Michael Müller spricht in der Staatsoper beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
Video: rbb24 | 03.10.2018 | Mara Nolte | Bild: dpa/Michael Kappeler

Festakt zur Einheit in der Staatsoper - "Die Einheit muss erkämpft werden - jeden Tag"

Der 28. Tag der Deutschen Einheit ist am Mittwoch in Berlin gefeiert worden - mit einem Straßenfest am Brandenburger Tor, aber auch mit einem Festakt in der Staatsoper. Berlins Regierender Müller forderte dabei eine "wehrhafte Demokratie".

Zum Tag der Deutschen Einheit haben Politiker und Kirchenvertreter vor Populismus gewarnt und einen stärkeren gesellschaftlichen Dialog gefordert. 

Berlins Regierender Bürgermeister und Bundesratspräsident Michael Müller (SPD) warnte vor einem Erstarken des Rechtsradikalismus in Deutschland. In seiner Rede beim zentralen Festakt in der Berliner Staatsoper sagte Müller, Deutschland dürfe nicht zulassen, dass die Minderheit einer neuen Rechten die Deutungshoheit über das Errungene an sich reiße. 

Michael Müller (2.v.l.) und Kanzlerin Angela Merkel bei einem ökumenischen Gottesdienst am 3.10.2018 im Berliner Dom (Quelle: AP/Michael Sohn)
Müller und Merkel beim Gottesdienst im Berliner Dom | Bild: AP/Michael Sohn

"Wir alle wissen, dass noch Benachteiligungen da sind"

"Die Botschaft, die von den Jahren 1989/90 ausgeht, ist die, dass das Unvorstellbare gelingen kann, dass es sich lohnt, den Mut aufzubringen und gemeinsam für die Freiheit zu kämpfen", sagte Müller in seiner Rede. Der Bevölkerung in Ostdeutschland sprach er seinen Respekt aus, diese habe gerade nach dem harten Umbruch viel geleistet. "In dieser Zeit entstanden auch Wunden", räumte Müller ein. "Wir alle wissen, dass an vielen Stellen noch Benachteiligungen da sind."

Müller mahnte aber auch, das gemeinsam Erreichte - dass die Menschen heute in einer "vielfältigen und freien Gesellschaft" leben könnten - zu schätzen und sich aktiv dafür einzusetzen. Dass der Rechspopulismus immer mehr Raum einnehme, dürfe nicht so hingenommen werden. "Zu einer Demokratie gehört die kritische und offene Auseinandersetzung, gerade auch die Kritik an Politikern und Parteien. Aber in unserem Land muss niemand, um Kritik zu äußern, mit Rechtspopulisten oder Rechtsextremen mitlaufen", so Müller. "Wir wissen, dass Freiheit und Demokratie uns nicht geschenkt werden. Sie müssen erkämpft und verteidigt werden - jeden Tag, von uns allen."

Schäuble ruft zu mehr Gelassenheit auf

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) rief hingegen zu mehr Gelassenheit auf. Heutzutage würden Konflikte oft negativ als Krise betrachtet, Debatten seien aber ein unabdingbarer Teil einer Demokratie. Es zeichne eine erfolgreiche Demokratie aus, Vielfalt und vielfältige Meinungen zuzulassen, sich aber dennoch am Ende auf eine gemeinsame Lösung zu einigen.

Allerdings dürfe niemand für sich beanspruchen, Sprachrohr des ganzen Volkes zu sein, so Schäuble. "Auch in Deutschland begegnet uns die populistische Anmaßung, wieder das 'Volk' in Stellung zu bringen, gegen politische Gegner, gegen vermeintliche und tatsächliche Minderheiten, gegen die vom Volk Gewählten."

Berliner Bischöfe mahnen auch soziale Einheit an

Die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit laufen in Berlin seit dem Morgen. Zum Auftakt trugen sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vertreter anderer Verfassungsorgane im Berliner Rathaus in das Goldene Buch der Stadt ein. Danach fand ein ökumenischer Gottesdienst im Berliner Dom statt.

Dabei fanden die beiden Berliner Bischöfe ernste Worte. "Eine Gesellschaft, die nicht lernfähig ist, erfriert und erstarrt", mahnte der katholische Erzbischof Heiner Koch. Lernfortschritte würden dabei oftmals angestoßen und begleitet durch Menschen und Gemeinschaften, die nicht zu den uns vertrauten Kreisen gehörten.

Der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge, warnte vor den "Fliehkräften, die unsere Gesellschaft auseinandertreiben" wollten. Einheit bedeute daher nicht nur die Einheit von Ost und West, sondern auch die soziale Einheit des Landes. 

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    "Die Einheit muss erkämpft werden - jeden Tag" - Leider! ... und mit welchem Einsatz?

  2. 16.

