der BRD.

  10. 3.

    Ich habe keine allumfassende Antwort. Ich teile vieles in dem Kommentar, aber eines nicht... Sozial heißt für mich, dass alle das Gleiche bekommen. Und dass das Jahrzehnte und länger dauert, dass man das umsetzt, spaltet eben nach wie vor.

  11. 2.

    Sehr treffender Kommentar. Ungerechtigkeit, wie Lohn und Rente, anprangern und immer wieder auf die Tagesordnung holen!Bei allem anderen,jammern einstellen.Denn auch in Bayern, NRW usw gibt es Abgehängte. Aber mittlerweile erzählen schon 16 jährige wie toll es "früher" war.....

  12. 1.

    Da macht es sich aber Herr Althammer sehr einfach. Selverständlich gibt es nach wie vor große Unterschiede zwischen Ost und West. Schauen sSie nur mal in die Chefatagen. Wo es irgend geht werden Leute außen alten Bundesländern eingeflogen. Auch wenn deren Qualifikation bzw. Eignung manchmal fragwürdig ist.

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