Die Digitalkonferenz Re:publica am 06.05.2019 (Bild: imago)
Audio: Inforadio | 08.05.2019 | Martin Adam | Bild: imago

Netzaktivitäten auf der re:publica - Mode, Beautytipps, Europawahl

Interesse für Europapolitik wecken, Wahl-Manipulationen aufdecken: Auch auf der Digitalkonferenz re:publica in Berlin war die anstehende Europawahl Thema. Martin Adam hat ungewöhnliche Formate in der Netzwelt entdeckt.

Diana zur Löwen räkelt sich am Pool, sie probiert eine neue Creme oder trägt fotogen ein schickes Sommerkleid. Und dann präsentiert sich Diana zur Löwen ihren 743.000  Followern bei Instagram im Europapullover, gelbe Sterne auf blau. Sie hat ein Quiz zur Europawahl im Angebot. Diana zur Löwen ist Influencerin. Mode und Beauty, sagt sie, sind ihre Themen - und jetzt eben auch Europapolitik. Sie habe sich vorgenommen, sich nicht nur privat mit Politik auseinanderzusetzen. "Ich habe für mich gemerkt, dass ich selbst in so einer kleinen Social-Media-Bubble gelebt habe und irgendwie gar nicht wusste, was in der Welt vor sich geht", sagt sie. Auf der re:publica in Berlin zeigt sie, dass sich auch vermeintlich Kompliziertes wie die Europawahl über Instagram und Youtube transportieren lässt. Sie nimmt ihre Follower einfach mit, während sie sich selbst informiert. "Gerade durch mich als Person, die das Ganze aus ihrer persönlichen Sicht erzählt, wird das Ganze oftmals greifbarer, als wenn das irgendein Nachrichtendienstleister adressiert", so die Influencerin.

Europaweit diskutieren

Dafür hat die 23-Jährige eine komplette Marketingstrategie entwickelt. Jede Plattform wird nach ihrer jeweiligen Logik bedient: nicht zu viel Inhalt auf einmal, Vorwissen wird nicht vorausgesetzt - und ihre Follower folgen. Bringt Diana Europa zur Sprache, dann wird Europa interessant. All das richtet sich aber vor allem an ein deutschsprachiges Publikum.

Gut, aber nicht genug, sagt Malte Steuber, Bundesvorsitzender der Jungen Europäischen Föderalisten. "Die europäische Demokratie ist bedroht, weil sie einen Fehler in der Struktur hat: Europäische Entscheidungen werden auf europäischer Ebene getroffen, aber national diskutiert."

Dieses Problem sei lösbar, sagt Malte Steuber auf der re:publica, denn zum Glück gebe es das Internet. "Talking Europe.com" heißt sein Projekt: eine Website über die sich europaweit diskutieren lässt. Fünf kurze Fragen beantworten und man bekommt einen Chatpartner zugelost, der möglichst anderer Meinung ist. Diskutiert wird in der eigenen Sprache, die Software übersetzt simultan, sagt Steuber. "Stellt euch vor, ihr sitzt in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit und diskutiert mit einem Menschen in Portugal über die Wahlen in Spanien - in eurer eigenen Sprache, auf dem Smartphone".

Deutsche Parteien bei Micro-Targeting intransparent

Apropos Smartphone: Es kann ein Tor zum digitalen Europa sein, aber auch Einfallstor für Manipulationen vor den Wahlen. Daten sammeln, Wählerprofile anlegen, bevor gezielt angesprochen wird: Das Micro-Targeting, das mit dem US-Präsidentschaftswahlkampf bekannt wurde, findet auch in der EU statt, sagt Ingo Dachwitz von Netzpolitik.org. "Das birgt zumindest die Gefahr, dass Kandidatinnen und Kandidaten unterschiedlichen Leuten eben genau das versprechen, was sie hören wollen", erklärt Dachwitz. "Da, würde ich sagen, ist schon eine Grenze überschritten. Das ist eben eine datenbasierte Manipulation."

Wie weit das geht, ist nicht bekannt, denn gerade die deutschen Parteien sind demnach beim Micro-Targeting höchst intransparent. Die Spanien-Wahl allerdings habe vor Kurzem gezeigt, dass sich Wähler nicht ganz so leicht täuschen lassen: Trotz massiver Fake-Kampagnen gegen die Sozialdemokraten hatten diese die Wahl trotzdem gewonnen. Ingo Dachwitz sagt, er vertraue trotz Micro-Targeting auf die Widerstandsfähigkeit der europäischen Demokratie.

Beitrag von Martin Adam

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