    Sehr guter und gelungener Kommentar, dem ich gerne zustimme! Vielen Dank für diese Worte! Möge der Ein oder Andere mal darüber nachdenken. Wo ist nur die politische Streitkultur geblieben, die zwar hart in den Argumenten, aber stets mit Achtung vor dem politischen Gegenüber geprägt war? Brüllen und diffamieren vertieft nur die Gräben.

  3. 15.

    Jetzt muß ich aber schmunzeln. Sie konnten sich in der ehemaligen DDR mehr kaufen? Waren Sie vielleicht einer dieser Nutznießer von Sondervergünstigungen und hatten das große Glück auch mal Bananen, Apfelsinen u.vor allem echten Kaffee zu erstehen? Kopfschüttel. Dann waren ja die vielen Pakete der „Wessis“ i.d.Osten ganz umsonst. Und was die Wohnsituation betrifft, na da habe ich aber was anderes gehört und gelesen. Viele Bürger mußten Jahrelang warten auf eine schöne neue bezahlbare Wohnung. Die meisten wohnten in heruntergekommmenen Mietshäusern. Siehe Prenzlauer Berg nach der Maueröffnung, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber herummeckern gehört leider noch heute zum Grundton von einigen aus dem Osten unserer Republik.

  4. 14.

    Wo habe ich von Ostdeutschen geschrieben? Aber wem der Schuh passt...

    Es wäre ja nicht das erste Mal dass die größten DDR Nostalgiker heute die AfD oder andere Rechtsextreme hier verteidigen. Wer schon mal Anhänger eines totalitären Systems war...

    Und wieso fordern eigentlich ausgerechnet diejenigen "Demokratie und Pluralität der Meinungen", die genau das am liebsten sofort abschaffen wollen?

  5. 13.

    "Nur mit Euch" . . . . darf ich an dieser Stelle mal die Frage in den Raum stellen, wer ist denn "EUCH"
    Euer ist nicht mein und schon befindet sich Frau Kanzlerin am Tag der deutschen Einheit, der wohl wichtigste Feiertag zu deutschen Landen, auf dem Weg nach Israel.
    Ich wiederhole deshalb noch einmal die Frage, Wer seid Ihr? und wer ist "Euch" in diesem Land, was meine Heimat ist?
    . . . . . Das "WIR" , es hat verwirkt , statt skandierter Grenzenlosigkeit, wachsen die Mauern - die Ideologischen Mauern, gefüttert von einer Politik, die keine Scheu mehr hat davor zu trennen, das "Wir" und das "Ihr" , das "Unser" und das "Euer" in aller Öffentlichkeit und das dann auch noch am Tag der Einheit als Losung zu propagieren.

  6. 12.

    Also ich habe von der Einheit nichts mitbekommen, oder was habe ich als arbeitende Bevölkerung erhalten?
    Weniger Lohn, zu DDR Zeiten konnte ich mir mehr kaufen, die Miete lag zwischen 1:20 und 1:10 des Einkommens.
    Heute 1:3 mindestens. Die Einheit war sinnlos.

  7. 11.

    Eine "wehrhafte Demokratie" mit Volksverdummung und Rattenfutter aus HartzIV?

  8. 10.

    Man kann die Ostdeutschen gerne als "rechts" verunglimpfen, aber wer einmal in einer Diktatur gelebt hat, ist sensibler für die Anzeichen von Veränderungen- z.B. Netzdurchsetzungsgesetz ala Maaß, biometrische Gesichtserkennungsprobeläufe, die Konzentration der Medienunternehmen in wenigen Händen, Pressekodex zur Nichtveröffentlichung der Nationalitäten von Tatverdächtigen...
    Wehret den Anfängen!
    Die Demokratie und Pluralität der Meinungen ist es wert, für sie zu streiten;-) Einen friedlichen Tag der Einheit uns allen!

  9. 8.

    ...und wieder einmal dient das Wort "Andersdenkender" als Feigenblatt für Rechtsextreme und Rechtextremisten.

    Wer die Demokratie in der BRD mit der Diktatur in der DDR vergleicht und noch dazu von "Gegenwind" faselt muß sich nicht wundern wenn sein Kommentar als das eingestuft wird was er ist. Rechte Hetze und Propaganda.

  10. 7.

