Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, besucht anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit die Festmeile am Brandenburger Tor. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Audio: Inforadio | 02.10.2018 | Jan Menzel | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Fest zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin - Müller fordert mehr Anerkennung für Ostdeutsche

Mit Blick auf den Tag der Deutschen Einheit hat Berlins Regierungschef Michael Müller mehr Respekt vor der Lebensleistung Ostdeutscher angemahnt. Zum Start des Einheitsfestes in Berlin forderte Müller, die Löhne und das Rentenniveau endlich anzugleichen.

Der Osten Deutschlands hat nach Meinung von Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) mehr Anerkennung und Verständnis verdient.

Der amtierende Bundesratspräsident beklagte am Montag mit Blick auf den bevorstehenden Tag der Deutschen Einheit, viele Ostdeutsche nähmen fehlenden Respekt vor ihrer Lebensleistung und ihren Erfahrungen wahr. Gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West müssten das Ziel bleiben, so Müller. Dazu gehöre 28 Jahre nach der Wiedervereinigung auch, dass sich die Löhne und Gehälter anglichen und die Unterschiede bei der Rente abgeschafft würden.

Auch Woidke für "stärkere Sichtbarkeit"

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte "eine stärkere Sichtbarkeit und Wertschätzung der Ostdeutschen". "Fast drei Jahrzehnte nach der Einheit haben wir immer noch nicht volle Lohn- und Rentengleichheit erreicht", sagte er dem "Tagesspiegel" vom Dienstag. Der Osten leide nach wie vor unter strukturellen Defiziten.

"Aufgabe, Ost und West zu verbinden, ist nicht erledigt"

Ähnlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Antje Kapek: 28 Jahre nach der Wiedervereinigung gebe es "große soziale und ökonomische Ungerechtigkeiten" in Deutschland, schreibt Kapek in einem Papier zum Tag der Deutschen Einheit. "Die Aufgabe, Ost und West zu verbinden, ist nicht erledigt."

Statt blühender Landschaften gebe es strukturschwache Regionen, beklagt sie. Wo der Staat sich zunehmend aus der Verantwortung ziehe, schwäche er das Rückgrat der Demokratie: Es brauche funktionierende Kommunen mit Bibliotheken, Schwimmbädern, Grünflächen, Schulen und Kitas. "Ein Staat muss sich um Bürger*innen kümmern", betonte Kapek. Im Osten gebe es noch immer weniger Rente, Lohn und Sozialleistungen als im Westen. "Das sind Gräben, die wir füllen müssen, damit wirklich zusammenwächst, was zusammengehört."

Feier zum 28. Jahrestag in Berlin

In Berlin begannen unterdessen die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Zu dem dreitägigen Bürgerfest unter dem Motto "Nur mit Euch" werden zwischen Montag und Mittwoch rund um das Brandenburger Tor und den Deutschen Bundestag mehr als eine Million Besucher erwartet.

Spitzenvertreter von Bund und Ländern kommen am Mittwochvormittag zu einem ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom und einem anschließenden Festakt in der Staatsoper zusammen. Berlin hat in diesem Jahr die Bundesratspräsidentschaft inne und richtet deshalb die Einheitsfeierlichkeiten aus.

Besondere Attraktion ist in diesem Jahr das 2,5 Kilometer lange "Band der Einheit". Es zeigt in alphabetischer Reihenfolge die Ortsschilder aller 11.040 deutschen Städte und Gemeinden und führt quer durch das Berliner Festgelände.  

Karte: Hier finden die Feiern zum Tag der Deutschen Einheit 2018 in Berlin statt (Quelle: rbb/Lucas Baade)Das Bürgerfest findet rund um die Straße des 17. Juni in Berlin statt.

Sendung: Abendschau, 01.10.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Komisch, heute Vormittag standen zu diesem Quatsch mehr Kommentare. Das hat wohl der Redaktion nicht so gefallen oder sie bekamen einen Anruf aus der Senatskanzlei.
    Wenn Müller etwas sagt, dann soll das Volk voller Demut zuhören. Mich wundert es aber schon, dass das dem Müller erst 28 nach der Wiedervereinigung auffällt, dass die Ostler benachteiligt werden.
    Das mag er nicht sehen, wenn er mit seiner gepanzerten Limo durch die Gegend kutschiert wird.
    Ja, soweit weg ist die Politik von der Realität.

  2. 6.

    Der Herr Müller , der Heuchler, der muss das ja sagen.Immer druff uf de olle Kamellen.Das kommt bei vielen gut an, anstatt einmal differenziert sich zu äussern.Siehe Kommentar Rene Althammer in dieser Ausgabe.Welcher Partei sind Sie entwachsen und wie stark reflektieren Sie im Gesamtkonsenz.

  3. 5.

    Und ich fordere den Rücktritt von Herrn Müller, der nur Bürgermeister wurde weil kein anderer da war.

  4. 4.

    Bürgermeister Müller hätte mit sich genügend zu tun. Aber im anderen Ratschläge geben. Typisch SPD IM eigenen Laden nur Schitte produzieren. Die Berliner Regierung ist eines der besten der Welt. Müller, die Grünen und die Linken müssen auf jeden Fall verschwinden.1

  5. 3.

    Ich denke, wichtiger als die Verkündigung eines (neuen) Inhalts, ist die Glaubwürdigkeit des eingetretenen Meinungswandels, der eben dazu führte. Davon aber, d. h. von einem wirklich glaubwürdigen Meinungswandel, kann ich nichts erkennen. Die nach wie vor existierende Ungleichheit - ungleiche Löhne für gleiche Arbeit - haben all jene zu verantworten, die die Regierungsgeschäfte sowohl im Bund als auch im Land Berlin maßgeblich geführt haben. Wenn ein Kollege, der aus dem früheren Spandauer Betriebsteil kommt, neben einem Hennigsdorfer Kollegen an der gleichen Maschine arbeitet und der Erstgenannte bekommt West-, der Zweitgenannte Ostlohn, ist die Paradoxie komplett.



  6. 2.

    Herr Müller, dann fangen Sie doch in Berlin an und gleichen das Besoldungsniveau der Feuerwehr und Polizei an das des Bundes an. Reden kann jeder; machen, einfach nur machen, Herr Müller.

  7. 1.

    Ausgerechnet Mitglieder der HartzIV-Partei fordern Lohn- und Rentengerechtigkeit.

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