    Müller: "Wir wissen, dass Freiheit und Demokratie uns nicht geschenkt werden. Sie müssen erkämpft und verteidigt werden - jeden Tag, von uns allen." —> Leider meint Herr Müller, stellvertretend für alle linksgrünen Parteien, angefangen bei der CDU unter Merkel, die Freiheit und Demokratie, wie er sie zur Umsetzung seiner linken Ideologie versteht. Er versteht darunter die Förderung des Speichelleckertums einerseits und Ausgrenzung Andersdenkender, die seinem „bunten“ Weltbild nicht folgen wollen, andererseits. DDR 2.0 also. Dann soll er mal kämpfen, der Herr Müller und seine Mitläufer. Er muss aber mit immer stärkerem Gegenwind von immer mehr Andersdenkenden rechnen. Das nämlich ist gerade Kernelement der Demokratie und nicht organisiertes Zujubeln zum „von oben“ vorgegebenen Weltbild. Das hatte ein Teil Deutschlands alles schon einmal und sehr viele Menschen wollen sich diesem linken Unfug nicht noch einmal beugen.

  11. 6.

    Und wieder antwortet SIE darauf, dass SIE auf keiner rosa Wolke sitzt, sondern nicht müde wird zu versuchen, wenigstens wenige Mitmenschen dazu zu bewegen, anzufangen sich besser und sozialkompetenter zu verhalten. So wie ich es auch versuche. Wenn Sie das bespötteln wollen müssen Sie das halt tun. Das ist mein Weg durch dieses derzeitige gesellschaftliche und politische Schlammassel. Das bedeutet nicht, dass ich die Realitäten verkenne oder unterschätze. Wenn es Ihr Weg ist aufzugeben und lieber schnöselig sich der Situation hinzugeben, tun Sie das. Ich käme nie auf die Idee das ins Lächerliche zu ziehen. Und keinem hat es bisher geschadet bei sich selber anzufangen, anstatt immer nur Andere zu kritisieren oder zu erwarten, dass sich etwas ändert.

  12. 4.

    Wenn die Einheit muss erkämpft werden soll, darf sich der Staat nicht aus dem Leben der Bürger verabschieden.

    Mangelnder bezahlbarer Wohnungsraum (Privatisierung, Airbnb), Ärztemangel (für gesetzlich Versicherte), Polizeimangel (Stellenabbau seit 90ern). Der Staat zieht sich auis dem Arbeitsmarkt durch Privatsierung, Einstellungsstopps, Budgetkürzungen zurück.

    Postbank, Post, Telekom, Strom und Energie wurden privatisiert, die Gewinne fliessen nun der Oberschicht zu und nicht dem Gemeinwesen. Der Bund macht vielleicht auf dem Papier ein paar Jahre Überschuss, aber da sind Bankenrettung, die Abermilliarden, die die EZB in den "Wertpapier"-Markt gepumpt hat nicht einkalkuliert. Die Kommunen sind hochverschuldet.
    Schliessung von Filialen auf dem Lande, Stilllegung von Bahnstrecken, explodierende Mieten, wachsender Niedriglohnsektor, alles Folgen des Privatisierungswahns.

    Der Frust staut sich auf, Menschen wenden sich der AfD zu.

  13. 3.

    Und noch immer sitzt sie, gänzlich realitätsfern, auf ihrem rosa Wölkchen. Begreifen Sie doch endlich, dass sich Geschichte nicht aufhalten lässt. Die Menschheit in ihrer simplen Dummheit hat sich schon in der Vergangenheit gern ihr eigenes Grab geschaufelt. Und so wird sich alles wiederholen.

  14. 2.

    Selten, aber diesmal kann ich dem Kommentar nur zustimmen: selten wurde das so auf den Punkt gebracht, dass es um Besinnung geht statt sich in Stellung zu bringen für oder gegen etwas oder jemanden. Einen schönen Tag ALLEN!

  15. 1.

    Und diese Information am heutigen "Einheits-Feiertag" sollte uns innehalten lassen. Deutsch-links gegen Deutsch-rechts, Inländer gegen Ausländer, Moslems gegen Juden, Antisemitismus und Rassismus aus allen Richtungen, Gewalt, Ausgrenzung, Intoleranz, Radfahrer gegen Autofahrer...mir persönlich ist das Feiern gründlich vergangen, weil ich den Tag zur Besinnung und Erholung nutzen möchte, weil es ja doch nicht danach aussieht, dass unser Land und unser Berlin zeitnah wird zur Ruhe kommen können. Mir ist es egal wer woher kommt, welchen Gott er verehrt (falls überhaupt), ob er arm, reich, gebildet oder eher bildungsfern ist, meine Ansprüche und Wünsche sind z.zt. ausschließlich, dass wir alle einen runter fahren und bei uns selber anfangen und uns alle höflicher und verständnisvoller im Alltag begegnen. Das wäre ein Anfang. Die Situation derzeit kann niemandem gefallen und muss jenseits von Politik und Glaubensrichtung besser werden, anstatt dass sich die Fronten weiter verhärten und unser Land daran kaputt geht. Romantisch und naiv? Mitnichten. Alles wäre möglich. Verzweifelt und besorgt? Extrem. Und das wohl zu Recht. Ich wünsche allen Menschen einen schönen Tag der deutschen Einheit.

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